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Masern – Sehr ansteckende Infektionskrankheit

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Autor

Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Masern gehören ebenso wie Windpocken zu den klassischen Kinderkrankheiten. Sie sind eine sehr ansteckende Infektionskrankheit und werden durch das Masernvirus Briarcus morbillorum ausgelöst. Anders als oftmals angenommen handelt es sich bei den Masern keineswegs um eine harmlose Erkrankung. Ganz im Gegenteil kann diese zu teils sehr gefährlichen Komplikationen wie etwa einer Entzündung der Lungen und des Gehirns führen.

Ein Vater cremt sein krankes Kind ein


Die Masernerkrankung ist eine Virusinfektion, die sehr ansteckend ist. Meist genügt bereits ein kurzer Kontakt mit einem Masernpatienten, um die Erkrankung zu übertragen.
Die charakteristischen Symptome sind Beschwerden in den oberen Atemwegen und ein Hautausschlag.
Mitunter verläuft die Infektion auch „still“, das heißt ohne Symptome. Nach dem Neugeborenenalter ist das allerdings extrem selten der Fall.

Wie oft kommen Masern vor?

Seit der Einführung der Masernschutzimpfung im Jahr 1963 ist die Zahl der gemeldeten Fälle in Deutschland erheblich zurückgegangen. Mittlerweile werden jährlich unter 2.000 Erkrankungsfälle gemeldet. Nach Meinung von Experten gibt es allerdings eine hohe Dunkelziffer.
Regional kommt es auch immer wieder zu zeitlich begrenzten Masernausbrüchen.

Masernimpfung: eine Erfolgsgeschichte
Der Kampf gegen die Masern gehört ebenso wie die Eindämmung anderer Krankheiten, die durch Impfungen zu verhindern sind, zu den größten Erfolgen der Medizin. Denn bevor die Masernimpfung im Jahr 1963 eingeführt wurde, forderte diese Erkrankung jährlich etwa 2,6 Millionen Todesopfer weltweit. Heute sind es dagegen noch circa 100.000 – wohl auch dadurch bedingt, dass nunmehr 85 Prozent der einjährigen Kinder rund um den Globus einen Impfschutz gegen Masern besitzen.

Welche Ursachen haben Masern?

Das Masernvirus (Briarcus morbillorum) ist ein so genanntes RNA-Virus. Das bedeutet, dass sein Erbgut aus Ribonukleinsäure, kurz RNA, besteht. Der einzige Wirt dieses Virus ist der Mensch. Tiere können also nicht damit angesteckt werden.
Masernviren befallen bevorzugt die Zellen des Immun- und Nervensystems. Sie sind empfindlich gegenüber Licht, Wärme, fettlösenden Substanzen und Desinfektionsmitteln.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Masernviren werden über Tröpfchen in der Atemluft übertragen; es handelt sich also um eine sogenannte Tröpfcheninfektion. Dabei wird keimhaltiges Sekret beim Sprechen, Niesen oder Husten eines Infizierten von einem gesunden Menschen eingeatmet und gelangt über dessen obere Atemwege beziehungsweise über die Bindehaut der Augen in den Blutkreislauf.
Darüber hinaus ist auch der direkte Kontakt mit infektiösem Sekret aus Rachen oder Nase ansteckend. Die Übertragung der Masernviren kann daher auch durch die gemeinsame Benutzung eines Glases mit dem Infizierten oder seines Bestecks erfolgen.

Hundertprozentig infektiös

In der Luft kann der Erreger bis zu zwei Stunden überleben. Eine Ansteckung mit Masernviren führt bei nahezu 100 Prozent der Kontaktpersonen zu einer Infektion, in über 95 Prozent der Fälle zum Krankheitsausbruch mit Symptomen.

Welche Symptome treten bei Masern auf?

Die Inkubationszeit – die Dauer, bis die Krankheit nach der Ansteckung mit den Viren ausbricht – beträgt normalerweise acht bis zehn Tage. Bis sich der für die Masern charakteristische Hautausschlag entwickelt, dauert es in der Regel ungefähr zwei Wochen; in Einzelfällen auch 21 Tage.
Bereits drei bis fünf Tage, bevor die typischen Flecken auftauchen, sowie bis zu vier Tage danach sind die Infizierten ansteckend.

Krankheitsverlauf

Die Masern-Erkrankung verläuft in zwei Stadien, dem Vorstadium und dem Hauptstadium.

Vorstadium

Im Vorstadium, also acht bis zehn Tage nach der Infektion, äußert sich die Infektion wie eine Erkältung mit Schnupfen, trockenem Husten, leichtem Fieber sowie einer Bindehautentzündung. Hinzu kommen meist Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Die Betroffenen sind darüber hinaus lichtempfindlich und haben ein aufgedunsenes Gesicht. Zudem bilden sich oftmals auf Höhe der Backenzähne kleine weiße Flecken (Koplik-Flecken) an der Wangenschleimhaut, die wie Kalkspritzer aussehen und von einem rötlichen Hof umgeben sind.
Gegen Ende dieses ersten Krankheitsstadiums, das drei bis fünf Tage dauert, geht das Fieber zurück.

Hauptstadium

Es folgt das Hauptstadium mit dem typischen rot-fleckigen Hautausschlag, dem sogenannten Exanthem. Dieser Begriff stammt vom griechischen Wort „exantheo“, zu Deutsch ich blühe auf, ab.
Das Exanthem beginnt meist hinter den Ohren und an der Halsseite. Die Flecken auf der Haut tauchen zunächst unregelmäßig auf und verschmelzen im weiteren Verlauf miteinander. Während sie im Gesicht verblassen, breiten sie sich über den gesamten Körper aus. Mitunter kommt es zu kleinen Hautblutungen. Auch das Fieber steigt in dieser Phase noch einmal an. Zudem schwellen manchmal auch die Lymphknoten am Hals an und es kommt zu Halsschmerzen.

Sobald das Fieber und der Hautausschlag zurückgehen, kann es zu einer kleieartigen Schuppung der Haut kommen. Allmählich erholt sich der Kranke, selbst wenn er anfänglich noch geschwächt und empfindlich gegenüber anderen Infektionen ist.
Wenn keine Komplikationen auftreten, erholt sich der Patient nach etwa zwei Wochen. Das Immunsystem kann aber noch für weitere sechs Wochen geschwächt sein.

Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen

Bei Erwachsenen verläuft eine Masernerkrankung oft schwerer als bei Kindern. So dauert es länger, bis sie sich von der Infektion wieder erholt haben. Zudem sind erwachsene Patienten anfälliger für Komplikationen.
Aber auch Kinder im Säuglingsalter und Personen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet, Komplikationen zu entwickeln. Vor allem Lungen- und Mittelohrentzündungen sowie Hirnentzündungen treten häufig auf.

Mögliche Folgeerkrankungen

Masern sind keineswegs „nur“ eine harmlose Kinderkrankheit, denn im Zuge einer Masernerkrankung können lebensbedrohliche Folgeerkrankungen auftreten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO starben im Jahr 2013 weltweit an Masern mehr als 145.000 Menschen – vor allem in den Entwicklungsländern.

Bakterielle Infektionen

Die Infektion mit den Masernviren schwächt für etwa sechs Wochen das Immunsystem des Patienten. Dies begünstigt die Erkrankung an bakteriellen Infektionen; beispielsweise eine Lungenentzündung, Bronchitis oder Mittelohrentzündung. Ebenso kann es zu infektiös bedingtem Durchfall kommen.

Akute Entzündung des Gehirns

Bestehen drei bis neun Tage nach dem Auftreten des charakteristischen Hautausschlages starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen, hat die Maserninfektion zu der gefürchteten Entzündung des Gehirns geführt.

Diese postinfektiöse Enzephalitis entwickelt sich bei einem von 1.000 Masernpatienten. Zehn bis 20 Prozent der Betroffenen versterben daran. Weitere 20 bis 30 Prozent tragen bleibende Schäden des zentralen Nervensystems davon, wie etwa Lähmungen oder Sprachstörungen.

Toxische Masern

Eine weitere gefürchtete Folge sind die sogenannten toxischen Masern. Hierbei kommt es zu blutendem Ausschlag, Schleimhautblutungen, lang andauerndem hohen Fieber sowie Krämpfen. Diese Masernform tritt zwar sehr selten auf, endet aber oftmals tödlich. Daran erkranken können hauptsächlich Personen mit einem geschwächten Abwehrsystem.

Tödliche Spätkomplikation

Ganz selten stellt sich durchschnittlich sechs bis acht Jahre nach der Maserninfektion als Spätkomplikation ebenfalls eine Hirnentzündung ein: die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE).
Sie beginnt mit Verhaltensänderungen und führt im weiteren Verlauf zu neurologischen Störungen wie Muskelzuckungen, Krämpfen und Nervenausfällen. Im Endstadium wird dann das Gehirn zerstört. Entsprechend endet eine SSPE immer tödlich.

Wie werden Masern diagnostiziert?

Die Diagnose lässt sich in aller Regel bereits anhand des äußeren Erscheinungsbildes des Patienten, der typischen Symptome und des Krankheitsverlaufs stellen.
Da diese Beschwerden jenen von Röteln und Scharlach ähneln, erfolgt zur Absicherung der Diagnose eine Blutuntersuchung. Finden sich virusspezifische IgM-Antikörper im Blut, ist dies ein klares Indiz für eine frische Infektion mit Masernviren. Zudem findet sich bei Masernpatienten virales Erbgut (Masernvirus-RNA) im Blut.
Tritt zusätzlich die gefährliche Entzündung des Gehirns auf, kann das Masernvirus mittels der Entnahme von Flüssigkeit aus dem Rückenmark im Zuge der Lumbalpunktion nachgewiesen werden.

Strikte Meldepflicht
Jede Masernerkrankung muss zwingend an das jeweils zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Auch der bloße Krankheitsverdacht ist meldepflichtig.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wie bei vielen anderen Infektionskrankheiten auch gibt es keine spezielle Behandlung gegen Masern.

Bettruhe, viel trinken

Es sollte immer Bettruhe eingehalten werden. Bei schmerzhaften Augenentzündungen kann ein abgedunkeltes Zimmer angenehm sein. Auch die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit ist wichtig, vor allem wenn der Patient Fieber hat.

Fieber senken, Hustenreiz stillen

Je nachdem, wie stark die Beschwerden sind, können fiebersenkende Maßnahmen wie kalte Wadenwickel und Fieberzäpfchen hilfreich sein.
Zudem empfiehlt sich die Einnahme hustenlösender Medikamente. Auf hustenreizhemmende (hustenstillende) Mittel sollte verzichtet werden. Denn der Schleim wird damit nicht ausgehustet, sodass sich Bakterien leichter ansiedeln und eine Lungenentzündung verursachen können.

Antibiotika

Sollte eine zusätzliche Infektion mit Bakterien auftreten, ist der Einsatz von Antibiotika ratsam.

Wichtig: Ausreichend schonen

Auch wenn das Fieber und der Ausschlag verschwunden sind, sollten sich die Genesenden noch schonen. Denn erst nach sechs Wochen sind die Abwehrkräfte wieder vollständig vorhanden und die Masernerkrankung ist überwunden.

Lebenslang geschützt
Wer schon einmal mit Masern infiziert war, ist in der Regel lebenslang immun gegen eine erneute Ansteckung mit den Masernviren. Ein Bluttest kann über den Immunstatus Auskunft geben. Mütter, die bereits an Masern erkrankt waren, geben den Schutz für die ersten fünf Lebensmonate an ihre Kinder weiter. Dies wird als Nestschutz bezeichnet.

Gibt es eine Impfung gegen Masern, mit der ich mich schützen kann?

Aufgrund der schwerwiegenden Komplikationen bei einer Infektion mit Masernviren ist eine Schutzimpfung empfehlenswert. Dies ist die bestmögliche Vorsorge gegen diese gefährliche Infektionserkrankung, denn sie macht den Körper immun gegen die Masernviren.

Masern-Impfpflicht

Am 01. März 2020 ist das Masernschutzgesetz in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz wurde eine Impfpflicht für Kinder und Erwachsene eingeführt. Lassen sich möglichst viele Menschen gegen Masern impfen, werden auch Menschen vor der extrem ansteckenden Infektionskrankheit geschützt, die sich nicht impfen lassen können. So schützt man sich und andere nicht nur vor der Infektion, sondern verhindert auch, an einer schweren Komplikation zu erkranken.

Eltern müssen deshalb nun vor der Aufnahme ihrer Kinder in die Kita oder Schule nachweisen, dass der Nachwuchs gegen Masern geimpft ist. Für Kinder, die bereits betreut werden oder schon in die Schule gehen, besteht die Möglichkeit, die Impfung bis zum 31. Juli 2021 nachzuholen. Für Erwachsene gilt die Impfpflicht, wenn sie nach 1970 geboren sind und in bestimmten Berufen arbeiten. Wer z.B. in der Kindertagespflege, in einer Schule, Ausbildungseinrichtung oder einem Krankenhaus tätig ist, ist verpflichtet, über den Impfausweis die Masern-Impfung nachzuweisen. Kinder erhalten mit zwei Impfungen einen ausreichenden Immunschutz. Erwachsene, die aus beruflichen Gründen eine Masern-Impfung benötigen, erhalten ebenfalls zwei Impfungen.

Aktuell sind in Deutschland nur Kombinationsimpfstoffe erhältlich. Diese schützen gegen Masern, Mumps und Röteln. Das Masernschutzgesetz sieht vor, dass auch eine Impfung mit Kombinationsimpfstoffen vorgenommen wird, da dadurch ein zusätzlicher Schutz gegen zwei weitere Erkrankungen besteht.

Wann und wie oft sollte man impfen?

Die Impfung erfolgt mit abgeschwächten Masernviren, also mit einem Lebendimpfstoff. Sie wird in der Regel, als sogenannte MMR-Impfung, in Kombination mit der Impfung gegen MumpsRöteln und Windpocken verabreicht und gut vertragen.

Kinder erhalten die erste Impfung normalerweise zwischen dem elften und 14. Lebensmonat. Eine zweite Impfung sollte zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat erfolgen. So sind die Kinder bis ins Erwachsenenalter vor der Erkrankung mit Masern geschützt.

Impfungen nachholen

Wurden die Impfungen bei Kindern nicht im vorgesehenen Zeitraum durchgeführt, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), diese unbedingt bis zum 18. Lebensjahr des Kindes nachzuholen.

Impfung für Erwachsene

Auch Erwachsene sollten sich gegen Masern impfen lassen, wenn sie nach 1970 geboren sind und nicht wissen, ob sie in der Kindheit an Masern erkrankt waren oder einen Impfschutz haben. Wie bei den Kindern erfolgt die Impfung in Kombination mit der Impfung gegen Mumps und Röteln.

Passive Impfung

Selbst bei einer nichtvorhandenen Immunität, also bei einem fehlenden Impfschutz gegen Masern, kann eine passive Impfung innerhalb von drei Tagen nach der Infektion die Krankheit verhindern oder abschwächen. Anders als bei der normalen Masernimpfung werden die Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das Masernvirus bei der passiven Impfung direkt gespritzt.

Die Kosten der Impfung gegen Masern übernimmt selbstverständlich Ihre Barmer.

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Webcode: s000553 Letzte Aktualisierung: 11.12.2019
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