Schwangerschaft

Risikoschwangerschaft: besondere Betreuung für Mutter und Kind

Lesedauer unter 6 Minuten
Junge Schwangere sitzt auf einem Bett und hält ihren Bauch

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Diana Delle (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe)
  • Daniela Beerens (Gesundheitsinformation, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Die meisten Kinder kommen völlig gesund zur Welt und noch nie waren Geburten so sicher wie heute – dank enormer Fortschritte in der Geburtsmedizin. Trotzdem gibt es einige Kriterien, nach denen Schwangerschaften als sogenannte Risikoschwangerschaft eingestuft werden. Das sind Schwangerschaften, bei denen aufgrund einer besonderen Vorgeschichte oder eines auffälligen Befundes ein erhöhtes Risiko für Leben und Gesundheit der werdenden Mutter oder des Kindes besteht – beispielsweise bei einem bestimmten Alter der Schwangeren, bei früheren Fehlgeburten, bei bestimmten Vorerkrankungen oder dem Konsum von Alkohol, Drogen und Nikotin. 

So dramatisch sich der Begriff Risikoschwangerschaft anhört: Per se ist eine Risikoschwangerschaft in vielen Fällen noch kein Grund zur Sorge und stellt kein akutes Risiko dar. Sie zeigt erst mal nur, dass das Risiko für Komplikationen erhöht ist. Das zieht nach Bedarf bestimmte Verhaltensregeln oder eine engmaschigere Betreuung der Schwangeren und des Kindes nach sich – unter Umständen werden zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. Die Kosten für diese Zusatzuntersuchungen der Schwangerschaftsvorsorge übernimmt die Barmer als Ihre Krankenkasse.

All das dient dem Ziel, Sie und Ihr Baby so sorgfältig wie möglich zu behandeln – um etwaige Komplikationen frühzeitig festzustellen. Für eine reibungslose und gesunde Schwangerschaft.

Kriterien einer Risikoschwangerschaft

Bei der Erstuntersuchung stellt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt viele Fragen: zu Ihrer medizinischen Vorgeschichte, zu früheren Schwangerschaften und auch zu akuten sowie chronischen Erkrankungen. Die Antworten werden im Mutterpass festgehalten. Im Anschluss erfolgt bei Bedarf die Einstufung als Risikoschwangerschaft. Diese kann auch noch im weiteren Verlauf einer Schwangerschaft diagnostiziert werden. Die Kriterien für eine Risikoschwangerschaft werden übrigens vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegt, dem höchsten Beschlussgremium im deutschen Gesundheitswesen – 52 solcher Kriterien gibt es.

Allgemeine Risikofaktoren zur Einstufung als Risikoschwangerschaft

Es gibt einige allgemeine Kriterien, die bei der Erstuntersuchung durch die Frauenärztin oder den Frauenarzt festgestellt werden und zur Einstufung einer Risikoschwangerschaft führen können. Diese sind unter anderem:

  • Erstgebärende über 35 Jahre oder unter 18 Jahren
  • Mehrgebärende (2. - 4. Kind) über 40 Jahre
  • Vielgebärende (mehr als vier Kinder)
  • Übergewicht
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Rhesusunverträglichkeit
  • frühere Fehlgeburten, Frühgeburten, frühere Kaiserschnitte
  • Komplikationen bei früheren Entbindungen
  • gutartige Wucherungen der Gebärmutter (Myome)
  • Veränderungen am Gebärmutterhals oder an der Gebärmutter
  • bestimmte Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, Asthma bronchiale, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen, Epilepsie, Infektionen
  • bestimmte Erbkrankheiten in der Familie
  • Einnahme bestimmter Medikamente

Risikoschwangerschaft als Folge von Komplikationen in der Schwangerschaft

Es können auch bestimmte Komplikationen in der Schwangerschaft eintreten. Im Anschluss wird Ihre Schwangerschaft ebenfalls als Risikoschwangerschaft eingestuft. Die Folge: eine stärkere medizinische Kontrolle der Frau und des Babys. Hier eine Auswahl an Komplikationen und Erkrankungen, die als Risiko gewertet werden:

  • Blutungen
  • Schwangerschaftsdiabetes 
  • Präeklampsie
  • schwerer Eisenmangel
  • zu großes oder zu kleines Baby
  • ungünstige Lage des Kindes in der Gebärmutter
  • vorzeitige Wehen
  • Muttermundschwäche (Zervixinsuffizienz)

Das Alter der Schwangeren

Tatsächlich tragen Frauen zwischen 20 und 29 Jahren das niedrigste Risiko für Komplikationen. Fakt ist jedoch: In Deutschland bekommen die meisten Frauen ihr erstes Baby um das 30. Lebensjahr. Ist die Schwangere über 35 Jahre oder unter 18 Jahre alt, gilt die Schwangerschaft automatisch als Risikoschwangerschaft. Bei Mehrgebärenden liegt die Grenze bei 40 Jahren.

Warum bei Mehrgebärenden das Altersrisiko geringer eingeschätzt wird als bei Erstgebärenden
Frauen, die ihr zweites, drittes oder viertes Kind bekommen, werden als Mehrgebärende bezeichnet. Ab dem fünften Kind gelten Frauen als Vielgebärende. Lief die erste Schwangerschaft und Geburt komplikationslos, werden Mehrgebärende erst ab 40 Jahren in eine Risikoschwangerschaft eingestuft, Erstgebärende jedoch schon mit 35. Das liegt daran, dass der Körper der Frau bei einer Schwangerschaft viele sensible Veränderungen durchläuft, damit das Baby optimal versorgt werden kann. Die Plazenta und die Fruchtblase entwickeln sich, der Stoffwechsel beschleunigt sich, um das Embryo mit ausreichen Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Auch das Immunsystem und andere Organsysteme passen sich den Anforderungen der Schwangerschaft an. Hat diese Umstellung im Körper der Mutter und damit die Versorgung des Babys in einer Schwangerschaft bereits gut funktioniert, geht man davon aus, dass eine weitere Schwangerschaft ebenfalls komplikationslos verlaufen wird. Das erhöhte Risiko gilt also erst später.

Schwangere über 35 Jahre

Die Zahl der Frauen, die zwischen 35 und 39 Jahren ihr erstes Kind bekommen, ist heute wesentlich höher als vor 20 Jahren. Auch Schwangere über 40 Jahre gibt es häufiger. Ist die werdende Mutter über 35 Jahre alt, steigt das Risiko für folgende Komplikationen etwas an:

  • Fehl- und Frühgeburten
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • gutartige Wucherungen der Gebärmutter, sogenannte Myome
  • Chromosomenveränderungen beim Kind, wie beispielsweise Trisomie 21

Dafür gibt es zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, die Sie in Anspruch nehmen können. Es ist allerdings viel wahrscheinlicher, dass Ihre Schwangerschaft völlig normal verläuft.

Schwangere unter 18 Jahren

Frauen unter 18 Jahren haben ein stärkeres Risiko, vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt zu bekommen. Auch das Risiko für eine Präeklampsie und für Mangelzustände beim Baby nimmt mit jüngerem Alter zu. Deshalb werden Sie engmaschiger untersucht. So können etwaige Komplikationen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Diagnose Risikoschwangerschaft – was nun?

Viele Frauen verunsichert es, wenn sie in eine Risikoschwangerschaft eingestuft werden. Glücklicherweise verlaufen die meisten Schwangerschaften komplikationslos und die Babys kommen gesund auf die Welt. Das ist nicht zuletzt dank des medizinischen Fortschritts und des hohen Niveaus der Gesundheitsversorgung in Deutschland so.

Je nachdem, wie stark die werdende Mutter gesundheitlich eingeschränkt ist, kann die Gynäkologin oder der Gynäkologe auch ein Beschäftigungsverbot aussprechen und Hinweise zur Wahl des Geburtsortes geben.

Was bedeutet die Einstufung als Risikoschwangerschaft für mich?

Sollte bei Ihnen die Einstufung in eine Risikoschwangerschaft erfolgen, sprechen Sie am besten direkt mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über Ihre ganz spezielle Situation. Dort wird man mit Ihnen zusammen abwägen, welche Untersuchungen zu welchem Zeitpunkt sinnvoll sind. Normalerweise werden die werdende Mutter und ihr Kind bis zur 32. Schwangerschaftswoche alle vier Wochen und in den letzten acht Wochen der Schwangerschaft alle zwei Wochen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung gründlich durchgecheckt. Dieses Intervall kann bei Bedarf verkürzt werden.

Bei akuten oder chronischen Gesundheitsproblemen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus (Typ 1 oder Typ 2), Bluthochdruck, Adipositas, Funktionsstörungen der Schilddrüse, oder bei Erkrankungen von Herz, Nieren und Leber sollten Sie sich schon vor der Schwangerschaft in Ihrer Frauenarztpraxis beraten lassen. Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt kann so zum Beispiel prüfen, ob die Medikamente oder die Dosierung, die Sie einnehmen, mit einer Schwangerschaft kompatibel sind oder zuvor eine Umstellung der Medikation vorgenommen werden sollte. So können schon im Voraus gewisse Risiken verringert werden.

Mögliche Zusatzuntersuchungen während einer Risikoschwangerschaft

  • Plazentapunktion – Fachbegriff Chorionzottenbiopsie: Dabei wird Zellgewebe aus der Plazenta entnommen. Die Untersuchung bestimmt zwischen der 10. und 12. Schwangerschaftswoche die Wahrscheinlichkeit für genetische Unregelmäßigkeiten wie Trisomie 21 und bestimmte Stoffwechselerkrankungen.
  • Fruchtwasseruntersuchung – Fachbegriff Amniozentese: Hier wird Fruchtwasser aus der Fruchtblase entnommen, um wie bei der Plazentapunktion Hinweise auf Chromosomenabweichungen oder andere Erbkrankheiten zu erhalten. Die Fruchtwasseruntersuchung wird in der Regel nach der 15. Schwangerschaftswoche angewandt, häufig auch nach unklarem Befund einer Plazentapunktion.
  • Nabelschnurpunktion – Fachbegriff Cordozentese: Das kindliche Blut wird untersucht, um Blutarmut oder Infektionen beim Baby festzustellen. Die Untersuchung wird auch nach unklaren Chromosomen-Befunden einer Fruchtwasseruntersuchung angewandt.
  • Wehenschreiben – Fachbegriff Tokographie: Die Untersuchung ist bei Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit auch vor der 28. Schwangerschaftswoche möglich.

Ausführliche Informationen zur Notwendigkeit, Nutzen und Risiken dieser Untersuchungen bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Wahl des Geburtsortes

Manche Frauen wünschen sich eine Hausgeburt oder eine Geburt im Geburtshaus – bei Risikoschwangerschaften ist dies manchmal nicht möglich. Dann empfiehlt Ihnen Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt bei Bedarf eine Klinik mit besonderer medizinischer Ausstattung. Die Geburtsklinik kann den Informationen aus dem Mutterpass entnehmen, ob für Ihr Baby oder Sie besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen. Es kann auch sein, dass das Neugeborene eine besondere medizinische Versorgung benötigt. Das betrifft sowohl personelle Möglichkeiten als auch entsprechend erforderliche medizinische Ausstattung.

Viele Frauen gelten heute als risikoschwanger. Mit der richtigen Vorsorge und einer besonderen Achtsamkeit für Sie und Ihr Baby ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie eine glückliche und komplikationslose Schwangerschaft verleben und nach der Geburt ein gesundes Baby in den Armen halten.

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Webcode: a006417 Letzte Aktualisierung: 07.05.2021
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