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Nachhaltigkeitsbericht

Barmer Klimaschutzindex 2025: Warum der Gesundheitssektor beim Klimaschutz stagniert

Lesedauer weniger als 4 Min

Redaktion:

Jessica Braun

Qualitätssicherung:

Falk Wellmann (BARMER)

Klimaschutz sollte im Gesundheitswesen Priorität haben. Doch fehlende Mittel und unklare Vorgaben bremsen die Einrichtungen aus. Das zeigt der Barmer Klimaschutzindex 2025. Es braucht ein Umdenken.

Es könnte eine gute Nachricht sein: Fast die Hälfte der Einrichtungen im deutschen Gesundheitssektor befasst sich mit den wichtigen Themen Nachhaltigkeit bzw. Klimaneutralität. Ein weiteres Fünftel plant dies zumindest. Doch der Barmer Klimaschutzindex 2025 offenbart, wie wenig wirklich passiert: Die Zahl derer, die tatsächlich handeln, ist seit Beginn der Studie weitestgehend gleich geblieben. Der Indexwert liegt mit 98 Punkten sogar leicht unter dem Startniveau von 2022.

Portrait Jacqueline Preußer

Jacqueline Preußer, Head of Research bei F.A.Z. Business Media

„Wir sehen viele Insellösungen, aber keine systematischen Veränderungen“, sagt Jacqueline Preußer. Als Head of Research begleitet sie die Studienreihe von F.A.Z.-Institut und Barmer seit deren Beginn. 2025 wurden dafür 415 Organisationen des deutschen Gesundheitssektors wie Kliniken, Praxen und Krankenkassen befragt.

Ist ein klimaneutrales Gesundheitswesen bis 2030 realistisch? 

Zwar setzen zum Beispiel 45 Prozent der Einrichtungen auf nachhaltige Mobilität und 41 Prozent auf Recycling. Andere investieren in eine energetische Sanierung. In der Summe ist das jedoch nicht genug. Entsprechend glauben nur noch sechs Prozent der befragten Expertinnen und Experten, dass das Ziel eines klimaneutralen Gesundheitswesens bis 2030 realistisch ist. Was steht dem entgegen?

Fehlendes Geld und bürokratische Hürden

Mehrere Ursachen spielen hier zusammen. Zum einen steckt das Gesundheitssystem in einer finanziellen und strukturellen Krise. Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen scheinen dadurch nicht so maßgeblich. Das bestätigt die Studienreihe: Viele der Befragten nennen seit Jahren das „fehlende Budget“ als eines der größten Hindernisse. Die Mittel für bauliche Maßnahmen seien knapp.

Es braucht ein Umdenken in Politik und Öffentlichkeit

Zudem fehlt es an klaren politischen Vorgaben. Kerstin Blum, Geschäftsführerin der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, kritisiert den aktuellen „Flickenteppich“. Es gebe zwar Landesinitiativen, aber keinen übergreifenden Plan, an dem sich beispielsweise Kliniken und Pflegeheime orientieren könnten. „Ohne ein klares politisches Signal bleibt die Transformation deshalb blockiert“, so Blum.

Portrait Kerstin Blum

Kerstin Blum, Geschäftsführerin Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen

Auch die öffentliche Wahrnehmung spielt eine Rolle. In den Diskussionen dominieren laut Blum Themen wie Energie oder Mobilität, die gut zu vermitteln sind und sich auch im Privaten umsetzen lassen – etwa, indem man zu Ökostrom wechselt oder das Auto öfter stehen lässt. Der Vorsatz, das Gesundheitswesen klimaneutral zu machen, wirkt hingegen abstrakt und komplex. Dafür braucht es eine langfristige Strategie. Akute Probleme wie fehlendes Personal lassen diese jedoch weniger dringlich erscheinen.

Die Emissionen im Gesundheitswesen sind hoch

Passieren muss jedoch etwas: Mit rund sechs Prozent hat der deutsche Gesundheitssektor einen nennenswerten Anteil an den ausgestoßenen Treibhausgasen – mehr als der gesamte Flugverkehr. Ein einzelnes Klinikbett verbraucht so viel Energie wie vier Einfamilienhäuser, ein Krankenhaus so viel wie eine Kleinstadt.

Was wären wirksame Gegenmaßnahmen? Kerstin Blum sagt: „Entscheidend ist, dass Nachhaltigkeit und Ökologie in der Gesundheitspolitik nicht als `Randthemen` behandelt, sondern konsequent mitgedacht werden müssen, zum Beispiel bei größeren Strukturreformen.“ Das bedeutet auch, dass verbindliche Vorgaben geschaffen werden müssen. Denn nur so entsteht die für Investitionen nötige Sicherheit.

Resilienz als wirksamer Hebel

Ein weiterer Ansatz: das Thema greifbarer machen. Also die Klimaresilienz zum Thema zu machen und damit die Frage, was Menschen, Einrichtungen oder Kommunen angesichts von Krisen stärkt. 40 Prozent der befragten Verantwortlichen gaben an, dass ihre Einrichtungen deutlich von Hitze oder Hitzewellen betroffen sind. Beeinträchtigen diese Mitarbeitende oder gefährden Patientinnen und Patienten, steht außer Frage, dass es Gegenmaßnahmen braucht. Diese können dann auch als Türöffner dienen, um umfassendere Klimaschutzinvestitionen anzustoßen.

Gleichzeitig gilt es, vorhandene Lösungen sichtbarer zu machen. Einrichtungen sollten ihren CO2-Fußabdruck messen und Handlungsfelder priorisieren. Denn das Gesundheitswesen kann die Gesundheit der Menschen auf lange Sicht nur schützen, indem es die eigenen Emissionen senkt.

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