Impfungen

Spritzen, schlucken, einatmen: Wie viele verschiedenen Möglichkeiten gibt es beim Impfen?

Lesedauer unter 6 Minuten
Patient bekommt eine Spritze in den Oberschenkel

Autor

  • Constanze Löffler (Wissenschaftsjournalistin, Ärztin)

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Am häufigsten impfen Ärztinnen und Ärzte in den Oberarmmuskel. Bestimmte Vorerkrankungen können eine Injektion ins Fettgewebe notwendig machen. Ganz ohne Piks geht’s bei der Schluckimpfung oder bei der Impfung via Nasenschleimhaut. Neue nadelfreie Applikationswege sind ein Ziel der Impfforschung. Und Impfstoffe, die keiner Kühlung mehr bedürfen.

Wie werden Impfungen verabreicht?

Oberschenkel, Nase oder Arm – Impfungen verleihen den Menschen auf unterschiedlichen Wegen Immunität gegen die Erreger:

  • per Injektion in den Muskel (intramuskulär),
  • per Injektion unter die Haut (subcutan), seltener auch in die Haut (intracutan),
  • als Schluckimpfung oder
  • via Nasenschleimhaut.

Einige Impfstoffe dürfen den Herstellern zufolge sowohl in den Muskel als auch unter die Haut injiziert werden. Dazu gehören Impfungen gegen die saisonale Influenza (Grippe) , gegen Hepatitis, FSME oder Tetanus. Wählen zu können ist vor allem für Patienten mit Gerinnungsstörungen wichtig: Eine Injektion in den Muskel könnte bei ihnen – sollte dabei ein Gefäß getroffen werden – zu einer Blutung führen, die sich nur schwer stillen lässt. Das Fettgewebe unter der Haut ist weniger gut durchblutet. Dadurch verringert sich die Gefahr für innere Blutungen.

Bei einigen Erregern gibt es Impfstoff-Produkte zur Auswahl, die geschluckt oder gespritzt werden dürfen, beispielsweise gegen Typhus. Gegen Influenza stehen mehrere Impfstoffe auf zur Verfügung, die gespritzt werden. Es gibt aber auch ein Impf-Nasenspray für Kinder und Jugendliche.

Warum spritzt man Impfungen?

In den Muskel oder ins Fettgewebe impfen Ärzte, um den Magen-Darm-Trakt zu umgehen. Das ist notwendig, weil viele Impfstoffe Eiweiße und Zucker enthalten. Sie würden auf ihrer Magen-Darm-Passage verdaut und ausgeschieden werden. In der Blutbahn kämen sie gar nicht erst an, wo sie aber je nach Erkrankung für die Antikörperbildung benötigt werden. 

Impfen in den Muskel

Die gängigste Methode ist das Impfen in den Muskel. Die Muskulatur wird von feinen Gefäßen durchzogen. Beim gelangt der Impfstoff nur nach und nach in die Blutbahn. Die langsame Abgabe gibt dem Immunsystem genug Zeit, sich an den Impfstoff zu „gewöhnen“ und entsprechend darauf zu reagieren. Sprich, eine Injektion in einen Muskel macht den Impfstoff verträglicher. Würde er direkt ins Gefäß gespritzt, könnte das zu Unverträglichkeiten führen. 

In den Oberarm oder Oberschenkel

In der Regel wählen Ärzte zum Impfen den dreieckigen Deltamuskel am Oberarm, den Musculus deltoideus. Er liegt oberflächlich, ist nur von einer dünnen Fettschicht bedeckt und gut erreichbar. Bei kleineren Kindern ist der Deltamuskel gelegentlich noch zu klein. Sie bekommen ihre Impfung dann in die Außenseite des Oberschenkels, in den Musculus vastus lateralis. Auch hier ist die Gefahr gering, durch die Injektion Nerven oder Gefäße zu verletzen.

Nicht mehr in den Po
Früher impfte man vor allem Kinder in den Po. Heute sind die Ärzte davon abgekommen; Kinder und Erwachsene werden gleichermaßen in den Oberarm gespritzt. Der Grund: Der große Pomuskel ist von einer mehr oder weniger dicken Fettschicht bedeckt. Je nachdem, wie dick sie ist und wie lang die Nadel, könnte die Injektion „daneben“ gehen. Sie würde statt im Muskel im Fettgewebe landen. Dort wirkt sie aber weniger gut und es gibt hier häufiger Komplikationen.
Zudem durchziehen wichtige Nervenbahnen den Gesäßmuskel, insbesondere der Ischiasnerv. Würde er beim Impfen getroffen, könnte das sehr schmerzhaft werden und zu Nervenschäden mit neurologischen Ausfällen führen. Bei Kindern kann eine Verletzung des Nervs zudem Wachstumsstörungen und Fußfehlbildungen verursachen. 

Impfen ins Unterhautfettgewebe

Manche Menschen haben eine erhöhte Neigung zu bluten, beispielsweise weil sie unter der Bluter-Krankheit leiden oder weil sie Blutverdünner einnehmen müssen. Sie sollten nicht in die Muskulatur geimpft werden, sondern ausnahmsweise subkutan ins Unterhautfettgewebe. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es gegen alle Erreger Impfungen, bei denen, gemäß der Angaben des Herstellers, auch eine Impfung ins Unterhautfettgewebe möglich ist. Ärzte werden Impflinge darauf hinweisen, dass verstärkt Reaktionen an der Einstichstelle auftreten können. Einige Impfstoffe wirken bei Gabe ins Unterhautfettgewebe zudem weniger gut.

Warum nicht generell ins Fettgewebe?

Der Vorteil, warum Menschen mit Gerinnungsneigung ins Unterhautfettewebe geimpft werden sollen, ist bei Gesunden gleichzeitig der Nachteil: Das Fettgewebe ist schlechter durchblutet. Dadurch hat das Immunsystem mitunter keine ausreichende Möglichkeit, Antikörper gegen den Impfstoff zu bilden.

Zudem können vermehrt lokale Impfreaktionen auftreten: Injektionen ins Fettgewebe können
• zu schmerzhaften Entzündungen und Verhärtungen an der Einstichstelle,
• zu Geschwulsten (Granulomen) sowie
• zu Abszessen, Knötchen und Zysten führen. ,

Schluckimpfung

Es gibt noch andere Wege, um zu impfen, beispielsweise gegen Rotaviren . Die Infektion führt vor allem bei jüngeren Kindern zu Brechdurchfällen und kann lebensbedrohlich sein, weil die Kinder viel Flüssigkeit verlieren. Seit 2013 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Kinder ab sechs Monaten gegen Rotaviren zu impfen. Die Kinder schlucken den Impfstoff. Im Darm bewirkt das abgeschwächte Virus, dass das Immunsystem schützende Antikörper bildet. Genau dort ist die lokale Immunität erwünscht, da hier die Erkrankung abläuft.

Weitere Impfstoffe, die geschluckt werden:

  • Cholera
  • Polio (seit 1998 nicht mehr in Deutschland verwendet)
  • Typhus
  • Tuberkulose (seit 1998 in Deutschland nicht mehr empfohlen)

Manche Säuglinge spucken die Impfung ganz oder teilweise wieder aus, so dass die Impfung wiederholt werden muss. Schluckimpfstoffe verlieren an Wirksamkeit, wenn die Impflinge gleichzeitig einen Magen-Darm-Infekt haben oder bestimmte Antibiotika einnehmen.

Impfstoff per Nasenspray

Gegen die saisonale Influenza (Grippe) gibt es zudem einen Impfstoff, der über die Nase verabreicht wird (Vierfachimpfstoff gegen vier Virusstämme). Er ist für Kinder zwischen zwei und 17 Jahren zugelassen. Die Kinder bekommen mithilfe eines Sprühers jeweils einen Hub Impfstoff in beide Nasenlöcher. Die Immunität entwickelt sich direkt in der Nasenschleimhaut. Das ist gewünscht, da hier die Eintrittspforte für die Erreger ist. Die STIKO sieht beim Nasenspray dennoch keinen wesentlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Grippe-Impfstoffen, die in den Muskel gespritzt werden. Daher ist die Impfung per Sprühstoß in der Regel Kindern vorbehalten, die Angst vor Spritzen oder Probleme mit der Gerinnung haben.

Auch bei der Impfung gegen Masern könnte in Zukunft ein Spray die Spritze ersetzen – wenn der eingeatmete Impfstoff mindestens genauso gut wirkt. Noch ist das nicht der Fall. Zukünftig könnte eine Sprühimpfung gegen Masern vor allem in Ländern interessant sein, in denen die schlechte hygienischen Bedingungen herrschen und wo es schwierig ist, Hygienestandards beim Spritzen einzuhalten.

Nadelfreie Impfstoffe – Impfen ohne Piks

Wissenschaftler weltweit forschen an nadelfreien Impfstoffen: Mit Cremes, Tabletten oder Zäpfchen wollen sie den Piks umgehen, der einen Teil der Bevölkerung davon abhält, sich impfen zu lassen. Damit würden auch eventuell auftretende Impfreaktionen an der Einstichstelle wie Schmerzen, Schwellungen und Rötungen oder auch Infektionen wegfallen. Menschen mit panischer Angst vor Spritzen (Spritzenphobiker) müssten nicht mehr auf die lebensrettenden Injektionen verzichten. 

Impfpflaster

Relativ weit ist die Forschung bei Impfpflastern mit einem Impfstoff gegen die saisonale Influenza (Grippe). Das Pflaster gibt den Impfstoff mit Hilfe feinster Mikronadeln innerhalb weniger Minuten in die Haut ab. Der Vorteil: Das Pflaster ist schmerzlos. Und man braucht kein medizinisches Personal, um es aufzubringen. Der Clou: Die Mikronadeln lösen sich nach kurzer Zeit in der Haut auf. Das Klebepflaster, das zurückbleibt, lässt sich einfach im Müll entsorgen. Die ersten Entwicklungen stammen vom Emory Vaccine Center in Atlanta in den USA. Auch australische Wissenschaftler sind aktuell dabei, einen Impf-Patch zu entwickeln.

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