Impfungen

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Können Alkohol & Co die Impfwirkung verringern?

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Autor

  • Constanze Löffler (Wissenschaftsjournalistin, Ärztin)

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu genießen. Aber mindern Genussmittel wie Schokolade, süße Getränke oder Alkohol die Wirkung von Impfungen? Darauf wusste schon Paracelsus, Schweizer Arzt und Alchemist, vor 500 Jahren eine Antwort: Allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei.

Wie verhält man sich nach einer Impfung richtig? Darum ranken sich Mythen und Gerüchte. Soviel ist sicher: Die menschliche Abwehr kann Impfungen sehr gut bewältigen und verarbeiten. Manche Eltern machen sich Sorgen, dass Kombinationsimpfstoffe das Immunsystem ihrer Kinder überfordern könnten. Das ist längst wiederlegt: Die heutigen Moderne Kombinationsimpfstoffe haben nicht mehr Nebenwirkungen als die Einzelimpfstoffe, dafür muss das Kind aber viel weniger gepikst werden.

Was passiert, wenn Alkohol auf ein robustes Immunsystem trifft?

Im alltäglichen Umgang mit unzähligen Krankheitserregern aus der Umwelt ist unsere körperliche Abwehr weitaus mehr gefordert, als durch die überschaubare Anzahl geschwächter Erreger in Impfstoffen. Unser Immunsystem kommt daher auch ohne Weiteres mit Genussmitteln klar: Es verarbeitet Impfungen selbst dann, wenn wir anschließend einen leckeren Milchkaffee, ein Stück Sahnetorte oder ein Glas Rotwein genießen. So lange wir das in Maßen tun, stören wir nicht die Routine der körperlichen Abwehr. In Mengen ist von Alkohol – egal ob nach einer Impfung oder im Alltag – auf jeden Fall abzuraten. Wer beispielsweise einen Liter Wein pro Woche trinkt, bewegt sich schon an der Grenze zum Alkoholismus.

Warum spielt Alkohol eine Sonderrolle?

Generell hat Alkohol keinen Einfluss auf eine erfolgreiche Impfung, solange er wirklich Genuss bedeutet. In großen Mengen schwächt das Zellgift den Körper – und wirkt sich auch auf das Immunsystem aus. So kann permanenter, aber auch akuter, mäßiger Alkoholkonsum uns nicht nur anfälliger für Infektionen machen, er verkürzt auch unsere Lebenserwartung.

Jede Impfung wirkt anders

Die genauen Effekte von Alkohol auf die Wirksamkeit von Impfungen unterscheiden sich von Impfstoff zu Impfstoff. So wirkten Injektionen gegen Hepatitis A und B trotz starkem Alkoholgenuss ähnlich gut wie bei nüchternen Probanden. Dafür kann das Genussgift die Wirkung einer Pneumokokkenimpfung schmälern: In einer Studie produzierte das Immunsystem von Alkoholikern weniger Antikörper als das von Gesunden. Daher die klare Empfehlung: Trinken Sie in den ersten Tagen nach einer Impfung möglichst gar keinen Alkohol. Oder Sie belassen es einfach bei einem Glas Wein oder Bier. , Denn der Körper kann nach einer Impfung schlechter Antikörper bilden, wenn er damit beschäftigt ist, den Alkohol abzubauen.

Das Glas stehen lassen

Verzichten Sie auf das gewohnte Gläschen, falls Sie sich nach einer Impfung ermattet und müde fühlen oder leichte Krankheitssymptome zeigen. So schützen Sie Ihren Körper davor, dass er weiter geschwächt wird und sich die Impfnebeneffekte verstärken. 

Kann Übergewicht die Impfwirkung verhindern?

Unser Immunsystem braucht genau wie alle anderen Organe Energie, um effektiv zu arbeiten. Als Energielieferanten sind vor allem Kohlehydrate und Fette entscheidend. Allerdings ernähren sich viele Deutschen zu genussvoll und energiereich – und nehmen zu: Über die Hälfte der Erwachsenen hierzulande ist übergewichtig, fast ein Viertel ist sogar krankhaft übergewichtig oder fettleibig. Fettleibigkeit wird als Body-Maß-Index (BMI) ≥ 30 kg/m2 (Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Größe in Meter zum Quadrat) definiert. Das Immunsystem bei stark übergewichtigen Menschen reagiert träger und kann den Körper selbst nach einer Impfung schlechter schützen. Genau wie beim Alkohol sollten wir uns daher auch bei Zucker und Fett mäßigen.

Geringerer Impfschutz nachgewiesen

Erstmalig wurde eine eingeschränkte Immunantwort 1985 nachgewiesen, nachdem adipöse Klinikmitarbeiter weniger gut auf Hepatitis-B-Impfung reagiert hatten. Fünfundzwanzig Jahre später zeigten Daten zur saisonalen Grippe, dass krankhaft übergewichtige Menschen ein erhöhtes Risiko für grippeähnliche Erkrankungen und dadurch ausgelöste Komplikationen hatten. Vermutet wird in diesem Zusammenhang auch, dass bei übergewichtigen Menschen die Viren tiefer in die Lunge eindringen und nicht so gut bekämpft werden können. In zwei weiteren Studien nahm der impfstoffinduzierte Antikörperschutz gegen Tetanus und Tollwut bei adipösen Kindern und adipösen jungen Erwachsenen ab. Offenbar sind krankhaft Übergewichtige nach Impfungen schlechter geschützt – ein Umstand, dem Sie mit ausgewogener Ernährung entgegenwirken können.

Quellenangaben

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Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a005396 Letzte Aktualisierung: 25.05.2020
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