Mit dem Innovationsportal hat die Barmer eine zentrale Anlaufstelle für Start-ups und Unternehmen, die innovative Lösungen anbieten, geschaffen. So werden aus klugen Entwicklungen schneller wirksame Versorgungs- und Präventionsangebote.
Innovative Gesundheitslösungen für morgen fördern: Ein Jahr Innovationsportal
Redaktion:
Jessica BraunQualitätssicherung:
Hanna Höfges (Referentin im Bereich Digitale Versorgung, Barmer)Das Gesundheitssystem braucht Innovationen, um zukunftsfähig zu bleiben. Manchmal ist es eine bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnis, aus der eine neue Therapieform entsteht. Oft sind es aber auch Start-ups, die mit schlauen Lösungen zu einer besseren Versorgung beitragen. Hanna Höfges arbeitet bei der Barmer als Referentin im Bereich Digitale Versorgung. Ihre Aufgabe ist es, genau solche innovativen Lösungen aufzuspüren. Zum Beispiel auf Events oder Messen. Seit etwa einem Jahr gibt es jedoch noch einen anderen Zugang: das Innovationsportal der Barmer.
So funktioniert die Zusammenarbeit der Barmer mit Start-ups
Das Portal funktioniert wie eine Art Innovations-Briefkasten: Start-ups, die mit der Krankenkasse zusammenarbeiten wollen, können hier ihre digitale Bewerbung „einwerfen“. Ihr Produkt kann zum Beispiel eine App sein, die Betroffenen hilft, besser mit ihrem Tinnitus umzugehen. Oder eine Webseite, die Frauen ihre Fragen rund um die Menopause beantwortet. Das Portal steht aber auch Anfragen offen, die sich nicht um digitale Angebote drehen, sagt Höfges: „Es können auch Konzepte für Präventionsprojekte eingereicht werden, zum Beispiel ein Ernährungsprogramm für Schulen. Oder Anträge für den Innovationsfonds des GB-A, bei dem es um neue Versorgungsformen und Versorgungsforschung geht.“
Seit dem Start im April 2025 erreichten die Barmer so rund 200 Anfragen. Das Portal sorge dafür, dass diese direkt bei den Zuständigen landen, so Höfges: „Zudem erhalten wir sie strukturiert, so dass wir von Anfang an alle für unsere Erstbewertung notwendigen Informationen parat haben.“ Die absolute Zahl der Einreichungen steige zwar nicht zwingend. Aber die Qualität werde höher. „Es erleichtert unsere Arbeit erheblich. Gleichzeitig ist der Weg zu einer möglichen Kooperation für die Einreichenden viel verständlicher geworden.“ Dabei hilft auch der von der Barmer entwickelte „Innovation Guide“. Dieser Leitfaden macht die rechtlichen Vorgaben transparent und zeigt Schritt für Schritt, wie ein Produkt „kassenfit“ wird.
Mit digitalen Lösungen Versorgung besser machen
Im Team Digitale Versorgung der Barmer liegt der Fokus auf rein digitalen oder hybriden Versorgungsangeboten, also Produkten, die digitale Elemente beinhalten, aber zum Beispiel auch eine Ärztin oder einen Arzt vor Ort miteinbeziehen. Derzeit bewerben sich vor allem Start-ups, die Lösungen aus den Bereichen Psyche, Frauengesundheit und Kardiologie entwickelt haben. „Die Unternehmen orientieren sich natürlich am Versorgungsbedarf – und gerade bei psychischen Erkrankungen ist dieser sehr hoch“, so Höfges. Bei Depressionen und Angststörungen etwa können geprüfte Apps laut einer Studie durchaus helfen, akute Symptome zu lindern . „Sie sind sehr nah an den Nutzerinnen und Nutzern dran“, sagt Höfges. „Und sie können in Echtzeit reagieren.“
Damit die Barmer eine digitale Anwendung in ihr Angebot aufnimmt, muss diese jedoch eine Reihe Anforderungen erfüllen. Eine wichtige Voraussetzung: Marktreife. Viele Start-ups befänden sich noch in einer frühen Entwicklungsphase, erhofften sich über das Innovationsportal aber finanzielle Förderung, so Höfges. Doch die Krankenkasse kann nur Anwendungen in ihr Angebot aufnehmen, die bereits verfügbar sind. Fehlen Wirksamkeitsnachweise, ist das ebenfalls ein Ausschlusskriterium. „Bei einem Produkt, das wir unseren Versicherten anbieten, muss der medizinische oder präventive Nutzen sichergestellt sein und es muss einen echten Mehrwert bringen.“
Ein strenger Prüfprozess für Apps
Ein weiterer Aspekt sind Zertifizierungen, bei Gesundheitskursen im Rahmen der Individualprävention beispielsweise die Zertifizierung der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP). Apps im Bereich der digitalen Versorgung benötigen meist die Zulassung als Medizinprodukt. Von den Innovationen, die der Barmer über das Portal vorgestellt werden, schaffen es derzeit etwa zehn Prozent durch den ersten Prüfprozess.
Lohnen kann sich die Bewerbung aber auch, wenn es vorerst nicht zur Zusammenarbeit kommt. „Wir versuchen nach Möglichkeit immer Feedback zu geben“, sagt Hanna Höfges. Entwickle ein Start-up sein Produkt weiter, sei eine spätere Kooperation durchaus denkbar. Wer den strengen Prüfprozess erfolgreich durchläuft, muss jedoch etwas Geduld mitbringen: Von der ersten positiven Bewertung bis zur Verfügbarkeit für Versicherte der Barmer vergehen oft mehrere Monate. Doch es lohnt sich. Denn jede erfolgreich über das Portal eingereichte und in der Prävention oder Versorgung etablierte App zahlt auf ein wichtiges Ziel der Krankenkasse ein: mehr gesunde Jahre für die Versicherten.
- Deutsches Ärzteblatt (Abruf vom 29.04.2026): E-Mental-Health: Apps wirken gegen Depressionen und Angststörungen
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