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Lipödem: Ursachen, Symptome und Behandlung

Lesedauer weniger als 9 Min
Redaktion:
Dr. rer. nat. Clara Neuhaus (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Dr. med. Carla Knobloch (Ärztin, Content Fleet GmbH)

Ein Lipödem ist eine chronische Erkrankung, bei der sich Fettzellen in der Unterhaut krankhaft vermehren. Typisch ist, dass vor allem Beine – seltener Arme – betroffen sind, während Hände, Füße und Oberkörper schlank bleiben. Zusätzlich kann vermehrt Flüssigkeit ins Gewebe gelangen, was zu Schwellungen, Schmerzen und einem Spannungsgefühl führt. Betroffen sind nahezu ausschließlich Frauen. 

Definition: Was ein Lipödem ausmacht

Der Begriff Lipödem basiert auf den griechischen Wörtern „lípos“ (Fett) und „oídēma“ (Geschwulst). An den von einem Lipödem betroffenen Körperstellen kommt es zu einer krankhaften Vermehrung von Fettzellen in der Unterhaut, im Unterschied zum klassischen Ödem, bei dem sich Flüssigkeit ansammelt. Zusätzlich steigt die Durchlässigkeit der Blutgefäße, sodass mehr Flüssigkeit aus den Gefäßen ins Gewebe strömt.

Gruppe von Frauen in Fitnesskleidung, die vor einem hellen, unscharfen Hintergrund zusammenstehen und lächeln

Die Ursachen des Lipödems sind unklar: Vermutlich spielen Gene und Hormone eine Rolle, betroffen sind fast nur Frauen.

Betroffen sind nahezu ausschließlich Frauen. In den meisten Fällen kommt es zu einer starken Fettvermehrung in den Beinen, seltener auch in den Armen. Im Vergleich zu anderen Körperregionen wirken die betroffenen Stellen dadurch deutlich kräftiger.

Wichtig zu wissen: Das Lipödem ist eine ernsthafte und schmerzhafte Erkrankung. Das krankhafte Fettgewebe lässt sich weder durch Sport noch durch eine Ernährungsumstellung beseitigen. Daher ist es sehr wichtig, frühzeitig mit einer entsprechenden Therapie zu beginnen.

Symptome: Wie lässt sich ein Lipödem erkennen?

Ein Lipödem entwickelt sich oft schleichend und ist nicht immer leicht zu erkennen. Typisch ist eine symmetrische Fettverteilung: beide Beine oder Arme sind betroffen. 

Infografik zu Lipödem-Symptomen mit markierten Beinen und Hinweisen auf Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Hämatome, Schwellungen und Fettvermehrung.

Anzeichen für ein Lipödem sind unter anderem Schmerzen, erhöhte Druckempfindlichkeit, blaue Flecken und vermehrtes Fettgewebe an den Beinen.

Häufige Anzeichen:

  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit
  • Schweregefühl in den betroffenen Körperregionen
  • Schwellungen und Wassereinlagerungen
  • Erhöhte Neigung zu blauen Flecken
  • Sichtbare Fettvermehrung an Beinen oder Armen

Auffällig: Hände und Füße bleiben meist schlank und wirken im Vergleich schmaler.

Weitere mögliche Beschwerden

Mit zunehmender Ausprägung können zusätzliche Probleme auftreten:

  • Gelenkbeschwerden durch erhöhtes Gewicht
  • Wunde Hautstellen durch Reibung
  • Eingeschränkter Gang und mögliche Fehlstellungen
  • Lymphödem, wenn Flüssigkeit nicht mehr richtig abfließt

Ursachen: Warum entsteht ein Lipödem?

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Mögliche Einflussfaktoren sind:

Auch hormonelle Verhütungsmittel können die Entstehung begünstigen. 

Wichtig: Ein Lipödem kann unabhängig vom Körpergewicht auftreten. Übergewicht kann den Verlauf jedoch verschlechtern.

Häufigkeit: Wie oft tritt das Lipödem auf?

Die Häufigkeit variiert je nach Studie. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 5 bis knapp 20 Prozent der Frauen betroffen sind.

Häufig wird etwa jede zehnte Frau genannt. Männer erkranken nur sehr selten – meist im Zusammenhang mit Hormonstörungen.
 

Ärztliche Hilfe: Wann ist ein Arztbesuch sinnvoll?

Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden, wenn:

  • Beine oder Arme dauerhaft schwer oder geschwollen sind
  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit auftreten
  • Häufig blaue Flecken entstehen
  • Deutliche Proportionsunterschiede am Körper auffallen

Frau untersucht ihr Bein

Lipödem-Verdacht: Bei Schwellungen, Schmerzen, häufigen Blutergüssen oder auffälligen Proportionen ärztlich abklären lassen.

Eine frühe Abklärung hilft, andere Erkrankungen auszuschließen und rechtzeitig mit einer Behandlung zu beginnen.
 

Diagnose: Wie wird Lipödem festgestellt?

Die Diagnose erfolgt durch auf Lipödem spezialisierte Fachärztinnen oder Fachärzte.

Typische Bestandteile der Untersuchung sind:

  • Ausführliches Gespräch (z. B. Beschwerden, Familiengeschichte)
  • Körperliche Untersuchung
  • Beurteilung der Fettverteilung
  • Drucktest (keine Delle nach Eindrücken der Haut)

Ziel ist vor allem, andere Erkrankungen wie ein Lymphödem auszuschließen.

Wichtig: Es gibt derzeit keine Laboruntersuchung, die ein Lipödem eindeutig nachweist. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall nutzen Fachleute lediglich zum Ausschluss anderer Erkrankungen.

Ein Lipödem sicher zu diagnostizieren, ist nicht immer einfach. Vor allem bei Frauen mit Übergewicht wird die Erkrankung nicht selten mit Adipositas verwechselt. Für eine sichere Diagnose müssen zudem andere Erkrankungen wie ein reines Lymphödem ausgeschlossen werden.

Verlauf: Wie entwickelt sich ein Lipödem?

Ein Lipödem ist chronisch und kann fortschreiten. Es kann jedoch auch über lange Zeit stabil bleiben. Entscheidend ist, dass die Therapie konsequent umgesetzt wird.

Therapie: Behandlung bei einem Lipödem

Ein Lipödem ist nach aktuellem Stand nicht heilbar. Aus diesem Grund soll die Therapie die Beschwerden lindern und einer Verschlechterung entgegenwirken. Dazu können verschiedene Methoden zum Einsatz kommen.

Kompressionstherapie

Bei einem Lipödem ist der Einsatz von Kompressionsmitteln, also sehr eng anliegenden Strümpfen oder Verbänden an den Armen und Beinen, die Standardtherapie. Der Druck von außen auf das Gewebe hilft dabei, Schmerzen zu lindern und mögliche Wassereinlagerungen zu reduzieren. Auch blaue Flecken lassen sich durch die Kompressionstherapie verringern.

Wichtig ist, dass das Kompressionsmittel von Expertinnen und Experten individuell angepasst wird. Unter Berücksichtigung von:

  • Alter
  • Hautzustand
  • Muskulatur
  • Bindegewebe
  • Form der Beine und Arme

Zusätzlich zu klassischen Kompressionsmitteln wie Strümpfen oder Strumpfhosen kann auch die sogenannte intermittierende pneumatische Kompression (IPK) zum Einsatz kommen. Hierfür werden spezielle Geräte verwendet, die gezielt in bestimmten Bereichen des Körpers Druck aufbauen. Das regt den Lymphfluss sowie die Durchblutung an. Nach einer fachlichen Einweisung können die Geräte auch zu Hause verwendet werden.

Auch die manuelle Lymphdrainage kann die herkömmliche Kompressionstherapie sinnvoll ergänzen. Bei dieser Methode wird der Lymphfluss durch spezielle Handgriffe angeregt. Dafür ausgebildete Physiotherapeutinnen und -therapeuten führen diese Behandlungen durch.

Anpassung des Lebensstils

Ein gesundes Körpergewicht und eine ausgewogene Ernährung sind für Menschen mit Lipödem besonders wichtig, denn ein gesunder Lebensstil kann einen Einfluss auf das Fortschreiten des Lipödems haben. Da kurzfristige, einseitige Diäten mehr schaden als nutzen und zu einem Verlust von Muskelmasse führen können, sollte eine Ernährungsumstellung immer durch Fachpersonal abgeklärt und begleitet werden. Ziel ist eine langfristige Umstellung auf eine gesunde Lebensweise. 

Erste Studien deuten darauf hin, dass zum Beispiel eine antientzündliche Ernährung, die Beschwerden reduzieren und die Lebensqualität steigern kann. Zur Bewegung empfehlen Fachleute besonders Sportarten wie Walken oder Wassergymnastik.

Psychotherapie

Neben den körperlichen Auswirkungen kann ein Lipödem auch die Psyche stark belasten. Studien zeigen, dass die Erkrankung mit Depressionen, Angststörungen und Essstörungen wie Bulimie einhergehen kann. Auch chronische Schmerzen hinterlassen oft seelische Spuren. Daher kann für viele Menschen mit Lipödem eine Psychotherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein.

Betroffene können sich zudem in Selbsthilfegruppen austauschen und ihre Erfahrungen mit anderen Menschen teilen.

Operation

Um das betroffene Fettgewebe zu entfernen, kann eine Fettabsaugung (Liposuktion) infrage kommen. Da die Schwere der Symptome nicht immer mit dem Stadium des Lipödems zusammenhängt, kann die Liposuktion in allen Stadien erwogen werden – insbesondere dann, wenn andere Therapiemaßnahmen nicht ausreichend wirken.

Für die operative Behandlung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die das krankhafte Fettgewebe möglichst schonend entfernen. In der Regel sind mehrere Eingriffe notwendig, bis alle betroffenen Körperstellen behandelt sind. Die Operation kann die Schmerzen oft dauerhaft lindern und die Lebensqualität deutlich verbessern. Diese Methode ist bislang die einzige Möglichkeit, das erkrankte Fettgewebe zu entfernen. 

Vorsorge: Lässt sich einem Lipödem vorbeugen?

Da die Ursachen für die Entstehung eines Lipödems noch nicht vollständig geklärt sind, lässt sich der Erkrankung kaum vorbeugen. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene einen Verdacht möglichst zeitnah in ihrer Hausarztpraxis besprechen und eine Fachpraxis aufsuchen, um mit einer entsprechenden Therapie einem weiteren Fortschreiten frühzeitig entgegenzuwirken.

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann ebenfalls dazu beitragen, eine Verschlechterung des Lipödems zu verhindern.
 

Fazit: Lipödem auf einen Blick

  • Symptome: Bei einem Lipödem führt die krankhafte Vermehrung von Fettzellen vor allem an den Beinen zu Schmerzen, blauen Flecken und Wassereinlagerungen. In fortgeschrittenen Stadien kann die Erkrankung zu wunden Stellen, Gelenkproblemen und einem Lymphödem führen.
  • Ursachen: Ein Lipödem betrifft fast ausschließlich Frauen. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen eine familiäre Veranlagung sowie hormonelle Veränderungen eine zentrale Rolle.
  • Verlauf: Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung und lässt sich nach aktuellem Stand nicht heilen. Mit einer konsequenten Therapie und Anpassungen des Lebensstils kann ein Fortschreiten jedoch verlangsamt oder aufgehalten werden.
  • Diagnose: Die Diagnose eines Lipödems wird in der Regel von einer auf Lipödem spezialisierten Fachpraxis anhand eines ausführlichen Gesprächs und einer körperlichen Untersuchung gestellt.
  • Therapie: Standardbehandlung beim Lipödem ist die Kompressionstherapie. Auch eine operative Fettabsaugung kann infrage kommen. Zudem spielen Anpassungen des Lebensstils und in manchen Fällen auch eine Psychotherapie eine wichtige Rolle.

Häufige Fragen und Antworten zum Lipödem

Beim Lipödem handelt es sich um eine chronische Erkrankung, bei der sich Fettzellen in der Unterhaut krankhaft vermehren. Gleichzeitig werden die Blutgefäße durchlässiger, wodurch mehr Flüssigkeit ins Gewebe gelangt. Meist sind die Beine betroffen, manchmal auch die Arme, während Hände, Füße und Oberkörper schlank bleiben. Fast ausschließlich Frauen erkranken an einem Lipödem. Weder Sport noch Diäten können das krankhafte Fettgewebe beseitigen.
Betroffene Körperstellen sind druckempfindlich und schmerzen häufig, auch ohne Berührung. Typisch sind außerdem Wassereinlagerungen, ein Schweregefühl sowie eine erhöhte Neigung zu blauen Flecken. Die Symptome treten immer symmetrisch auf beiden Körperseiten auf. In späteren Stadien können Gelenkbeschwerden, wunde Hautstellen durch Reibung und ein Lymphödem hinzukommen.
Die Erkrankung betrifft nahezu ausschließlich Frauen. In etwa 60 Prozent der Fälle sind mehrere Familienmitglieder betroffen, was auf eine genetische Veranlagung hindeutet. Häufig zeigen sich erste Anzeichen während hormoneller Umstellungsphasen wie Pubertät, Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Auch hormonelle Verhütungsmittel können die Entstehung begünstigen. 
Die Diagnosestellung erfolgt durch eine auf Lipödem spezialisierte Fachpraxismittels mittels eines ausführlichen Gesprächs und einer körperlichen Untersuchung. Dabei werden die Fettverteilung begutachtet, die betroffenen Stellen abgetastet und nach typischen Beschwerden sowie familiärer Häufung gefragt. Gegebenenfalls werden weitere Untersuchungen durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen, wie zum Beispiel ein Krampfaderleiden mithilfe eines Ultraschalls. 
Eine Heilung ist nach heutigem Wissensstand nicht möglich und vorbeugende Maßnahmen gibt es kaum, da die genauen Ursachen noch ungeklärt sind. Allerdings kann eine konsequente Therapie kombiniert mit einem gesunden Lebensstil das Fortschreiten verlangsamen oder sogar aufhalten. Wichtig ist, bei Verdacht frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen und mit einer entsprechenden Behandlung zu beginnen. 
Bei ärztlicher Verordnung übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten für Kompressionsstrümpfe und Ernährungsberatung. Ab 2026 steht die Operation zur Fettabsaugung Lipödem-Betroffenen in allen Stadien als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung. 

Weiterführende Informationen

Literatur

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