PFAS: Mann schwenkt Gemüse in einer Pfanne
Vorsorge & Früherkennung

PFAS: Wie du die Ewigkeitschemikalien im Alltag reduzierst

Lesedauer weniger als 9 Min
Redaktion:
Elina Fütterer (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Meike Günther (Diplom-Ökotrophologin)

PFAS: Der Quick-Check

Karussell mit 3 Elementen
Element 1 von 3

Hartnäckig

Die Industriechemikalie PFAS umfasst über 10.000 Stoffe, die Wasser, Schmutz und Fett abweisend sind. Sie bleiben extrem lange in der Umwelt und kommen über die Nahrung auch in deinen Körper.
Element 2 von 3

Bedenklich

PFAS im Blut hängen mit ungünstigen Blutfettwerten zusammen. Ebenso wird ein möglicher Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. 
Element 3 von 3

Überall

Pfanne, Outdoorjacke, Pizzakarton, Zahnseide, Backpapier, Muffinförmchen: PFAS können in unzähligen Alltagsprodukten vorkommen. Häufig ist nicht eindeutig erkennbar, ob ein Produkt PFAS enthält. 

Schnell noch Lunch für die Uni einpacken, Trinkflasche greifen, ab zur Vorlesung. Mit dabei: BPA, eine Chemikalie mit hormoneller Wirkung, die sich in dein Essen schleicht. Wie du den Stoff umgehen kannst.

Das sind PFAS

Puh, PFAS, was ist das denn? PFAS ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Zu den PFAS gehören über 10.000 Industriechemikalien, die zum Beispiel Fett oder Wasser abweisend wirken.

  • Die auch Ewigkeitschemikalien genannten Stoffe sind extrem stabil und biologisch kaum abbaubar.
  • PFAS stecken in unzähligen Alltagsprodukten, etwa in Antihaftpfannen, Outdoorjacken und Lebensmittelverpackungen.
  • Einige der Stoffe können sich negativ auf deine Gesundheit auswirken.

So nimmst du weniger PFAS auf

Komplett aus dem Weg gehen kannst du PFAS kaum. Aber mit ein paar Moves senkst du deine Belastung trotzdem.

Das kannst du sofort ändern:

  • Pfanne tauschen: Edelstahl und Gusseisen sind gute Alternativen zu Antihaftpfannen. Auch ohne die Beschichtung klebt mit ein bisschen Übung nichts fest. Und Kartoffeln und Gemüse werden super kross.
  • Verpackungen skippen: Viele Einwegverpackungen wie Becher, Hüllen, Take-away-Boxen und Tüten enthalten PFAS. Die bessere Wahl: Mehrweggläser oder Flaschen bei Milchprodukten oder Getränken, Käse von der Theke in Pergamentpapier, Stoffbeutel für Obst und Gemüse.
  • Sauber sprühen: Bei Imprägniermitteln für Sneaker und Outdoor-Gear genau hinschauen, inzwischen gibt es auch fluorfreie Produkte.
  • Auf Pflanzliches setzen: Weniger tierische Produkte auf dem Teller verringern deine PFAS-Aufnahme. Das ist also ein Nebeneffekt von veganer Ernährung.
  • Öfter zu Bio greifen: Viele chemisch-synthetische Pestizide enthalten PFAS. Im Öko-Anbau sind viele davon tabu. Zwar können PFAS auch über Boden, Luft und Wasser in dein Essen gelangen, aber mit Bio machst du definitiv einen guten Schritt.

So erkennst du PFAS

  • Siegel checken: Beim Kauf neuer Produkte kannst du auf Siegel wie „PFAS-frei“ oder „fluorfrei“ achten. Label wie „PFOA-frei“ bedeuten nur, dass eine einzige PFAS-Art fehlt, eine andere aber drinsteckt.
  • Hellhörig werden: Versprechen wie „fleckgeschützt“, „Wasser abweisend“ oder „Anti-Fingerprint“ weisen bei Textilien oft auf PFAS hin. Greif lieber zu Produkten ohne solche Zusatzversprechen oder mit explizitem „PFAS-frei“-Siegel.

Hier verstecken sich PFAS am häufigsten

PFAS haben eine verdammt gute PR-Abteilung. Weil sie Wasser, Fett und Schmutz so perfekt abweisen, stecken sie in fast allem, was unseren Alltag „bequem“ macht.

  • In der Küche: Pfannen, Waffeleisen und Backformen mit klassischer Antihaftbeschichtung (PTFE). Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind bei normalem Gebrauch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten. Aber: Bei älteren Modellen (vor 2020) mit PFOA-Resten in der Beschichtung lohnt es sich, bei sichtbaren Kratzern auf ein neueres Modell umzusteigen.
  • Im Kleiderschrank und beim Sport: Outdoorklamotten, Wanderschuhe, Skiwachs und sogar Kletterseile. Alles, was auch beim fiesesten Regenschauer trocken bleiben soll.
  • Beim Serien-Abend: PFAS können unter anderem in fettabweisenden Lebensmittelverpackungen vorkommen, etwa in Pizzakartons, Tüten für Popcorn aus der Mikrowelle oder Take-away-Boxen. Sie sollen verhindern, dass Fett durchsuppt.
  • Im Badezimmer: Überraschung, sogar in mancher Zahnseide stecken sie. In Kosmetik wie Make-up oder Cremes findest du sie dagegen mittlerweile eher selten.

Wandergruppe in Outdoorkleidung

Wasser abweisende Outdoorkleidung kann die PFAS-Chemikalien enthalten.

Das können PFAS mit deinem Körper machen

Die PFAS-Familie mischt sich leider in ziemlich viele Prozesse in unserem Körper ein. Vor allem bei Kindern schaut die Forschung mittlerweile ganz genau hin.

  • Erhöhtes Krebsrisiko: Die Chemikalien PFOS und PFOA stehen in Verdacht, krebserregend zu sein. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft PFOA seit 2023 als krebserregend ein, PFOS als möglicherweise krebserregend. In Humanstudien wurden bei Erkrankungen wie Brustkrebs, Eierstock-, Gebärmutter- und Hautkrebs sowie bei Kindern mit Leukämie höhere PFAS-Werte im Blut gemessen. Laut BfR sagt das insgesamt aber nichts über das tatsächliche Risiko bei üblicher Alltagsbelastung aus.
  • Immunsystem: PFAS können sich möglicherweise auf das Immunsystem auswirken. Bei Kindern mit höheren PFAS-Werten im Blut wurden nach Standardimpfungen weniger Antikörper gebildet. Ob PFAS dadurch auch die Abwehr gegen Infekte schwächen, ist bislang aber nicht geklärt.
  • Fortpflanzung und Schwangerschaft: Für einzelne PFAS wurden Zusammenhänge mit einer verminderten Fruchtbarkeit und einem geringeren Geburtsgewicht von Babys beobachtet. Ob PFAS diese Veränderungen direkt verursachen und wie groß das individuelle Risiko ist, lässt sich bislang nicht abschließend beurteilen.
  • Blutfettwerte und Diabetes: Bei höheren PFAS-Werten im Blut wurden häufiger erhöhte Blutfettwerte wie Cholesterin festgestellt. Bei jüngeren Menschen ist dieser Effekt sogar noch stärker als bei älteren. Außerdem wird diskutiert, ob die Stoffe das Risiko für Diabetes erhöhen können.
  • Leberschäden: Die Chemikalien können sich in der Leber ablagern. Welche gesundheitlichen Auswirkungen das langfristig haben kann, ist bislang nicht geklärt.

Über diese Wege gelangen PFAS in deinen Körper

Einmal in der Umwelt, machen sich PFAS überall in der Natur breit. Selbst in den entlegensten Polarregionen fanden Forschende die Stoffe.

So kommen PFAS in deinen Organismus:

  • Über das Essen: Vor allem Fisch, Meeresfrüchte und Fleisch sind oft mit PFAS belastet. Besonders viel steckt in Innereien von Wildtieren, beispielsweise in Wildschweinleber.
  • Über das Trinkwasser: Auch im deutschen Trinkwasser können PFAS nachgewiesen werden. Die Belastung unterscheidet sich je nach Region. Die gute Nachricht: Die PFAS-Belastung bleibt in der Regel innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte.
  • Aus der Luft: Winzige PFAS-Partikel lösen sich aus Teppichen oder Möbeln und landen im Hausstaub und in der Raumluft.
  • Durch Überhitzung: Wird die leere PTFE-beschichtete Pfanne auf dem Herd zu heiß (über 360 °C), können gesundheitsschädliche Abbauprodukte und Dämpfe entstehen.

PFAS schon im Babybauch

Sogar die Kleinsten betrifft es: Bereits im Mutterleib kommen Babys über die Plazenta mit PFAS in Kontakt, später dann über die Muttermilch.

Ein Grund, nicht zu stillen?

Nein. Die Nationale Stillkommission rät ausdrücklich dazu, Babys weiterhin zu stillen, da die gesundheitlichen Vorteile von Muttermilch die PFAS-Risiken bei Weitem überwiegen.

Wie dein Körper PFAS wieder los wird

Der Begriff Ewigkeitschemikalie täuscht, dein Körper kann die Stoffe durchaus ausscheiden. Wie schnell der körpereigene PFAS-Detox läuft, hängt ganz von der jeweiligen Halbwertszeit des einzelnen Stoffs ab. Das ist die Zeit, nach der etwa die Hälfte einer aufgenommenen Menge den Körper wieder verlassen hat.

  • Kurzkettige PFAS haben Halbwertszeiten von Tagen bis Wochen oder Monaten.
  • Bei langkettigen PFAS wie PFOA und PFOS dagegen liegt die Halbwertszeit bei mehreren Jahren.

Dein Körper scheidet PFAS über folgende Wege aus:

  • Urin: Die Nieren filtern den Großteil der Stoffe direkt heraus.
  • Stuhl: Auch über den Darm verlässt ein Teil der PFAS deinen Körper.
  • Menstruationsblut: Bei Frauen ist die Regelblutung wahrscheinlich ein zusätzlicher natürlicher Ausscheidungsweg. Das ist möglicherweise auch ein Grund, warum Frauen vor den Wechseljahren im Schnitt niedrigere PFAS-Werte im Blut haben als Männer.

Fazit: Kleine Swaps, große Wirkung gegen PFAS

PFAS sind überall und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern. Was du aber selbst beeinflussen kannst, ist deine persönliche Belastung. Schon der Umstieg von Fast Food auf selbst zubereitete Mahlzeiten spart dir jede Menge Verpackung und damit auch Industriechemikalien.

Jeder kleine Swap im Alltag reduziert aktiv PFAS und kann deiner Gesundheit gut tun.

PFAS: Häufige Fragen und Antworten

Die Abkürzung PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – eine Gruppe von mehr als 10.000 industriell hergestellten Chemikalien. Diese Substanzen besitzen besondere Eigenschaften: Sie stoßen Wasser, Fett und Schmutz ab. Wegen ihrer außergewöhnlichen Stabilität werden sie auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet, da sie sich in der Natur praktisch nicht zersetzen. Ihre Langlebigkeit macht sie zum Problem für Umwelt und Gesundheit.
Die Chemikalien verstecken sich in zahlreichen Gegenständen des täglichen Lebens. In der Küche finden sie sich in beschichteten Pfannen, Backformen und Waffeleisen. Auch Wasser abweisende Outdoorbekleidung, Wanderschuhe und Skiwachs enthalten die Stoffe. Lebensmittelverpackungen wie Pizzakartons, Fast-Food-Boxen und Mikrowellenpopcorn-Tüten sind häufig belastet, ebenso überraschenderweise manche Zahnseide.
Die größte Gefahr liegt in ihrer extremen Beständigkeit und ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung. Da sich manche PFAS kaum abbauen, können sie sich in Umwelt, Nahrungskette und letztlich im menschlichen Organismus anreichern. Sie stehen im Verdacht, Krebs zu begünstigen, und werden mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Selbst ungeborene Kinder kommen bereits über die Plazenta und später durch die Muttermilch mit den Chemikalien in Kontakt.
Die Substanzen greifen in verschiedene körperliche Prozesse ein. Sie stehen unter Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen, besonders bei Brust-, Eierstock- und Hautkrebs. Zudem schwächen sie möglicherweise das Immunsystem und können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen sowie das Geburtsgewicht von Neugeborenen niedrig halten. Außerdem können sie die Blutfettwerte verschlechtern, das Diabetesrisiko erhöhen und die Leber schädigen.
Die Aufnahmewege für PFAS sind vielfältig und oft unvermeidbar. Hauptsächlich gelangen die Stoffe über Lebensmittel in den Körper, vor allem durch Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch und Wildtierinnereien. Auch über Trinkwasser, in dem fast immer Spuren nachweisbar sind, nehmen wir sie auf. Zusätzlich atmen wir PFAS-Partikel aus Hausstaub und Raumluft ein oder nehmen sie durch direkten Kontakt mit beschichteten Produkten über die Haut auf.
Mit bewussten Alltagsentscheidungen kann die persönliche Belastung deutlich verringert werden. Am besten ist es, Antihaftpfannen durch Edelstahl- oder Gusseisenvarianten zu ersetzen und Einwegverpackungen zugunsten von Mehrweggläsern und Stoffbeuteln zu meiden. Pflanzliche Lebensmittel und Bio-Produkte bevorzugen, da chemische Pestizide oft PFAS enthalten. Herstellerangaben wie „PFAS-frei“ oder „fluorfrei“ bieten keine Garantie, können aber als Orientierung dienen.
Nein, der Begriff Ewigkeitschemikalie bedeutet nicht, dass die Stoffe für immer im Körper bleiben. Der Organismus scheidet PFAS hauptsächlich über Urin und Stuhl wieder aus, bei Frauen möglicherweise auch über das Menstruationsblut. Wie lange dieser Prozess dauert, hängt von der molekularen Struktur ab: Kurzkettige Verbindungen können bereits nach Wochen oder Monaten ausgeschieden sein, während langkettige Varianten wie PFOA oder PFOS mehrere Jahre im Körper bleiben können.
Der Schutz wird strenger: Seit April 2023 gelten in der EU feste Höchstgehalte für vier besonders kritische PFAS (PFOS, PFOA, PFNA und PFHxS) in Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Eiern. Auch beim Trinkwasser tut sich viel: Seit 2023 regelt die deutsche Trinkwasserverordnung strenge Grenzwerte. Ab 2026 gilt ein Limit von 100 Nanogramm pro Liter für eine Summe von 20 PFAS-Stoffen. Ab 2028 greift für die vier bedenklichsten PFAS sogar ein noch strengerer Grenzwert von nur 20 Nanogramm pro Liter.

Weiterführende Informationen

Literatur

Zertifizierung

Auf unsere Informationen ist Verlass. Sie sind hochwertig und zertifiziert.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren