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Augenzucken: Ursachen, Symptome und was dagegen hilft

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Redaktion:

Carola Felchner (Medical Writer, für Nerdpol – Redaktionsbüro für Medizin- und Wissenschaftsjournalismus)

Qualitätssicherung:

Dr. med. Eric Wenzel (Assistenzarzt für Kinderheilkunde)

Ein zuckendes Augenlid kann plötzlich auftreten und viele Menschen verunsichern. Oft beginnt das Lid ohne erkennbaren Grund leicht zu zittern oder zu flackern. Meist ist dieses Augenzucken jedoch harmlos. In den meisten Fällen steckt hinter dem Lidzucken keine Erkrankung. Häufig lösen Stress, Müdigkeit oder bestimmte Gewohnheiten wie viel Koffein das Zucken aus. Dann verschwindet es oft von selbst oder lässt sich durch kleine Veränderungen im Alltag verbessern. Nur selten ist Augenzucken ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Erkrankung.

Was ist Augenzucken?

Beim Augenzucken zieht sich das Augenlid unwillkürlich zusammen. Meist betrifft das nur einzelne Muskelfasern im Lid. Diese kurzen, unkontrollierten Muskelbewegungen werden in der Medizin Faszikulation genannt.

Betroffen sind dabei Muskeln des Augenlids, zum Beispiel

  • der Augenlidheber (Musculus levator palpebrae)
  • der Augenringmuskel (Musculus orbicularis oculi)

Typisch ist:

  • Meist zuckt nur ein Auge.
  • Das Zucken dauert oft nur wenige Sekunden.
  • In manchen Fällen kann es mehrere Tage auftreten oder immer wiederkommen.

Von außen ist das Zucken häufig kaum sichtbar. Oft handelt es sich nur um ein sehr leichtes Zittern des Augenlids.

Davon zu unterscheiden sind andere Erkrankungen der Gesichtsmuskulatur, zum Beispiel:

  • Spasmus hemifacialis, eine einseitige Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur
  • Blepharospasmus, ein sichtbarer Lidkrampf beider Augen

Warum zuckt das Auge?

Wenn ein Augenlid gelegentlich zuckt, ist das meist kein Warnsignal für eine ernsthafte Erkrankung. Fachleute sprechen dann von einem benignen Faszikulieren, also einem gutartigen Muskelzucken.

„Harmloses Zucken der Augen ist weit verbreitet und kann jeden treffen“, erklärt Professor Frank Erbguth von der Deutschen Hirnstiftung.

Damit sich Muskeln zusammenziehen können, muss sich die Konzentration bestimmter Blutsalze in den Muskelzellen verändern. Dazu gehören unter anderem

Diese Mineralstoffe werden über Kanäle in der Zellmembran reguliert. Kommt es zu einer Störung dieser Balance, können ungewollte Muskelkontraktionen entstehen.

Verschiedene Faktoren können diese Regulation beeinflussen und Augenzucken begünstigen.

Häufige Ursachen für Augenzucken

Alkohol, Koffein oder Nikotin

Der Konsum bestimmter Genussmittel kann Augenzucken wahrscheinlicher machen.

  • Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit sowie Vitamine und Mineralstoffe. Dadurch kann zum Beispiel der Magnesiumspiegel sinken.
  • Koffein erhöht die Muskelspannung.
  • Nikotin kann Rezeptoren beeinflussen, die für Muskelbewegungen verantwortlich sind.

Diese Faktoren können dazu beitragen, dass ein Augenlid zu zucken beginnt.

Vitamin- oder Mineralstoffmangel

Auch ein Nährstoffmangel kann Augenzucken begünstigen.

Besonders ein Magnesiummangel kann eine Rolle spielen, da Magnesium für die normale Funktion von Nerven und Muskeln wichtig ist.

Ist der Magnesiumspiegel zu niedrig, verändert sich die Balance anderer Mineralstoffe in den Muskelzellen. Dadurch kann die Stabilität der Zellmembran gestört werden und Muskelzuckungen können entstehen.

Magnesiummangel kann außerdem mit weiteren Beschwerden einhergehen, etwa

Stress

Seelische Belastung kann ebenfalls Augenzucken auslösen.

Bei anhaltendem Stress steigt die Konzentration von Stresshormonen im Körper. Diese Hormone aktivieren Rezeptoren im zentralen Nervensystem und können dadurch unter anderem die Muskelspannung erhöhen.

Das kann sich in Form von „nervösem“ Augenzucken bemerkbar machen.

Trockene Augen

Auch trockene Augen können zu Lidzucken führen.

Mögliche Auslöser sind zum Beispiel:

In solchen Situationen versucht das Nervensystem, die fehlende Feuchtigkeit auszugleichen. Dazu erhöht es die Frequenz des Lidschlags. Werden zu viele Blinzelimpulse ausgelöst, können die Augenmuskeln überlastet werden und zucken.

Hormonelle Veränderungen

Veränderungen im Hormonhaushalt können ebenfalls Lidzucken verursachen.

Zum Beispiel können während der Schwangerschaft oder nach der Geburt hormonelle Umstellungen auftreten. Diese können unter anderem trockene Augen oder gelegentliches Augenzucken begünstigen.

Schwangere Frau hält ihren Bauch und hat die Augen geschlossen_var

Augenzucken und trockene Augen kommen in der Schwangerschaft wegen der Hormonumstellung häufiger vor.

Barmer-Doc Sebastian erklärt: Ist es gefährlich, wenn das Auge zuckt?

Wann sollte Augenzucken ärztlich abgeklärt werden?

Meist ist Augenzucken harmlos. In einigen Fällen kann es jedoch sinnvoll sein, ärztlichen Rat einzuholen.

Das gilt zum Beispiel, wenn

  • das Augenlid über Wochen zuckt
  • das Zucken sehr stark ausgeprägt ist
  • weitere Symptome auftreten

Dann kann Augenzucken auch Begleit- oder Hauptsymptom einer Erkrankung sein.

Erkrankungen, die Augenzucken verursachen können

Spasmus hemifacialis

Der Spasmus hemifacialis ist ein seltenes Krankheitsbild. Dabei kommt es zu einem einseitigen Zucken von Ober- und Unterlid. Auch andere Bereiche der Gesichtsmuskulatur können betroffen sein, zum Beispiel

  • Stirn
  • Mund
  • Hals

Ursache ist meist ein ungünstiger Kontakt zwischen einem Blutgefäß und dem Gesichtsnerv (Nervus facialis). Durch den pulsierenden Druck des Gefäßes wird der Nerv gereizt, was schließlich zu Muskelzuckungen führen kann.

Der Spasmus hemifacialis ist zwar unangenehm, verursacht aber keine Schmerzen.

Blepharospasmus

Beim Blepharospasmus handelt es sich um einen sehr seltenen Lidkrampf beider Augen.

Typische Merkmale sind:

  • langsames, starkes Blinzeln
  • länger anhaltender Lidschluss
  • eingeschränkte Sicht

Der Lidkrampf gehört zu den sogenannten fokalen Dystonien. Dabei kommt es zu einer Störung der motorischen Steuerung im Gehirn, die zu unwillkürlichen Muskelkrämpfen führt.

Betroffene sind meist etwa 50 Jahre oder älter, wenn die Erkrankung erstmals auftritt.

Augenzucken oder Tic?

Nicht jedes Blinzeln ist Augenzucken.

Tics treten meist

  • häufiger hintereinander
  • deutlicher sichtbar
  • und oft komplexer

auf als ein leichtes Lidflimmern.

Tic-Störungen können eine eigenständige Erkrankung sein oder im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten, zum Beispiel bei

  • Gehirnentzündungen
  • Morbus Wilson

Ein Unterschied zum Augenzucken ist außerdem: Betroffene können einen Tic häufig zumindest für kurze Zeit unterdrücken.

Was tun, wenn das Augenlid zuckt?

Welche Maßnahmen helfen, hängt von der Ursache ab.

Bei leichtem und harmlosen Augenzucken kann es helfen, mögliche Auslöser zu reduzieren.

Was kann man selbst gegen Augenzucken tun?

Bei harmlosen Formen des Augenzuckens können einfache Veränderungen im Alltag helfen:

Oft verschwinden die Beschwerden bereits, wenn solche Gewohnheiten angepasst werden.

Augenzucken nervt, ist aber meist harmlos. Meist helfen schon ein paar neue gesunde Gewohnheiten.

Augenzucken nervt, ist aber meist harmlos. Meist helfen schon ein paar neue gesunde Gewohnheiten.

Ärztliche Behandlung bei starkem Augenzucken

Wenn Augenzucken durch Erkrankungen wie Spasmus hemifacialis oder Blepharospasmus verursacht wird, kann eine medizinische Behandlung notwendig sein.

In vielen Fällen wird das Symptom selbst behandelt.

Eine häufig eingesetzte Therapie ist die Behandlung mit Botulinumtoxin (Botox). Dabei wird der Wirkstoff in den betroffenen Augenmuskel gespritzt. Dadurch wird der Muskel geschwächt und das Zucken unterdrückt.

Die Wirkung hält jedoch nicht dauerhaft an. Die Behandlung muss in der Regel etwa alle drei Monate wiederholt werden.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

In bestimmten Fällen kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden.

Beim Blepharospasmus kann beispielsweise eine tiefe Hirnstimulation angewendet werden. Dabei werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns eingesetzt.

Beim Spasmus hemifacialis kann eine Operation den Kontakt zwischen Gefäß und Nerv unterbrechen.

Solche Eingriffe werden jedoch nur selten durchgeführt, da Operationen am Nervensystem Risiken mit sich bringen und die Erkrankungen in der Regel nicht lebensbedrohlich sind.

Häufige Fragen zu Augenzucken

In den meisten Fällen ist Augenzucken harmlos. Häufige Ursachen sind Stress, Müdigkeit oder ein hoher Konsum von Koffein oder Alkohol. Nur selten steckt eine Erkrankung dahinter.
Ein plötzliches Zucken des Augenlids kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, zum Beispiel Stress, trockene Augen, Schlafmangel oder Veränderungen im Mineralstoffhaushalt der Muskelzellen.
Augenzucken dauert meist nur wenige Sekunden. Je nach Ursache kann es jedoch über mehrere Tage auftreten oder immer wieder zurückkehren.

Bei harmlosen Formen helfen oft einfache Maßnahmen wie

  • ausreichend Schlaf
  • Stressabbau
  • weniger Koffein, Alkohol und Nikotin
  • eine ausgewogene Ernährung

Ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn

  • das Zucken über mehrere Wochen anhält
  • es sehr stark ausgeprägt ist
  • weitere Beschwerden auftreten

Literatur und weiterführende Informationen


 

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