Eine Familie sitzt am Gartentisch und der Großvater macht Seifenblasen
CDR-Bericht

Ausgezeichnetes Engagement: Die Barmer Nachbarschaftshilfe gewinnt CDR-Award

Lesedauer weniger als 4 Min

Redaktion:

Jessica Braun

Qualitätssicherung:

Andreas Kiefer (Fachreferent für pflegende Angehörige, Barmer)

Über das Portal Nachbarschaftshilfe können sich Interessierte kostenlos und flexibel qualifizieren, um pflegende Personen im Alltag zu unterstützen. Für das Projekt wurde die Barmer nun mit einem Preis geehrt.

Kleine Tätigkeiten können viel Kraft kosten, wenn man pflegt: morgens die Brötchen holen etwa oder nachmittags eine Stunde spazieren gehen. Etwa 7,1 Millionen Menschen in Deutschland pflegen zu Hause Angehörige. Meist sind es Frauen, die diese Aufgabe übernehmen. Häufig haben sie noch weitere Verpflichtungen: einen Beruf oder Kinder, die ebenfalls Aufmerksamkeit brauchen. Um sie zu entlasten, gibt es die Nachbarschaftshilfe. Dabei übernehmen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer einfache Aufgaben, die im Alltag anfallen. Sie erledigen Einkäufe oder begleiten die pflegebedürftige Person zum Friseur oder zur Physiotherapie. In manchen Bundesländern lässt sich dieser Einsatz finanziell vergüten. Dafür müssen die Ehrenamtlichen jedoch bei der Pflegekasse gemeldet und anerkannt sein.

Seit knapp einem Jahr bietet die Barmer dafür den kostenlosen Onlinekurs Nachbarschaftshilfe an. Über das Portal können sich Interessierte unkompliziert für diese Tätigkeit qualifizieren. Diese Initiative der Barmer wurde nun mit dem Digital Responsibility-Award 2026 prämiert. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. ehrt damit jährlich drei Projekte aus dem deutschsprachigen Raum, die digitale Verantwortung in der Praxis sichtbar machen.

Warum der Preis auch eine Anerkennung für Pflegende ist

Für Andreas Kiefer, Mitinitiator des Projekts und Fachreferent für pflegende Angehörige bei der Barmer, hat diese Auszeichnung zweierlei Bedeutung: „Sie zeigt, dass unser Angebot gesehen wird, bringt aber indirekt auch eine Würdigung aller Beteiligten zum Ausdruck – sowohl der pflegenden Angehörigen als auch der Nachbarschaftshelferinnen und -helfer.“ Die Laudatio zur Preisverleihung habe unterstrichen, wie wichtig dieses niedrigschwellige Angebot sei. Nicht umsonst werden pflegende Angehörige auch als „der größte Pflegedienst des Landes“ bezeichnet. „Ihr Einsatz kann sie körperlich, mental, aber auch organisatorisch an ihre Grenzen bringen“, sagt Kiefer. „Mit unserem Onlinekurs haben wir eine Möglichkeit für niederschwellige Teilhabe geschaffen, die etwas Druck aus dem Pflegealltag nimmt.“

Andreas Kiefer

Andreas Kiefer ist Fachreferent im Team für pflegende Angehörige bei der Barmer

Für Freiwillige, die sich als Nachbarschaftshelfende registrieren wollen, ist es unter Umständen schwierig herauszufinden, welche Regeln im eigenen Bundesland gelten. „Deutschland ist in dieser Hinsicht ein Flickenteppich. Manche Länder verlangen aufwendige Kurse, in einzelnen gibt es das Modell Nachbarschaftshilfe gar nicht.“ Doch nur, wer anerkannt ist, darf über den sogenannten Entlastungsbetrag eine Aufwandsentschädigung erhalten. In der Regel bewegt sich dieser zwischen 5 bis 10 Euro pro Stunde. „Wenn Ehrenamtliche erst einen abendlichen Volkshochschulkurs besuchen müssen, um sich zu qualifizieren, erstickt das unter Umständen ihre Motivation“, so Kiefer.

Wie das Portal Nachbarschaftshilfe der Barmer bürokratische Hürden abbaut

Genau da setzt das Portal an: Interessierte finden hier den für ihr Bundesland passenden Kurs. Inhalt und Umfang entsprechen den landesspezifischen Verordnungen. Alle nötigen Formulare stehen zudem als Download bereit. Die Teilnahme kostet nichts und lässt sich zeitlich flexibel gestalten. Lernfortschritte speichert das Portal automatisch. Inhaltlich geht es um die Anforderungen für Nachbarschaftshelfende, aber auch darum, wie man angemessen mit Menschen mit Demenz oder Behinderungen umgeht oder im Notfall richtig reagiert. Wer alle Module erfolgreich absolviert und dann den Abschlusstest besteht, erhält das im jeweiligen Bundesland anerkannte Zertifikat. Für alle, die in ihrem Bundesland keine Qualifikation benötigen, sich aber dennoch zu Pflegethemen informieren möchten, bietet das Portal zudem einen bundeslandneutralen Kurs. „Unser Angebot steht allen Interessierten offen, unabhängig davon, wo sie krankenversichert sind“, so Andreas Kiefer.

Portrait Maria Hinz

Maria Hinz ist Digitalkoordinatorin bei der Barmer.

Und es wird gut angenommen: Seit dem Launch im März 2025 haben sich bereits rund 5.200 Nachbarschaftshelferinnen und -helfer erfolgreich über die Plattform qualifiziert. „Wir haben keine Werbung dafür geschaltet. Es hat sich einfach sehr schnell herumgesprochen.“ Für das dreiköpfige Kernteam um Andreas Kiefer, das die Plattform entwickelt hat, ist das eine tolle Bestätigung. Seit dem Start im März 2025 wächst das Angebot kontinuierlich: Gerade wurden mit Kursen für Brandenburg und Sachsen-Anhalt zwei weitere Bundesländer integriert. Damit ist deren Zahl auf acht gestiegen. Andreas Kiefer hofft, dass bald weitere folgen. „Je mehr Helfende wir qualifizieren, desto mehr Unterstützung ist für die Menschen da, die pflegen.“

 

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