Porträt eines jungen Mannes, der draußen mit einem angebissenen Apfel steht
Ernährung

Veganismus: Was bringt die Umstellung für dich und die Umwelt?

Lesedauer weniger als 9 Min

Redaktion:

Elina Fütterer (Medical Writer, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Meike Günther (Diplom-Ökotrophologin)

Veganismus: Der Quick-Check

Karussell mit 3 Elementen
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Gut fürs Klima

Vegane Ernährung hat von allen Ernährungsweisen das größte Potenzial, Treibhausgasemissionen zu senken. Das zeigen zahlreiche Studien.
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Food-Falle

Vegane Burger, Nuggets und Käsealternativen sind oft hoch verarbeitet und reich an Salz, Zucker oder Fett. Vegan bedeutet nicht automatisch gesund.
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Gut geplant, top versorgt

Gut informiert und mit Extra-Vitamin B12 steht einer veganen Lebensweise nichts im Weg. Bei Schwangeren und Kindern fachlichen Rat einholen.

In der Mensa Schlange stehen fürs vegane Tagesgericht oder beim WG-Kochabend komplett pflanzlich auftischen? Mittlerweile Standard. Wie Veganismus echt ein Statement für Klima und Tierschutz wird.

Ist Veganismus besser für Umwelt und Klima?

Veganismus heißt, auf alle tierischen Produkte zu verzichten: kein Fleisch, kein Fisch, keine Milch, keine Eier, kein Honig. Auch Gelatine (Bindemittel), Schellack (Überzugsmittel) oder Karmin (Farbstoff) fallen weg. Viele Fans des Veganismus gehen noch weiter und meiden auch Leder, Wolle und Kosmetik mit tierischen Inhaltsstoffen. 

Wer vegan isst, hinterlässt einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck

  • Klimasünder Fleisch: 69 Prozent, also mehr als zwei Drittel der ernährungsbedingten Treibhausgase in Deutschland entstehen durch tierische Lebensmittel. Allein die Fleischproduktion macht davon satte 44 Prozent aus.
  • Halbierte Emissionen: Der Wechsel zur rein pflanzlichen Kost hat gigantisches Potenzial. Würden wir uns alle vegan ernähren, könnten wir die Treibhausgase unserer Ernährung auf einen Schlag um fast die Hälfte senken.

Nachhaltig vegan: Natürlich ist nicht automatisch alles grün, nur weil vegan draufsteht. Wenn importierte Avocados eingeflogen werden oder der Wocheneinkauf nur aus hoch verarbeiteten Fertigprodukten besteht, wächst auch hier der ökologische Fußabdruck. 

Die beste Formel für die Umwelt: pflanzlich, regional, saisonal und möglichst frisch gekocht.

Wie viele Menschen leben vegan und warum?

Der vegane Lifestyle liegt im Trend: 

  • 2015: 0,85 Mio. Menschen leben vegan
  • 2025: 1,65 Mio. Menschen leben vegan

Warum sich so viele dafür entscheiden? Oft spielen Neugier, das Klima oder das Tierwohl eine Rolle. Außerdem schmeckt es vielen einfach viel besser als gedacht. 

Die wichtigsten Beweggründe im Überblick:

  • Tierwohl: Massentierhaltung und Schlachtung zu vermeiden, ist oftmals der wichtigste Antrieb.
  • Klimaschutz: Für viele Menschen ist er ebenso wichtig, da die Produktion tierischer Lebensmittel deutlich mehr Treibhausgase als die Herstellung pflanzlicher Kost verursacht.
  • Gesundheit: Eine vegane Ernährung kann positive Effekte auf Gewicht, Blutwerte und allgemeines Wohlbefinden haben.
  • Nachhaltigkeit: Die Produktion tierischer Produkte verbraucht deutlich mehr Ressourcen als der Anbau von Pflanzen, etwa viel Wasser. Dazu kommen immense Weide- und Ackerflächen zur Herstellung von Tierfutter.
  • Genuss und Neugier: Das Angebot an veganen Produkten ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und hochwertiger geworden. Neben der Neugier ist gerade bei Jüngeren der Geschmack ein wichtiger Grund, zu den pflanzlichen Alternativen zu greifen.

Vegane Produkte: Gesund oder Nährstofffalle?

Veganer Thunfisch, Schnitzel aus Seitan, Käse aus Cashews: Die Lebensmittelindustrie entwickelt immer neue pflanzliche Alternativen und die Nachfrage wächst.

Inzwischen hat bereits rund die Hälfte der Deutschen vegane Ersatzprodukte zumindest einmal probiert, mehr als ein Drittel konsumiert sie regelmäßig. 

Besonders beliebt:

  • Pflanzendrinks und Tofu sind die unangefochtenen Spitzenreiter.
  • Fleischalternativen und Wurstersatz folgen dicht dahinter.
  • Pflanzlicher Joghurt hat sich ebenfalls einen festen Platz im Kühlregal erobert.

Aber wie gesund sind vegane Ersatzprodukte?

Draufsicht auf einen Tisch mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln, frischem Obst, Gemüse, trockenen Körnern und Samen.

Vegan, regional und saisonal? Diese Kombi ist nicht nur gut für dich, sondern auch für unseren Planeten.

Was vegane Label auf dem Etikett verraten und was nicht 

Das Wort „vegan“ auf dem Etikett sagt nichts darüber aus, wie ausgewogen ein Produkt zusammengesetzt ist. Das international verwendete V-Label garantiert lediglich, dass das Produkt keine tierischen Inhaltsstoffe enthält. Was sonst noch drin steckt, etwa viel Salz, Zucker oder Fett, verrät dir erst der Blick auf die Zutatenliste.

Hightech auf dem Teller: Wie aus Erbsen ein Schnitzel wird 

2025 wurden in Deutschland 124.900 Tonnen Fleischersatzprodukte produziert. Das ist ein minimaler Rückgang von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber mehr als doppelt so viel wie noch 2019. 

Um Erbsen oder Soja überhaupt in ein Schnitzel zu verwandeln, braucht es einiges an Lebensmitteltechnologie und Zusatzstoffen. Häufig kommen Proteinisolate zum Einsatz. Das bedeutet: Das reine Eiweiß wird isoliert, während gesunde Begleitstoffe teilweise verloren gehen.

Die typische Konsistenz und den Geschmack erreichen Hersteller dann hierüber: 

  • Verdickungsmittel
  • Aromen
  • Fette
  • Stärke 

Das ist nicht automatisch ungesund, macht viele Ersatzprodukte aber zu hoch verarbeiteten Lebensmitteln.

Gerade die wertvollen Ballaststoffe leiden unter diesem Prozess. Sie sind für unseren Körper extrem wichtig, weil sie lange satt machen und den Darm supporten. In der unverarbeiteten Hülsenfrucht stecken sie reichlich, im fertigen Ersatzprodukt oft kaum noch. 

Vegane Fischalternativen fallen beim Nährwert-Check oft noch weiter ab. Im Vergleich zum Original liefern sie meist deutlich weniger Omega-3-Fettsäuren, Jod und Eiweiß.

Gut zu wissen: Es gibt starke Ausnahmen. Angereicherte Pflanzendrinks enthalten oft genauso viel Kalzium wie Kuhmilch, und Fleischalternativen auf Hülsenfruchtbasis können sehr nährstoffreich sein. 

Wie ein kurzer Zutaten-Check beim Einkauf hilft

Ob Soja-Leberwurst oder veganer Thunfisch: Ein kurzer Blick auf die Packungsrückseite sagt mehr als jedes Veggie-Label. 

Drei Fragen sorgen für Klarheit:

  • Wie lang ist die Zutatenliste? Je weniger Zusatzstoffe, desto besser.
  • Wie viel Salz, Zucker und gesättigte Fettsäuren stecken in dem Nahrungsmittel? Je weniger, desto besser.
  • Ist das Produkt mit Kalzium oder Jod angereichert? Wenn ja, super.

Das heißt nicht, dass nur noch Produkte im Einkaufswagen landen dürfen, die den Check bestanden haben. Ab und zu mal vegane Burger-Pattys oder Veggie-Lachs zu essen, ist völlig okay. Weniger verarbeitete Alternativen wie Tofu, Tempeh, Seitan und Hülsenfrüchte sind in der Regel aber die gesündere Wahl.

Veganismus: Was sind die Vor- und Nachteile?

Vegane Ernährung hat echte Vorteile, aber es gibt auch ein paar Punkte, die Aufmerksamkeit erfordern. Hier kommt das Pro und Kontra zum Veganismus. 

Pro Veganismus:

  • Plus für die Gesundheit: Wer vegan lebt, tut dem eigenen Körper viel Gutes. Die Ernährung sorgt oft für einen niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) und deutlich bessere Blutfettwerte. Das zahlt sich langfristig aus, denn das Risiko für Herzerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit und bestimmte Krebsarten sinkt nachweislich.
  • Klimabonus: Vegan essen bedeutet, klimafreundlich zu essen und aktiv das Klima zu schützen: Du hinterlässt einen deutlich kleineren CO2-Fußabdruck.
  • Mehr Tierwohl: Du vermeidest direktes Tierleid durch deinen eigenen Konsum.
  • Volle Auswahl: Die pflanzliche Küche ist abwechslungsreicher, als viele vielleicht denken, und das Angebot groß.

Kontra Veganismus: 

  • Mögliche Nährstoffdefizite: Ist der vegane Speiseplan eher einseitig und enthält viel Fast Food, kann es zu Defiziten bei kritischen Nährstoffen wie Eiweiß, Jod, Kalzium, Eisen und Omega-3 kommen.
  • B12-Mangel: Der Vitamin-B12-Bedarf lässt sich vegan nicht decken. Ohne Nahrungsergänzung rutschst du nach und nach in einen Mangel, der zu Müdigkeit und Störungen der Nervenfunktion führen kann.
  • Geringere Knochenstabilität: Zu wenig Kalzium und Vitamin D erhöhen das Risiko für Knochenbrüche.
  • Preisfrage: Während unverarbeitete Basics oft vergleichsweise günstig sind, kosten vegane Fertigprodukte, auch aufgrund der höheren Mehrwertsteuer, oft mehr als ihre tierischen Pendants.

Fazit: Für wen ist Veganismus geeignet und für wen eher nicht? 

Für gesunde Erwachsene gibt die DGE grünes Licht, wenn Vitamin B12 supplementiert wird und die vegane Ernährungsweise so abwechslungsreich gestaltet ist, dass die Nährstoffversorgung klappt. 

Für Schwangere, Stillende, Kinder sowie Seniorinnen und Senioren ist die Datenlage noch nicht eindeutig genug für eine pauschale Empfehlung. Hier ist eine Beratung in der Arztpraxis oder bei einer Ernährungsfachkraft wichtig, um Mängel zu vermeiden.

Klar ist: Wenn du dich vegan ernährst, tust du aktiv etwas fürs Klima und das Tierwohl. Dein Teller darf Haltung haben, ohne dich zu stressen. Jeder Schritt zählt. Du entscheidest, wie groß er heute ist.

Häufige Fragen und Antworten zu Veganismus

Der Begriff „vegan“ entstand 1944 in England, als eine Gruppe von sich vegetarisch ernährenden Menschen noch konsequenter leben wollte: Sie kürzte „vegetarian“ zu „vegan“. Aus einer Wortneuschöpfung wurde eine weltweite Bewegung.

Beim Veganismus verzichtet man vollständig auf sämtliche Produkte tierischer Herkunft. Das umfasst nicht nur Fleisch und Fisch, sondern auch Milcherzeugnisse, Eier und Honig. Der Begriff entstand bereits 1944 in England durch eine Verkürzung des Wortes „vegetarian“. Viele vegan lebende Menschen meiden zusätzlich Leder, Wolle und Kosmetika mit tierischen Bestandteilen. 

Im Gegensatz dazu schließt die vegetarische Ernährung zwar Fleisch und Fisch aus, erlaubt aber Milchprodukte und Eier. Für viele ist Veganismus mehr als nur eine Ernährungsform. Es ist eine grundsätzliche Lebenshaltung.

Eine pflanzliche Ernährung kann sich positiv auf verschiedene Gesundheitsmarker auswirken. Menschen, die vegan essen, haben häufig einen niedrigeren Body-Mass-Index und günstigere Blutfettwerte. Das Risiko für Herzerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit sinkt nachweislich, ebenso das Risiko für bestimmte Krebsarten. Zusätzlich berichten viele Veganerinnen und Veganer von einem verbesserten allgemeinen Wohlbefinden. Diese Vorteile stellen sich allerdings nur ein, wenn die Ernährung abwechslungsreich und ausgewogen gestaltet ist.
Veganerinnen und Veganer meiden alle Produkte, die von Tieren stammen oder aus ihnen hergestellt werden. Dazu gehören offensichtlich Fleisch und Fisch, aber auch Milch, Eier, Honig sowie versteckte Zutaten wie Gelatine (Bindemittel), Schellack (Überzugsmittel) und Karmin (Farbstoff). Stattdessen bilden pflanzliche Lebensmittel die Grundlage: Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen. Auch Nahrungsmittel wie Tofu, Tempeh, Seitan und verschiedene Pflanzendrinks sind Teil des Speiseplans. Mittlerweile gibt es ein breites Angebot an pflanzlichen Alternativen zu Fleisch, Käse, Joghurt und anderen traditionell tierischen Produkten.
Die pflanzliche Ernährung hat ein hohes Potenzial, Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Sie könnte diese um fast die Hälfte senken. In Deutschland gehen 69 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgase auf tierische Lebensmittel zurück, wobei Fleisch allein 44 Prozent ausmacht. Die Herstellung tierischer Produkte verbraucht außerdem deutlich mehr Ressourcen wie Wasser und Landflächen als der Pflanzenanbau. Wer vegan lebt, hinterlässt daher einen erheblich kleineren ökologischen Fußabdruck. Allerdings spielen auch bei veganer Ernährung Faktoren wie Regionalität, Saisonalität und Verarbeitungsgrad eine wichtige Rolle für die Umweltbilanz.
Der wichtigste Antrieb für viele ist das Vermeiden von Tierleid durch Massentierhaltung und Schlachtung. Klimaschutz spielt eine ebenso große Rolle, da die Tierhaltung erheblich zur Treibhausgasproduktion beiträgt. Nachhaltigkeit ist ein weiteres zentrales Motiv, weil die Produktion pflanzlicher Nahrung weniger Ressourcen wie Wasser und Ackerflächen beansprucht. Gesundheitliche Überlegungen sowie der Wunsch nach einem bewussten Lifestyle sind ebenfalls wichtige Faktoren. Interessanterweise nennen besonders jüngere Menschen auch Neugier und Geschmack als Gründe für die Entscheidung zu pflanzlichen Alternativen.
Vegan bedeutet nicht automatisch gesund. Viele vegane Fertigprodukte sind stark verarbeitet und enthalten viel Salz, Zucker oder Fett. Bei einseitiger Ernährung können Defizite bei wichtigen Nährstoffen wie Eiweiß, Jod, Kalzium, Eisen und Omega-3 auftreten. Besonders kritisch ist Vitamin B12, das sich vegan nicht decken lässt und daher supplementiert werden muss. Sonst drohen Müdigkeit und Nervenstörungen. Zu wenig Kalzium und Vitamin D können das Risiko für Knochenbrüche erhöhen. Ist sie gut geplant und abwechslungsreich gestaltet, kann eine vegane Ernährung aber gesundheitlich sehr vorteilhaft sein.
Vegane Fertigprodukte kosten tatsächlich häufig mehr als ihre tierischen Alternativen. Ein wenig bekannter Grund dafür ist die unterschiedliche Besteuerung: Fleisch wird mit 7 Prozent, Fleischersatz jedoch mit 19 Prozent Mehrwertsteuer besteuert. Wer jedoch auf unverarbeitete Grundnahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und saisonales Gemüse setzt, kann oft günstiger einkaufen als bei fleischhaltiger Ernährung. Vegan zu leben, muss also kein Luxus sein. Es kommt stark darauf an, welche Produkte man wählt.

Weiterführende Informationen

Literatur

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