Älteres Paar beim Walking im Wald
Krebs

Bewegung und Sport bei Krebs

Lesedauer unter 8 Minuten

Autor

  • Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)

Sport senkt das Risiko, an Krebs zu erkranken: Das zeigen bereits viele Studien. Doch auch nach der Diagnose Krebs kann sich Bewegung positiv auf den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität auswirken. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Vorteile Bewegung sowohl während der Krebstherapie als auch für die Rehabilitation nach der abgeschlossenen Behandlung haben kann, welche Sportarten sich eignen und worauf bei ihrer Wahl zu achten ist.

Sport hat viele Vorteile für Krebspatienten

Menschen mit Krebs profitieren auf vielfältige Weise von Sport und Bewegung. Bewegung kann sich in dieser oft schwierigen Zeit der Erkrankung positiv auf ihr Leben auswirken. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Bewegung individuell auf die Bedürfnisse und die Möglichkeiten der Betroffenen zugeschnitten ist – und ihr oder ihm Freude bereitet. Dafür wenden sie sich etwa an Vereine, die auf onkologische Sporttherapie spezialisiert sind. Studien zeigen, dass gezielte Bewegung für Menschen mit Krebs viele Vorteile für Körper und Seele bringen kann:

  • angeregtes Herz-Kreislauf-System
  • verbesserte allgemeine Fitness
  • erhöhte Beweglichkeit im Alltag
  • gesundes Körpergewicht
  • verbessertes Gedächtnis
  • weniger Depressionen, Ängste und Schlafstörungen
  • weniger tumorbedingte Erschöpfung (Fatigue)
  • gesteigertes Selbstbewusstsein
  • mehr Selbstvertrauen in sich und den eigenen Körper
  • mehr Motivation und Optimismus
  • erhöhte Lebensqualität
  • Kontakt mit Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation
  • weniger Gefühle von Isolation
  • Gruppenzugehörigkeit
  • Spaß und Freude

Viele Fachärztinnen und -ärzte der Onkologie sagen, „Sport ist so wichtig wie ein Krebsmedikament“. Körperliche Aktivität spielt in vielfacher Hinsicht eine bedeutende Rolle in der Behandlung, allerdings sollte Bewegung keinesfalls als Ersatz für die Standardbehandlung, beispielsweise Chemotherapie oder Strahlentherapie, verstanden werden, sondern immer ergänzend und unterstützend. Wer regelmäßig Sport macht, lebt oft insgesamt gesünder, achtet also auch mehr auf eine ausgewogene Ernährung bei Krebs, trinkt weniger Alkohol und raucht seltener Zigaretten.

Durch die Erkrankung Krebs sind Menschen oft körperlich und mental weniger leistungsfähig. Die Diagnose kann enormen psychischen Stress (akute Belastungsreaktion) und daraus folgend auch körperliche Erschöpfung verursachen. Ist der Krebs fortgeschritten, können die Muskeln abbauen und zu einer ausgeprägten Schwäche führen (Tumorkachexie). Abhängig von der Art der Krebserkrankung entwickeln zwischen zwei und fünf von zehn Menschen mit Krebs ein chronisches Erschöpfungssyndrom, die tumorbedingte Fatigue. Die Fatigue sowie krankheitsbedingter Muskelabbau können den Zugang zu Bewegung erschweren. Deshalb fühlen sich Betroffene zunehmend schwächer. Aber auch belastende Krebstherapien können die Lebensqualität und körperliche Kraft einschränken. Je erschöpfter ein Mensch sich fühlt, desto schwerer fällt es, in Bewegung zu kommen: ein Teufelskreis entsteht.

Individuell angepasster Bewegungsplan für Krebspatienten

Ein individueller Bewegungsplan kann ab der Diagnose dabei helfen, die Belastung durch die Erkrankung und die Therapie mit ihren möglichen Nebenwirkungen zu bewältigen. Sport und Bewegung können viele unangenehme Begleiterscheinungen verringern, die die Krankheit oder die Therapie verursachen, und Ängste und Unsicherheiten abbauen. Auch Menschen, die sich im Innersten durch die Erkrankung erschüttert fühlen, haben die Möglichkeit, Selbstbewusstsein und Vertrauen in ihren Körper zurückzugewinnen.

Sport bei Krebs: Bewegung während der Krebstherapie hat viele positive Effekte für die Patientinnen und Patienten.

Sport bei Krebs: Bewegung während der Krebstherapie hat viele positive Effekte für die Patientinnen und Patienten.


Welche und wie viel Bewegung individuell sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Person, ihrer Erkrankung sowie ihrer Behandlung ab. Welche körperliche Betätigung für Menschen realistisch ist wird auch davon beeinflusst, wie aktiv sie vor ihrer Diagnose bereits gelebt haben. Es kommt vor allem auf ein gutes Gleichgewicht an: das heißt auf Herausforderung ohne Überforderung.

Bevor Menschen mit dem Sport beginnen, sollten sie sich daher von Fachärztinnen und -ärzten für Onkologie und Sportmedizin beraten lassen und gemeinsam den individuellen Bewegungsplan erstellen. So können die unterschiedlichen Ziele der sportlichen Aktivität klar abgesteckt werden. Über den Rat ihres onkologischen Behandlungsteams hinaus können Patientinnen und Patienten sich auch beispielsweise an die Ansprechpartner des DOSB wenden, die gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe das bundesweite Projekt "Bewegung gegen Krebs" mit interessanten Angeboten umsetzen.

Verschiedene Studien zeigen, dass auch die Menge an Bewegung beeinflussen kann, wie stark sie „wirkt“: Am besten erforscht ist der Effekt von Bewegung auf Menschen mit Brust-, Darm- oder Prostatakrebs. Hier hatten diejenigen, die sich mehr bewegen, teilweise eine höhere Überlebensrate als die, welche sich weniger oder gar nicht bewegen. Je mehr sich Menschen sportlich betätigen, die an Brustkrebs erkrankt waren, desto geringer ist vermutlich ihr Risiko, dass der Krebs zurückkehrt. Wie belastbar diese Ergebnisse sind und wie Bewegung sich auf andere Krebserkrankungen auswirkt, sollen weitere Studien zeigen.

Bewegung und Sport während der Krebsbehandlung

Welcher Sport ist bei Krebs geeignet? Schon alltägliche Bewegung wie Gehen, Fahrrad fahren oder Gartenarbeit können dazu beitragen, die Ausdauer zu verbessern, Muskeln zu kräftigen und die Stimmung zu heben. Zusätzlich kann das behandelnde Ärzteteam abhängig von der Krebserkrankung, der gewählten Behandlung und den Bedürfnissen der Patienten empfehlen, was möglich und sinnvoll ist. Verschiedene Arten von angeleitetem Sport können Menschen mit Krebs auf unterschiedliche Weise helfen. Dazu gehören:

  • Krafttraining
  • Ausdauertraining
  • Koordinationstraining
  • Beweglichkeitstraining
  • Spezialtraining, etwa für Menschen mit neuropathischem Schmerz
  • Funktionelles Training: Kombination von Kraft und Ausdauer
  • Beckenbodentraining
  • Entspannungsmethoden (autogenes Training, progressive Muskelrelaxation)
  • Yoga (Kraft- und Dehnübungen für den Körper, Atem- und Entspannungsübungen)
  • Tanzen

Krafttraining kann zum Beispiel gegen den Abbau von Muskeln und die damit verbundene extreme Schwäche (Kachexie) wirken. Je nach Art des Tumors betrifft eine Kachexie einen bis acht von zehn Menschen mit Krebs. Gezieltes Krafttraining kann hier nicht nur vorbeugen, sondern eine solche extreme Schwäche bis zu einem gewissen Grad auch umkehren. Wie vor jeder anderen sportlichen Betätigung bei Krebs ist es auch hier wesentlich, das Training mit dem Behandlungsteam zu besprechen: Besteht etwa das Risiko, mehr Energie zu verbrauchen, als man durch Essen zu sich nehmen kann, und so zu viel Gewicht zu verlieren, können andere Übungen sinnvoller sein. Auch in der Zeit unmittelbar nach einer Operation kann Muskelaufbau durch Krafttraining Risiken bergen.

Kraft- und Ausdauertraining können laut der Leitlinie für Brustkrebspatientinnen die körperlichen Einschränkungen durch die Erkrankung und die Therapie verringern, der tumorbedingten Fatigue entgegenwirken und die Lebensqualität erhöhen. Gegen den neuropathischen Schmerz, der durch eine Chemotherapie entstehen kann, empfiehlt die Leitlinie außerdem bestimmte Bewegungstherapien. Dazu gehören unter anderem Übungen für das Gleichgewicht (Balancetraining), für Stabilität und Koordination (sensomotorisches Training), für die Geschicklichkeit der Hände (Feinmotorik-Training) sowie Übungen für den Kraftaufbau auf einer vibrierenden Platte (Vibrationstraining).

Einschränkungen für Sport bei Krebs

Es kann für Menschen mit Krebs in manchen Fällen sinnvoll sein, vorläufig auf bestimmte Formen von Sport zu verzichten. Ausschlaggebend dafür sind Symptome, Risikofaktoren und Nebenwirkungen, die durch die Krebserkrankung oder ihre Behandlung verursacht werden, wie zum Beispiel:

  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • akuter Infekt und Fieber
  • hohe Gefahr für eine Infektion
  • Blutarmut (Anämie)
  • Blutgerinnungsstörung
  • unmittelbar nach einer Operation
  • in manchen Fällen bei Diabetes mellitus und Bluthochdruck

Außerdem sollten Patientinnen und Patienten Besonderheiten beachten, die aus ihrer Behandlung folgen. Beispielsweise sollte man sich direkt nach der Strahlentherapie vor Salz- und Chlorwasser sowie der Sonne schützen, daher ist Schwimmen in diesem Fall nicht empfehlenswert. Abgesehen von diesen Ausnahmen kann moderate Bewegung Menschen mit Krebs in der Regel nicht schaden.

Körperlicher Aufbau nach Krebs

Individualisierte Bewegungstherapie kann auch die weitere Genesung nach einer Krebserkrankung positiv beeinflussen und hilft vielen ehemaligen Krebspatientinnen und -patienten, ihren Weg zurück in den Alltag zu finden. Oft sind Menschen nach dem Krebs unsicher, was sie an Sport machen können und dürfen. Das kann anfänglich dazu führen, dass sie sich nach der Erkrankung weniger bewegen als zuvor. Ein personalisierter Sportplan und sanfte Bewegung im Alltag helfen, diese Bedenken abzubauen. Patienten lernen, dass sie sich und ihrem Körper wieder etwas zutrauen können. Bewegung hilft dabei, die körperlichen und seelischen Herausforderungen nach der Krebserkrankung und der Krebstherapie zu überwinden.


Sport und Bewegung nach Krebs…

  • fördern die körperliche und seelische Genesung
  • reduzieren tumorbedingte Erschöpfung und Fatigue
  • schenken Selbstbewusstsein und neues Vertrauen in den eigenen Körper
  • ermöglichen Austausch mit Gleichgesinnten
  • senken möglicherweise das Risiko für eine Rückkehr des Krebses

Fachkräfte für Physiotherapie oder Sportmedizin in spezialisierten Reha-Kliniken wissen, worauf etwa beim Muskelaufbau nach einer Chemotherapie oder beim Sport mit einem Stoma zu achten ist und wie Bewegungseinschränkungen überbrückt werden können, die durch die Erkrankung oder beispielsweise eine Operation entstanden sind. In der Reha bekommen Patientinnen und Patienten Anregungen für die Zeit nach der Maßnahme und erhalten auch Behandlungsvorschläge für die behandelnden Ärzte. Neben Krankengymnastik oder Physiotherapie „auf Rezept“ kann auch Rehabilitationsport eine Option sein. Er bietet Unterstützung und Motivation, um die erlernten Übungen in Eigenregie fortzusetzen. So kann Sport wieder Spaß machen und die Lebensfreude erhöhen. Mit einer ärztlichen Verordnung kann die Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragt werden.

An wen kann ich mich wenden?

Es gibt zahlreiche Rehabilitationssportgruppen, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Krebs während und nach ihrer Behandlung spezialisiert sind. Möchten Sie eine geeignete Gruppe und Angebote in Ihrer Nähe finden, können Sie sich an folgende Organisationen wenden:

Nicht nur ein Sportkurs, auch Bewegung im Alltag schenkt dem Körper neue Kraft. Diese sanfte Rückkehr in ein aktiveres Leben hilft besonders, wenn tumorbedingte Fatigue das Leben von Menschen nach abgeschlossener Behandlung und Heilung weiterhin beeinträchtigt. Um sich spürbar leistungsfähiger zu fühlen, kann es schon genügen, eine Haltestelle früher aus Bus oder Bahn auszusteigen und den restlichen Weg zu gehen, öfters die Treppe zu nutzen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Am besten fängt man mit Bewegung mit geringer Intensität an und dehnt die sportlichen Einheiten langsam und schrittweise aus. Ein guter Maßstab ist, wie man sich körperlich und seelisch nach dem Training fühlt. Die Hauptsache ist, dass die Bewegung das Leben bereichert und Spaß macht.


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