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Niedriger Blutdruck: Symptome, Ursachen und Therapie

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Redaktion:
Luciano Arslan (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Jannis Stange (Assistenzarzt für Innere Medizin/Kardiologie)

Niedriger Blutdruck (Hypotonie) bleibt häufig unbemerkt und verursacht keine Beschwerden. Manche Menschen leiden jedoch unter Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsproblemen oder Kreislaufbeschwerden bis hin zur Ohnmacht. Welche Ursachen dahinterstecken, wann eine Abklärung sinnvoll ist und was helfen kann.

Definition: Was ist ein zu niedriger Blutdruck?

Niedriger Blutdruck, in der Fachsprache Hypotonie, bezeichnet einen Blutdruck, der unter bestimmten Grenzwerten liegt. 

Ab wann spricht man von niedrigem Blutdruck?

  • Normaler Blutdruck bei Erwachsenen: etwa 120/80 mmHg
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie): systolischer Wert unter 100 mmHg

Frau sitzt auf dem Sofa, hält sich die Hände an den Kopf und hat scheinbar Anzeichen von niedrigem Blutdruck wie Schwindel

Niedriger Blutdruck kann zu Schwindel, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche führen.

Der Blutdruck wird in der Einheit Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben und besteht aus zwei Werten:

  • Systolischer Blutdruck (oberer Wert): Er zeigt den Druck in den Gefäßen an, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt (Systole).
  • Diastolischer Blutdruck (unterer Wert): Er misst den Druck in den Gefäßen, während sich der Herzmuskel entspannt und das Herz sich erneut mit Blut füllt (Diastole).

Ist niedriger Blutdruck gefährlich?

Niedriger Blutdruck ist im Gegensatz zu Bluthochdruck häufig harmlos und verursacht oft keine Beschwerden. Viele Menschen mit niedrigem Blutdruck bemerken ihn kaum, er verläuft in den meisten Fällen unproblematisch.

Solange keine Beschwerden auftreten, ist in der Regel keine Behandlung notwendig.

Anders sieht es aus, wenn Symptome wie Schwindel oder Ohnmachtsanfälle auftreten oder wenn eine organische Ursache dahintersteckt, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion oder Herzschwäche. Dann ist der niedrige Blutdruck die Folge einer anderen Erkrankung. In solchen Fällen sind eine medizinische Abklärung sowie die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache erforderlich.

Ursachen: Wodurch entsteht niedriger Blutdruck?

Niedriger Blutdruck kann eigenständig auftreten, die Folge einer Erkrankung sein oder vor allem beim Aufstehen entstehen. Unterschieden werden entsprechend drei Formen:

Primäre (idiopathische) Hypotonie: Für den niedrigen Blutdruck lässt sich keine andere Erkrankung als Ursache feststellen. Diese Form kann grundsätzlich alle Geschlechter betreffen. Sie wird jedoch besonders häufig bei jungen, schlanken Frauen beobachtet. Betroffene berichten oft über Müdigkeit, Schwindel oder Konzentrationsprobleme.

Sekundäre Hypotonie: Der niedrige Blutdruck ist die Folge einer anderen Erkrankung oder bestimmter Medikamente. Mögliche Auslöser sind unter anderem Herzinsuffizienz, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes mellitus, blutdrucksenkende Medikamente oder Blutarmut (Anämie).

Orthostatische Hypotonie: Der Blutdruck fällt vor allem beim schnellen Aufstehen oder längerem Stehen ab. Das Blut sackt in die Beine ab, wodurch das Gehirn vorübergehend schlechter durchblutet wird. Typische Folgen sind Schwindel, Sehstörungen oder eine kurzzeitige Ohnmacht. Auslöser können Medikamente, chronische Erkrankungen, Krampfadern oder Flüssigkeitsmangel sein.

Symptome: Wie macht sich niedriger Blutdruck bemerkbar?

Niedriger Blutdruck bleibt oft unbemerkt. Treten Beschwerden auf, gehören 

  • Schwindel, 

  • Müdigkeit, 

  • Antriebslosigkeit und 

  • Konzentrationsprobleme

zu den häufigsten Symptomen. 

Besonders bei einem plötzlichen Blutdruckabfall kann das Gehirn vorübergehend schlechter durchblutet werden. Dann können Schwindel oder Sehstörungen auftreten. 

In manchen Fällen verlieren Betroffene kurzzeitig das Bewusstsein. Fachleute sprechen dann von einer Synkope. Obwohl solche Ohnmachtsanfälle meist harmlos sind, können Stürze insbesondere bei älteren Menschen ein Verletzungsrisiko darstellen.

Weitere mögliche Beschwerden sind:

Diagnose: Wie wird niedriger Blutdruck festgestellt?

Niedriger Blutdruck wird durch wiederholte Blutdruckmessungen und weitere Untersuchungen zur Ursachenklärung festgestellt.

Niedriger Blutdruck bleibt oft lange unbemerkt. Häufig taucht er bei einer Routineuntersuchung erstmals auf. Doch wenn Schwindel, Ohnmachtsanfälle oder Konzentrationsprobleme den Alltag stören, beginnt die ärztliche Abklärung: Was steckt hinter den Beschwerden?

Ziel der Diagnose: Ursachen erkennen und Erkrankungen ausschließen

Ziel der ärztlichen Abklärung ist es, herauszufinden, ob es sich um eine harmlose oder eine behandlungsbedürftige Hypotonie handelt. Es gilt daher, andere Erkrankungen auszuschließen, die als Ursache für den niedrigen Blutdruck infrage kommen. Denn hinter anhaltend niedrigen Werten können auch ernsthafte Auslöser stecken: eine Herzschwäche, hormonelle Störungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus.

Ausführliches Arztgespräch

Die ärztliche Diagnostik beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese). Dabei wird gezielt nach dem Auftreten der Beschwerden gefragt, nach familiären Vorerkrankungen, Trinkmenge und Medikamenteneinnahme. Diese Informationen liefern erste Hinweise darauf, ob es sich um eine harmlose primäre Hypotonie oder die Folge einer anderen Erkrankung handeln könnte.

Blutdruckmessung unter verschiedenen Bedingungen

Ein zentrales Instrument der Diagnostik ist die wiederholte Blutdruckmessung – in Ruhe im Sitzen oder Liegen, direkt nach dem Aufstehen und bei längerem Stehen. So lässt sich beispielsweise die orthostatische Hypotonie erkennen. In manchen Fällen wird auch eine 24-Stunden-Messung eingesetzt, um typische Schwankungen im Tagesverlauf sichtbar zu machen.

Gezielte Tests zur Ursachensuche

Je nach Verdacht kommen weitere Untersuchungen zum Einsatz:

  • Bluttests, um eine mögliche Blutarmut, hormonelle Ungleichgewichte oder Stoffwechselstörungen abzuklären
  • EKG und Echokardiografie, um das Herz strukturell und funktionell zu überprüfen
  • Belastungstests, die zeigen, wie der Kreislauf unter körperlichem Stress reagiert
  • Untersuchungen zu Hormonen und Botenstoffen sowie Ultraschall, etwa zur Abklärung der Schilddrüsenfunktion
  • Kipptischuntersuchung, bei der geprüft wird, wie Blutdruck und Kreislauf auf das Aufrichten des Körpers reagieren – besonders hilfreich bei wiederholten Ohnmachtsanfällen oder ungeklärten Stürzen, da hiermit eine orthostatische Hypotonie aufgedeckt werden kann

Therapie: Was hilft bei niedrigem Blutdruck?

Niedriger Blutdruck muss häufig nicht behandelt werden. Treten Beschwerden auf, helfen oft einfache Maßnahmen. Liegt eine andere Erkrankung zugrunde, richtet sich die Behandlung nach der Ursache.

Sekundäre Hypotonie: Ursache behandeln

Ist der niedrige Blutdruck die Folge einer Herz-, Hormon- oder Stoffwechselerkrankung, steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Auch bestimmte Medikamente können eine sekundäre Hypotonie verursachen. In solchen Fällen prüfen Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit der betroffenen Person, ob sich die Dosierung anpassen oder das Präparat wechseln lässt.

Zusätzlich kann ausreichendes Trinken helfen, das Blutvolumen zu erhöhen und den Blutdruck zu stabilisieren.

Seniorinnen und Senioren ruhen sich nach dem Training im Fitnessstudio aus, Symbolbild für niedrigen Blutdruck

Nicht nur nach dem Sport: Bei sekundärer Hypotonie kann ausreichend Trinken helfen, das Blutvolumen zu erhöhen und den Blutdruck zu stabilisieren.

Primäre Hypotonie: Beschwerden lindern

Bei der primären Hypotonie ohne erkennbare Ursache stehen die Beschwerden im Mittelpunkt der Behandlung. Eine medikamentöse Behandlung wird meist nur bei hohem Leidensdruck oder wiederkehrenden Ohnmachtsanfällen empfohlen.

Häufig helfen bereits einfache Maßnahmen, den Kreislauf zu stabilisieren und Beschwerden zu lindern:

  • Regelmäßige Bewegung: Schwimmen, Joggen, Gymnastik oder tägliche Spaziergänge können den Kreislauf unterstützen.
  • Wechselduschen und Kneippkuren: Die wechselnden Reize von warmem und kaltem Wasser trainieren die Gefäße und verbessern die Durchblutung.
  • Kompressionsstrümpfe: Sie unterstützen den Rückfluss des Blutes zum Herzen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Zwei bis drei Liter Flüssigkeit täglich können helfen, das Blutvolumen zu erhöhen und den Blutdruck zu stabilisieren.

Orthostatische Hypotonie: Kreislauf beim Aufstehen stabilisieren

Bei einer orthostatischen Hypotonie fällt der Blutdruck vor allem beim Aufstehen ab. Folgende Maßnahmen können helfen:

  • Mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen
  • Bereits vor dem Aufstehen ein Glas Wasser trinken
  • Langsam und in mehreren Schritten aus dem Bett oder vom Stuhl aufstehen
  • Im Stehen die Beine überkreuzen, um den Rückstrom des Blutes zum Herzen zu fördern

Vorbeugung: Was hilft, Beschwerden durch niedrigen Blutdruck vorzubeugen?

Regelmäßige Bewegung, ausreichend Flüssigkeit und langsames Aufstehen können helfen, Kreislaufbeschwerden vorzubeugen. Bei einer orthostatischen Hypotonie können außerdem ein leicht erhöhter Oberkörper beim Schlafen und das Trinken eines Glases Wasser vor dem Aufstehen hilfreich sein.

Niedriger Blutdruck ist häufig harmlos und verursacht oft keine Beschwerden. Treten Schwindel oder Ohnmachtsanfälle auf oder steckt eine andere Erkrankung dahinter, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Fazit: Hypotonie auf einen Blick

  • Ursachen: Die Hypotonie kann eigenständig (primär) oder infolge einer Grunderkrankung (sekundär) wie Herzschwäche und Diabetes oder durch Medikamenteneinnahme auftreten. Eine Sonderform ist die orthostatische Hypotonie, bei der das Blut beim Aufstehen in den Beinen versackt und es daher zu einem Blutdruckabfall kommt.
  • Symptome: Niedriger Blutdruck bleibt oft unbemerkt. Bei einigen Menschen macht er sich jedoch durch Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und kalte Hände oder Füße bemerkbar. Beim schnellen Aufstehen kann es zu Sehstörungen oder sogar Ohnmachtsanfällen kommen.
  • Verlauf: Oft verläuft niedriger Blutdruck harmlos. Beschwerden entstehen meist nur, wenn die Durchblutung wichtiger Organe beeinträchtigt ist. Dann sind gezielte Maßnahmen sinnvoll.
  • Diagnose: Mehrfache Blutdruckmessungen, Arztgespräche und spezielle Tests wie die Kipptischuntersuchung helfen, die Ursache einzugrenzen und gefährliche Erkrankungen auszuschließen.
  • Therapie: Oft reichen einfache Maßnahmen wie mehr Bewegung, reichlich Flüssigkeit, eine salzreichere Ernährung und Kompressionsstrümpfe. Medikamente sind nur selten nötig.

Weiterführende Informationen

Literatur

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