Kinderwunsch

Einflüsse auf die Fruchtbarkeit – was sind die besten Voraussetzungen, um schwanger zu werden?

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Ein paar schnürt gemeinsam die Laufschuhe

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Anne Licht (Ärztin im Fachgebiet für Gynäkologie und Geburtshilfe)
  • Daniela Beerens (Gesundheitsinformation, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Sich bewusst für ein Kind zu entscheiden, schwanger zu werden, ist für die meisten Paare ein wichtiger Schritt in der Beziehung und der Lebensplanung. Doch in dieser Phase voller Vorfreude auf einen neuen Lebensabschnitt mit Baby ist häufig auch Geduld gefragt. Denn damit neues Leben entstehen kann, finden im Körper der Frau komplizierte Abläufe statt.
Unser ganz persönlicher Lebensstil, beispielsweise was und wie viel wir essen und trinken, ob wir Sport treiben oder wie anstrengend wir unseren Arbeitsalltag wahrnehmen, hat Einfluss auf unsere Gesundheit und damit auch auf die Fruchtbarkeit – von Frauen und von Männern. Wir erklären, was beim Zeugen eines Babys hilft und welche Faktoren die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.

Alles eine Frage des Timings?

Pro monatlichem Zyklus findet in der Regel nur eine Eizelle den Weg aus dem Eierstock in Richtung Eileiter. Nach diesem Eisprung bleibt den Spermien bis zu 24 Stunden Zeit, die Eizelle zu befruchten. Danach verliert sie ihre Empfängnisbereitschaft. Und auch wenn Spermien im Körper der Frau im Allgemeinen zwei bis fünf Tage überleben, ist das Zeitfenster für eine Befruchtung relativ klein. Klappt die Befruchtung, muss die Eizelle noch den Weg in die Gebärmutter finden und sich dort einnisten.

Dieses Zusammenspiel funktioniert nicht bei jedem Zyklus. Die Chance, schwanger zu werden, liegt pro Zyklus für Frauen zwischen 18 und 30 Jahren bei ungefähr 20 bis 30 Prozent und sinkt mit steigendem Alter. Mit 35 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit pro Zyklus bei circa 10 bis 15 Prozent. Deswegen ist es ganz normal, wenn es einige Monate dauert, bis es mit dem Schwanger werden klappt. Erst wenn sich nach rund zwölf Monaten trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft einstellt, ist es für Paare ratsam, das Thema zunächst mit einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt zu besprechen und sich beraten zu lassen.

Tipp: Mit dem Eisprungrechner der Barmer können Sie ganz leicht Ihre fruchtbaren Tage berechnen. Und mit etwas Übung und Geduld können Sie Ihre fruchtbaren Tage auch selbst erkennen.

Was hilft beim Schwanger werden?

Keine ganz große Überraschung: Gute Voraussetzung für eine Schwangerschaft ist ein gesunder Körper – das gilt natürlich für beide Partner und fängt beim Essen und Trinken an. Abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ist generell gut für die Gesundheit, umso mehr aber, wenn Sie schwanger werden möchten. Achten Sie auf reichlich Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Sie enthalten Vitamine und Mineralstoffe, darunter auch Spurenelemente wie Zink und Eisen, die der Körper selbst nicht herstellen kann. Zink ist zum Beispiel für die Entwicklung der Eizellen wichtig und fördert damit die Fruchtbarkeit.

Körperliche Fitness führt zu mehr Fruchtbarkeit

Regelmäßige körperliche Aktivität hilft das Gewicht zu halten und setzt vermehrt die Botenstoffe Dopamin, Serotonin und Noradrenalin frei. Diese sogenannten Glückshormone aktivieren das Belohnungssystem, verbessern dadurch die Stimmung und senken das Stresslevel. Sie müssen dafür kein Sportfanatiker werden. Schon 30 Minuten Bewegung am Tag, wie beispielsweise Fahrradfahren oder ein Spaziergang im Park, wirken sich positiv auf die Gesundheit und die Gemütslage aus.
Zu intensiver Sport bewirkt hingegen eher das Gegenteil. Der Körper benötigt sehr viel Energie zur Regeneration und Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Köperfunktionen. Aus diesem Grund werden viele andere Körperprozesse reduziert. So kann Hochleistungssport bei Männern die Beweglichkeit der Spermien – und damit deren Qualität – verringern. Bei Frauen beeinflusst dieser körperliche Ausnahmezustand den Hormonhaushalt: Der Zyklus entwickelt sich unregelmäßig und bei extremer Belastung kann zeitweise sogar der Eisprung ganz ausbleiben. Um die Fruchtbarkeit zu verbessern, kann es helfen, das Training entsprechend zu reduzieren und zum Beispiel eine Wettkampfpause einzulegen. So bekommt der Körper Zeit, sich zu regenerieren.

Schlafen Sie gut!

Der weibliche Zyklus wird von unterschiedlichen Hormonen gesteuert, die auch gegenseitig aufeinander einwirken. In einem austarierten Zusammenspiel bereiten diese Hormone den Körper immer wieder auf den Eisprung und die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter vor. Gerät der Hormonhaushalt durcheinander, hat das häufig direkte Auswirkung auf dieses Zusammenspiel und damit auf den weiblichen Zyklus. Schlafmangel kann die Balance empfindlich stören. Der Zyklus kann dann unregelmäßig werden oder ausbleiben.
Auch bei Männern hat Schlafmangel Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Über Nacht wird das Hormon Testosteron produziert, das unter anderem auch die Spermienproduktion anregt. Neben ausreichend Schlaf von sieben bis acht Stunden pro Nacht ist auch ein regelmäßiger Schlafrhythmus wichtig. Da heißt nicht, dass Sie nicht mehr feiern oder ausgehen sollen. Aber in der Regel abends zu einer ähnlichen Zeit ins Bett zu gehen, unterstützt das hormonelle Gleichgewicht und die körpereigene Regeneration.

Regelmäßiger Sex – auch außerhalb der fruchtbaren Tage

Um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen, empfehlen Fachleute, während der fruchtbaren Zeit möglichst alle zwei bis drei Tage Sex zu haben. So wird gewährleistet, dass immer genug Spermien in guter Qualität im Körper der Frau vorhanden sind. Das erhöht die Chance, dass die Eizelle befruchtet wird.

Aber auch regelmäßiger Sex außerhalb der fruchtbaren Tage kann die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen. Das körpereigene Immunsystem der Frau wertet die männlichen Spermien nämlich in der Regel als „Eindringlinge“ und versucht sie entsprechend zu bekämpfen. Durch ein aktives Sexualverhalten der Frau scheint sich das Immunsystem aber an die Spermien des Partners zu gewöhnen. Sie werden weniger bekämpft und haben es damit leichter, zur Eizelle vorzudringen. Das kann besonders dann hilfreich sein, wenn die Familienplanung erst zu einem späteren Lebensabschnitt umgesetzt werden soll. Denn mit steigendem Alter sinkt die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen.

Gibt es das perfekte Alter zum Kinderkriegen?

Viele Paare fragen sich, wann der richtige Zeitpunkt für das erste Kind ist. Häufig spielen die Karriereplanung und die finanzielle Situation eine wichtige Rolle. Was die Fruchtbarkeit angeht, ist die Sachlage relativ eindeutig: Jüngere Frauen werden schneller schwanger als ältere. Zwischen 20 und 30 Jahren ist die Fruchtbarkeit der Frau am höchsten und nimmt mit 30 Jahren langsam und ab 35 Jahren rapide ab. Das liegt unter anderem daran, dass die Anzahl und auch die Qualität der Eizellen sinken und nicht mehr bei jedem Zyklus ein Eisprung stattfindet. Auch bei Männern sinken mit steigendem Alter die Qualität und die Anzahl der Spermien. Diese Zahlen geben jedoch nur die biologischen Gegebenheiten wieder. In den letzten Jahrzehnten ist das Durchschnittsalter der Frauen beim ersten Kind durchgehend gestiegen und liegt momentan bei rund 30 Jahren. Es spricht also nichts dagegen, auch mit 30 Jahren oder später eine Schwangerschaft zu planen. Sie sollten nur einkalkulieren, dass es etwas länger dauern könnte, bis eine Schwangerschaft eintritt. Ein gesunder Lebensstil kann dann besonders hilfreich sein.

Negative Einflüsse auf die Fruchtbarkeit

Auch bei gesundem Lebenswandel lässt sich Stress im Alltag nicht immer vermeiden. Wenn anstrengende berufliche oder private Phasen auch mal wenig Schlaf und mehr Fastfood mit sich bringen, ist das kein Grund zur Sorge. Solange es nur eine Phase ist. Wer einen Kinderwunsch hegt und die Chance auf eine Schwangerschaft steigern möchte, sollte daher negative Faktoren und Risiken gut kennen.

Das Alles-oder-nichts-Prinzip
Es gibt einen natürlichen Schutzmechanismus, der bei Beeinträchtigungen eine Entwicklung des Embryos verhindert: das sogenannte „Alles-oder-nichts-Prinzip“. Wird die Eizelle in den ersten 10 bis 14 Tagen nach der Befruchtung durch äußere Einflüsse wie zum Beispiel Alkohol, Drogen oder Medikamente stark geschädigt, nistet sie sich nicht in der Gebärmutter ein. Meistens wird die befruchtete Eizelle dann durch eine Blutung vom Körper wieder abgestoßen. Da die Blutung häufig einer „verspäteten“ Regelblutung gleicht, bleibt die Fehlgeburt oft unbemerkt. Ein Embryo entwickelt sich also im Frühstadium zunächst einmal gesund oder gar nicht.

Alkohol kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Gelegentlicher Alkoholkonsum hat wahrscheinlich geringen Einfluss auf die Fortpflanzungsfähigkeit von Frauen oder Männern. Hoher Alkoholkonsum, also mehr als ein bis zwei Gläser Bier oder Wein am Tag, kann hingegen den Zyklus der Frau stark beeinträchtigen und somit die Fruchtbarkeit einschränken. Bei Männern reduziert hoher Alkoholkonsum die Qualität und das Volumen der Spermien und damit auch die Fähigkeit, Kinder zu zeugen.

Nikotin wirkt sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus

Tabakrauch enthält mehr als 5.000 verschiedene Substanzen, von denen mindestens 250 giftig sind oder Krebs erzeugen können. Kein Wunder also, dass sich Rauchen negativ auf die Fruchtbarkeit beider Geschlechter auswirkt. Frauen, die 20 bis 25 Zigaretten am Tag rauchen, müssen im Schnitt doppelt so lang auf eine Schwangerschaft warten wie Nichtraucherinnen. Zudem steigt die Gefahr einer Unfruchtbarkeit. Bei Männern wirkt sich das Rauchen negativ auf die Anzahl der Spermien und auch auf deren Beweglichkeit aus. Paare, die rauchen, haben also weniger Chancen, ein Kind zu zeugen. Das gilt übrigens auch fürs Passivrauchen. Wenn in Ihrem privaten Umfeld geraucht wird, dann sprechen Sie mit den Personen und bitten Sie um Verständnis.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert ausführlich über die Wirkung von Tabak und Nikotin und bietet Unterstützung bei der Rauchentwöhnung.

Abstinenz ist das Beste für Ihr Kind
Unabhängig davon, ob Alkohol und Tabak Ihre Fruchtbarkeit beeinträchtigen, sollten Sie in der Kinderwunschphase auf Alkohol und weitere Genussgifte verzichten. Denn nach der Einnistung in der Gebärmutter wird der Embryo über den Blutkreislauf der Mutter versorgt und Giftstoffe gelangen nahezu ungefiltert zum ungeborenen Leben. Besonders in den ersten Schwangerschaftswochen, in denen die Organbildung stattfindet, ist der Embryo extrem sensibel gegenüber giftigen Einflüssen wie Alkohol oder Nikotin. Da Frauen oft erst nach einigen Wochen bemerken, dass sie schwanger sind, können diese Gifte hier schon irreparable Schäden angerichtet haben.

Hat das Körpergewicht Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit?

Das ideale Körpergewicht hat die Weltgesundheitsorganisation anhand des Body-Mass-Index, kurz BMI, definiert. Der Index setzt das Gewicht in Relation zur Körpergröße. Ein Wert zwischen 18,5 und 24,9 gilt demnach als Normalgewicht. Aber machen Sie sich keine Sorgen, ein paar Pfunde mehr oder weniger sind für die Gesundheit und auch für die Fruchtbarkeit nicht unbedingt ausschlaggebend. Experten raten, sich eher auf das Körpergefühl und damit das Wohlfühlgewicht zu verlassen. Die Barmer hilft Ihnen, Ihr Körpergewicht richtig einzuschätzen und ihren BMI auszurechnen

Je größer allerdings die Abweichung vom Normalgewicht, desto höher ist das Risiko von Gesundheitsschäden, und auch die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern kann beeinträchtigt werden. Bei Frauen gerät der Hormonhaushalt durcheinander – dies kann zu Zyklusstörungen, wie verringerte oder verstärkte Monatsblutungen oder Ausbleiben des Eisprungs, führen. Bei Männern kann es zur Potenzstörungen und geringer Spermienqualität kommen. Durch eine Annäherung an das Normalgewicht wird die Fruchtbarkeit in der Regel wieder erhöht. Die Zu- oder Abnahme sollte aber langsam passieren. 

Erkrankungen und Medikamente

Auch Erkrankungen können die Fruchtbarkeit vermindern und dafür sorgen, dass ein Kinderwunsch möglicherweise unerfüllt bleibt. Häufig sind das bei Frauen wie Männern zum Beispiel Infektionen mit Chlamydien. Die Krankheitserreger werden vor allem durch ungeschützten Sex übertragen. Als Folge kann es bei Frauen zu einer Entzündung der Eileiter und Eierstöcke kommen, bei Männern zu einer Hoden- und Nebenhodenentzündung. Beides kann unbehandelt zu einer Unfruchtbarkeit führen. Aber auch Krankheiten wie Diabetes oder ein Leistenbruch beim Mann können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Scheuen Sie sich nicht, in Ihrer Arztpraxis nach den Auswirkungen von Vorerkrankungen oder bestimmten Medikamenten zu fragen.

Kinderkriegen ist oft eine Kopfsache

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann zu einer emotionalen Belastung werden. Wenn die Schwangerschaft einfach nicht eintreten will, obwohl man doch alles probiert, steigt häufig der Erwartungsdruck bei beiden Partnern und damit auch die Frustration. Die Steuerung des Sexual- und Fortpflanzungsverhaltens passiert nun mal hauptsächlich im Gehirn und so kann Sex nach Plan zu einem echten Lustkiller werden. Versuchen Sie in diesem Fall aus dem Hamsterrad rauszukommen und setzen Sie Ihrem Zeitplan etwas mehr Gelassenheit entgegen, auch wenn das sicher oft leichter gesagt als getan ist. Denn wenn der Kinderwunsch zur Obsession wird, kann das die Partnerschaft und das soziale Umfeld beeinträchtigen. Bewusst Zeit miteinander zu verbringen, Dinge zu tun, die einem Spaß machen, bei denen man sich wohlfühlt, verhilft in der Regel zu mehr Ausgeglichenheit. Versuchen Sie nichts zu erzwingen und achten Sie auf sich und Ihre Gesundheit. Das sind schon sehr gute Voraussetzungen, um schwanger zu werden.
 

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Webcode: a006391 Letzte Aktualisierung: 06.04.2021
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