Zwei Uhr nachts und deine Gedanken kreisen immer noch um den Prüfungsstress und die WG-To-dos. Da klingen Schlafmittel verlockend, aber ist das wirklich die Lösung für deine Schlafstörungen? Das musst du zu den Medikamenten wissen.
Medikamente bei Schlafstörungen: Was du zu Schlafmitteln wissen musst
Redaktion:
Miriam Frieß (Medical Writer, Content Fleet GmbH)Qualitätssicherung:
Dr. med. Carla Knobloch (Ärztin, Content Fleet GmbH)Welche Schlafmittel es gibt
Schon die dritte Nacht in Folge wälzt du dich nur hin und her, dabei kannst du Schlafmangel gerade jetzt am allerwenigsten gebrauchen?
Einige Medikamente gegen Einschlafstörungen oder Durchschlafstörungen versprechen schnelle Abhilfe. Das sind die Optionen.
Von pflanzlichen Mitteln bis Gummibärchen: Frei verkäufliche Schlafmittel
- Antihistaminika: Das sind eigentlich Allergiemittel, die aber auch müde machen können. Wer gelegentlich ein Medikament dieser Stoffklasse gegen Heuschnupfen nimmt, weiß das.
- Pflanzliche Schlafmittel: Hier kommen Pflanzen wie Lavendel, Baldrian, Passionsblume, Melisse und Hopfen zum Einsatz. Ihnen wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt, auch wenn es handfeste wissenschaftliche Belege dafür noch nicht gibt.
- Melatonin: Das ist ein Hormon, das dein Körper selbst produziert, um dir zu signalisieren: Jetzt ist Schlafenszeit. Melatonin gibt es aber auch als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tabletten, Sprays oder sogar als Weichgummi. Solche Präparate sind nicht unumstritten, aber kurzzeitig können sie deinem Körper auf die Sprünge helfen, gerade wenn deine eigene innere Uhr durch Jetlag oder Schichtarbeit aus dem Takt geraten ist.
Lass dich dazu in deiner Apotheke beraten und hol dir bei anhaltenden Schlafstörungen ärztlichen Rat ein.
Schlaf auf Rezept: Verschreibungspflichtige Medikamente für Schlafstörungen
Schon eine einzige schlechte Nacht kann dich ordentlich aus der Bahn werfen. Wenn die Schlafprobleme sogar mehr als einen Monat anhalten und du auch am Tag nicht richtig leistungsfähig bist, steckt womöglich eine chronische Schlafstörung (Insomnie) dahinter. Hier können stärkere Schlafmittel kurzfristig Linderung verschaffen.
Dazu kann dein Arzt oder deine Ärztin synthetische, verschreibungspflichtige Schlafmittel zur Behandlung deiner Schlafstörungen verordnen, zum Beispiel:
- Benzodiazepine wie Oxazepam oder Diazepam
- Z-Substanzen wie Zolpidem oder Zopiclon
Solche Medikamente werden auch bei Angstzuständen oder Muskelverspannungen eingesetzt. Zur Behandlung von Schlafstörungen solltest du sie allerdings nicht länger als vier Wochen am Stück einnehmen.
Welche Nebenwirkungen können Schlafmittel haben?
Egal, ob du Einschlafprobleme oder Durchschlafprobleme hast: Schlafmittel wirken zunächst einmal wie eine einfache Lösung. Und manchmal sind sie das auch, aber Nebenwirkungen können ebenfalls auftreten.
Nebenwirkungen von pflanzlichen Mitteln
Pflanzlichen Mittel gelten überwiegend als unbedenklich, allerdings sind die Nebenwirkungen noch nicht gut untersucht:
- Manche Baldrian-Präparate können gelegentlich Übelkeit und Bauchkrämpfe auslösen.
- Außerdem warnt die Europäische Arzneimittelagentur beispielsweise vor Fahruntüchtigkeit bei Einnahme von Baldrianwurzelpräparaten und möglichen Risiken für den Kreislauf, wenn du Badezusätze verwendest. Letzteres solltest du dir auch gut überlegen, solange du offene Wunden hast.
- Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit ist Vorsicht geboten. Zu Mitteln wie Baldrian oder Lavendel fehlen hier Daten dazu, ob Risiken und Nebenwirkungen zu erwarten sind.
Lass dich also gut in deiner Apotheke beraten und probiere dann aus, was dir hilft und was du verträgst.
Nebenwirkungen von Melatonin
Auch wenn es ein körpereigenes Hormon ist: Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin können ab und zu Nebenwirkungen auslösen.
Dazu gehören:
- Müdigkeit
- Benommenheit
- Reduzierte Aufmerksamkeit am nächsten Tag
- Blutdruckabfall
- Reduktion der Körpertemperatur
- Albträume
Wie sich das Mittel langfristig auf den Körper auswirkt, ist noch nicht gut untersucht.
Eine entspannte Abendroutine kann deinen Körper dabei unterstützen, selbst genug von dem Hormon Melatonin zu produzieren.
Nebenwirkungen von Antihistaminika
Zwar erhältst du Antihistaminika rezeptfrei in der Apotheke, das bedeutet aber noch lang nicht, dass keine Nebenwirkungen auftreten können.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
- Herabsetzen des Reaktionsvermögens auch am nächsten Tag
- Mundtrockenheit
- Herzklopfen
- Schwindel
- Magen-Darm-Beschwerden
- Probleme beim Wasserlassen
Durch die oft bis zum nächsten Tag anhaltende Benommenheit kann auch das Risiko für Unfälle und Stürze erhöht sein.
Nebenwirkungen von verschreibungspflichtigen Schlafmitteln
Benzodiazepine und Z-Substanzen können ganz schön reinhauen. Sie setzen das Reaktionsvermögen herab und machen benommen und schläfrig, auch wenn du eigentlich gar nicht schlafen willst. Weil sie auch Verspannungen lösen, können sich deine Muskeln schwach anfühlen.
Dadurch erhöhen sie genauso wie Antihistaminika potenziell das Risiko für Unfälle.
Nimmst du sie längerfristig ein, sind folgende Nebenwirkungen möglich:
- Verminderter Antrieb
- Konzentrationsprobleme
- Unruhe- und Erschöpfungszustände
- Überforderungsgefühle
- Stimmungsschwankungen
- Herzrasen
- Schwindel
- Neue Schlafstörungen
Weil sie schneller im Körper abgebaut werden, gelten Z-Substanzen wie Zolpidem oder Zopiclon als besser verträglich als Benzodiazepine. Sie verursachen auch weniger Nebenwirkungen, können dich aber trotzdem ganz schön ausknocken.
Wichtig: Besonders kritisch wird es bei verschreibungspflichtigen Schlafmitteln, wenn du sie länger einnimmst, denn dann besteht die Gefahr, dass du davon abhängig wirst.
Wie werden Schlafmittel richtig abgesetzt?
Stell dir vor, du nimmst schon einige Wochen ein verschreibungspflichtiges Medikament gegen deine Schlafstörungen ein und stellst plötzlich fest: Das Mittel wirkt nicht mehr so gut wie am Anfang.
Das ist ein großes Problem bei Benzodiazepinen und Z-Substanzen. Der Körper gewöhnt sich daran und das kann schnell zur Abhängigkeit führen.
Deshalb sollten solche Schlafmittel auch nicht länger als vier Wochen eingenommen werden. Und wenn doch, sollten sie nicht von heute auf morgen abgesetzt werden.
Wenn Schlafmittel abrupt abgesetzt werden: Es kann zu Entzugssymptomen kommen oder zu sogenannten Rebound-Effekten. Die Schlafprobleme kommen nicht nur zurück, sondern wirken plötzlich noch heftiger.
Fazit: Wie sinnvoll sind Schlafmittel wirklich?
Wenn du dich nachts nur hellwach herumwälzt, ist das nicht nur nervig, sondern kann sich auch auf deine Leistungen in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf auswirken. Langfristig wird Schlafmangel eine echte Belastung für deine Gesundheit.
Deshalb ist der Impuls, ein Schlafmittel zur Hilfe einzunehmen, absolut verständlich. Das sollte aber nicht ohne fachlichen Rat passieren. In deiner Arztpraxis oder Apotheke wirst du professionell informiert.
Wenn du oft schlecht schläfst, lohnt es sich auch, einen Blick auf deine Schlafhygiene zu werfen und das Problem an der Wurzel zu packen.
Medikamente für Schlafstörung: Häufige Fragen und Antworten
Literatur und weiterführende Informationen
- Bundesapothekerkammer (Abruf vom 15.05.2026): Arzneimittelmissbrauch
- Bundesinstitut für Risikobewertung (Abruf vom 15.05.2026): Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht unkritisch eingenommen werden
- Deutsche Apotheker Zeitung (Abruf vom 15.05.2026): Schlafstörungen: bekannte und neue Wirkstoffe
- European Medicines Agency (Abruf vom 15.05.2026): Valerianae radix – herbal medicinal product
- Gelbe Liste (Abruf vom 15.05.2026): Pflanzliche Schlafmittel
- gesundheitsinformation.de (Abruf vom 15.05.2026): Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie)
- Neurologen und Psychiater im Netz (Abruf vom 15.05.2026): Psychopharmaka: Anxiolytika bzw. Hypnotika
- Pharmazeutische Zeitung (Abruf vom 15.05.2026): Diese OTC-Schlafmittel empfiehlt Stiftung Warentest
- PTA-Forum (Abruf vom 15.05.2026): Weg vom Schlafmittel
- Stiftung Gesundheitswissen (Abruf vom 15.05.2026): Rezeptfreie Schlafmittel: Sind sie unbedenklich?