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Windeldermatitis: Ursachen, Symptome und Behandlung

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Redaktion:

Dr. med. Madeleine Vinnemeier (Ärztin, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Dr. med. Nikola Klün (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin)

Oje, schon wieder: Der Po des Babys ist rot und wund – und die Stimmung entsprechend schlecht. Selbst bei guter Pflege und passenden Windeln kommt es häufig zu dem typischen unangenehmen Ausschlag im Windelbereich. Verantwortlich für die Windeldermatitis sind meist verschiedene Faktoren. Doch mit geeigneten Maßnahmen lässt sich schnell Linderung schaffen.

Auf einen Blick

  • Symptome: Die Hautentzündung im Windelbereich führt zu Rötungen, einer Aufweichung der Haut, zu knötchenartigen Verdickungen und bei schwereren Fällen zu offenen Hautstellen.
  • Ursachen: Ursächlich ist eine Kombination aus feuchtwarmem Milieu, Kontakt der Haut zu Stuhl und Urin sowie Reibung, die zu einer Störung der Hautbarriere führt. Außerdem können Durchfall und vermehrter Stuhlgang eine Windeldermatitis begünstigen.
  • Verlauf: Leichte Formen der Windeldermatitis beim Baby heilen zumeist unter Behandlung innerhalb weniger Tage ab. Manchmal kommt es zusätzlich zu Infektionen mit Bakterien oder Pilzen, insbesondere mit dem Hefepilz Candida albicans.
  • Diagnose: Ein Blick reicht oft aus, um den typischen Hautausschlag im Windelbereich zu erkennen. Im Zweifel verrät ein Hautabstrich, ob eine zusätzliche Infektion mit einem Pilz oder Bakterien vorliegt.
  • Therapie: Häufiges Windelwechseln, eine vorsichtige und milde Hautreinigung und -pflege sowie Sitzbäder mit Gerbstoffen sorgen für Linderung. 
     

Was ist eine Windeldermatitis?

Eine Windeldermatitis ist eine Entzündung der Haut im Windelbereich und tritt meist im Baby- und Kleinkindalter auf. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen im Baby- und Kleinkindalter: Zwei Drittel aller gewickelten Kinder erkranken mindestens einmal daran. Ein solcher Ausschlag im Windelbereich kann jedoch auch Erwachsene betreffen, etwa bei Inkontinenz.

Mutter wickelt ihr süßes Baby

Windeldermatitis verläuft bei den meisten Babys mild und klingt mit der richtigen Behandlung nach wenigen Tagen ab.

Die Windeldermatitis entsteht, wenn die empfindliche Haut durch Feuchtigkeit, Urin und Stuhl gereizt wird, was zu Rötungen, Schmerzen und offenen Stellen führen kann. Besonders häufig haben Babys zwischen neun und zwölf Monaten gelegentlich einen solchen wunden Po. Fachleute vermuten, dass moderne, besser absorbierende Einmalwindeln und häufiges Wickeln das Risiko für Windeldermatitis verringern könnten.

Welche Symptome verursacht eine Windeldermatitis?

Typische Symptome einer Windeldermatitis sind eine Rötung (Erythem) und eine Aufweichung (Mazeration) der Haut. In der Regel verläuft die auch unter dem Begriff Windelausschlag bekannte Erkrankung leicht. Schwerere Formen zeichnen sich durch eine kräftigere Rötung und eine stärkere Hautaufweichung aus, zusätzlich können kleine, gerötete und knötchenartige Verdickungen (Papeln) auftreten. Betroffene Kinder haben mitunter starke Schmerzen. Mit der Zeit können sich zudem offene und schuppige Hautstellen bilden. Kommt es darüber hinaus zu vermehrten kleinen Pusteln im Randbereich der Rötungen, kann dies ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion mit Hefepilzen sein (Windelsoor).

Was sind die Ursachen einer Windeldermatitis?

Meist tragen verschiedene Einflüsse dazu bei, dass sich eine Windeldermatitis bei Babys entwickelt: Das feuchtwarme Milieu im Windelbereich in Kombination mit Reibung, dem Ammoniak aus dem Urin sowie Verdauungsenzymen aus dem Stuhl sorgt für eine Hautirritation. Außerdem kommt es zu einer Veränderung des pH-Werts, der ein Maß dafür ist, wie viel Säure oder Base eine Lösung enthält. Der natürliche pH-Wert der Haut liegt im sauren Bereich, aber die Bestandteile der Ausscheidungen sorgen für einen basischen pH-Wert, der die Hautbarriere zusätzlich schwächt.

Weitere Auslöser einer Windeldermatitis sind Durchfall, seltenes Windelwechseln, Medikamente wie Antibiotika und ungeeignete Pflegeprodukte. Zudem scheinen an Neurodermitis erkrankte Kinder ein höheres Risiko für eine Windeldermatitis zu haben. Es gibt Hinweise darauf, dass sich Stillen schützend auswirkt: Der Stuhl gestillter Säuglinge weist einen saureren pH-Wert auf und wirkt so der Veränderung des pH-Werts entgegen. 

Wie verläuft eine Windeldermatitis?

Die meisten Babys haben eine milde Form der Windeldermatitis, die mit der passenden Behandlung nach wenigen Tagen abklingt. Wird nichts unternommen, kann es zu einer großflächigen Ausbreitung der Windeldermatitis kommen und möglicherweise auch zu einer Infektion mit Hefepilzen oder Bakterien, besonders mit den Hautbakterien Staphylokokken und Streptokokken. Fachleute sprechen dann von einer Superinfektion, die mit Wirkstoffen gegen Pilze beziehungsweise Bakterien behandelt werden muss.
 

Wann ist bei einer Windeldermatitis ärztlicher Rat nötig?

Eltern sollten mit ihrem Kind eine kinderärztliche Praxis aufsuchen, wenn sich trotz geeigneter Behandlung keine Besserung einstellt. Außerdem sollten sie sich ärztlichen Rat holen, falls es zu Pusteln (entzündliche Bläschen) im Wundbereich kommt, in der Familie Fälle von Schuppenflechte bekannt sind oder in einem anderen Hautareal als dem Windelbereich Hautveränderungen auftreten. Weitere Warnzeichen sind, wenn das Kind viel schreit und schlecht schläft oder sich ständig im Windelbereich kratzt. Auch bei starken und großflächigen Symptomen sowie bei offenen Hautstellen sollten Eltern zur Abklärung einer Infektion mit Pilzen oder Bakterien die Arztpraxis kontaktieren. 
 

Wie wird die Diagnose Windeldermatitis gestellt?

In der Regel reicht ein Blick aus, um einen Windelausschlag beim Baby zu erkennen. Ist der Ausschlag stark ausgeprägt, könnte es sich zusätzlich um eine Pilzinfektion (Windelsoor) handeln. Im Zweifel gibt ein Hautabstrich Aufschluss darüber, ob eine zusätzliche Infektion mit Pilzen oder Bakterien vorliegt. Dabei streicht die Ärztin oder der Arzt mit einem sterilen Tupfer über die Haut, der anschließend im Labor auf Keime untersucht wird. In seltenen hartnäckigen Fällen kann eine Gewebeprobe der Haut dabei helfen, mögliche andere Erkrankungen wie eine Schuppenflechte festzustellen. 

Aufnahme eines entzückenden Babys, das nach dem Baden mit einem Handtuch bedeckt ist

Mehr Luft für die Haut: Kurze Windelpausen, etwa nach dem Baden, helfen bei Windeldermatitis.

Was hilft schnell bei der Behandlung einer Windeldermatitis?

Kommt es beim Baby zu einem wunden Po, lassen sich die Beschwerden schnell und effektiv lindern. Die folgenden Tipps zur Behandlung des Windelausschlags eignen sich auch zur Vorbeugung einer Windeldermatitis: 

  • Windeln sollten alle zwei bis drei Stunden und nach jedem Stuhlgang gewechselt werden. Außerdem empfehlen sich Windelpausen: Tagsüber sollten Kinder für kurze Zeitspannen keine Windel tragen, damit die Haut direkten Kontakt mit der Luft hat.
  • Zinkoxidhaltige Salben und Cremes sind die Therapie der Wahl bei einer Windeldermatitis. Zudem tragen die Wirkstoffe Zinkoxid und Dexpanthenol dazu bei, die Hautbarriere zu stärken und die gereizte Haut vor erneutem Urin- und Stuhlkontakt zu schützen.
  • Eltern sollten die Haut insbesondere nach dem Stuhlgang schonend reinigen, am besten mit lauwarmem Wasser und, falls sich die Reste nur schwer entfernen lassen, mit einer milden, pH-neutralen Waschlotion für Babys oder ein paar Tropfen Mandelöl im Waschwasser. Anschließend sollten die Eltern die Haut mit einem sauberen Handtuch vorsichtig trocken tupfen.
  • Zur Heilung offener Stellen eignen sich beruhigende und juckreizhemmende Umschläge und Sitzbäder mit schwarzem Tee oder synthetischen Gerbstoffen wie Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat-Natriumsalz. Diese chemischen Verbindungen wirken austrocknend, entzündungs- und keimhemmend und kommen natürlicherweise in vielen Pflanzen vor.
  • Tritt die Windeldermatitis auf Reisen auf, sollte darauf geachtet werden, zur Reinigung nur Feuchttücher ohne Alkohol und Duftstoffe zu verwenden.

Windeldermatitis oder Pilzinfektion – welche Unterschiede gibt es?

Eine Infektion der Haut mit dem Hefepilz Candida albicans, medizinisch Windelsoor genannt, ist selbst für Fachpersonal nicht immer einfach von der Windeldermatitis zu unterscheiden. Ein Anzeichen für eine Pilzinfektion ist, wenn am Rand der geröteten Stellen sogenannte Satellitenpusteln, also entzündliche Bläschen sichtbar sind. Im Zweifel gibt ein Hautabstrich Aufschluss darüber, ob die Haut infiziert ist.

Eine solche Infektion muss in jedem Fall mit einer antimykotischen Salbe oder Paste behandelt werden, die das Pilzwachstum bekämpft. Wichtig zu wissen: Eine vorangegangene Antibiotika-Behandlung macht Kinder anfälliger für eine Pilzinfektion.

Zögern Sie nicht, in Ihrer Kinderarztpraxis um Rat zu fragen, wenn Sie sich unsicher sind. Genau wie die Windeldermatitis lässt sich ein Windelsoor mit der passenden Behandlung gut in den Griff bekommen.

Häufige Fragen und Antworten zur Windeldermatitis

Bei einer Windeldermatitis handelt es sich um eine entzündliche Hautreaktion im Bereich des Körpers, der von der Windel bedeckt wird. Diese Hauterkrankung zählt zu den häufigsten dermatologischen Problemen bei Säuglingen und Kleinkindern. Etwa zwei Drittel aller Wickelkinder erleben mindestens einmal einen solchen wunden Po. Besonders Babys im Alter zwischen neun und zwölf Monaten sind davon betroffen.
Die Hautreizung entsteht durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Feuchtigkeit und Wärme unter der Windel, Reibung sowie der Kontakt mit Ammoniak aus dem Urin und Verdauungsenzymen aus dem Stuhl schädigen die empfindliche Babyhaut. Der natürlich saure pH-Wert der Haut wird durch die Ausscheidungen in den basischen Bereich verschoben, wodurch die schützende Hautbarriere geschwächt wird. Durchfall, zu seltenes Wickeln, bestimmte Medikamente wie Antibiotika sowie unpassende Pflegeprodukte können die Entstehung zusätzlich begünstigen. Kinder mit Neurodermitis scheinen anfälliger für eine Windeldermatitis zu sein, während Stillen einen schützenden Effekt haben kann.
Typisch sind eine gerötete und aufgeweichte Haut im Windelbereich. Bei stärkerer Ausprägung können zusätzlich kleine knötchenartige Verdickungen entstehen. Die betroffenen Babys leiden möglicherweise unter erheblichen Schmerzen. Im weiteren Verlauf können sich offene, schuppende Hautstellen bilden. Wenn am Rand der Rötungen vermehrt Pusteln (entzündliche Bläschen) auftreten, deutet dies möglicherweise auf eine zusätzliche Hefepilzinfektion hin.
Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn sich trotz angemessener Pflege keine Verbesserung zeigt oder wenn entzündliche Bläschen im betroffenen Bereich auftreten. Auch bei starken, großflächigen Symptomen mit offenen Hautstellen sollten Eltern ärztlichen Rat einholen, um eine mögliche Infektion abzuklären. Weitere Alarmzeichen sind unzureichende Gewichtszunahme, häufiges Schreien, Schlafprobleme oder ständiges Kratzen im Windelbereich. Falls in der Familie Schuppenflechte bekannt ist oder Hautveränderungen außerhalb des Windelbereichs auftreten, sollte ebenfalls eine Ärztin oder ein Arzt konsultiert werden.
Regelmäßiges Windelwechseln alle zwei bis drei Stunden sowie nach jedem Stuhlgang ist die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Windelpausen, bei denen die Haut tagsüber für kurze Zeit direkten Luftkontakt hat, unterstützen die Hautgesundheit. Die Reinigung sollte schonend mit lauwarmem Wasser erfolgen, bei Bedarf mit milder, pH-neutraler Babywaschlotion oder einigen Tropfen Mandelöl. Nach der Reinigung ist sanftes Trockentupfen wichtig. Zinkhaltige Salben oder Cremes mit Dexpanthenol stärken die Hautbarriere.
Nein, eine direkte Therapie gegen das Virus gibt es nicht. Die Erkrankung heilt jedoch normalerweise von selbst aus. Die Behandlung konzentriert sich daher auf die Linderung der Beschwerden mit Zur Behandlung einer Windeldermatitis eignen sich Salben und Cremes mit Zinkoxid. Außerdem stärken die Wirkstoffe Zinkoxid und Dexpanthenol die Hautbarriere und schützen vor erneutem Kontakt mit Ausscheidungen. Bei offenen Hautstellen wirken Umschläge und Sitzbäder mit schwarzem Tee oder synthetischen Gerbstoffen heilungsfördernd, da sie austrocknend, entzündungshemmend und keimhemmend wirken. Für die Hautreinigung sollten lauwarmes Wasser und bei Bedarf milde, pH-neutrale Waschlotionen für Babys verwendet werden. Unterwegs sollten ausschließlich Feuchttücher ohne Alkohol und Duftstoffe zum Einsatz kommen.bestimmten schmerzstillenden und fiebersenkenden Mitteln nach ärztlicher Empfehlung. Bei langanhaltenden Gelenkbeschwerden können auch Medikamente für rheumatische Erkrankungen sowie Physiotherapie zum Einsatz kommen.
Moderne Einmalwindeln verfügen über eine gute Qualität mit mehreren Schichten und absorbierenden Gelen, die Urin effektiv aufsaugen und den Hautkontakt reduzieren. Ein nachweisbarer Vorteil von Stoffwindeln gegenüber Einmalwindeln existiert nicht – die Verträglichkeit ist individuell sehr verschieden.
Veränderungen in der Ernährung können die Entstehung eines Windelausschlags fördern. Insbesondere die Einführung von Beikost oder der Wechsel von Muttermilch zu Flaschenmilch kann den pH-Wert des Stuhls verändern und damit eine Windeldermatitis begünstigen.
Bei den meisten Babys liegt eine leichte Form vor, die bei angemessener Behandlung innerhalb weniger Tage abheilt. Ohne Behandlung kann sich die Entzündung jedoch großflächig ausbreiten. Manchmal kommt es zusätzlich zu bakteriellen Infektionen oder zu einem Pilzbefall, was eine spezielle medikamentöse Therapie erfordert.
Die Unterscheidung ist selbst für Fachpersonal manchmal schwierig. Ein typisches Merkmal einer Pilzinfektion sind sogenannte Satellitenpusteln – entzündliche Bläschen am Rand der geröteten Bereiche. Bei Unsicherheit bringt ein Hautabstrich Klarheit über eine mögliche Infektion. Eine Pilzinfektion muss mit speziellen pilzhemmenden Salben oder Pasten behandelt werden.

Literatur

Weiterführende Informationen

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