Rückengesundheit

Ursachen von Rückenschmerzen – woher kommen die Beschwerden?

Lesedauer unter 5 Minuten
Eine Frau sitzt auf einem Stuhl und fasst sich an den unteren Rücken

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Thomas Schulz (Sportwissenschaftler, Barmer)

Rückenschmerzen sind ein Oberbegriff für verschiedene Beschwerden und unterscheiden sich nach Art und Schwere. Manchmal werden sie etwa als andauernder dumpfer Schmerz im unteren Rücken erfahren, manchmal sitzt er kurz und stechend im Nacken. Dem Schmerz können vielfältige Ursachen und Auslöser zugrunde liegen. 

Meistens schmerzt der untere Rücken

Wer Rückenschmerzen hat, den ziept es in den meisten Fällen im unteren Rücken, die sogenannte Lumbalgie. Am zweithäufigsten sind Nackenschmerzen im Bereich der Halswirbelsäule (zervikal). Von diesen berichtet etwa ein Drittel der Betroffenen. In nur zwei von einhundert Fällen werden Schmerzen "thorakal", in der Brustregion, empfunden. Rückenschmerzen können ausstrahlen und im Kopf, Bauch, Genitalbereich oder auch in den Armen, Beinen und sogar inneren Organen wehtun.

Der genaue Ort der Beschwerden, ähnlich wie ihre Ursache, bleibt meistens trotz mehrerer Untersuchungen unbekannt. Man kann zwar ungefähr angeben, wo es schmerzt, aber die betroffenen anatomischen Strukturen findet auch der Arzt oft nur mühsam heraus.

Plötzliche und chronische Rückenschmerzen

Rückenschmerzen werden in Bezug auf ihren zeitlichen Verlauf in akute, subakute und chronische Beschwerden unterschieden. Akute Rückenschmerzen fassen neu auftretende Schmerzen, die weniger als sechs Wochen andauern, zusammen. Bestehen die Schmerzen zwischen sechs und zwölf Wochen, werden sie als subakut bezeichnet. Halten die Schmerzen über zwölf Wochen hinweg an, ist von chronischen Rückenschmerzen die Rede. Die Stärke der Schmerzen und ob sie nur bei Bewegung oder auch bei Ruhe auftreten, kann während dieser Zeit variieren.

Ursachen plötzlicher (akuter) Beschwerden umfassen beispielsweise Wirbelgleiten, den Hexenschuss oder Ischiasschmerz. Bei manchen akuten Rückenschmerzen ist ein Arztbesuch nötig.

Mit chronischen Rückenschmerzen können auch andere Beschwerden einhergehen: Der Schmerz kann etwa auch Schlafstörungen, Ängste oder Gewichtszunahme verursachen, die ihn wiederum verstärken. Es entsteht ein Teufelskreis, der das Leben stark beeinträchtigen kann.

Spezifische und nicht-spezifische Rückenschmerzen

Ärzte unterscheiden entsprechend der Ursache spezifische und nicht-spezifische Rückenschmerzen. Beispezifischen Rückenschmerzen gibt es eine feststellbare, körperliche Ursache, die zu den Schmerzen führt. Da es einen spezifischen Grund für die Beschwerden gibt, können Ärzte diesen zielgerichtet behandeln. Dabei kann es sich beispielsweise um Entzündungen, Wirbelgleiten oder einen Bandscheibenvorfall handeln.

Spezifische Ursachen von Rückenschmerzen können aus Einengungen oder entzündlichen Reizungen von Nerven im Bereich der Austrittsstelle aus dem Wirbel entstehen (Nervenwurzelkompression). Entzündungsbedingt können Sehnenansätze der Rückenmuskeln an den Wirbeln schmerzen (Enthesitis/Enthesiopathie). Auch können sich Bandscheibe und Wirbel bakteriell infizieren (Spondylodiszitis). Werden Wurzeln von Nerven gereizt oder eingeengt, so können Schmerzen oder Taubheit entlang dieser Nerven bis in entfernte Bereiche ausstrahlen (radikuläres Syndrom). Im Wirbelkanal kann eine verschobene, "vorgefallene" Bandscheibe "auf den Nerv gehen", der sogenannte Bandscheibenvorfall.

Acht von zehn Menschen mit akuten Beschwerden haben diese jedoch scheinbar "ohne Grund": Sie leiden unter nicht-spezifischen Rückenschmerzen. Meist gehen diese von einer verspannten Muskulatur aus. Während die Schmerzen oft nur wenige Tage andauern, können sie wiederholt auftreten. Nicht-spezifisch bedeutet, dass bei medizinischen Untersuchungen kein spezifischer Grund festgestellt wird – kein entzündeter Nerv, keine gleitenden Wirbel – und Menschen dennoch Schmerzen haben.

Scheinbare körperliche Ursachen, die beispielsweise MRT-Aufnahmen zu Trage bringen, sollten jedoch nicht überbewertet werden. Viele Menschen mit Rückenbeschwerden hoffen zwar auf einen spezifischen körperlichen Befund, da sie damit ein Ende der Schmerzen erwartet – oft ist dies allerdings nicht der Fall. Denn ab einem gewissen Alter zeigt das MRT bei einem Viertel der Untersuchten Bandscheibenvorfälle, selbst wenn diese keine Schmerzen haben. Die Behandlung solcher Zufallsfunde, die nichts mit den Beschwerden zu tun haben, ist häufig unnötig und hilft den Betroffenen wenig.

Arten von Rückenschmerzen: Stechend, dumpf oder diffus

Die Form der Schmerzen, also ob sie als dumpf und drückend oder eher spitz und stechend wahrgenommen werden, kann einen Hinweis auf deren Ursache liefern. Meist gibt es jedoch eher eine Reihe von Ursachen, die sich gegenseitig bedingen: Zu den häufigsten zählen Fehlbelastungen, zu langes Sitzen und zu wenig Bewegung.

Durch langes Sitzen, wie dies in unserem Büroalltag oft der Fall ist, geraten die Bandscheiben unter Druck. Sie verlieren an Elastizität und flachen ab. In der Folge lockern sich die zwischen den Wirbeln gespannten Bänder. Auch die kleinen Zwischenwirbelgelenke (Facettengelenke) werden nun stärker abgenutzt. Der ganze Wirbelsäulenabschnitt wird instabiler.

Außerdem führen eine schwache Rückenmuskulatur, zu schwere oder einseitige Belastungen, ständige Erschütterungen bei der Arbeit, zu schweres Heben und Tragen, Fehlhaltungen, ungeeignete Sitz- und Schlafmöbel, höheres Alter, Übergewicht, Stress oder Depressionen zu Rückenschmerzen.

Einzelne Auslöser können sich gegenseitig verstärken: Angst vor Schmerzen und der Versuch, den Rücken zu schonen, können zu Fehlhaltungen führen. Um diese zu kompensieren, arbeiten die Rückenmuskeln. Eine untrainierte Muskulatur wird mit dieser Aufgabe aber rasch überfordert, verspannt sich und reizt so in der Nähe liegende Nerven. Das erzeugt Schmerz.

Psychische Faktoren werden als Ursache von Rückenschmerzen oft unterschätzt. Wer häufig unter Stress, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit leidet, hat eine höhere Muskelanspannung, die zu Schmerzen führt. Psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen beeinflussen außerdem, wie wir Schmerzen verarbeiten: Die körpereigene Schmerzunterdrückung "funktioniert" nicht mehr richtig und Menschen nehmen Schmerzen verstärkt wahr. Die Beschwerden selbst wiederum können die psychische Belastung weiter verstärken. Eine der zentralen Erkenntnisse zur Rückengesundheit lautet daher: Nicht nur Rückenschmerz-Symptome sollen behandelt, sondern auch die Gesundheit der Seele berücksichtigt werden.

Ursachen von Rückenschmerzen: Auch Stress gehört dazu

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die beeinflussen, ob Rückenschmerzen entstehen und andauern. Halten Rückenschmerzen über zwölf Wochen an, spricht man von einer Chronifizierung. Bei einer Chronifizierung spielen vor allem psychosoziale und arbeitsplatzbezogene Einflüsse eine Rolle. Diese sind ein Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren.

Was Rückenschmerzen begünstigen kann:

Körperliche Faktoren

  • Heben und Tragen schwerer Lasten in ungeeigneter Körperhaltung
  • Fehl- und Zwangshaltungen
  • monotone Körperhaltung
  • ständige Erschütterung des Körpers

Psychische Faktoren

  • wenig Unterstützung durch das soziale Umfeld
  • berufliche Unzufriedenheit
  • Verlust des Arbeitsplatzes
  • andauernder Konflikt am Arbeitsplatz, Mobbing
  • Depressivität und Stress
  • Gefühle von Angst und Hoffnungslosigkeit
  • zu viel Schonen und wenig Bewegung
  • Ignorieren und Unterdrücken von Schmerzen

Häufige arbeitsplatzbezogene Faktoren, die Rückenschmerzen begünstigen, sind das Tragen von schweren Lasten, wie dies oft im Baugewerbe geschieht. Auch Fehl- und Zwangshaltungen, die beispielsweise in der Pflege typisch sind, führen zur Überlastung der Muskeln und anhaltenden Schmerzen. Am Arbeitsplatz können auch psychische Faktoren wie Unzufriedenheit mit dem Beruf, andauernder mentaler Stress und ständiger Zeitdruck eine Rolle spielen.

Viele Menschen denken, Schmerzen seien immer ein Zeichen dafür, dass der Körper Ruhe brauche. "Blind durchzuhalten" und nicht auf seinen Körper zu hören, kann das Problem auf Dauer verschlimmern. Dies ist auch der Fall, wenn mit Schmerzmitteln nur die Symptome behandelt werden, ohne an einer Lösung von Ursachen zu arbeiten. Zu lange Krankschreibungen und übermäßiges Schonen sind jedoch auch keine Lösung. Einige Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung, auch wenn es mal ziept, mehr zur Heilung und Linderung von Schmerzen beitragen kann als Bettruhe. Die wirksamste Selbsthilfe bei Rückenschmerz ist also oft: Sanfte Bewegung und ein differenziertes Kräftigungstraining.

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