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Coronavirus

Sport nach Corona: Darauf sollte man achten

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Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Annette Mittmann (Ärztin und medizinische Psychotherapeutin)

Geduld und Vorsicht – diese zwei Zutaten brauchen Sportlerinnen und Sportler, wenn sie nach einer Corona-Erkrankung wieder durchstarten wollen. Denn wer den Körper zu früh, zu intensiv belastet, riskiert gravierende Schäden. Wir erklären, wann der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ist und wie der Start gut gelingt.

Der lästige Husten ist endlich weg, der Kopf hat aufgehört zu pochen und der Coronatest zeigt nur noch einen Streifen – Zeit, die Sporttasche zu packen und den Trainingsrückstand aufzuholen. Oder? Zahlreiche prominente Beispiele zeigen, warum das keine gute Idee ist und wir unserem Körper Zeit geben sollten, sich zu erholen. Der Fußballprofi Joshua Kimmich etwa wurde nach einer Corona-Erkrankung durch Infiltrationen in der Lunge ausgebremst. Ringer-Weltmeister Frank Stäbler büßte nach seiner Corona-Infektion zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent seiner Lungenleistungsfähigkeit ein. Bundesliga-Torwart Rune Jarstein musste ein halbes Jahr aussetzen, weil bei ihm eine Herzmuskelentzündung festgestellt wurde, die durch das Coronavirus ausgelöst worden war. Und Handball-Nationalspieler Profi Hendrik Wagner klagte nach einer überstandenen Corona-Infektion während der Europameisterschaft über massive Atemprobleme.

Doch nicht nur Leistungssportler sollten eine Corona-Infektion sehr ernst nehmen. Auch in der Freizeit und auch nach einem milden Krankheitsverlauf ist Geduld angesagt. Wer nach der Zwangspause zu früh und zu intensiv mit dem Training beginnt, riskiert massive Gesundheitsprobleme und langfristige Schäden. Ist der Start dagegen wohlüberlegt und wohldosiert, kann körperliche Aktivität ein wichtiger Baustein sein, um nach einer SARS-CoV-2-Infektion bald wieder mit voller Energie durchzustarten. 

Warum ist ein schneller Trainingsstart nach Corona riskant?

In den allermeisten Fällen verläuft die Infektion mit Corona milde – die Symptome bilden sich innerhalb von Tagen bis einigen Wochen, höchstens wenigen Monaten, vollständig zurück. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn in seltenen Fällen kann die Infektion zu problematischen Veränderungen an den Organen führen. Der Grund: COVID-19 betrifft nicht nur die Atemwege, sondern ist eine systemische Erkrankung, bei der die Gefäßinnenhaut befallen wird. Über die Entzündung der Mikrogefäße kann es zu Schäden am Herzen, den Nieren, der Leber, dem Gehirn oder anderen Organen kommen.

Kritisch ist das für Sportler, weil sich die Beschwerden zum Teil erst spät zeigen – oder die Veränderungen sogar komplett unbemerkt bleiben. Wer nicht spürt, dass sein Körper noch mit den Folgen der Infektion zu kämpfen hat, trainiert unter Umständen einfach darauf los und riskiert damit schwerwiegende Komplikationen: eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie, Tachykardie), Vernarbungen an der Lunge (Fibrosen) oder Gefäßverschlüsse (Embolien, Thrombosen) – Komplikationen, die lebensgefährlich werden können.

Prof. Martin Halle, Direktor der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie am Klinikum rechts der Isar der TU, mahnt deshalb: „Sportlerinnen und Sportler dürfen COVID-19 nicht unterschätzen, auch wenn sie keine Symptome hatten.“ In den Ambulanzen erlebt sein Team regelmäßig junge, eigentlich gesunde Athletinnen und Athleten, die keinen schweren Verlauf hatten, aber dennoch Veränderungen an Herz oder Lunge zeigen und deren Leistungsfähigkeit über Wochen, teils sogar Monate, stark einschränkt ist. Der Mediziner warnt deshalb davor, sich von Coaches, Trainingspartnerinnen und -partnern, Teammitgliedern oder dem eigenen Ehrgeiz unter Druck setzen zu lassen. 

Die Infektion sollte vollständig auskuriert werden, bevor der Körper wieder beansprucht wird. Während und direkt nach der akuten Krankheitsphase ist Bewegung zwar erlaubt – sofern es das Körpergefühl und der Gesundheitszustand zulassen –, allerdings nur bei sehr niedriger Belastungsintensität. Das bedeutet: ohne Anstrengung, ohne Schweiß und so gemächlich, dass eine Unterhaltung problemlos möglich ist. 

Wie lange muss ich nach einer Infektion warten, bis ich wieder trainieren kann?

Der Wissenschaftsrat der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) hat zu dieser Frage Empfehlungen erarbeitet. Sie basieren auf den aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und klinischen Erfahrungen bei Breiten- und Spitzensportlern. Die erste Fassung des Positionspapiers vom Mai 2020 sah nach einem positiven Testergebnis mindestens 14 Tage Sportpause vor. Inzwischen existiert allerdings mehr Wissen über das Infektionsgeschehen und mit der aktuell verbreiteten Omikron-Variante eine andere Ausgangssituation, so dass die Empfehlungen nun überarbeitet wurden. Die im Mai 2022 publizierte, neue Fassung gibt die Dauer der Sportpause entsprechend des Schweregrads der COVID-19-Erkrankung an: 

  • Keine Symptome: Bei einer COVID-19-Erkrankung mit symptomfreiem Verlauf sollten Sie drei Tage auf das Training verzichten. Es ist keine ärztliche Diagnostik nötig, bevor Sie Ihren Sport wiederaufnehmen.
  • Milde Symptome: Als Symptome einer milden Verlaufsform gelten eine erhöhte Körpertemperatur unter 38,5 Grad Celsium, leichter Husten, Halsschmerzen, leichtes Krankheitsgefühl, Unwohlsein sowie leichter Schnupfen, der länger als drei Tage anhält. Während dieser Beschwerden und in den drei darauffolgenden symptomfreien Tagen sollten Sie keinen Sport treiben. Wer anschließend wieder mit dem Training starten möchte, braucht im Vorfeld keine ärztliche Untersuchung. 
  • Moderate Symptome: Dazu zählen ein starkes Krankheitsgefühl, Atembeschwerden in Ruhe, höheres Fieber (über 38,5 Grad Celsius), Kopf-, Muskel-, Gelenk- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Husten, der länger als drei Tage anhält. Solange diese Beschwerden auftreten, ist Pausieren angesagt. Auch die ersten drei Tage ohne Krankheitszeichen sollten Sie noch nicht trainieren. Bevor Sie Ihren Sport wieder aufnehmen, ist ein Check-up beim Arzt sinnvoll. 
  • Schwere Symptome: Bei einem schweren Verlauf gibt es Anzeichen einer Lungenentzündung (etwa Fieber, Husten, Atembeschwerden) und eines der folgenden Symptome: eine Atemfrequenz von weniger als 30 Atemzügen in der Minute, schwere Atemnot oder eine Sauerstoffsättigung von weniger als 90 Prozent. Bei diesen Symptomen ist meist ein stationärer Klinikaufenthalt bis hin zur intensivmedizinischen Behandlung notwendig. Auch hier sollten Betroffene drei Tage ohne Beschwerden abwarten und sich vor der sportlichen Belastung gründlich untersuchen lassen. 

Für den Fall, dass die Symptome verschwunden sind, der Test aber noch positiv ist, raten Expertinnen und Experten dazu, weiter abzuwarten und mit dem Training zu pausieren. Denn auch, wenn sich das Virus nicht mehr so deutlich bemerkbar macht, ist der Körper weiter davon belastet. 

Es gibt noch nicht ausreichend Studien zu COVID-19 und möglichen Langzeitfolgen. Daher bestehen auch unterschiedliche Empfehlungen, was sportliche Betätigung nach einer Corona-Infektion angeht. Umso wichtiger ist es, dass Sie nach einer Infektion langsam und stufenweise wieder mit dem Training einsteigen und sehr genau auf Ihren Körper hören.

Wann sollte man sich grünes Licht vom Arzt holen?

Nach einer Corona-Infektion wird nicht mehr pauschal allen Hobbyathletinnen und -athleten eine sportmedizinische Kontrolluntersuchung empfohlen. Wer einen Krankheitslauf ohne oder mit nur milden Krankheitszeichen hatte, kann nach einer Pause das Training eigenverantwortlich ganz gemächlich und stufenweise wieder beginnen.

Wer dagegen moderate bis schwere Symptome hatte, sollte sichergehen, dass er den Körper belasten kann, ohne dabei ein gesundheitliches Risiko einzugehen. Auch ambitionierte, ältere und vorerkrankte Sportlerinnen und Sportler sollten sich vor dem Wiedereinstieg auf jeden Fall durchchecken lassen.

 Auf Wunsch und auf Selbstzahlerbasis führen die Ärztinnen und Ärzte weitere Untersuchungen durch, etwa einen Laktattest oder die Bestimmung von Antikörpern im Blut. Den Antikörpertiter zu kennen, kann für Interessierte informativ sein, sollte aber keine Auswirkungen auf das Verhalten im Alltag haben – denn eine verbindliche Aussage über die durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion lässt der Antikörpertiter noch nicht zu.

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Welche Beschwerden können nach einer Corona-Infektion beim Training auftauchen?

Das Absitzen der Sportpause und auch der Check-up bei der Ärztin, beim Arzt sind leider keine Garanten dafür, dass der Wiedereinstieg reibungslos verläuft. Selbst wenn sich Sportlerinnen und Sportler langsam an ihr gewohntes Training herantasten, kann es passieren, dass Beschwerden (wieder-)auftauchen. Dazu zählen:

  • Schnelle Erschöpfung
  • Kurzatmigkeit
  • Hoher Puls
  • Schwindel
  • Atemnot
  • Engegefühl in der Brust
  • Kopfschmerzen
  • Herzstolpern oder Herzrasen
Sport nach Corona: Steigt man mit dem Training nach der Infektion wieder ein, kann es zu körperlichen Beschwerden kommen.

Sport nach Corona: Steigt man mit dem Training nach der Infektion wieder ein, kann es zu körperlichen Beschwerden kommen.

Betroffen davon sind nicht nur Hobbyathletinnen und -athleten, die mit einem schweren Krankheitsverlauf zu kämpfen hatten. Auch nach einer Infektion ohne Symptome kann es sein, dass der Körper beim Training Warnsignale sendet. In diesem Fall gilt: erstmal einen Gang herunterschalten.

Bleiben die Probleme über einen längeren Zeitraum und auch bei reduzierter Belastung bestehen, ist ein Termin bei der Ärztin oder beim Arzt sinnvoll. Sie oder er kann feststellen, ob dahinter Ursachen stecken, von denen ein Risiko beim Sport ausgehen kann. Denn: „Herzmuskelbeteiligungen können sich beispielsweise erst Wochen nach der akuten Infektion äußern“, sagt Oberarzt Fritz Wimbacher vom Klinikum rechts der Isar in München. 

Doch auch andere Beschwerden, die keine Gefahr beim Training darstellen, können Sportler dauerhaft einschränken. Sie fallen unter den Begriff Long-COVID, wenn sie über die akute Krankheitsphase hinaus vier Wochen fortbestehen oder auch neu auftreten.

Eine anhaltende Fatigue, Schwindel, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme sind besonders für Leistungssportlerinnen und -sportler problematisch, weil sie einen großen Einfluss auf die Performance bei Wettkämpfen haben. Auf der anderen Seite könnte Sport dabei helfen, die Spätfolgen von Long-COVID zu linden. 

Was muss ich beachten, wenn ich nach Corona wieder mit dem Training beginnen will?

Wenn Sie nach Corona wieder mit dem Sport starten wollen, sollten Sie ein paar Dinge beachten:

  • Hören Sie auf Ihren Körper. Beim Treppensteigen sind Sie im zweiten Stockwerk schon aus der Puste? Wenn Sie das Spielzeug Ihres Kindes aufheben, wird Ihnen schwindelig? Dann sollten Sie sich noch etwas Ruhe gönnen und nicht gleich zur 10-Kilometer-Runde aufbrechen. Starten Sie erst dann wieder mit dem Sportprogramm, wenn Sie sich fit und belastbar fühlen.
  • Sie haben regelmäßig Ihren Puls im Blick? Wunderbar. Die Herzfrequenz in Ruhe ist ein guter Indikator dafür, wie es um Ihre Genesung steht. Ist der Wert um 10 Schläge oder mehr erhöht, sollten Sie sich noch Zeit zur Erholung geben. 
  • Beginnen Sie mit dem Alltagstraining: Radfahren zum Supermarkt, Spaziergänge mit dem Hund, Treppensteigen statt Aufzugfahren. Wenn Sie sich gut dabei fühlen, können Sie bald mit leichten Sporteinheiten beginnen.
  • „Starten sollten Sie mit leichten Beweglichkeits-, Stabilisations- und Koordinationsübungen“, sagt Sportmediziner Fritz Wimbauer. „Erst in weiterer Folge können Sie langsam mit dem Grundlagenausdauertraining beginnen, zum Beispiel zwei, drei Mal pro Woche eine halbe Stunde laufen gehen, und dann kontinuierlich das Training über die darauffolgenden Wochen steigern.“ 
  • Absolvieren Sie lieber mehrere kurze Einheiten statt einer langen. Wenn Sie die Häufigkeit erhöht haben, können Sie die Trainingszeit verlängern. Erst zum Schluss darf die Intensität gesteigert werden.
  • „Wichtig ist, zwischen den einzelnen Sequenzen Pausen einzulegen“, sagt Wimbauer. „Auch wer gesund ist, sollte auf ausreichende Regeneration achten. Sport stärkt zwar das Immunsystem und senkt das Risiko für virale Erkrankungen, doch kann Übertraining negative Auswirkungen auf den Immunstatus haben, das heißt, das Infektionsrisiko erhöhen.“

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