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Leistenbruch: Ursachen, Symptome und Behandlung

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Redaktion:

Philipp Kirn (Medical Writer, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Dr. med. Madeleine Vinnemeier (Ärztin, Content Fleet GmbH)

Ein ziehender Schmerz im Bereich der Leiste, möglicherweise zeigt sich dort beim Husten auch eine kleine Schwellung? Das könnten Anzeichen für einen Leistenbruch sein. Wie fühlt sich ein Leistenbruch an, wie sieht er aus – und wann wird er gefährlich? Erfahren Sie, welche Symptome typisch sind, wie die Behandlungsmöglichkeiten aussehen und an welche Arztpraxis Sie sich wenden sollten.

Auf einen Blick

  • Definition: Ein Leistenbruch, auch Leistenhernie genannt, entsteht, wenn Gewebe durch eine Schwachstelle in der Bauchwand im Bereich der Leiste tritt – oft begünstigt durch körperliche Belastung, Bindegewebsschwäche oder angeborene Faktoren.
  • Symptome: Typisch ist ein ziehender Schmerz oder Druck in der Leiste, oft begleitet von einer sicht- oder tastbaren Schwellung, die sich beim Husten oder Pressen verstärken kann.
  • Verlauf: Ein Leistenbruch verursacht oft keine Beschwerden. Wird das ausgetretene Gewebe jedoch eingeklemmt, zeigen sich starke plötzliche Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und eine verhärtete Beule. Das ist ein medizinischer Notfall.
  • Diagnose: Die Diagnose erfolgt zumeist durch Abtasten der Leiste. Ergänzend können Ultraschall und andere bildgebende Verfahren eingesetzt werden.
  • Therapie: Ein Leistenbruch heilt nicht von selbst. In den meisten Fällen ist ein operativer Eingriff erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Vorbeugung: Übermäßiges Pressen und schweres Heben sollten vermieden werden. Eine Kräftigung der Bauchmuskulatur kann vorbeugend wirken.
     

Was ist ein Leistenbruch?

Ein Leistenbruch – medizinisch Leistenhernie genannt – entsteht im Bereich von Schwachstellen in der Bauchwand im Bereich der Leiste. An dieser Stelle bildet sich dann eine Lücke, durch die sich innere Gewebeschichten und gegebenenfalls Teile des Darms nach außen wölben. Diese Schwellung lässt sich oft äußerlich sehen oder tasten, besonders beim Husten oder Pressen.

Eine junge Frau auf einem Sofa hält sich vor Schmerzen die Leiste

Ein Leistenbruch äußert sich oft durch ziehende Schmerzen oder Druck in der Leiste sowie eine sicht- oder tastbare Schwellung.

Leistenbrüche können angeboren sein, vor allem bei Frühgeborenen, oder sich erst im Laufe des Lebens entwickeln, insbesondere durch eine Bindegewebsschwäche und zunehmendes Alter.

Es werden zwei Arten von Leistenbrüchen unterschieden:

  • Der indirekte Leistenbruch kommt vor allem bei Kindern und Jugendlichen vor. Bei ihm tritt das Gewebe durch den sogenannten inneren Leistenring aus. Der Leistenring ist eine Art Kanal und stellt eine natürliche Schwachstelle in der Bauchwand dar.
  • Der direkte Leistenbruch betrifft meist Erwachsene, hauptsächlich Männer. Bei diesem Leistenbruch drückt sich das Gewebe direkt durch die Bauchwand. 

Eine Sonderform ist ein Leistenbruch beim Mann, bei dem sich die Schwellung bis in den Hodensack ausdehnt. Umgangssprachlich spricht man in diesem Fall auch von einem Hodenbruch.

Welche Symptome sind typische Anzeichen für einen Leistenbruch?

In 60 Prozent der Fälle erfolgt der Leistenbruch auf der rechten Seite. Hauptsymptom eines Leistenbruchs ist eine sicht- und tastbare und auch verschiebbare weiche Schwellung im Leistenbereich.

Diese Schwellung verstärkt sich durch jede auf den Bauchraum wirkende Druckerhöhung wie schweres Heben, Husten, Niesen oder Pressen. Eher ziehende oder auch drückende Schmerzen in der Leiste können, müssen aber nicht auftreten und werden durch die geschilderten Druckbelastungen verstärkt. Stellt sich ein Leistenbruch als pralle, nicht oder kaum mehr verschiebbare Schwellung dar, kann dies ein Hinweis auf eingeklemmtes Gewebe aus dem Bauchraum sein.

Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn zusätzlich starke Leisten- oder Bauchschmerzen spürbar sind, die Bauchdecke hart gespannt ist und sich Übelkeit sowie Erbrechen hinzugesellen. Bei einem solchen eingeklemmten Leistenbruch (inkarzerierte Leistenhernie) kann die Blutversorgung des herausgetretenen Gewebes unterbrochen werden, was zum Absterben der betroffenen Organteile führt. Auch kann sich ein Darmverschluss entwickeln. Eingeklemmte Leistenbrüche sind Notfälle, die eine sofortige Operation erfordern.

Gut zu wissen: Ein Leistenbruch sollte immer ärztlich abgeklärt werden, auch wenn die Beschwerden zunächst gering sind. In diesem Fall ist die hausärztliche Praxis die erste Anlaufstelle. Dort kann die Diagnose gestellt und bei Bedarf an eine Fachpraxis überwiesen werden.

Welche Ursachen hat ein Leistenbruch?

Ein angeborener Leistenbruch kann entstehen, wenn sich  eine kleine Öffnung in der Bauchwand nicht richtig schließt. Eigentlich sollte diese bis spätestens zum Ende des zweiten Lebensjahres verschließen. Durch diese Öffnung kann sich später Gewebe zum Beispiel aus dem Bauchraum nach vorn wölben. Besonders bei Frühgeborenen ist diese Öffnung häufig noch nicht geschlossen, deshalb haben sie ein höheres Risiko für einen Leistenbruch. 

Trotzdem ist ein angeborener Leistenbruch bei Kindern zumeist gut behandelbar. Das Risiko, dass sich Gewebe darin einklemmt und es zu einem Notfall kommt, ist bei Kindern erhöht. Daher sollte bei einem festgestellten Bruch eine zeitnahe operative Behandlung angestrebt werden. In den regelmäßigen Kinderuntersuchungen (U-Untersuchungen) untersuchen Kinderärztinnen und Kinderärzte Säuglinge und Kinder auch auf Leistenbrüche.

Wenn ein Leistenbruch entdeckt wird, kann die Ärztin oder der Arzt das meist gut überwachen und rechtzeitig operieren – so lässt sich verhindern, dass es zu Problemen kommt.

Ursache für einen erworbenen Leistenbruch ist das Zusammenspiel von Schwachstellen der Bauchdecke und zu großem Druck im Bauchraum. Dieser Druck kann sich etwa beim schweren Heben, beim Husten, bei verstopfungsbedingtem Pressen auf der Toilette oder auch bereits durch Übergewicht aufbauen. 

Als wichtiger beeinflussbarer Risikofaktor gilt das Rauchen. Zum einen, weil Tabakkonsum neben zahlreichen weiteren Gesundheitsgefahren auch den Bindegewebsstoffwechsel behindert und somit das Bindegewebe schwächt. Zum anderen ist Rauchen eine Hauptursache für chronischen Husten – und jeder Hustenstoß stellt eine akute Druckbelastung des Bauchraumes dar.

Wie häufig ist ein Leistenbruch?

Leistenbrüche zählen zu den häufigsten chirurgisch behandelten Erkrankungen. Schätzungen zufolge unterziehen sich jedes Jahr in Deutschland rund 250.000 Menschen einer Leistenbruch-OP. Männer und Jungs sind deutlich häufiger betroffen als Frauen und Mädchen. Das Risiko für erworbene Leistenhernien steigt mit dem Alter, kann aber auch bei körperlich belastenden Tätigkeiten oder angeborenen Bindegewebsschwächen schon früher erhöht sein. Leistenbrüche sind zwar in der Regel gut behandelbar, sollten aber frühzeitig erkannt und ernst genommen werden.

Wie erfolgt die Diagnose eines Leistenbruchs?

Zumeist lassen sich Leistenbrüche bei einer ärztlichen Untersuchung bereits durch die sicht- und tastbare Schwellung an der Leiste sicher erkennen. Die Patientin oder der Patient wird gebeten zu husten: Die sich dabei verstärkende Schwellung erhärtet den Befund. Der Arzt oder die Ärztin prüft dann, ob sich die Schwellung im Liegen leicht wieder in die Bauchhöhle zurückschieben lässt. Wenn ja (reponibler Bruch), ist keine unmittelbare Gefahr im Verzug. Falls nicht (irreponibler Bruch), kann es sich um einen eingeklemmten Bruch handeln, der schnellstmöglich chirurgisch behoben werden muss. 

Ein weiteres Warnzeichen ist eine deutliche Schmerzhaftigkeit der Beule bei Druck. Zudem kann die Ärztin oder der Arzt durch Abhorchen der Schwellung feststellen, ob darin veränderte Darmgeräusche zu hören sind. Das würde ebenfalls für eine Einklemmung von Eingeweiden und einen potenziell bedrohlichen Darmverschluss sprechen. 

Bei stark übergewichtigen Betroffenen oder einem Leistenbruch mit einer kleinen Lücke reicht die eben beschriebene Untersuchung manchmal nicht aus, um einen Leistenbruch sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen. Dann helfen Diagnoseverfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) und Kernspintomografie (MRT) weiter.

Kann ein Leistenbruch von selbst heilen?

Selbst ein unkomplizierter, noch zurückschiebbarer und kleiner Leistenbruch heilt nie von allein aus. Eine einmal etablierte Bruchlücke ist eine bleibende Schwachstelle, die weder von selbst noch durch gezieltes Muskeltraining besser wird. Deswegen sollte die Lücke operativ verschlossen werden, um ein erneutes Heraustreten von Gewebe zu vermeiden und Komplikationen vorzubeugen. Für im Internet kursierende Strategien zur Heilung von Leistenbrüchen ohne Operation finden sich laut Fachmeinung keine haltbaren Belege.
 

Welche Verfahren zur Operation eines Leistenbruchs gibt es?

Ein Bruch lässt sich durch eine offene Operation oder eine endoskopische Schlüssellochoperation, bei der spezielle medizinische Instrumente durch kleinste Schnitte in der Bauchdecke geschoben werden, verschließen. Es gibt zwei gängige Methoden zur Operation eines Leistenbruchs: mit und ohne Netz.

  • Ohne Netz wird die Bruchstelle durch Nähte direkt verschlossen. Diese Methode findet vor allem bei kleineren Brüchen und bei Kindern Anwendung, da sich das Gewebe in diesen Fällen noch gut stabilisieren lässt.
  • Mit Netz kommt zusätzlich ein feinmaschiges Kunststoffnetz zum Einsatz, das die Bauchwand verstärkt und in diese einwächst. So lässt sich auch eine größere Bruchlücke schließen, ohne dass Spannung auf das Gewebe entsteht. Diese Methode wird oft bei Erwachsenen eingesetzt. Bei Kindern in der Wachstumsphase wird sie nicht angewendet. Ein Nachteil des Netzes ist, dass es als Fremdkörper im Körper verbleibt. Es kann dadurch zu einem leichten Druck- oder Fremdkörpergefühl kommen oder das umliegende Gewebe gereizt werden. 

Leistenbruchoperationen können stationär oder ambulant durchgeführt werden, je nach Ausmaß des Eingriffs, der körperlichen Verfassung der Patientin oder des Patienten und der Gewährleistung einer häuslichen Versorgung. Während bei endoskopischen Eingriffen mehrheitlich eine Vollnarkose empfohlen wird, können unkomplizierte offene Operationen auch unter einer örtlichen Betäubung durchgeführt werden.

Wie lange dauert die Heilung und was gehört zur Nachsorge?

Um ein Wiederauftreten des Leistenbruchs zu vermeiden, empfiehlt es sich, die ärztlich angeordnete Schonzeit penibel zu befolgen. Grundsätzlich gilt: 

  • Körperliche Schonung für drei bis fünf Tage einhalten und starke körperliche Belastung (etwa Heben eines Gewichts über fünf Kilogramm) für circa zwei bis drei Wochen vermeiden

In den ersten zwei bis drei Wochen nach der Operation sollten einige wichtige Verhaltensregeln befolgt werden, um die Heilung optimal zu unterstützen und Komplikationen zu verhindern:

  • Vermeidung von körperlich anstrengende Tätigkeiten, insbesondere schweres Heben, intensiven Sport und langes Stehen
  • Leichte Bewegung, etwa tägliche Spaziergänge oder leichte Arbeiten im Haushalt. Bewegung fördert die Durchblutung, die Wundheilung und auch den Kreislauf.
  • Beruflich erst wieder durchstarten, wenn es der Zustand erlaubt: Je nach Beruf ist eine Rückkehr oft nach ein bis zwei Wochen möglich, bei körperlich schwer arbeitenden Personen sollte die Dauer der Krankschreibung individuell mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

Ein etwas übergewichtiger Mann beim Joggen

Gewichtsreduktion, zum Beispiel durch regelmäßiges Ausdauertraining, kann helfen, einem Leistenbruch vorzubeugen.

Wie lässt sich einem Leistenbruch vorbeugen?

Ein Leistenbruch kann nicht immer verhindert werden, vor allem bei einer angeborenen Schwachstelle. Verschiedene Maßnahmen können aber dazu beitragen, das Risiko zu senken – das empfiehlt sich besonders für Menschen mit Bindegewebsschwäche, chronischem Husten, Übergewicht oder häufiger körperlicher Belastung. 

Folgende Maßnahmen sind ratsam:

Literatur

Weiterführende Informationen

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