Junge Menschen gehen eine Treppe hinauf
Gesellschaft

Was soll ich nach der Schule machen? Über Lebensentscheidungen nach der Schule

Lesedauer unter 4 Minuten

Redaktion

  • Sarah Meerhaus
  • Michèle Loetzner

So unfassbar lange hat man auf diesen Moment gewartet: Der erste schulfreie Morgen. Für immer. Freiheit. Freiheit! Freiheit!!! Mit Ausrufezeichen soll man ja sparsam umgehen, aber an diesem Morgen – so hast man sich das ausgemalt – ist man ein lebensgroßes Ausrufezeichen. Jetzt geht es los!

Aber warum fühlt sich das eigentlich so gar nicht frei an, sondern eher beängstigend? Und warum will man plötzlich lieber im Bett liegen bleiben und die Decke über den Kopf ziehen? Im Jahr 2019 gab es in Deutschland über 800.000 Absolventinnen und Absolventen allgemeinbildender Schulen, die alle uns bekannten Schulformen in Deutschland umfassen. Natürlich, hinter dieser Zahl verbergen sich junge Menschen, die schon als Kind davon träumten, einmal Astronautin oder Musicaldarsteller zu werden, und seitdem sämtliche Weichen in diese Richtung stellen. Doch für den Rest gilt, die eigene Zukunft zu gestalten. Und das ist gleichermaßen spannend, etwas mulmig, aber auch richtig großartig. Im Englischen nennt man diese Lebensphase „Coming of Age“, was nichts anderes bedeutet als Erwachsenwerden. Klingen tut es jedoch wie die Ankündigung einer lang ersehnten neuen Serienstaffel. Eine Analogie, die gar nicht so falsch ist. Denn „Coming of Age“, der Übergang vom Teenager zum jungen Erwachsenen, fühlt sich tatsächlich wie die ersten Seiten eines neuen Lebenskapitels an, dessen Handlungsstrang man nun selbst bestimmen darf.

Moment, „darf “? Es mag zynisch klingen, bei all dieser Aufregung um das Leben nach der Schule von „dürfen“ zu reden. Doch all jene, die sich in den nächsten Monaten an der berühmten Weggabelung des Lebens befinden, werden erkennen: Sie besteht heute aus weitaus mehr als nur links, rechts oder geradeaus. Heutige Möglichkeiten sind nicht (mehr) nur schwarz und weiß, Ausbildung, Studium oder Lehre an der Werkbank.

Durch die Erkenntnis, dass junge Menschen eher dazu geneigt sind, einer Berufung anstatt einem Beruf nachzugehen, mussten auch Ausbildungsstätten, Fachhochschulen und Universitäten kreativ und – manchmal sogar – mutig werden. Genauso kreativ und mutig wie die ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die sie mit ihrem Angebot begeistern wollen. Was das im Umkehrschluss bedeutet? Anstatt sich nach der Schule sofort in die Lehre, das Studium oder ein freiwilliges soziales Jahr zu stürzen, gibt es ein breit gefächertes Angebot, das entdeckt werden möchte: Viele wissen beispielsweise nicht, dass Fachhochschulen und Universitäten Schnupperkurse anbieten, um sich vorzustellen. Das Gleiche gilt für Ausbildungsbetriebe und diverse Berufsinformationszentren, die mit Tagen der offenen Tür jungen Erwachsenen eine Starthilfe für die ersten Schritte ins Leben bieten. Und hierbei ist es völlig legitim, sogar empfehlenswert, dass man sich Zeit zum Denken, zum Abwägen und Entscheiden nimmt.

Hilfreich für die Entscheidungsfindung ist, sich Fragen zu stellen, diese zu beantworten und anhand der Ergebnisse eine vorsichtige Richtung einzuschlagen. Das könnte zum Beispiel sein: Worin bin ich richtig gut? Was macht mir Spaß? Für welche Fähigkeit bekomme ich häufig Komplimente? Denn lernen und leben soll Spaß machen und die eigenen Neigungen ergänzen, sie aber nicht ersticken.

Ob Ausbildung oder Studium: Rückschläge sorgen für die besten Erfolgsgeschichten

Ob nun die große Karriere in der Physik, der Automobilindustrie, im Marketing oder als erste Geige in der Philharmonie wartet, kann niemand wirklich voraussagen. Aber: Es muss nicht immer der kürzeste Weg zwischen A und B sein – das Leben verläuft selten linear. Manchmal beginnt man etwas, hört wieder auf und fängt etwas Neues an. Ziele können sich ändern, Horizonte verschieben und Pläne über den Haufen geworfen werden. Oftmals lassen sich die wichtigsten Schlüsse aus dem ziehen, was man nicht machen möchte. Die Geschichte zeigt, dass selbst große Künstlerinnen und Künstler, Unternehmerinnen und Unternehmer, einfach alle mit fantastischen Visionen oft um ihre eigene Achse laufen und Rückschläge verkraften mussten, um dort anzukommen, wo sie ihr Potenzial entfalten konnten. Um einen ungefilterten Blick auf das eigene Leben zu erhalten, ist es ratsam, sich unverzerrt und unretuschiert mit seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen.

Das kann nach der Schule sein, manchmal aber auch erst während eines begonnenen Studiums. Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedlich viel Zeit.
Oftmals sind es genau diese Umwege, die anfangs von Eltern und Mentoren kritisch beäugt werden, auf denen man die schönsten Begegnungen erlebt. Und gar nicht selten ist es die Begegnung mit sich selbst.

Tipp: Alle Schülerinnen und Schüler im letzten Schuljahr finden Lern- und Lifehacks in unserem Newsletter.

Literatur und weiterführende Informationen

Nach oben