Schwangerschaft

Eileiterschwangerschaft: Was passiert, wenn sich der Embryo im Eileiter einnistet

Lesedauer unter 7 Minuten
Frau hält sich ihren schmerzenden Bauch.

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Diana Delle (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe)
  • Daniela Beerens (Gesundheitsinformation, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Viele Frauen bemerken gar nicht, dass sie schwanger sind und sich der Embryo im Eileiter eingenistet hat. Dann liegt eine Eileiterschwangerschaft vor, bei der die befruchtete Eizelle auf dem Weg zur Gebärmutter im Eileiter stecken geblieben ist. Der Embryo kann sich dort nicht gesund entwickeln und deshalb nicht ausgetragen werden.

In vielen Fällen stirbt die befruchtete Eizelle im Eileiter von selbst ab und die Eileiterschwangerschaft endet komplikationslos und manchmal sogar unbemerkt. Wächst er jedoch weiter, muss der Embryo nach der Diagnose einer Eileiterschwangerschaft entweder medikamentös oder operativ entfernt werden. Rechtzeitig diagnostiziert verläuft der Eingriff für den Körper in der Regel komplikationslos, ist aber für die betroffene Frau häufig mit Trauer und Abschied verbunden. Diese Gefühle sind ganz normal und es ist wichtig, sie nicht zu ignorieren. Vielen Frauen hilft es, mit anderen Betroffenen zu sprechen und die Gefühle und Erfahrungen zu teilen. Nehmen Sie sich also Zeit für die körperliche und seelische Erholung, bevor sie eine weitere Schwangerschaft planen. Denn viele Frauen können auch nach einer Eileiterschwangerschaft noch eine oder mehrere reguläre Schwangerschaften erleben und gesunden Nachwuchs auf die Welt bringen.

Illustration Eileiterschwangerschaft

Bleibt die befruchtete Eizelle auf dem Weg zur Gebärmutter im Eileiter stecken, spricht man von einer Eileiterschwangerschaft.


An diesen Symptomen können Sie eine Eileiterschwangerschaft erkennen

Zuerst scheint die Schwangerschaft im Falle einer Eileiterschwangerschaft ganz normal zu verlaufen. Denn obwohl die befruchtete Eizelle sich nicht mehr bewegt, produziert der weibliche Körper weiterhin das Schwangerschaftshormon Beta-hCG (humanes Choriongonadotropin), das wiederum für einen positiven Schwangerschaftstest sorgt.

Die Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft zeigen sich meistens zwischen der fünften und neunten Schwangerschaftswoche. Sie können langsam zunehmen, aber auch sehr heftig und plötzlich auftreten. Das ist von Frau zu Frau verschieden. Folgende Symptome können auf eine Eileiterschwangerschaft hinweisen:

  • anhaltende Unterleibsschmerzen, meist einseitig
  • Schmierblutungen (bräunlicher Ausfluss), die oft fälschlicherweise für die Blutung der Periode gehalten werden
  • Kreislaufstörungen wie Blässe, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kurzatmigkeit und rasender Puls
  • erhöhte Temperatur

Wenn Sie solche Symptome an sich bemerken, können auch andere Erkrankungen ursächlich dafür sein – wie zum Beispiel eine Nierenbeckenentzündung, eine Blinddarmentzündung oder eine Entzündung der Eileiter oder der Eierstöcke. In jedem Fall sollten Sie schnell einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, um den Grund für Ihre Beschwerden abklären zu lassen.

Das sind die Ursachen einer Eileiterschwangerschaft

Bei einer normalen Schwangerschaft wandert die befruchtete Eizelle für einige Tage durch den Eileiter und nistet sich schließlich in der Gebärmutter ein, um dort zu wachsen. Das passiert meistens um den sechsten Tag nach der Befruchtung. Ist der Eileiter jedoch vernarbt, verklebt oder zu lang, kann die Eizelle ihn unter Umständen nicht vollständig durchqueren. Sie bleibt im Eileiter „hängen“ und wächst fälschlicherweise dort an. Dort wird der Embryo jedoch nicht ausreichend versorgt, deshalb kommt es häufig von selbst zur Fehlgeburt. Für die Veränderungen des Eileiters gibt es unterschiedliche Ursachen, die sich hauptsächlich in die drei folgenden Kategorien einteilen lassen. 

Anatomische Ursachen einer Eileiterschwangerschaft

Anatomische Ursachen hängen mit Veränderungen des Eileiters zusammen. Sie führen dazu, dass die Eizelle diesen nicht richtig passieren kann. Zu den anatomischen Ursachen zählen:

  • abgeknickter, verengter oder verklebter Eileiter – verursacht durch Operationen oder Infektionen
  • Eileiterpolypen – das sind Wucherungen in der Schleimhaut des Eileiters
  • Narben oder Verwachsungen durch Operationen
  • angeborene Veränderungen, wie beispielsweise sackförmige Höhlen in der Eileiterwand

Funktionelle Ursachen einer Eileiterschwangerschaft

Bei diesen Ursachen ist die Funktion des Eileiters gestört – durch bestimmte Risikofaktoren oder eine besondere Krankengeschichte. Nachfolgend ein Überblick möglicher funktioneller Ursachen:

  • eingeschränkte Beweglichkeit des Eileiters
  • zu wenige haarfeine Zilien an der Innenwand des Eileiters (führt zu einem schlechteren Transport der Eizelle)
  • frühere Infektionen des Eileiters

Risikofaktoren für eine Eileiterschwangerschaft

Es gibt einige Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit für eine Eileiterschwangerschaft erhöhen. Dazu gehören:

  • Rauchen
  • Verhütung mit hormonfreien Kupferspiralen oder Kupferketten
  • frühere Eieiterschwangerschaften, oder Schwangerschaften in der sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter eingenistet hat. Zum Beispiel Bauchhöhlenschwangerschaft, Eierstockschwangerschaft oder Gebärmutterhalsschwangerschaft.
  • vorherige Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüche
  • Fruchtbarkeitsstörungen oder künstliche Befruchtung

Treffen einige der Risikofaktoren auf Sie zu, seien Sie in den ersten Wochen der Schwangerschaft besonders achtsam. Eine gründliche Untersuchung in Ihrer Frauenarztpraxis verschafft Ihnen Klarheit.

Folgen einer Eileiterschwangerschaft

Wächst der Embryo im Eileiter weiter, kann das erhebliche Konsequenzen haben – wie zum Beispiel einen Eileiterriss, bei dem wichtige Blutgefäße verletzt werden können. In der Folge entstehen heftige innere Blutungen. Der Blutverlust kann zum Kreislaufschock führen. Beides ist für die Frau lebensgefährlich. Bei starken, anhaltenden Schmerzen und Kreislaufstörungen sollte deshalb unbedingt ein Notarzt gerufen werden.

Wird die Komplikation früh erkannt und durch einen Eingriff beendet, kann der Eileiter häufig erhalten bleiben. Trotzdem erhöht eine Eileiterschwangerschaft das Risiko einer erneuten Eileiterschwangerschaft. Nach mehreren Eileiterschwangerschaften kann es deshalb ratsam sein, über die Entfernung des betroffenen Eileiters oder gegebenenfalls über eine künstliche Befruchtung nachzudenken.

So wird eine Eileiterschwangerschaft diagnostiziert

Die Diagnose einer Eileiterschwangerschaft ist für einige Frauen eine Überraschung. Vor allem, wenn sie bis dahin nicht wussten, dass sie schwanger sind. In jedem Fall sollten Sie eine Frauenarztpraxis aufsuchen, wenn Sie manche der oben beschriebenen Symptome an sich beobachten. Ihre Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt wird dann eine genaue Anamnese machen – das bedeutet, Sie geben einen tieferen Einblick in Ihre Krankengeschichte, eventuelle Vorerkrankungen und in Ihre akuten Beschwerden. Anschließend folgt eine Reihe an Untersuchungen.

Abtasten der Gebärmutter und des Eileiters

Vaginales Abtasten gibt Ihrer Frauenärztin beziehungsweise Ihrem Frauenarzt Aufschluss über die Größe der Gebärmutter oder über eine Schmerz- oder Druckempfindlichkeit als Hinweis auf eine mögliche Unterleibserkrankung wie die Eileiterschwangerschaft.

Blutuntersuchung auf Beta-hCG

Das Blut wird auf die Konzentration des Schwangerschaftshormons Beta-hCG untersucht. Normalerweise verdoppelt sich der Blutspiegel dieses Hormons bei einer Schwangerschaft alle 48 Stunden. Sinkt der Wert oder stagniert er, kann das ein Anzeichen dafür sein, dass sich die befruchtete Eizelle falsch eingenistet hat. Über den Einnistungsort kann die Blutuntersuchung keinen Aufschluss geben, dazu sind neben dem Abtasten auch Ultraschalluntersuchungen notwendig.

Ultraschall

Eine Ultraschalluntersuchung, in Kombination mit der gynäkologischen Untersuchung und den Bluttests, kann eine relativ sichere Diagnose auf eine Eileiterschwangerschaft stellen. Über einen vaginalen Ultraschall stellt die Frauenärztin beziehungsweise der Frauenarzt fest, wo genau sich die Eizelle eingenistet hat. Das ist bei sehr frühen Schwangerschaften jedoch häufig schwer sichtbar. Sollten Zweifel am Ultraschall aufkommen, gibt es die sogenannte Farbdopplersonographie. Sie zeigt, wo besonders gut durchblutete Areale zu sehen sind, zum Beispiel das Schwangerschaftsgewebe, in dem sich die Eizelle eingenistet hat.

Bauchspiegelung zur Diagnose

Sollte die Diagnose immer noch unklar sein, gibt es die Möglichkeit einer Bauchspiegelung, der Laparoskopie. Bei diesem mikrochirurgischen Eingriff unter Vollnarkose, kann der Eileiter per Videoaufnahmen genau untersucht werden. Bei einem positiven Befund wird die Eileiterschwangerschaft dabei in der Regel direkt behandelt. Näheres dazu im folgenden Kapitel unter „Operativer Behandlung“.

Behandlung einer Eileiterschwangerschaft

Die Behandlung einer Eileiterschwangerschaft zielt auf eine Beendigung der Schwangerschaft ab, wobei der Eileiter möglichst erhalten werden soll. Je früher die Diagnose gestellt und behandelt wird, umso größer die Chance auf einen unbeschädigten Eileiter.

Medikamentöse Behandlung

Bei früh diagnostizierten Eileiterschwangerschaften gibt es die Option einer medikamentösen Behandlung. Dabei wird das Mittel Methotrexat entweder in den Muskel gespritzt beziehungsweise intravenös oder in Tablettenform gegeben. Die befruchtete Eizelle stirbt ab und löst sich auf.

Operative Behandlung

Ist die Eileiterschwangerschaft schon weiter fortgeschritten und mit akuten schweren Symptomen verbunden, ist in der Regel ein operativer Eingriff nötig.

Dieser wird meistens endoskopisch, also in Form einer Bauchspiegelung, durchgeführt. Dabei wird unter Vollnarkose eine Kamera über den Bauchnabel in den Bauchraum eingebracht, so dass die inneren Organe beurteilt werden können. Je nach Fortschreiten der Eileiterschwangerschaft entfernt die Ärztin beziehungsweise der Arzt den Embryo mit Zusatzinstrumenten, welche durch zwei kleine Schnitte im Schambereich zum Eileiter vordringen. In schweren Fällen muss unter Umständen auch der ganze Eileiter entfernt werden.

Eine offene Operation ist in der Regel nur dann notwendig, wenn keine Bauchspiegelung durchgeführt werden kann.

Nachsorge einer Eileiterschwangerschaft – Sie sind nicht allein

Nach einer Eileiterschwangerschaft kontrolliert die Frauenärztin beziehungsweise der Frauenarzt auf der einen Seite die Gebärmutter und den Eileiter. Auf der anderen Seite sprechen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen über hormonelle Schwankungen oder psychische Belastungen. Nehmen Sie sich Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, und teilen Sie Ihre Ängste und Sorgen mit Menschen, die Ihnen nahestehen. Vielen Frauen hilft auch ein Gespräch mit anderen Frauen, die Ähnliches erlebt haben.

Machen Sie sich bewusst: Sie sind nicht allein.
 

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