Mikroplastik im Körper: Zwei Touristinnen essen Nudeln an einem Bahnhof aus Plastikbehältern
Vorsorge & Früherkennung

Mikroplastik im Körper: Wie schädlich ist das?

Lesedauer weniger als 7 Min
Redaktion:
Elina Fütterer (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Meike Günther (Diplom-Ökotrophologin)

Mikroplastik: Was du gern früher gewusst hättest

Karussell mit 3 Elementen
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Du hast Mikroplastik im Körper

Klingt nach Sci-Fi, ist aber Realität: Mikroplastik wurde bereits in Blut, Lunge, Leber, Plazenta, Gehirn und sogar in Muttermilch nachgewiesen. Die winzigen Partikel sind also längst nicht nur ein Umweltproblem.
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Du nimmst es jeden Tag auf

Nicht nur über Essen und Getränke: Mikroplastik gelangt auch über die Atemluft und sogar über Hausstaub in den Körper. Heißt: Selbst wenn du selten aus Plastikflaschen trinkst, kommst du damit im Alltag in Kontakt.
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Die größte Frage ist noch offen

Was bedeutet das für die Gesundheit? Das wird gerade erforscht. Erste Studien liefern Hinweise auf mögliche Entzündungsreaktionen, eindeutige Beweise für konkrete gesundheitliche Folgen gibt es bisher aber nicht.

Pro Woche essen wir angeblich so viel Mikroplastik wie eine Kreditkarte. Spoiler: Stimmt so nicht. Trotzdem landen täglich kleinste Plastikteilchen in deinem Körper. Das kannst du tun.

So nimmst du weniger Mikroplastik auf

Feinste, meist unsichtbare Plastikteilchen sind inzwischen überall in unserer Umwelt verteilt. Die Brotbox für unterwegs, der Fleecepulli für kalte Tage und das Mikroperlen-Peeling für die Me-Time am Wochenende gehören wie selbstverständlich zum Alltag. Alles ganz harmlos? Leider nein: Sie alle verteilen fleißig Mikroplastik.

Das Problem: Die Mini-Partikel können sich im Körper anreichern und dort möglicherweise Entzündungsreaktionen auslösen. Wie sehr uns das langfristig schadet, wird noch erforscht. 

Ganz vermeiden lässt sich Mikroplastik nicht. Mit diesen acht einfachen Tipps kannst du die Aufnahme aber reduzieren.

  1. Ciao, Plastikflasche: Plastikflaschen vermeiden und stattdessen auf Getränke aus Glasflaschen und Leitungswasser setzen. Das ist dein größter Gamechanger.
  2. Lose statt eingetütet: Weniger Plastik im Einkaufswagen heißt weniger Mikroplastik im Körper. Obst, Gemüse und viele andere Lebensmittel gibt’s auch unverpackt.
  3. Natur pur: Bei Alltagsgegenständen wie Kochlöffel, Geschirr oder Zahnbürste lohnt sich der Griff zu Holz, Edelstahl, Glas oder Naturfasern statt Plastik. Auch bei Kleidung und Putzlappen gilt: Baumwolle oder Leinen statt Mikrofaser und Kunstfaser wie Polyester verwenden.
  4. Smart erwärmen: Meal-Prep-Mahlzeiten aus dem Plastikbehälter direkt in die Mikrowelle? Lieber nicht. Beim Erhitzen können Kunststoffbehälter Mikroplastik ins Essen abgeben, bei alten oder zerkratzten Behältern sogar besonders viel. Besser: vorher in Glas oder Keramik umfüllen.
  5. Weniger Junk: Stark verpackte oder hochverarbeitete Lebensmittel sind besonders mit Mikroplastik belastet. Auch Konservendosen sind eine versteckte Quelle, da ihre Kunststoffbeschichtung Partikel an den Inhalt abgeben kann.
  6. Saubere Sache: Staubschicht unter dem Bett oder auf dem Regal? Da stecken leider auch Plastikfasern drin. Ob WG oder eigene Wohnung: Regelmäßig staubzusaugen, zu wischen und zu lüften, hilft.
  7. Kosmetik checken: Lieber auf zertifizierte Naturkosmetik setzen, da herkömmliche Peelings und Duschgels oft Mikroplastik enthalten.
  8. Cool down: Nachhaltiges Waschen verhindert, dass sich viele Mikrofasern aus deiner Kleidung lösen.

In welchem Essen besonders viel Mikroplastik steckt

Egal ob Coffee to go, Kunststofftrinkflasche oder Stadtluft: Mit Mikroplastik kommen wir jeden Tag in Kontakt. Die winzigen Teilchen stecken längst im Wasser, im Boden und in der Luft und landen so auch in unserem Essen.

Manche Lebensmittel sind echte Plastikmagneten:

  • Muscheln: Muscheln und Austern lagern viel Mikroplastik aus dem Meerwasser in ihrem Verdauungstrakt ein. Weil wir sie üblicherweise komplett verputzen, gelangt das Mikroplastik auch in unseren Körper.
  • Wasser aus Plastikflaschen: Egal welche Marke, Mikroplastik schwimmt in jeder Plastikflasche. Die Mehrwegflasche ist häufig besonders belastet.
  • Salz: Vor allem in Meersalz und Salz aus Einweg-Salzmühlen mischt sich Plastik unter. 

Warum Mikroplastik schädlich sein kann und wie es in unser Gehirn gelangt

Die feinen Plastikteilchen kommen unbemerkt in den Körper. Nachgewiesen wurden sie bereits in Organen wie Lunge und Leber und in der Plazenta. Auch in die Muttermilch gelangen sie.

Sehr feine Mikroplastikteilchen wurden sogar im Gehirn gefunden. Was das bedeutet, wird momentan erforscht.

Die große Frage ist also noch offen: Wie stark schadet Mikroplastik unserer Gesundheit wirklich? Die Forschung läuft auf Hochtouren, aber erste Ergebnisse machen deutlich: Es gibt gute Gründe, lieber vorsichtig zu sein.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen kann Mikroplastik haben?

Was passiert, wenn man Mikroplastik isst? Erste Studien zeigen, wie dein Körper auf die ungebetenen Gäste im Staubpartikel-Format reagiert.

  • Die Fresszellen des Immunsystems, sogenannte Makrophagen, nehmen Plastik auf, können es allerdings nicht abbauen. Deshalb senden sie Alarmsignale aus, die Entzündungen auslösen können.
  • Labor- und Tierstudien deuten darauf hin, dass Stress- und Entzündungsreaktionen in deinen Zellen entstehen könnten, wenn du Plastikpartikel aufnimmst. Erste Studien am Menschen fanden zudem einen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob Mikroplastik sie aber tatsächlich verursacht, ist noch nicht geklärt.
  • Auch in Leber, Nieren und im Blutkreislauf sammelt sich Mikroplastik. Bei Entzündungen reichert es sich dort verstärkt an und kann ihre Arbeit beeinflussen.
  • Bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa könnten Plastikpartikel Entzündungen verstärken und die Darmflora verändern: Nützliche Bakterien nehmen ab, schädliche zu.
  • Ob sich Mikroplastik auf die männliche Fruchtbarkeit auswirkt, ist noch nicht geklärt. Klar ist aber: In 34 von 45 untersuchten Samenproben ließ sich Mikroplastik nachweisen. Bei einigen war die Spermienbeweglichkeit reduziert. 

Mikroplastik im Körper: Eine junge Frau hält eine offene Flasche Wasser in der Hand

Glas statt Plastikflasche: Das ist ein kleiner Move, mit dem du Mikroplastik reduzieren kannst.

Kann man Mikroplastik wieder loswerden?

Den kompletten Plastik-Detox gibt’s leider (noch) nicht. 

Erste Ansätze sind aber spannend. Eine spezielle Blutwäsche soll Plastikpartikel direkt aus dem Blut filtern können. Allerdings ist das Ganze noch experimentell und kein geprüftes, zugängliches Verfahren.

Ballaststoffe als Schutzschild?

Unlösliche Ballaststoffe aus Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchten wirken wie ein kleiner Schwamm im Darm. Sie können helfen, Mikroplastikpartikel zu binden und schneller wieder auszuscheiden. Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen, aber erste Erkenntnisse sind vielversprechend. 

Ballaststoffe tun deinem Darm sowieso gut, ganz unabhängig von Mikroplastik. Ein Grund mehr also, öfter Obst, Gemüse, Nüsse, Linsen und Vollkornbrot auf den Speiseplan zu packen.

Mikroplastik reduzieren: Jeder Schritt zählt

Ganz auf Mikroplastik verzichten? Aktuell eher nicht drin. Aber komplett ausgeliefert bist du den Partikeln nicht, jede bewusste Entscheidung macht einen Unterschied. 

Schon kleine Schritte helfen: Leitungswasser statt Plastikflasche, Lebensmittel in Metall- oder Glasgefäße packen, öfter zur losen Ware statt zu Verpacktem greifen.

Mikroplastik: Häufige Fragen und Antworten

Mikroplastik bezeichnet winzige Kunststoffteilchen oder -fasern mit einer Größe zwischen 0,001 und 5 Millimetern. Die meisten dieser Partikel sind so klein wie Staubkörner und daher mit bloßem Auge nicht sichtbar. Diese Teilchen stammen aus verschiedenen Quellen wie Kunstfasertextilien, Plastikflaschen, Verpackungsmaterial, Kosmetikprodukten oder Putzmitteln. Da Kunststoff biologisch nicht abbaubar ist, verbleiben diese Partikel dauerhaft in der Umwelt.
Mikroplastik gelangt über drei Hauptwege in unseren Körper: durch Nahrung, Getränke und durch das Einatmen von Luft. Überraschenderweise atmen wir einen großen Teil der Partikel ein – durchschnittlich 272 Teilchen täglich. Insgesamt gelangen täglich rund 883 Mikroplastikpartikel über diese verschiedenen Wege in den Körper.
Das Thema ist noch jung und wenig erforscht. Labor- und Tierstudien deuten auf Zellstress und Entzündungsreaktionen hin. Eine erste Studie am Menschen fand zudem einen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ohne dass eine Ursache belegt wäre. Diskutiert werden auch Effekte auf entzündliche Darmerkrankungen und die männliche Fruchtbarkeit, überwiegend auf Basis von Tierversuchen.
Eine vollständige Entfernung von Mikroplastik aus dem Körper ist derzeit leider nicht möglich. Es gibt zwar experimentelle Ansätze wie spezielle Blutwäscheverfahren, sie sind aber noch nicht als zugängliche Behandlungsmethoden verfügbar. Vielversprechend sind erste Forschungsergebnisse zu Ballaststoffen aus Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchten, die helfen könnten, Mikroplastikpartikel zu binden und schneller auszuscheiden.
Besonders stark belastet sind Muscheln und Austern, da sie Mikroplastik aus dem Meerwasser in ihrem Verdauungstrakt einlagern, den wir komplett mitessen. Wasser aus Plastikflaschen enthält ebenfalls Mikroplastik, wobei Mehrwegflaschen besonders belastet sind. Auch Salz, insbesondere Meersalz und Salz aus Einweg-Salzmühlen, ist eine Quelle für Mikroplastik. 
Ja, es gibt mehrere wirksame Maßnahmen zur Reduzierung. Der wichtigste Schritt ist der Verzicht auf Plastikflaschen zugunsten von Glasflaschen und Leitungswasser. Beim Einkauf sollte man unverpackte, lose Ware bevorzugen und bei Alltagsgegenständen auf natürliche Materialien wie Holz, Glas, Edelstahl oder Naturfasern setzen. Lebensmittel sollten nicht in Plastikbehältern in der Mikrowelle erwärmt werden. Regelmäßiges Staubsaugen, Wischen und Lüften verringert die Belastung durch Hausstaub, und bei Kosmetik empfiehlt sich der Griff zu zertifizierter Naturkosmetik.
Langzeitstudien fehlen noch. Ob und wie stark der Körper Mikroplastik wieder ausscheidet, ist bislang nur unvollständig bekannt. Fest steht, dass die Partikel inzwischen in fast allen menschlichen Organen nachweisbar sind. Bestimmte Immunzellen können das Plastik aufnehmen, aber nicht abbauen, und könnten dabei Entzündungssignale aussenden. Diskutiert werden außerdem mögliche hormonelle Effekte. Auch wenn sich das konkrete Gesundheitsrisiko noch nicht beziffern lässt, sprechen sich Fachleute dafür aus, die Belastung vorsorglich zu reduzieren.

Weiterführende Informationen

Literatur

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