Cortisol senken: Ein Mann und eine Frau meditieren, um Stress abzubauen
Hormone

Cortisol senken: Was wirklich hinter Schlafproblemen, Bauchfett und Co. steckt

Lesedauer weniger als 6 Min
Redaktion:
Ulrike Schnyder (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Dr. rer. nat. Clara Neuhaus (Molekularbiologin, Content Fleet GmbH)

Cortisol senken: Der Quick-Check

Karussell mit 3 Elementen
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Nicht alles liegt an Cortisol

TikTok macht Cortisol oft für Bauchfett, Schlafprobleme oder ein rundes Gesicht verantwortlich. So einfach ist es meist nicht.
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Cortisol ist nicht grundsätzlich schlecht

Das Hormon hilft deinem Körper, in stressigen Situationen Energie bereitzustellen und Herausforderungen zu meistern. 
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Stress reduzieren kann helfen

Ausreichend Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte und Entspannung können dabei unterstützen, einen dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel zu senken.

Du liegst nachts wach, fühlst dich ständig gestresst oder fragst dich, warum die letzten Kilos trotz Sport und gesunder Ernährung einfach nicht verschwinden? Auf TikTok, Instagram und Co. gibt es dafür oft einen angeblichen Schuldigen: Cortisol. Doch wie viel Wahrheit steckt dahinter?

Was ist Cortisol?

Cortisol ist ein wichtiges körpereigenes Hormon. Zusammen mit Adrenalin und Noradrenalin gehört es zu den sogenannten Stresshormonen.

Gerät der Körper unter körperlichen oder psychischen Stress, steigt die Cortisol-Ausschüttung. Das passiert zum Beispiel, wenn plötzlich Gefahr droht oder wenn eine besonders belastende Situation bewältigt werden muss.

Das Hormon sorgt dafür, dass schnell Energie bereitgestellt wird. Gleichzeitig wirkt Cortisol an vielen Stellen im Körper.

Es:

  • hemmt Entzündungen,
  • erhöht den Blutzuckerspiegel und die Verfügbarkeit von Zucker im Gehirn,
  • beeinflusst den Fettstoffwechsel sowie den Stoffwechsel von Kohlenhydraten und Proteinen,
  • erhöht den Blutdruck,
  • beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Kurz gesagt: Cortisol ist kein „böses Hormon“, sondern erfüllt wichtige Aufgaben im Körper.

Video: Was macht Cortisol mit unserem Körper?

Barmer Doc Sebastian erklärt, wie Cortisol uns hilft und wann wir etwas gegen Dauerstress tun sollten. Mehr Videos mit Sebastian gibt’s in unserer Playlist auf YouTube.

Cortisol senken: Was hilft wirklich?

Ist der Cortisolspiegel leicht erhöht, hängt das häufig mit Stress zusammen. Deshalb ist Stressabbau oft der wichtigste Ansatz.

Stress lässt sich nicht komplett vermeiden. Es ist aber möglich, besser mit Belastungen umzugehen.

Soziale Kontakte pflegen

Zeit mit Menschen zu verbringen, die dir guttun und dich zum Lachen bringen, kann helfen, Stress zu reduzieren. Auch Hobbys können einen positiven Effekt haben.

Entspannungsmethoden nutzen

Yoga, Tai-Chi und andere Entspannungsverfahren unterstützen die Körperwahrnehmung und können helfen, stressresistenter zu werden.

Ausgewogen essen

Abwechslungsreiche Mahlzeiten mit viel frischem Gemüse tun dem Körper gut. Außerdem kann es sinnvoll sein, nicht zu viel Zucker zu konsumieren und abends auf Koffein zu verzichten.

Für guten Schlaf sorgen

Ausreichend erholsamer Schlaf kann sich positiv auf den Cortisolspiegel auswirken. Eine entspannte Abendroutine kann dabei unterstützen.

Nicht rauchen

Rauchende Menschen haben häufiger erhöhte Cortisolwerte als Nichtraucherinnen und Nichtraucher.

Bewegung in den Alltag einbauen

Schon ein flotter Spaziergang kann helfen, Stress abzubauen. Grundsätzlich trägt jede Form von Bewegung dazu bei, den Körper zu entlasten.

Was passiert, wenn Cortisol dauerhaft zu hoch ist?

Normalerweise sinkt der Cortisolspiegel nach einer Stresssituation wieder ab. Bleiben die Werte jedoch dauerhaft erhöht, kann das verschiedene Beschwerden verursachen.

Mögliche Symptome bei leicht erhöhtem Cortisol

Ein langfristig erhöhter Cortisolspiegel kann sich unter anderem durch folgende Beschwerden bemerkbar machen:

Bei Frauen können außerdem unregelmäßige Zyklen auftreten.

Symptome bei stark erhöhtem Cortisol (Cushing-Syndrom)

Ein sehr stark erhöhter Cortisolspiegel über viele Jahre hinweg kann auf ein sogenanntes Cushing-Syndrom hinweisen.

Das kommt selten vor, kann aber schwerwiegende Beschwerden verursachen.

Mögliche Anzeichen sind:

  • rundliches Gesicht
  • Fettpolster um die Schulterblätter
  • Akne
  • schlechte Wundheilung
  • Bluthochdruck
  • erhöhter Blutzucker bis hin zu Diabetes
  • starkes Haarwachstum am Körper bei Frauen
  • violette bis rote Dehnungsstreifen
  • Muskelschwäche
  • Osteoporose und Knochenbrüche

Pro Jahr erkranken nur ein bis zwei von 100.000 Menschen am Cushing-Syndrom. Wer entsprechende Symptome bei sich beobachtet, sollte das ärztlich abklären lassen.

Warum kann der Cortisolspiegel erhöht sein?

Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann unterschiedliche Ursachen haben.

Chronischer Stress

Zu wenig Schlaf, Zeitdruck, Sorgen oder anhaltende Belastungen können dazu führen, dass der Körper erhöhte Cortisolwerte nicht mehr ausreichend reguliert.

Medikamente

Cortison-Präparate wirken ähnlich wie Cortisol beziehungsweise Cortison. Werden sie über längere Zeit sehr hoch dosiert eingesetzt, kann dies ein Cushing-Syndrom begünstigen.

Tumoren

Wenn kein Zusammenhang mit Cortison-Medikamenten besteht, kann in seltenen Fällen ein Tumor die Ursache sein. Häufig steckt dann ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse dahinter.

Erkrankungen

Auch Alkoholsucht, fortgeschrittene Nierenerkrankungen, Magersucht und weitere Erkrankungen können die Cortisolwerte erhöhen.

Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft sind erhöhte Cortisolwerte normal. Das Hormon scheint zur Gehirnentwicklung des Kindes beizutragen.

Ein junger Mann hält sich die Ohren zu

Cortisol senken: Nicht jedes Stresssymptom hat mit Cortisol zu tun, aber Dauerstress kann den Cortisolspiegel erhöhen.

Kann der Körper auch zu wenig Cortisol produzieren?

Ja. Produziert der Körper zu wenig Cortisol, sprechen Fachleute von der Addisonschen Krankheit.

Mögliche Beschwerden sind:

Eine mögliche Ursache ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Zellen der Nebenniere angreift. Auch bestimmte Infektionskrankheiten können die Funktion der Nebenniere beeinträchtigen.

Wann sollte man Cortisol messen lassen?

Bevor du versuchst, deinen Cortisolspiegel gezielt zu senken, lohnt sich die Frage: Ist er überhaupt erhöht?

Bei Beschwerden wie Bluthochdruck oder Gewichtsveränderungen kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein. Der Cortisolwert lässt sich über Blut-, Urin- oder Speichelproben bestimmen.

Wichtig ist dabei: Ein einzelner Messwert ist nur eine Momentaufnahme.

Der Cortisolspiegel schwankt im Tagesverlauf ganz natürlich:

  • morgens zwischen 7 und 8 Uhr am höchsten
  • nachts zwischen 2 und 4 Uhr am niedrigsten

Deshalb werden Laborwerte immer im Zusammenhang mit weiteren Untersuchungen bewertet.

Normwerte bei Erwachsenen

  • Blutentnahme zwischen 6 und 10 Uhr: 140 bis 600 nmol/l
  • Blutentnahme zwischen 20 und 24 Uhr: 20 bis 170 nmol/l

Liegt ein Wert außerhalb des Normbereichs, wird deine Ärztin oder dein Arzt das mit dir besprechen und einordnen.

Fazit: Nicht jeder Stressmoment bedeutet zu viel Cortisol

Auf TikTok wirkt es manchmal so, als wäre Cortisol für alles verantwortlich: Schlafprobleme, Bauchfett oder ein rundlicheres Gesicht. Tatsächlich ist das Stresshormon aber erst einmal etwas ganz Normales und erfüllt wichtige Aufgaben in deinem Körper.

Klar ist: Dauerhafter Stress kann sich negativ auf dein Wohlbefinden auswirken und auch den Cortisolspiegel beeinflussen. Viele Beschwerden, die in sozialen Medien schnell auf Cortisol geschoben werden, können jedoch auch andere Ursachen haben.

Statt dich von Trends verunsichern zu lassen, lohnt es sich, auf deinen Körper zu hören. Ausreichend Schlaf, Bewegung, Zeit mit Menschen, die dir guttun, und bewusste Erholung können helfen, besser mit Stress umzugehen. Wenn Beschwerden länger anhalten oder dich im Alltag belasten, solltest du sie ärztlich abklären lassen.

Cortisol senken: Häufige Fragen und Antworten

Cortisol ist ein körpereigenes Hormon und gehört zu den Stresshormonen. Es hilft dem Körper dabei, in belastenden Situationen Energie bereitzustellen.
Mögliche Anzeichen sind unter anderem Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Gewichtszunahme, Gedächtnisprobleme oder eine erhöhte Infektanfälligkeit.
Ja. Chronischer Stress zählt zu den möglichen Ursachen für dauerhaft erhöhte Cortisolwerte.
Hilfreich können Stressabbau, ausreichend Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte, Entspannungsmethoden und eine ausgewogene Ernährung sein.
Ein rundliches Gesicht kann bei einem seltenen Cushing-Syndrom auftreten. In sozialen Medien wird der Zusammenhang jedoch oft stark vereinfacht dargestellt.
Wenn Beschwerden wie Bluthochdruck oder deutliche Gewichtsveränderungen bestehen, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein. Cortisol lässt sich über Blut-, Urin- oder Speichelproben bestimmen.

Literatur und weiterführende Informationen

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