Flexible Arbeitszeitmodelle helfen Fachkräften dabei, Karriere mit Familie vereinbar zu machen. Wie gut Mitarbeitende und Unternehmen mit Job-Tandems wirklich fahren, zeigt das Beispiel der Barmer.
Ein Tandem ist eine wunderbare Idee. Theoretisch. Zwei Menschen, ein gemeinsames Ziel, doppelte Power! Doch auf deutschen Straßen sind kaum welche unterwegs. Der Grund: Tandems lassen sich nicht gut steuern. Verglichen mit Fahrrädern für eine Person sind sie äußerst unflexibel. In der Arbeitswelt hingegen stehen Tandems für ein zeitgemäßes, flexibles Arbeitsmodell.
Mit dem Job-Tandem ist natürlich kein Dienstfahrrad für zwei gemeint, sondern Jobsharing. Dabei wird eine Vollzeitstelle üblicherweise auf zwei, in manchen Fällen auch mehr Personen aufgeteilt. Diese haben im Kern denselben Aufgabenbereich und können sich individuelle Schwerpunkte setzen.
Anika Dinter-Baumgart, Leiterin Team Marktforschung & Analyse
Warum das ihre Arbeit erleichtert, erklärt Anika Dinter-Baumgart, Marketingspezialistin bei der Barmer: „Das Alltagsgeschäft hatte ich gut im Griff. Aber schon im Lauf meines ersten Jahres als Führungskraft zeigte sich, dass meine Zeit für die strategische Entwicklung unseres Teams nicht richtig ausreichte.“ Seit 2023 leitet Dinter-Baumgart das Team Marktforschung & Analyse, eine Gruppe hochspezialisierter Fachkräfte. Ihre Stelle war von Anfang an mit 24 Stunden pro Woche angesetzt. Denn sie hat zwei kleine Kinder. Die Zeit, die die Teamleiterin durch das Teilzeit-Modell für die Familie gewann, fehlte ihr jedoch, um in ihrem Feld langfristige Perspektiven zu erarbeiten. „Es war frustrierend“, erinnert sie sich.
Zwei Fachkräfte für die Teamleitung
Die Analystin stand damit vor einem Dilemma, das auch andere Arbeitnehmende in Deutschland kennen, insbesondere Frauen. Sie wollen führen, gestalten. Aber ihre persönliche Situation erlaubt es nicht 40 oder – wie bei Führungskräften durchaus üblich – 50 Stunden pro Woche im Büro zu verbringen. In einem anderen Unternehmen hätte die Situation Anika Dinter-Baumgart vielleicht auf Dauer demotiviert. Doch gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten fand sie eine flexible Lösung: Sie suchte sich einen Tandem-Partner. Gefunden hat sie diesen in ihrem Team. Stefan Thörner interessierte sich grundsätzlich für eine Führungsposition. In Vollzeit hätte er diese aber nicht ausüben wollen. Wie seine Kollegin hat er kleine Kinder. „Ich bin sehr froh, dass er bereit war, dieses Experiment mit mir zu wagen“, sagt Dinter-Baumgart.
Stefan Thörner, Leiter Team Marktforschung & Analyse
Gemeinsam bilden sie ein sogenanntes Jobsharing-Tandem. Zwei Führungskräfte, eine Stelle – oder besser gesagt: mehr als eine Stelle. Stefan Thörner ist 30 Stunden in der Woche da. Zusammen mit den 24 Stunden von Anika Dinter-Baumgart ergibt das deutlich mehr als 100 Prozent Arbeitszeit. Aus Sicht der Barmer ist dies ein Investment in die Mitarbeitenden. Man könnte es aber auch als Mittel sehen, um die Arbeitswelt fairer zu machen.