Junge Frau albert mit Kopfhörern herum und hält sie an ihre Eckzähne.
Zahngesundheit

Zähneknirschen (Bruxismus): Symptome, Ursachen, Therapien

Lesedauer unter 9 Minuten

Redaktion

  • Katja Matthias (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Zähneknirschen oder Zusammenpressen der Zähne (in der Fachsprache Bruxismus) kann schädlich sein und Schmerzen verursachen. Allerdings handelt es sich eher um eine schlechte Angewohnheit als um eine Krankheit. Sie loszuwerden, ist nicht leicht. Häufige Behandlungsmöglichkeit ist eine Beißschiene. Ursächlich sind wahrscheinlich Faktoren wie Stress oder Schlafstörungen. Manche Menschen knirschen am Tag mit den Zähnen (Wachbruxismus), andere nachts (Schlafbruxismus). Viele Betroffene bemerken die Angewohnheit überhaupt erst, wenn Beschwerden auftreten. Das eigene Verhalten zu beobachten und mehr darüber zu lernen, sind erste wichtige Schritte, um gegen das Zähneknirschen vorzugehen.

Wie gefährlich ist Zähneknirschen?

Normalerweise berühren sich unsere Zähne nur selten und ganz kurz – für Bruchteile von Sekunden. Bei Menschen mit Bruxismus ist das anders. Sie pressen die Zähne manchmal minutenlang aufeinander oder bewegen sie knirschend gegeneinander. Dadurch können verstärkte Abnutzungserscheinungen (Abrasionen) an einzelnen oder auch allen Zähnen entstehen. Füllungen, Kronen, Brücken, Prothesen oder Implantate tragen aufgrund der unterschiedlich starken mechanischen Belastung eventuell Schäden davon.

Beim Zähneknirschen sind die Kräfte der Kiefermuskulatur fehlgeleitet. Das kann zu muskulären Verspannungen und Schmerzen in Kaumuskulatur, Gesicht und allgemein im Schulterbereich führen. Auch die Kiefergelenke können in Mitleidenschaft gezogen werden. Eventuell lässt sich der Mund nicht mehr richtig öffnen und die Gelenke knacken und schmerzen. Auch die Stellung der Zähne im Mund kann durch den ständigen Druck und die Belastung negativ verändert werden. Bruxismus ist daher auf jeden Fall ein Risiko für die (Zahn-)Gesundheit.

Es ist nicht klar, wie weit diese schlechte Angewohnheit verbreitet ist. Laut Schätzungen knirschen von 10 Menschen 1 bis 3 mit den Zähnen oder pressen sie zusammen. Bruxismus kann schon bei Kindern auftreten und sich über das ganze Leben hinweg fortsetzen. Am weitesten verbreitet ist das Phänomen bei Menschen zwischen 10 und 30 Jahren und scheint mit zunehmendem Alter eher abzunehmen. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Symptome für Bruxismus (Zähneknirschen) können sein:

  • Übermäßige Abnutzung der Zähne
  • Absplitterungen an den Schneidekanten der Schneide- und Eckzähne
  • Glattgeschliffene Flächen (Schlifffacetten) auf den Zähnen
  • Stark ausgeprägte Kaumuskulatur
  • Abdrücke der Zähne am Rand der Zunge
  • Weiße Linien auf der Wangenschleimhaut
  • Wiederholt auftretende Schäden an Füllungen oder Zahnersatz
  • Schmerzen im Bereich von Kaumuskulatur, Kiefergelenk, Wangen, Nacken und Schläfen (manchmal auch als vermeintliche Ohrenschmerzen wahrgenommen, da das Kiefergelenk unmittelbar neben dem Ohrausgang liegt)
  • Kopfschmerzen

Wann und wie tritt Zähneknirschen auf?

Das Knirschen kann in unterschiedlicher Form auftreten. Die wichtigste Unterscheidung ist, ob das Zähneknirschen im Wachzustand oder während des Schlafs auftritt.

Ein typisches Phänomen ist die Aktivität der Kaumuskeln, die auch gänzlich ohne Kontakt der Zähne zueinander stattfinden kann. Das Zusammenziehen der Muskeln kann von kurzer Dauer sein (unter 2 Sekunden). Dann sprechen Fachleute von tonischem Bruxismus. Folgen mehrere kurze Anspannungsphasen hintereinander, nennt man es rhythmischer oder phasischer Bruxismus. Beide Formen können kombiniert auftreten.

Zähneknirschen in der Nacht (Schlafbruxismus)

Schlafbruxismus ist die nächtliche Aktivität der Kaumuskeln während des Schlafs. Die besondere Herausforderung dabei ist, dass die meisten betroffenen Menschen nichts von ihrem Verhalten ahnen, da sie es während des Schlafs nicht bewusst erleben. Oft sind es erst Beschwerden am Morgen wie Schmerzen im Bereich der Kiefergelenke oder Abnutzungserscheinungen an den Zähnen, die auf das Problem des nächtlichen Knirschens aufmerksam machen.

Zähneknirschen am Tag (Wachbruxismus)

Bei Wachbruxismus handelt es sich um übermäßige Aktivität der Kaumuskeln am Tage. Hier ist ein wichtiger erster Schritt, sich bewusst zu machen, wie Kiefer und Zunge sich im entspannten Zustand anfühlen: Die Zähne haben keinen Kontakt zueinander, die Zunge „schwebt“ locker im Mundraum, die Lippen berühren sich maximal leicht, der Unterkiefer ruht ohne Anstrengung unter dem Oberkiefer. Erst wenn sie ein Gefühl für Entspannung entwickeln, wird den meisten Menschen die Anspannung erst richtig bewusst.

Zähneknirschen bei Kindern

Auch bei Kindern kann Zähneknirschen oder das Zusammenpressen der Zähne bereits auftreten. Wenn die Kinder schon älter sind, besteht die Gefahr, dass dann auch die bleibenden Zähne geschädigt werden. Eltern sollten spätestens dann Rat und Hilfe bei einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt suchen, wenn sie Symptome bei ihren Kindern bemerken.

Die häufigsten Ursachen für Zähneknirschen

Aktuell geht die Forschung davon aus, dass verschiedene Faktoren zusammenkommen, damit Bruxismus auftritt. 

Die Rolle der Psyche (Stress, Verspannung)

„Eine Sache noch einmal durchkauen“ oder „die Zähne zusammenbeißen“ – der Zusammenhang zwischen psychischer Belastung, seelischen Ursachen und den Zähnen hat Eingang in unsere Sprache gefunden. Untersuchungen bestätigen, was die Redewendungen nahelegen: Zahlreiche Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen emotionalem Stress und Bruxismus. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. Stress kann durch Probleme in der Familie, in der Schule oder auf der Arbeit ausgelöst werden. Aber auch Ängste oder Depression können Auslöser sein.

Wenn wir belastet sind und unter Stress stehen, kann das zu Anspannung führen. Die Muskeln im Rücken, in der Schulter, in Nacken, Gesicht und am Kiefer spannen sich an und arbeiten stärker. Der stete Wechsel von An- und Entspannung gehört zum Leben dazu. Wenn wir vor Herausforderungen stehen, spannen wir uns an, um unsere Kräfte zu mobilisieren. Wichtig ist es, ob wir die Anspannung langfristig durch ausreichend Entspannung ausgleichen können.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Craniomandibuläre (oder kraniomandibuläre) Dysfunktion ist ein Sammelbegriff für Schmerzen und Beschwerden der Kaumuskeln und Kiefergelenke. Die CMD umfasst verschiedene Diagnosen und Funktionsstörungen. Dazu können zum Beispiel Entzündungen und Veränderungen der Kiefergelenke oder muskuläre Probleme gehören. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Bruxismus und CMD, wobei noch nicht abschließend geklärt ist, wie genau dieser aussieht. Diskutiert wird, ob Zähneknirschen oder Zusammenpressen der Zähne eine Ursache für CMD sein kann.

Stellung von Zähnen und Kiefer

Die Okklusion – also wie die Zähne von Ober- und Unterkiefer aufeinandertreffen – galt lange Zeit als hauptsächliche Ursache für Bruxismus. Die Vermutung war, dass Menschen mit einem nicht optimalen Biss diesen durch Zähneknirschen oder Zusammenpressen der Zähne ausgleichen. Fachleute versprachen sich vor allem Abhilfe durch das Abschleifen von störend aufeinanderstoßenden Zähnen. Diese Maßnahme brachte jedoch nicht den gewünschten Erfolg. Ein Umdenken fand statt: Die Fehlstellung von Zähnen oder Kiefern gilt heute nicht mehr als Ursache für Bruxismus, sondern eher als Folge davon.

Chemische Prozesse im Körper

Bestimmte Wirkstoffe im Körper können das Risiko für Bruxismus erhöhen. Dazu zählen:

  • Nikotin (für Kinder ist bereits Passivrauchen ein Risikofaktor)
  • Alkohol
  • Koffein (z. B. starker Kaffeekonsum von mehr als 8 Tassen am Tag)
  • Magensäure (steigt bei Reflux und Sodbrennen in die Speiseröhre auf; regt die Produktion von Speichel an und löst Kaureflexe aus)
  • Bestimmte Medikamente (dopaminhaltige Medikamente; trizyklische Antidepressiva oder Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer / SSRI; Medikamente gegen Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms/ADHS; Narkotika; Antihistaminika)
  • Drogen (Ecstasy / MDMA, Methadon, Kath)

Wichtig ist, dass nicht jeder Mensch gleich reagiert. Was bei dem einen keine Folgen hat, kann bei der anderen vielleicht eine starke Reaktion hervorrufen. Daher ist es sinnvoll, die Situation individuell zu betrachten und im Zweifel ärztlichen Rat zu suchen.

Schlafstörungen

Menschen, die unter Bruxismus leiden, berichten häufig über Schlafstörungen. Dazu zählen Albträume, Einschlafschwierigkeiten, unterbrochener Schlaf, Schlaflosigkeit, Schnarchen oder Schlafapnoe (eine Atemstörung während des Schlafs). Bei Kindern können Polypen oder vergrößerte Mandeln Atemstörungen während des Schlafs verursachen. Es wird vermutet, dass Schlafstörungen eine Ursache für das Zähneknirschen sein können.

Was hilft gegen Zähneknirschen (Therapie)?

Die unklaren Ursachen sind einer der Gründe, warum Zähneknirschen oder Zähne Zusammenpressen schwierig zu behandeln ist. 

Schiene: Beißschiene, Knirschschiene oder Okklusionsschiene

Ziel der Behandlung mit einer Beißschiene ist es, den Kontakt der Zähne miteinander zu unterbinden. Das vermeidet einerseits Schäden an den Zähnen. Andererseits bietet die Schiene eine Möglichkeit, gewohnte und unbewusste Bewegungsmuster zu durchbrechen und vermindert so die Anspannung.

Schienen gibt es in unterschiedlicher Form und Ausführung. Am bekanntesten ist die so genannte Michigan-Schiene. Sie ist aus Plastik und bedeckt die Zähne des gesamten Kiefers. Knirschschienen finden sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer Einsatz. Manche Schienen bedecken auch nur einige Zähne oder zusätzlich einen Teil des Gaumens. Sie können unterschiedlich dick sein und aus weichem oder hartem Material.

Eine Behandlung mit einer solchen Okklusions- oder Beißschiene ist unkompliziert. Zudem belegen Untersuchungen ihre Wirksamkeit. Grundsätzlich empfohlen sind harte Schienen, die alle Zähne bedecken und eine Höhe von 3 mm aufweisen. Das kann jedoch im Einzelfall variieren: lassen Sie sich daher individuell beraten. Es hat sich als positiv herausgestellt, Beißschienen nicht durchgängig zu tragen, sondern zwischen Phasen mit und ohne Schiene zu wechseln.

Auch Kinder können Knirschschienen tragen, allerdings nicht während des Zahnwechsels. Die Schiene würde nach kurzer Zeit nicht mehr passen und könnte das Wachstum der Zähne behindern.

Entspannung, Psychotherapie und Physiotherapie

Es kann gegen das Zähneknirschen oder Zusammenpressen helfen, bestimmte Entspannungstechniken gezielt zu erlernen. Dazu zählt die progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson. Sie basiert auf dem Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung.

Achtsamkeitstraining ist eine weitere Möglichkeit. Dabei geht es darum, bewusst in der aktuellen Situation zu bleiben und die eigene Wahrnehmung nicht zu bewerten. Die Barmer unterstützt Sie beim Stressabbau durch Achtsamkeit durch Kurse und Beratung.

Autogenes Training ist eine Entspannungsmethode, die Selbsthypnose einsetzt. Verschaffen Sie sich bei Bedarf einen Überblick über verschiedene Entspannungstechniken, um die für Sie passende zu finden.

Auch Psychotherapie kann gegen Bruxismus helfen. Hier sind beispielsweise verhaltenstherapeutische Verfahren zu nennen. Diese arbeiten teilweise mit Biofeedback. Dabei geben elektronische Hilfsmittel eine direkte Rückmeldung (Feedback), wenn bestimmte Verhaltensweisen auftreten.

Physiotherapie ist vor allem bei Schmerzen sinnvoll. Manualtherapie an Muskeln und Gelenken und Anwendungen mit Wärme oder Kälte können dabei Linderung bringen.

Abschleifen der Zähne – Zahnärztliche Behandlung

Die Behandlung von Bruxismus sollte nicht durch das Abschleifen oder Einschleifen von Zähnen erfolgen. In der Regel schaden solche Therapien eher und es kann unnötig Zahnsubstanz verloren gehen.

Auch Veränderungen im Mund, zum Beispiel durch eine neue Füllung oder Prothese, können zu akuten Problemen und Zähneknirschen oder Zusammenpressen führen. Hier sollten Nacharbeiten erfolgen, bis alle Füllungen, Kronen, Brücken, Prothesen oder Implantate optimal im Mund sitzen und den Biss nicht behindern.

Behandlung mit Medikamenten

Die Behandlung von Patienten mit Bruxismus mit Medikamenten ist nicht empfohlen.

Was kann ich selbst gegen Zähneknirschen tun?

Schlafbruxismus und Wachbruxismus unterscheiden sich in Auftreten, Wirkung und Behandlung. Für beide jedoch gilt: Sich des Problems bewusst zu werden ist der erste und wichtigste Schritt. Wenn Sie bemerken, dass Sie Ihre Zähne häufig aufeinanderpressen oder Sie unter Schmerzen leiden, sprechen Sie unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt über das Problem.

Für Menschen mit Schlafbruxismus gilt: Beachten Sie Tipps gegen Schlafstörungen und schaffen Sie die entsprechenden Rahmenbedingungen für guten Schlaf. Das können ein dunkler und kühler Raum sein sowie beruhigende Beschäftigungen, bevor Sie ins Bett gehen.

Beim Wachbruxismus sind Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken besonders hilfreich. Kleine Aufkleber an markanten Punkten können Sie an das Entspannen erinnern. Moderne Technologien wie zum Beispiel Apps können Sie dabei unterstützen, das eigene Verhalten zu beobachten und eventuell Schritt für Schritt zu verändern.

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