Impfungen

Lesedauer unter 4 Minuten

Können Alkohol & Co die Impfwirkung verringern?

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Autor

Constanze Löffler (Wissenschaftsjournalistin, Ärztin)

Qualitätssicherung

Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu genießen. Aber mindern Genussmittel wie Schokolade, süße Getränke oder Alkohol die Wirkung von Impfstoffen bei Kindern und Erwachsenen? Und steigt gleichzeitig das Risiko für Nebenwirkungen, wenn geimpft wurde? Das sind häufig gestellte Fragen, doch schon Paracelsus, Schweizer Arzt und Alchemist, wusste hierauf vor 500 Jahren eine Antwort: Allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei. Das gilt auch im Zusammenhang mit dem impfen. 

Masern, Mumps, Röteln, Grippe, Hepatitis, COVID-19....: Wie verhält man sich als Patient richtig, wenn man geimpft wurde? Das ist eine häufig gestellte Frage. Um das Thema Impfen ranken sich Mythen und Gerüchte, nicht zuletzt seit der COVID-19-Pandemie und der Grippeimpfung. Hier bedarf es gesundheitlicher Aufklärung. Soviel ist schon mal sicher für die Gesundheit: Die menschliche Abwehr kann Impfstoffe sehr gut bewältigen und verarbeiten. Manche Eltern machen sich Sorgen und sehen ein hohes Risiko, dass Kombinationsimpfstoffe Kinder überfordern könnten und Nebenwirkungen auftreten, wenn geimpft wurde. Das ist längst widerlegt: Die heutigen modernen Kombinationsimpfstoffe haben nicht mehr Nebenwirkungen als die Einzelimpfstoffe, dafür muss das Kind aber viel weniger geimpft werden.

Was passiert, wenn Alkohol auf ein robustes Immunsystem trifft?

Im alltäglichen Umgang mit unzähligen Krankheitserregern aus der Umwelt ist unsere körperliche Abwehr weitaus mehr gefordert, als durch die überschaubare Anzahl geschwächter Erreger in Impfstoffen. Unser Immunsystem kommt daher auch ohne Weiteres mit Genussmitteln klar: Es verarbeitet Impfungen selbst dann, wenn wir anschließend einen leckeren Milchkaffee, ein Stück Sahnetorte oder ein Glas Rotwein genießen. So lange wir das in Maßen tun, stören wir nicht die Routine der körperlichen Abwehr. In Mengen ist von Alkohol – egal ob nach einer Impfung oder im Alltag – auf jeden Fall abzuraten. Wer beispielsweise einen Liter Wein pro Woche trinkt, bewegt sich schon an der Grenze zum Alkoholismus.

Warum spielt Alkohol eine Sonderrolle beim Impfen?

Generell hat Alkohol keinen Einfluss auf eine erfolgreiche Impfung und den Impfschutz, solange er wirklich Genuss bedeutet. In großen Mengen schwächt das Zellgift den Körper – und wirkt sich auch auf das Immunsystem aus. So kann permanenter, aber auch akuter, mäßiger Alkoholkonsum uns nicht nur anfälliger für Infektionen machen, er verkürzt auch unsere Lebenserwartung.

Jeder Impfstoff wirkt anders

Die genauen Effekte von Alkohol auf die Wirksamkeit von Impfstoffen unterscheiden sich von Impfstoff zu Impfstoff. So wirkten Injektionen gegen Hepatitis A und Hepatitis B trotz starkem Alkoholgenuss ähnlich gut wie bei nüchternen geimpften Probanden. Dafür kann das Genussgift die Wirkung einer Pneumokokkenimpfung schmälern: In einer Studie produzierte das Immunsystem von Alkoholikern weniger Antikörper als das von Gesunden. Daher die klare Empfehlung: Trinken Sie in den ersten Tagen nach einer Impfung möglichst gar keinen Alkohol. Oder Sie trinken lediglich ein Glas Wein oder Bier. Denn der Körper kann nach einer Impfung schlechter Antikörper bilden, wenn er damit beschäftigt ist, den Alkohol abzubauen.

Das Glas stehen lassen nach dem Impfen

Trinken Sie keinen Alkohol, falls Sie sich nach einer Impfung ermattet und müde fühlen oder leichte Krankheitssymptome zeigen. So schützen Sie Ihren Körper davor, dass er weiter geschwächt wird und sich die Nebeneffekte des Impfstoffs verstärken. 

Kann Übergewicht den Impfschutz schmälern?

Unser Immunsystem braucht genau wie alle anderen Organe Energie, um effektiv zu arbeiten. Als Energielieferanten sind vor allem Kohlehydrate und Fette entscheidend. Allerdings ernähren sich viele Kinder und Erwachsene zu genussvoll und energiereich – und nehmen zu: Über die Hälfte der Erwachsenen hierzulande ist übergewichtig, fast ein Viertel ist sogar krankhaft übergewichtig oder fettleibig. Fettleibigkeit wird als Body-Maß-Index (BMI) ≥ 30 kg/m2 (Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Größe in Meter zum Quadrat) definiert. Medizinisch ist das problematisch: Das Immunsystem bei stark übergewichtigen Personen reagiert träger und kann den Körper selbst nach einer Impfung schlechter schützen. Das Risiko bezüglich einer Krankheit steigt bei geringerem Impfschutz. Genau wie beim Alkohol sollten wir uns daher auch bei Zucker und Fett mäßigen, um einer Krankheit vorzubeugen.

Geringerer Impfschutz nachgewiesen - Wann steigt das Risiko für Erkrankungen bei geimpften Personen?

Erstmalig wurde eine eingeschränkte Immunantwort 1985 nachgewiesen, nachdem adipöse Klinikmitarbeiter weniger gut auf eine Hepatitis B Impfung reagiert hatten. Fünfundzwanzig Jahre später zeigten Daten zur saisonalen Grippe, dass krankhaft übergewichtige Personen ein erhöhtes Risiko für grippeähnliche Infektionen und Erkrankungen und dadurch ausgelöste Komplikationen hatten. Vermutet wird in diesem Zusammenhang auch, dass bei übergewichtigen Menschen die Viren tiefer in die Lunge eindringen und Erkrankungen nicht so gut bekämpft werden können. In zwei weiteren Studien nahm der impfstoffinduzierte Antikörperschutz gegen Tetanus und Tollwut bei adipösen Kindern und adipösen jungen Erwachsenen ab. Offenbar sind krankhaft Übergewichtige Kinder und Erwachsene nach Impfungen schlechter geschützt vor Erkrankungen – ein Umstand, dem Sie mit ausgewogener Ernährung entgegenwirken können, um das Risiko zu mindern.

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