Hantaviren werden meist durch Nagetiere übertragen. In Deutschland verlaufen Infektionen in der Regel mild oder unbemerkt. Selten kommt es zu Komplikationen wie Nierenproblemen. Einige Virusvarianten in anderen Ländern können allerdings gefährlicher sein. Alles zu Symptomen, Behandlung und Vorbeugung.
Definition: Was ist das Hantavirus?
Zur Gruppe der Hantaviren gehören verschiedene Virusvarianten, die weltweit verbreitet sind. Genauso vielfältig wie die Virusvarianten sind auch die Symptome bei einer Infektion.
Hantaviren werden vor allem von Nagetieren wie Mäusen und Ratten, seltener auch von Fledermäusen und Maulwürfen, übertragen.
Die in unseren Breitengraden auftretenden Virusvarianten führen in der Regel eher zu mild verlaufenden Infektionen. Schwere Verläufe, die zum Tod führen können, sind äußerst selten.
Anders sieht das bei Varianten wie dem Andes-Virus aus, das vor allem in Südamerika auftritt und schwere Schäden an Herz und Lunge hervorrufen kann.
Verbreitet werden Hantaviren vor allem von Nagetieren wie der Rötelmaus, gelegentlich auch von Maulwürfen oder Fledermäusen.
So können sich Menschen infizieren:
Einatmen von Staub, der mit Ausscheidungen infizierter Tiere kontaminiert ist
Verzehr verunreinigter Lebensmittel
Bisse von infizierten Tieren
Kontakt von verletzten Hautstellen wie Wunden mit kontaminiertem Staub
Bisher ist nur für das südamerikanische Andes-Virus in sehr seltenen Fällen eine Übertragung von Mensch zu Mensch festgestellt worden.
Symptome und Verlauf: Wie macht sich das Hantavirus bemerkbar?
Eine Infektion mit den in Deutschland verbreiteten Hantavirus-Varianten verläuft meist symptomlos oder mit milden, grippeähnlichen Beschwerden. Das heißt, wer sich hierzulande mit dem Hantavirus ansteckt, bekommt möglicherweise nicht einmal etwas davon mit.
Grippeähnliche Beschwerden können auf eine Hantavirus-Infektion hinweisen – besonders in den warmen Monaten, wenn sich Nagetiere stark vermehren.
Unkomplizierter Verlauf
Betroffene haben manchmal gar keine Symptome. Wenn sich die Infektion aber in einem milden Verlauf äußert, treten ähnliche Beschwerden auf wie bei einer Grippe oder einem grippalen Infekt.
Das können Symptome bei unkomplizierten Verläufen sein:
Plötzliches Fieber, das über drei bis vier Tage anhält
Rücken-, Glieder- und Kopfschmerzen
Je nach Virusvariante und Schwere der Erkrankung kann es aber auch zu Komplikationen kommen, etwa an Nieren, Herz oder Lunge. Die folgenden Krankheitsbilder können bei Hantavirus-Infektionen in unterschiedlicher Schwere auftreten.
Hämorrhagisches Fieber mit Nierenbeteiligung
Eine Hantavirus-Infektion kann in Form eines sogenannten Hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom verlaufen. Hämorrhagisches Fieber zeichnet sich durch einen plötzlichen starken Anstieg der Körpertemperatur sowie inneren Blutungen aus. Beim renalen Syndrom können die Nieren nicht mehr ordentlich arbeiten.
In Deutschland kommt es in der Regel zu einer milderen Verlaufsform. Hantavirus-Varianten aus Osteuropa und Asien können aber häufiger und schwereres Hämorrhagisches Fieber auslösen.
Treten die nachfolgenden Symptome gemeinsam auf, kann dies auf eine Hantavirus-Infektion hinweisen.
Eine ärztliche Abklärung ist erforderlich bei:
Plötzlich beginnendes Fieber von mehr als 38,5 Grad Celsius
Erst verringerte, später vermehrte Urinausscheidung
In einigen Fällen ist die Nierenfunktion so stark eingeschränkt, dass eine Blutwäsche (Dialyse) notwendig wird.
Wichtig zu wissen: Bei der in Deutschland beobachteten Verlaufsform erholen sich die Nieren in den meisten Fällen vollständig wieder und es bleiben keine Schäden zurück.
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Kardiopulmonales Syndrom mit eingeschränkter Herz- und Lungenfunktion
Eine schwere durch Hantaviren ausgelöste Erkrankung ist das sogenannte Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom. Es wird vor allem von Hantaviren ausgelöst, die in Nord- und Südamerika vorkommen, beispielsweise dem Andes-Virus. Dabei werden Herz und Lunge angegriffen.
Wichtig zu wissen: Das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom ist eine lebensbedrohliche Erkrankung und muss dringend ärztlich behandelt werden. In bis zu 40 Prozent der Fälle endet es tödlich.
Dauer: Wie lange dauern Inkubation und Genesung?
Inkubationszeit: Es vergehen in der Regel zwei bis vier Wochen, bis sich nach der Ansteckung mit dem Hantavirus die ersten Symptome zeigen. In Ausnahmefällen kann die Inkubationszeit aber auch nur fünf Tage oder sogar bis zu 60 Tage betragen.
Dauer der Erkrankung: Zeigen sich schließlich Symptome, hängt es von der Schwere des Verlaufs ab, wie lange die Erkrankung dauert. Das kann von wenigen Tagen bis zu Wochen oder Monaten reichen, wenn beispielsweise die Niere geschädigt ist. Häufig bleiben bei den in Deutschland üblichen Hantavirus-Varianten keine langfristigen Schäden. Auch Todesfälle im Zusammenhang mit einer Hantavirus-Infektion treten in Deutschland sehr selten auf.
Immunität: Nach einer ausgestandenen Infektion sind Betroffene nach aktuellem Wissensstand ihr Leben lang immun – allerdings nur gegen die Variante, mit der sie sich infiziert hatten.
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Ursachen: Wie wird der Hantavirus-Erreger übertragen?
Verschiedene Nagetiere wie Mäuse und Ratten, aber manchmal auch Fledermäuse und Maulwürfe können das Virus übertragen. Die Tiere scheiden den Erreger mit Speichel, Urin und Kot aus. Hantaviren können so in der Umwelt mehrere Tage, je nach Bedingungen gegebenenfalls sogar Monate überdauern. Der Kot einer infizierten Maus kann deshalb noch lange als Infektionsquelle dienen.
So infizieren sich Menschen mit dem Hantavirus:
Einatmen von verunreinigtem Staub: Betroffenen können sich anstecken, indem sie Staub einatmen, der mit Ausscheidungen von Nagern verunreinigt ist. Das kann zum Beispiel beim Fegen des Kellers oder Reinigen des Geräteschuppens passieren.
Verunreinigung von Wunden: Auch über offene Wunden kann der Erreger in den Körper gelangen, etwa bei Gartenarbeit ohne Handschuhe.
Verzehr kontaminierter Lebensmittel: Finden infizierte Nager ihren Weg in Küche und Speisekammer und verunreinigen dort Lebensmittel, kann das Virus ebenfalls durch Essen übertragen werden.
Übertragung durch Bisse: Es ist möglich, dass sich Menschen über einen Biss anstecken. Die üblichen Wirtstiere des Hantavirus fliehen aber eher vor Menschen.
Die in Europa und Asien vorkommenden Hantavirus-Varianten werden üblicherweise nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Bisher sind nur bei der südamerikanischen Andes-Variante solche Fälle bekannt, jedoch sehr selten. Forschende gehen davon aus, dass dafür enger Kontakt über längere Zeiträume nötig ist.
Risiko: Wer erkrankt häufiger am Hantavirus?
Prinzipiell kann sich jeder Mensch mit dem Hantavirus anstecken. Ein höheres Ansteckungsrisiko haben allerdings Personen, die im Beruf, bei heimischer Arbeit oder Hobbys häufiger in Kontakt mit Ausscheidungen von Nagetieren kommen könnten.
Das sind beispielsweise Personen, die:
In der Forstwirtschaft oder auf dem Bau arbeiten
Sich in Räumen aufhalten oder diese reinigen, die von Nagern bewohnt werden oder wurden, zum Beispiel verlassene Ferienhäuser, Gartenlauben, Schuppen, Scheunen oder Ställe
In der Natur aktiv sind, zum Beispiel gärtnern, Holz hacken, jagen oder zelten
Besonders häufig infizieren sich Männer im mittleren Alter mit dem Hantavirus.
Behandlung: Wann ist ärztliche Hilfe ratsam?
Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Hantavirus ist es immer ratsam, sich in ärztliche Behandlung zu begeben, insbesondere bei Anzeichen wie:
Besonders, wer sich viel in der Natur, auf Baustellen, in Scheunen und Ställen oder anderen möglichen Lebensräumen von Wirtstieren des Hantavirus aufhält, sollte bei solchen Symptomen an den Erreger denken.
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Epidemiologie: Wie häufig treten Hantavirus-Infektionen auf?
Obwohl das Hantavirus bei Nagern sehr verbreitet ist, sind Infektionen bei Menschen in Deutschland eher selten. In Untersuchungen über die Jahre 2001 bis 2017 wurden zwischen 72 und 2.825 jährliche Fälle in Deutschland verzeichnet.
Hohe Dunkelziffer: Fachleute gehen davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher sein könnte. Milde Infektionen verursachen oft nur leichtes Unwohlsein, sodass Betroffene häufig gar keine Arztpraxis aufsuchen oder die Krankheit dort nicht erkannt und damit auch nicht verzeichnet wird.
Saisonalität: Hantavirus-Infektionen können das ganze Jahr über auftreten, das Ansteckungsrisiko ist aber zwischen April und September besonders groß. Dann finden die Wirtstiere des Virus viel Nahrung und vermehren sich stark.
Meldepflicht: Infektionen mit dem Hantavirus sind meldepflichtig. Besteht also der Verdacht auf eine Infektion mit dem Erreger oder ist diese sogar über Tests bestätigt, muss der zuständige Arzt oder die zuständige Ärztin die Infektion an das Gesundheitsamt melden.
Diagnose: Wie wird das Hantavirus nachgewiesen?
Da die Symptome oft unspezifisch sind, lässt sich eine Hantavirus-Infektion nicht allein durch eine ärztliche Untersuchung feststellen. Bei Verdacht auf eine Infektion kann eine Blutanalyse Aufschluss geben. Dafür wird in der Arztpraxis Blut abgenommen und im Labor auf Antikörper gegen die Erreger untersucht.
Vorbeugung: Wie lässt sich das Risiko einer Infektion minimieren?
Es gibt bislang keinen Impfstoffgegen das Hantavirus. Allerdings können sich Menschen durch folgende Vorsichtsmaßnahmen aktiv vor einer Infektion schützen:
Beim Reinigen von Dachböden, Schuppen oder Kellern:
Für Frischluft sorgen: Räume zuvor etwa 30 Minuten lüften
Schutzausrüstung: Einmalhandschuhe und Feinstaubmaske (FFP3) tragen
Staub nicht aufwirbeln: Kot oder tote Tiere vor der Beseitigung befeuchten, keinen Staubsauger verwenden
Gründlich reinigen: Flächen feucht reinigen und benutzte Lappen oder Schwämme wegwerfen
Im Alltag:
Zugang für Nagetiere verhindern: Löcher und Zwischenräume verschließen
Nistmöglichkeiten für Nager beseitigen: Abfall- und Sperrmüllhaufen und Altreifen entfernen
Nahrungsquellen für Schädlinge entfernen: Essensreste nicht auf dem Kompost oder in der Biotonne nahe dem Haus entsorgen
Schädlingsbekämpfung: Lebendfallen nutzen oder professionelle Schädlingsbekämpfung beauftragen
Fazit: Hantavirus auf einen Blick
Symptome: In den meisten Fällen verlaufen Infektionen mit dem Hantavirus in Deutschland ohne oder mit milden, grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen. In manchen Fällen kann es beispielsweise zu schweren Nierenschäden kommen. Andere Varianten wie das Andes-Virus können schwere Funktionseinschränkungen des Herzens und der Lunge hervorrufen.
Übertragung: Betroffene infizieren sich beispielsweise, indem sie Staub einatmen, der virushaltige Ausscheidungen von Nagetieren enthält. Aber auch durch kontaminierte Lebensmittel oder Nagetierbisse kann das Virus übertragen werden. Das südamerikanische Andes-Virus ist die bisher einzige Variante des Hantavirus, bei der in wenigen Fällen Übertragungen von Mensch zu Mensch beobachtet wurden.
Verlauf: Der Verlauf der Erkrankung hängt stark vom genauen Virustyp ab. Bei den in Deutschland vorkommenden Typen heilt die Erkrankung nach einigen Tagen bis Wochen meist folgenlos aus. Doch bestimmte Hantavirus-Varianten wie das südamerikanische Andes-Virus können auch schwere Organschäden und Lungenentzündungen hervorrufen, die tödlich enden können.
Diagnose: Besteht der Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion, kann dieser Verdacht durch eine Analyse des Bluts auf Antikörper gegen die Erreger im Labor bestätigt werden.
Therapie: Gegen das Hantavirus gibt es kein spezielles Medikament. Lediglich die mit der Infektion einhergehenden Beschwerden wie Fieber und Schmerzen können gelindert werden.
Häufige Fragen und Antworten zum Hantavirus
Bei Hantaviren handelt es sich um eine Gruppe von verschiedenen Virustypen, die global vorkommen und von Nagetieren verbreitet werden. In Deutschland führen Ansteckungen meist zu keinen oder nur leichten Beschwerden, während manche Varianten wie das südamerikanische Andes-Virus deutlich gefährlicher sein können. Zu den möglichen Komplikationen gehören Funktionsstörungen der Niere, die in seltenen Fällen eine Blutwäsche notwendig machen können. Bestimmte aggressive Virustypen können außerdem schwerwiegende Funktionsstörungen von Lunge und Herz auslösen.
Die Ansteckung erfolgt beispielsweise durch das Einatmen von Staub, der mit virushaltigen Ausscheidungen von Nagetieren wie Mäusen belastet ist. Weitere Übertragungswege sind der Kontakt mit kontaminiertem Essen oder das Eindringen der Viren durch Wunden. Auch ein Tierbiss kann zur Infektion führen. Die südamerikanische Andes-Variante stellt eine Besonderheit dar, da dieser Virustyp bisher der einzige ist, bei dem eine Weitergabe von Mensch zu Mensch beobachtet wurde.
Hantaviren sind weltweit verbreitet, wobei Ansteckungen in Deutschland relativ selten vorkommen. Die jährlich registrierten Fallzahlen schwankten in den vergangenen Jahren zwischen etwa 70 und über 2.500 Erkrankungen. Allerdings ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da viele Infektionen unerkannt bleiben. Das Ansteckungsrisiko steigt zwischen Frühling und Herbst deutlich an, wenn sich die Wirtstiere stark vermehren.
Viele Infektionen verlaufen in Deutschland symptomfrei oder zeigen nur milde grippeähnliche Anzeichen. Typisch sind Fieber über drei bis vier Tage mit Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen. Ernstere Verläufe machen sich durch plötzliches hohes Fieber über 38,5 Grad, Schüttelfrost, Rücken- und Bauchschmerzen sowie schaumigen oder blutigen Urin bemerkbar. Bei Varianten aus anderen Kontinenten können zusätzlich Atembeschwerden und Husten auftreten.
Da kein Impfschutz existiert, ist Vorbeugung durch hygienische Maßnahmen wichtig. Bei Reinigungsarbeiten in befallenen Räumen sollten Schutzhandschuhe und eine Feinstaubmaske (FFP3) getragen werden. Kot und tote Tiere sollten vor der Entsorgung angefeuchtet werden, um Staubaufwirbelung zu vermeiden. Staubsauger sind ungeeignet. Um Nagetiere fernzuhalten, empfiehlt es sich, Maueröffnungen abzudichten und Essensreste auf dem Kompost nahe dem Haus zu vermeiden. Bei stärkerem Befall kann professionelle Schädlingsbekämpfung sinnvoll sein.
Die Diagnose kann nicht allein durch eine körperliche Untersuchung gestellt werden, da die Krankheitszeichen oft unspezifisch sind. Bei Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion wird eine Blutprobe entnommen und in einem Labor analysiert. Dabei wird das Blut auf spezifische Antikörper gegen die Viren untersucht, die eine Infektion bestätigen oder ausschließen können.
Weder eine Schutzimpfung noch ein gezieltes Medikament gegen das Virus stehen derzeit zur Verfügung. Die Therapie konzentriert sich daher auf die Linderung der Beschwerden, etwa durch fiebersenkende und schmerzstillende Arzneimittel. Bei schweren Krankheitsverläufen kann eine intensivmedizinische Betreuung notwendig sein, die bei Nierenproblemen eine Blutwäsche (Dialyse) und bei Lungenbeteiligung eine künstliche Beatmung umfassen kann.
Zwischen Ansteckung und ersten Krankheitszeichen vergehen üblicherweise zwei bis vier Wochen, in Einzelfällen kann diese Phase aber auch nur fünf Tage oder bis zu 60 Tage betragen. Die Erkrankung kann je nach Schwere des Verlaufs bereits nach einigen Tagen überstanden sein, aber auch erst nach Wochen oder Monaten. Die deutschen Virus-Varianten hinterlassen meist keine bleibenden Schäden. Nach überstandener Infektion besteht nach derzeitiger Kenntnis eine lebenslange Immunität – diese schützt allerdings nur gegen den speziellen Virustyp, mit dem man sich angesteckt hatte.
Robert Koch-Institut (Abruf vom 18.05.2026): Hantavirus-Erkrankung (https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Hantaviren.html)
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