BPA in Plastik: Ein Paar teilt und isst Streetfood aus Plastikgeschirr
Vorsorge & Früherkennung

BPA in Plastik: Der Health-Check

Lesedauer weniger als 9 Min
Redaktion:
Elina Fütterer (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Meike Günther (Diplom-Ökotrophologin)

BPA: Was du gern früher gewusst hättest

Karussell mit 3 Elementen
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Es war die ganze Zeit näher, als du denkst

Bisphenol A, kurz BPA, steckt oft in Konservendosen, Trinkflaschen und Geschirr aus Kunststoff. Von dort gelangt es in Getränke und Lebensmittel. 
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Dein Körper kann BPA mit einem Hormon verwechseln

Im Körper kann BPA das weibliche Sexualhormon Östrogen nachahmen und so das Hormonsystem beeinflussen.
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Die Europäische Union hat BPA verbannt

Seit Juli 2026 gilt in der EU ein weitreichendes Verbot für die Verwendung von BPA bei der Herstellung neuer Lebensmittelverpackungen.

Schnell noch Lunch für die Uni einpacken, Trinkflasche greifen, ab zur Vorlesung. Mit dabei: BPA, eine Chemikalie mit hormoneller Wirkung, die sich in dein Essen schleicht. Wie du den Stoff umgehen kannst.

BPA vermeiden: 4 Tipps für weniger BPA im Alltag

Die hormonwirksame Chemikalie nimmst du vor allem über Konservendosen und Gefäße oder Flaschen aus Kunststoff auf. 

Super: Bisphenol A darf seit dem 20. Juli 2026 in neu produzierten Lebensmittelverpackungen oder Alltagsgegenständen nahezu nicht mehr verwendet werden. Doch es gibt Übergangsfristen. Und die ganzen Trinkflaschen und Meal-Prep-Boxen aus Kunststoff in deinem Küchenschrank verschwinden ja auch nicht von allein. 

Diese 4 Tipps helfen dir, BPA im Alltag zu reduzieren: 

  • Bye-bye Dose: Tomaten, Kichererbsen und Mais gibt es auch im Glas. Oder einfach mal frisch verarbeiten.
  • Trinkflasche tauschen: Eine Flasche aus Edelstahl oder Glas ist einer der leichtesten Swaps überhaupt – egal ob für die Uni, den Weg zur Arbeit oder beim Sport.
  • Clever erhitzen: Je wärmer es wird, desto mehr Schadstoffe wandern aus der Verpackung ins Essen. Fertiggerichte füllst du deshalb lieber in mikrowellengeeignetes Geschirr aus Glas oder Porzellan um. Ausnahme: Die Verpackung ist ausdrücklich für eine solche Verwendung ausgelegt.
  • Smart lagern: Am besten packst du Sandwiches, dein Essen für die Mittagspause und Reste vom Abendessen in Aufbewahrungsboxen oder Schüsseln aus Glas, Edelstahl oder Porzellan.

Bisphenol A: In welchen Produkten das drinsteckt

  • Konserven- und Getränkedosen: Schuld ist eine Innenbeschichtung mit Epoxidharz. Stiftung Warentest untersuchte 2024 58 Konservenprodukte auf BPA. 51 waren mit BPA belastet, darunter Kokosmilch, Dosensuppen und passierte Tomaten.
  • BPA-Plastik: Die Chemikalie steckt in Mehrwegflaschen, Geschirr und Aufbewahrungsboxen aus Polycarbonat.
  • Fleisch und Wurst: Sie tragen bei Lebensmitteln ohne Dosenkontakt am stärksten zur BPA-Aufnahme bei, so die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
  • Trinkwasser: Warmes Leitungswasser aus mit Epoxidharz sanierten Rohren kann ebenso BPA enthalten.
  • Alltagsgegenstände: Auch in Stichproben von Unterwäsche und Büchern für Kleinkinder hat Stiftung Warentest schon erhöhte Bisphenol-Gehalte gefunden
  • Medizinprodukte: Das betrifft beispielsweise Katheter, Implantate sowie Zahnfüllungen.
  • Hausstaub und Luft: Beim Atmen nimmst du täglich BPA auf.
  • Kassenbons und Parktickets aus Thermopapier: Seit 2020 sind sie in der EU bereits verboten.

Produkte ohne BPA: Was die Labels BPA-frei und Bisphenol-frei bedeuten

  • „Bisphenol-frei“ ist der verlässlichste Hinweis. Bei dieser Kennzeichnung dürfen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) überhaupt keine Bisphenole enthalten sein.
  • „BPA-frei“ klingt gut, reicht aber nicht aus, denn es können trotzdem andere Bisphenole wie Bisphenol S oder F drinstecken.
  • Vorsicht bei Konservendosen. Da gibt es keine Kennzeichnungspflicht, ob ihre Beschichtung BPA enthält. Von außen kannst du das leider nicht erkennen.

BPA in Plastik: Eine Frau trinkt aus einer bunten Plastik-Flasche

BPA: Die hormonwirksame Chemikalie nimmst du vor allem über Konservendosen und Gefäße oder Flaschen aus Kunststoff auf. 

Wie erkenne ich BPA-freie Kunststoffprodukte?

Von Vorratsdose bis Schneidebrett: Beim Kauf hilft ein Blick auf den Recyclingcode. Die zweistellige Zahl findest du in dem typischen Recycling-Symbol aus drei Pfeilen, die ein Dreieck bilden. 

Die Codes 02, 04 und 05 stehen für Polyethylen und Polypropylen. Gegenstände mit diesem Code werden ohne BPA hergestellt. Trotzdem können sie andere Substanzen ins Essen abgeben. 

Code 07 ist eine Sammelkategorie. Sie umfasst sowohl Polycarbonat mit BPA als auch völlig andere Kunststoffe ohne BPA. 

Die zusätzliche Kennzeichnung „Bisphenol-frei“ bietet dir deshalb die größte Sicherheit, da sie auch ähnliche Ersatzstoffe komplett ausschließt.

BPA: Was das ist und wie es sich auf deine Gesundheit auswirkt 

BPA steht für Bisphenol A, das ist eine Industriechemikalie. Sie steckt im Kunststoff Polycarbonat, aus dem zum Beispiel Trinkflaschen, Aufbewahrungsboxen oder Geschirr bestehen. Außerdem wird BPA für Epoxidharze genutzt, mit denen Konservendosen von innen beschichtet werden, damit das Metall nicht rostet.

Das Tückische: Beide Materialien sind eigentlich stabil, trotzdem kann beim Herstellungsprozess BPA als winziger Rest zurückbleiben und sich lösen. Das passiert vor allem dann, wenn Wärme im Spiel ist. So landet der Stoff auch in deinem Essen.

So wirkt BPA im Körper

Chemie im Körper ist schon mal ein unguter Gedanke. Jetzt wird es noch ein bisschen wilder. BPA ist ein sogenannter endokriner Disruptor. Das hört sich krass an und bedeutet: BPA ahmt Östrogen nach und kann so in den Hormonhaushalt eingreifen, allerdings deutlich schwächer als das echte Hormon. 

Die aktuelle Forschung zeigt, dass schon geringe Mengen BPA auf hormonempfindliche Organe wirken können. 

Good to know: Handfeste Gesundheitsschäden durch die typische Alltagsaufnahme sind beim Menschen bisher nicht eindeutig belegt. Der EU-Grenzwert für BPA basiert auf einem Effekt aus einer Tierstudie, dessen Bedeutung für die Gesundheit noch nicht abschließend geklärt ist.

Aber: Bei langfristiger Aufnahme oder in großen Mengen kann BPA durchaus Folgen haben.

In Tierstudien beobachtet: 

  • Verfrühte Pubertät
  • Veränderungen am Brustdrüsengewebe
  • Nieren- und leberschädigende Wirkungen
  • Spezifische Auswirkungen auf den Stoffwechsel und eine damit verbundene Gewichtszunahme
  • Anstieg bestimmter Immunzellen, der mit Entzündungsreaktionen in Verbindung gebracht wird

Die Europäische Chemikalienagentur hat BPA deshalb als besonders besorgniserregende Substanz eingestuft.
 

Kleine Körper, großes Risiko

Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder haben eines gemein: In ihren Körpern laufen permanent Wachstums- und Entwicklungsprozesse ab. Daher gelten sie, was Umweltchemikalien wie BPA angeht, als besonders sensible Gruppe. 

Der Background: Hormone steuern in der frühen Entwicklung grundlegende Prozesse wie die Entwicklung der Organe und des Gehirns und können durch BPA beeinflusst werden. 

Fazit: So wirst du im Alltag BPA-frei(er)

Allen modernen Umweltgiftstoffen wie PFAS oder Mikroplastik komplett aus dem Weg zu gehen, ist aktuell leider eher Wunschdenken. 

Setz dich also nicht unnötig unter Druck. Tomatensoße aus dem Glas, eine Edelstahlflasche für die Uni oder ein kurzer Blick auf das Label, ehe du eine neue Plastikdose kaufst: Schon mit diesen kleinen, einfachen Kniffen kannst du deinen Körper im Alltag entlasten.

BPA: Häufige Fragen und Antworten

BPA ist eine Industriechemikalie, die zur Herstellung bestimmter Kunststoffe und Beschichtungen verwendet wird. Der Stoff findet sich hauptsächlich in Polycarbonat-Kunststoffen, aus denen beispielsweise Trinkflaschen oder Aufbewahrungsboxen gefertigt werden. Außerdem kommt BPA in Epoxidharzen vor, mit denen Konservendosen innen beschichtet sind, um Rostbildung zu verhindern. Obwohl diese Materialien eigentlich stabil sind, können beim Herstellungsprozess winzige BPA-Reste zurückbleiben, die sich später lösen – besonders bei Wärmeeinwirkung.
BPA kann das weibliche Sexualhormon Östrogen nachahmen und dadurch in den Hormonhaushalt eingreifen, allerdings deutlich schwächer als das echte Hormon. Akute Gesundheitsschäden durch alltägliche BPA-Mengen sind beim Menschen bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Bei langfristiger oder hoher Aufnahme können Studien zufolge jedoch Folgen wie verfrühte Pubertät, Veränderungen am Brustdrüsengewebe, Nieren- und Leberschäden, Stoffwechselveränderungen mit Gewichtszunahme sowie entzündungsfördernde Immunreaktionen auftreten. Die Europäische Chemikalienagentur hat BPA deshalb als besonders besorgniserregend eingestuft.
„BPA-frei“ bedeutet, dass ein Produkt kein Bisphenol A enthält. Klingt erst mal gut, reicht aber nicht immer als Qualitätsmerkmal. Denn viele Hersteller ersetzen BPA durch verwandte Substanzen wie Bisphenol S oder Bisphenol F, die in ihrer chemischen Struktur und Wirkweise BPA ähneln und teils ebenfalls hormonell aktiv sein können. BPA-freies Plastik ist also nicht automatisch unbedenklich. Verlässlicher ist die Kennzeichnung „Bisphenol-frei“: Bei dieser Angabe dürfen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keinerlei Bisphenole enthalten sein. Wer bei Trinkflaschen, Vorratsdosen oder Schneidebrettern ganz sicher gehen möchte, greift am besten zu Produkten aus Glas, Edelstahl, Holz, Porzellan oder Keramik.
BPA steckt in vielen Alltagsprodukten: Konserven- und Getränkedosen mit Epoxidharz-Innenbeschichtung, Mehrwegflaschen und Geschirr aus Polycarbonat-Kunststoff sowie Aufbewahrungsboxen. Aus diesen kann BPA in Getränke und Lebensmittel übergehen. Weitere Quellen sind warmes Leitungswasser aus mit Epoxidharz sanierten Rohren, bestimmte Medizinprodukte wie Katheter oder Zahnfüllungen, Hausstaub und Raumluft.
BPA verhält sich wie ein Hormon-Imitator und ahmt Östrogen nach, weshalb es als endokriner Disruptor bezeichnet wird. Dadurch kann es in den Hormonhaushalt eingreifen und besonders auf hormonempfindliche Organe wirken. Die Leber wandelt BPA um und die Nieren scheiden es anschließend aus, sodass der Körper den Stoff relativ schnell abbaut. Trotzdem gelangt BPA täglich über Lebensmittel, Verpackungen und Luft erneut in den Körper. Bei praktisch allen Menschen in Europa lässt sich der Stoff im Urin nachweisen.
Statt Konservendosen sind Lebensmittel im Glas oder frische Produkte die bessere Wahl. Trinkflaschen aus Edelstahl oder Glas stellen eine gute Alternative zu Plastikflaschen dar. Fertiggerichte lassen sich zum Erhitzen in mikrowellengeeignetes Geschirr aus Glas oder Porzellan umfüllen, sofern die Verpackung nicht ausdrücklich dafür geeignet ist. Geöffnete Lebensmittel aus Dosen gehören in Glas- oder Keramikgefäße, bevor sie in den Kühlschrank kommen. Für Sandwiches und Essensreste eignen sich Aufbewahrungsboxen aus Glas, Edelstahl oder Porzellan besser als solche aus Kunststoff.
Die Hauptaufnahme erfolgt über Lebensmittel und Getränke, in die BPA aus Konservendosen und Kunststoffbehältern übergegangen ist. Bei Dosenprodukten löst sich der Stoff aus der Epoxidharz-Innenbeschichtung, bei Kunststoffprodukten aus dem Polycarbonat, vor allem wenn sie erwärmt werden. Auch Fleisch und Wurst können zur BPA-Aufnahme beitragen: Der Stoff wird diesen Produkten zwar nicht absichtlich zugesetzt, kann aber an verschiedenen Stellen auf dem Weg zum Supermarkt ins Lebensmittel gelangen, zum Beispiel beim Verarbeiten oder Verpacken. Weitere Kontaktwege sind das Einatmen über Hausstaub und Raumluft sowie warmes Leitungswasser aus mit Epoxidharz sanierten Rohren.

Ja, diese Gruppen gelten als besonders empfindlich. Hormone steuern in der frühen Entwicklung grundlegende Prozesse wie Organentwicklung und Gehirnreifung. Störungen in diesem sensiblen Zeitfenster können lebenslange Auswirkungen haben, so die Forschung. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen BPA-Exposition und Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und Fehlgeburten. 

Bei Produkten für Säuglinge und Kleinkinder ist die Verwendung von BPA bereits seit Jahren stark eingeschränkt: Schnuller aus Latex oder Silikon etwa müssen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ganz ohne BPA auskommen. Einzelne Kunststoffbestandteile von Plastikgeschirr oder Spielzeug können jedoch grundsätzlich noch BPA-haltige Materialien enthalten. Erhitzen von Plastik in der Mikrowelle oder im Geschirrspüler kann die BPA-Freisetzung übrigens verstärken. Ein wichtiger Hinweis: Auch Bisphenol F und S, die häufig als BPA-Ersatz eingesetzt werden, gelten laut aktueller Studienlage als ähnlich besorgniserregend. Das Verbot für BPA-haltige Babyflaschen gilt in der EU seit 2011, seit 2018 auch für alle auslaufsicheren Trinkgefäße für Kleinkinder.
 

Als Ersatz für Plastikflaschen eignen sich Trinkflaschen aus Edelstahl oder Glas. Statt Konservendosen kannst du Lebensmittel im Glas kaufen oder frische Produkte verwenden. Für die Aufbewahrung und das Erhitzen von Speisen sind Behälter aus Glas, Porzellan, Keramik oder Edelstahl eine gute Wahl. Beim Kauf von Kunststoffprodukten helfen die Recyclingcodes 02, 04 und 05, die für BPA-freie Kunststoffe stehen. Die verlässlichste Kennzeichnung ist jedoch „Bisphenol-frei“, da sie auch ähnliche Ersatzstoffe ausschließt.

Weiterführende Informationen

Literatur

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