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Meniskusriss im Knie: Ursachen, Symptome, Behandlung

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Redaktion:

Philipp Kirn (Medical Writer, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Steffen Karpstein (Assistenzarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie)

Ein stechender Knieschmerz, ein Knacken – und plötzlich geht kaum noch etwas: Treppensteigen, Radfahren oder Aufstehen sind nur noch schmerzhaft möglich. Eine mögliche Ursache ist ein Meniskusriss. Er zählt zu den häufigsten Knieverletzungen und betrifft nicht nur Sportlerinnen und Sportler. Doch was genau ist ein Meniskusriss, welche Symptome treten auf und wie lange dauert die Heilung?

Auf einen Blick

  • Symptome: Ein Meniskusriss äußert sich oft durch stechende Schmerzen im Knie, besonders bei Drehbewegungen oder Belastung. Häufig treten auch Schwellungen, Bewegungseinschränkungen oder ein blockiertes Gefühl im Gelenk auf.
  • Ursachen: Typische Auslöser sind plötzliche Drehbewegungen des Kniegelenks, etwa beim Sport. Bei älteren Menschen kann der Meniskus auch durch altersbedingten Verschleiß einreißen.
  • Verlauf: Unbehandelt kann ein Meniskusriss chronische Beschwerden verursachen und das Kniegelenk weiter schädigen. Der Verlauf hängt vom Ausmaß des Risses und der individuellen Belastung ab.
  • Diagnose: Die Diagnose erfolgt durch eine körperliche Untersuchung, ergänzt durch bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall. Dabei wird geprüft, ob der Meniskus beschädigt ist und wenn ja, wie stark.
  • Therapie: Je nach Schwere des Risses kommen nicht operative Maßnahmen wie Physiotherapie oder eine Operation infrage. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit wiederherzustellen und mögliche Folgeschäden zu minimieren.
     

Definition: Was ist ein Meniskusriss?

Der Meniskus setzt sich aus halbmondförmigen Strukturen aus faserigem Knorpel im Kniegelenk zusammen: dem Innenmeniskus und dem Außenmeniskus. Sie wirken wie Stoßdämpfer, stabilisieren das Knie und verteilen das Gewicht gleichmäßig auf dem Gelenkknorpel. Eine Meniskusläsion – also eine Schädigung des Meniskus – entsteht, wenn dieser Knorpel einreißt. Dieser Einriss wird als Meniskusriss bezeichnet.

Ein sportlich aktiver Mann mit Knieschmerzen während des Trainings

Ein traumatischer Meniskusriss entsteht oft durch plötzliche Drehbewegungen des Knies, etwa bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln wie Fußball oder Skifahren.

Ein Meniskusriss kann durch eine plötzliche ungünstige Drehbewegung entstehen – Fachleute sprechen dann von einem traumatischen (unfallbedingten) Riss.

Ebenso kann sich ein Meniskusriss schleichend entwickeln, vor allem durch altersbedingten Verschleiß. In diesem Fall handelt es sich um einen sogenannten degenerativen Riss, der oft ohne konkretes Unfallereignis auftritt und sich zunächst nur durch leichte Beschwerden bemerkbar macht.

Symptome: Wie fühlt sich ein Meniskusriss an?

Die Symptome bei einem Meniskusriss sind meist eindeutig. Zu den häufigen Beschwerden gehören:

  • Schmerzen im Knie, insbesondere bei Dreh- und Beugebewegungen
  • Blockadegefühl, als ob etwas im Gelenk klemmt
  • Schwellungen oder ein „dickes Knie“
  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Knack- oder Schnappgeräusche
  • Instabilitätsgefühl, besonders beim Treppensteigen

Die Symptome eines Meniskusrisses variieren je nach genauem Ort und Größe des Risses. Ein kleiner Riss kann zunächst kaum auffallen, während ein größerer Einriss sofort Schmerzen verursacht. Besonders typisch ist ein Schmerz bei Belastung, etwa beim Hocken oder Gehen in unebenem Gelände.

Ursachen: Wie entsteht ein Meniskusriss?

Es gibt zwei Hauptursachen, die einen Meniskusriss im Knie auslösen. Die erste Ursache ist ein sogenannter traumatischer (unfallbedingter) Meniskusriss. Dazu kommt es häufig durch eine plötzliche Verdrehung des Kniegelenks – etwa beim Sport, wenn der Fuß am Boden fixiert bleibt, der Oberkörper sich aber weiterdreht. Besonders oft kommt es deshalb bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln und abrupten Stopps und Drehungen wie Fußball, Skifahren und Tennis zu traumatischen Meniskusrissen. Jüngere Menschen sind häufiger als Ältere betroffen.

Die zweite Hauptursache sind degenerative (verschleißbedingte) Meniskusrisse: Der Meniskus verliert mit zunehmendem Alter – insbesondere ab etwa 60 Jahren – an Elastizität. In der Folge wird er spröde und kann schon bei alltäglichen Bewegungen reißen, zum Beispiel beim Aufstehen aus der Hocke. Degenerative Meniskusrisse treten vor allem bei älteren Menschen auf. Möglich ist auch eine Mischform: ein unfallbedingter Riss bei einem bereits verschleißbedingt vorgeschädigten Meniskus.

Diese weiteren Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für einen Meniskusriss deutlich:

  • Fehlstellungen der Beine, zum Beispiel O-Bein oder X-Bein
  • Vorangegangene Knieverletzungen wie ein Kreuzbandriss
  • Übergewicht
  • Berufsbedingte Belastungen, beispielsweise häufiges Knien oder Tragen schwerer Lasten

Häufigkeit: Wie oft tritt ein Meniskusriss auf?

Meniskusrisse gehören zu den häufigsten Knieverletzungen überhaupt. Studien zufolge erleiden etwa 60 bis 70 von 100.000 Menschen alljährlich einen solchen Riss. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Meniskusrisse können grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Verletzungsbedingte Risse sieht man jedoch besonders häufig bei jüngeren Erwachsenen, während sich verschleißbedingte Risse meist erst ab dem mittleren Lebensalter entwickeln, oft ab etwa 40 Jahren. Bei Seniorinnen und Senioren sind degenerative Meniskusschäden häufig ein Zufallsbefund bei MRT-Aufnahmen.

Verlauf: Wie entwickelt sich ein Meniskusriss?

Unbehandelt kann ein Meniskusriss zu erheblichen Problemen führen. Kleinere Risse heilen manchmal von selbst, insbesondere wenn sie im gut durchbluteten Bereich des Meniskusrandes liegen. Größere Risse oder in der schlechter durchbluteten inneren Zone gelegene Risse bleiben dagegen oft bestehen und verursachen immer wieder Schmerzen, Blockaden oder Entzündungen.

Schwere Meniskusschäden führen dazu, dass der Gelenkknorpel stärker beansprucht wird und sich nach und nach abnutzt – das begünstigt die Entstehung der Gelenkerkrankung Arthrose im Knie, die Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen verursachen kann. Deshalb ist es wichtig, bei größeren Rissen frühzeitig zu handeln.

Diagnose: Wie wird ein Meniskusriss erkannt?

Bei Verdacht auf einen Meniskusriss steht zunächst das ärztliche Gespräch im Vordergrund. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach dem Unfallhergang, bestehenden Beschwerden und dem genauen Schmerzempfinden.

Danach folgt eine körperliche Untersuchung mit typischen Funktionstests, bei denen das Knie unter anderem unter Drehbelastung untersucht wird. Oft reichen diese Tests schon aus, um den Verdacht zu bestätigen.

Um den Meniskusriss sicher zu diagnostizieren, kommt meist eine Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz. Sie zeigt die genaue Lage und Größe des Risses. Röntgenaufnahmen wiederum helfen, begleitende Knochenveränderungen zu erkennen und gegebenenfalls die Beinachse (X-Bein beziehungsweise O-Bein) genauer zu beurteilen. Sie zeigen jedoch den Meniskus selbst nicht.

Gut zu wissen: Wenn nach einer ungewohnten Belastung, bei der sich das Knie verdreht, plötzlich stechende Knieschmerzen, eine Schwellung, Blockaden oder Bewegungseinschränkungen auftreten, sollten Sie zeitnah Ihre hausärztliche Praxis oder direkt eine Arztpraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie aufsuchen. Bei akuten und starken Beschwerden etwa nach einem Sportunfall kann es auch sinnvoll sein, direkt die Notfallambulanz einer unfallchirurgischen oder orthopädischen Klinik aufzusuchen.

Behandlung: Was tun bei Meniskusriss?

Die Therapie bei einem Meniskusriss richtet sich nach dem Ausmaß der Verletzung, dem Alter der Patientin oder des Patienten und den Beschwerden. Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten.

Mann beim Physiotherapeuten auf Liege

Viele Meniskusrisse lassen sich ohne OP behandeln – gezielte Physiotherapie stärkt die Muskulatur, verbessert die Beweglichkeit und entlastet das Knie.

Nicht operative Therapie

Nicht jeder Meniskusriss muss operiert werden. Bei kleinen Rissen ohne Blockadegefühl oder bei degenerativen Schädigungen ohne starke Beschwerden ist eine sogenannte konservative Behandlung sinnvoll. Sie umfasst:

  • Schonung, um das Knie zu entlasten
  • Physiotherapie, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern
  • Kühlung und Schmerzmittel, um Entzündungen zu lindern
  • Eine Bandage oder Orthese, die das Knie von außen stabilisiert

Operative Therapie

Muss ein Meniskusriss operiert werden? Das ist nicht immer nötig. Eine Operation wird empfohlen, wenn:

  • Der Riss die Beweglichkeit des Knies blockiert
  • Starke Schmerzen bestehen
  • Die nicht operative Therapie mit Physiotherapie und Schonung keine Besserung bringt

Moderne Operationen bei Meniskusriss erfolgen meist minimalinvasiv per Arthroskopie. Bei diesem auch Gelenkspiegelung genannten Eingriff werden durch kleine Hautschnitte feine Instrumente und eine Kamera in das Knie eingeführt. Die Chirurgin oder der Chirurg entfernt geschädigte Meniskusteile (Teilentfernung) oder näht den Riss und versucht, den Meniskus wieder an seiner ursprünglichen Position zu verankern (Meniskusnaht), wenn er in einem gut durchbluteten Bereich liegt.

Nachsorge: Wie lange dauert die Heilung und wann ist man wieder fit?

Die Dauer der Heilung nach einem Meniskusriss hängt von mehreren Faktoren ab – vor allem davon, ob der Riss konservativ oder operativ behandelt wurde. Bei kleineren, stabilen Rissen, die ohne Operation ausheilen, kann die Genesung bereits nach vier bis sechs Wochen abgeschlossen sein. Entscheidend ist hier eine gezielte Physiotherapie, um das Knie zu stabilisieren und die Muskulatur wieder aufzubauen.

Nach einer Meniskus-OP, insbesondere bei einer Teilentfernung (Meniskusteilresektion), sind viele Betroffene ebenfalls nach etwa 4 bis 6 Wochen wieder belastbar. Wird der Meniskus jedoch genäht (Meniskusnaht), dauert die Heilung deutlich länger – in der Regel drei bis sechs Monate. In dieser Zeit sind Schonung und eine sorgfältige Nachsorge besonders wichtig, damit die Naht gut einheilen kann

Wie lange Betroffene nach einem Meniskusriss arbeitsunfähig sind, hängt von der Art der Therapie und der Tätigkeit ab. Bei körperlich anstrengenden Jobs kann die Arbeitsunfähigkeit auch mehrere Monate andauern.

Wie der Meniskus optimal heilt

Bei optimaler Therapie und konsequenter Nachsorge ist eine vollständige Heilung des Meniskus vor allem bei jüngeren Menschen und frischen Verletzungen möglich. Degenerative Risse hingegen können immer wieder Probleme verursachen, auch wenn die Schmerzen zwischenzeitlich nachlassen. Die Heilung eines Meniskusrisses lässt sich mithilfe verschiedener Maßnahmen fördern.

  • Schonung, aber keine komplette Ruhe: Das Knie sollte geschont, aber nicht vollständig ruhiggestellt werden – leichte Bewegungsübungen fördern die Heilung.
  • Physiotherapie ernst nehmen: Ein individuell angepasstes Reha-Programm ist entscheidend für den langfristigen Erfolg.
  • Schwellungen kühlen: In den ersten Tagen helfen Kühlpacks, Schmerzen und Schwellungen zu reduzieren.
  • Hochlagern und entlasten: Das Bein sollte regelmäßig hochgelegt und gegebenenfalls anfangs mit Gehhilfen entlastet werden.
  • Sportpause einhalten: Sport nehmen Betroffene besser erst nach ärztlicher Rücksprache wieder auf – auch wenn das Knie sich schon gut anfühlt.
  • Geduldig bleiben: Heilung braucht Zeit, eine zu frühe Belastung kann Rückschläge verursachen.

Vorbeugung: Wie lässt sich ein Meniskusriss vermeiden?

Es ist kaum möglich, einen Meniskusriss vollständig zu verhindern – vor allem bei Verschleißerscheinungen. Die wichtigsten Einflussfaktoren zur Vorbeugung eines Meniskusrisses sind:

  • Regelmäßige Bewegung, um die Muskulatur rund ums Knie zu stärken
  • Vermeidung von Übergewicht, um das Gelenk zu entlasten
  • Gutes Aufwärmen vor dem Sport
  • Richtiges Schuhwerk, besonders beim Sport, gegebenenfalls mit orthopädischen Schuheinlagen, um ein bestehendes X- oder O-Bein auszugleichen

Bei anhaltenden Kniebeschwerden wie Schmerzen bei Drehbewegungen oder beim Hinhocken sollte zeitnah eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Je früher ein Meniskusriss oder eine andere Bänderverletzung im Knie erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung ohne Operation.

Literatur

Weiterführende Informationen

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