Eine Gruppe verschiedener Kollegen und Kolleginnen legen, bei einer Teambuilding-Maßnahme im Wald, ihre Hände übereinander.
Nachhaltigkeitsbericht

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen: Barmer führt Umweltmanagementsystem ein

Lesedauer weniger als 4 Min

Redaktion:

Jessica Braun

Qualitätssicherung:

Maria Hinz (Fachkoordination Stab Zukunft, Gesellschaft und Gesunde Arbeit)

Um das EMAS-System zu verankern, arbeiten die Nachhaltigkeitsreferentin Nicole Gianeridis und die Umweltmanagementbeauftragte Anastasia Kantzidou mit Mitarbeitenden auf allen Ebenen zusammen. Denn Nachhaltigkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe.

Nicole Gianeridis hat sich ein Ziel gesetzt: Nachhaltigkeit bei der Barmer soll kein isoliertes Projekt mehr sein, sondern in sämtliche Prozesse des Unternehmens integriert werden. Für die Nachhaltigkeitsreferentin heißt das, alle entsprechenden Aktivitäten zu erfassen und zu koordinieren. Bei rund 15.500 Mitarbeitenden an verschiedenen Standorten keine kleine Aufgabe. Doch Gianeridis sieht genau darin die Chance, eine Vorbildfunktion für den gesamten Gesundheitssektor einzunehmen. „Wir möchten zeigen, wie vielfältig unser Engagement in diesem Bereich bereits ist, um so Impulse geben zu können“, sagt sie.

Was ist EMAS? Barmer erhebt ab 2026 systematisch Umweltwirkungen

Welchen Stellenwert Nachhaltigkeit bei der Krankenkasse hat, unterstreicht ein Beschluss des Vorstands: 2026 führt die Barmer erstmalig ein Umweltmanagementsystem ein. Es wird aus der neu geschaffenen Stabsstelle „Zukunft, Gesellschaft und gesunde Arbeit“ gesteuert. Die von Yvonne Magwas geleitete Einheit bündelt zentrale Zukunftsthemen der Barmer und unterstreicht den hohen Stellenwert gesellschaftlicher Verantwortung und nachhaltiger Organisationsentwicklung.

EMAS, kurz für Eco-Management and Audit Scheme, ist ein anspruchsvoller Standard der Europäischen Kommission. Er hilft Unternehmen dabei, ihre Umweltwirkungen systematisch zu erfassen, zu bewerten und kontinuierlich zu verbessern.

Nicole Gianeridis und Anastasia Kantzidou

Nachhaltigkeitsreferentin Nicole Gianeridis (l.) und die Umweltmanagementbeauftragte Anastasia Kantzidou

Um EMAS im Haus zu etablieren, bekommt Nicole Gianeridis fachliche Verstärkung. Anastasia Kantzidou bringt wertvolle Expertise mit: Zuvor betreute sie drei Jahre lang das Umweltmanagement der Europäischen Zentralbank (EZB). Schon im Vorstellungsgespräch sei ihr klar gewesen, dass die Barmer das Thema mit großem Engagement vorantreibe, sagt sie: „Nachhaltigkeit wird hier nicht als nice-to-have verstanden, sondern tatsächlich als ein strategischer Bestandteil der Organisation, der bis in den Vorstand hineinwirkt.“ Kantzidous Aufgabe wird es sein, EMAS bei der Krankenkasse einzuführen und zu verankern.

Transparenz und Teamwork: Wie die Barmer 15.500 Mitarbeitende einbindet

Aktuell befindet sich die Barmer in der Bestandsaufnahme. „Wir ermitteln auf allen Ebenen, wo wir als Unternehmen stehen“, so Gianeridis. Ihr Team sammelt dafür Zahlen ein und bündelt laufende Aktivitäten: Wo stehen wir aktuell in Sachen Recycling? Wie lassen sich Gebäude energetisch sanieren? Parallel dazu entstehen neue Strukturen, zum Beispiel für Kommunikation und Schulungen. Denn alle Mitarbeitenden sind gefragt, Informationen über Arbeitsabläufe und Verbesserungsmöglichkeiten beizutragen. „Zum ersten Mal spielen wir das Thema Nachhaltigkeit wirklich mit allen zusammen“, so Gianeridis. „Natürlich verpflichten wir niemanden, mitzumachen. Aber die Ziele sollen schon gemeinschaftlich erarbeitet werden.“ Sie werden dadurch nicht nur verbindlicher. Dass alle Bereiche des Unternehmens eingebunden sind, macht EMAS-Vorgänge auch transparent.

Regelmäßig überprüfen externe Umweltgutachterinnen und -gutachter, ob alle Vorgaben eingehalten werden und was sich vielleicht noch optimieren lässt. „Das ist ein bisschen wie der TÜV beim Auto“, sagt Kantzidou. Für Gianeridis ist dieser objektive Blick von entscheidender Bedeutung: „Die Außensicht hilft uns, ständig besser zu werden.“ Ist die Erhebung abgeschlossen, werden die Ergebnisse ausgewertet und als Umwelterklärung veröffentlicht. Alle drei Jahre muss dann neu zertifiziert werden.

Ressourcen schonen, Kosten senken: Warum Daten essenziell sind

Die Einführung von EMAS ist aufwändig. Langfristig spart das System jedoch wichtige Ressourcen und Kosten. Das umfangreiche Regelwerk und die großen Mengen Daten, die dafür nötig sind, findet Nicole Gianeridis nicht dröge, sondern interessant: „Daten sind alles andere als trocken. Wenn ich etwas messe, dann lerne ich, es besser zu steuern“, sagt sie. Anastasia Kantzidou bezeichnet sich ebenfalls als „absoluten Zahlen-Menschen“: „Zahlen komprimieren Beobachtungen und machen Aussagen präzise.“

Auf dem Weg zur ersten Zertifizierung wünschen sich beide eine enge Zusammenarbeit über alle Fachbereiche hinweg. „Wir möchten die gesamte Barmer mitnehmen – auch jene Kolleginnen und Kollegen, die vielleicht bisher wenig Berührungspunkte mit dem Thema Nachhaltigkeit hatten“, so Kantzidou.

Der Weg zu einer zertifiziert nachhaltigeren Unternehmenskultur

Für die kommenden Aufgaben haben sich die beiden daher ein gemeinsames Motto gesetzt: Offen bleiben für neue Perspektiven, pragmatisch vorgehen – und sich immer wieder daran erinnern, dass Nachhaltigkeit ganz konkrete Auswirkungen hat. Zum Beispiel auf die Natur, in der sie ihre Freizeit verbringen. Nicole Gianeridis ist ausgebildete Reitlehrerin. Anastasia Kantzidou hat als Tauchlehrerin mehrere Jahre in Indonesien gelebt. Eine Überzeugung, die sie von dort mitgebracht hat: „Nachhaltigkeit bedeutet, aufmerksam zu sein, Zusammenhänge zu verstehen und langfristig zu denken.“ Genau da setze die EMAS-Zertifizierung an, so Nicole Gianeridis: „Sie ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Lernprozess. Und ein neuer Status für uns, auf den wir stolz sein können.“

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