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Röteln – Kinderkrankheit, die für Schwangere bedrohlich werden kann

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Autor

Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Röteln sind eine Infektionskrankheit, die durch das Rötelnvirus ausgelöst wird. Das charakteristische Symptom ist ein rötlich-fleckiger Ausschlag, der sich über den ganzen Körper erstreckt. Ihm verdankt die Erkrankung auch ihren Namen. In der Regel verlaufen Röteln ohne Komplikationen und größere Beschwerden. Erkrankt jedoch eine schwangere Frau an Röteln, kann ihr ungeborenes Kind schwere Schäden erleiden.

Ein Vater mit einem Baby auf dem Arm

An Röteln erkranken überwiegend Kinder. Sie zählen deshalb mit zu den klassischen Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken. Allerdings können sich auch Erwachsene mit den Erregern, den Rötelnviren, infizieren und erkranken.

Röteln betreffen vor allem die Haut und die Lymphknoten. In vielen Fällen verläuft die Infektionskrankheit harmlos: Die Infektion mit den Rötelnviren führt nur zu einer sehr abgeschwächten Form der Krankheit, bei denen sich mitunter gar keine Symptome zeigen. Sehr kritisch kann es jedoch bei einer Rötelninfektion während der Schwangerschaft werden. Sie kann beim ungeborenen Kind zum Teil schwere Fehlbildungen verursachen; bekannt als Röteln-Embryopathie.

Wer einmal an den Röteln erkrankt war, ist in der Regel lebenslang immun gegenüber einer erneuten Infektion mit den Rötelnviren.

Wo kommen Röteln vor?

Rötelnviren sind weltweit verbreitet. In Ländern, in denen die Impfung gegen Röteln kein Standard ist, erkranken vor allem Kinder: 80 bis 90 von 100 Infektionen treffen die kleinen Patienten. Vor allem im Winter und Frühjahr kommt es gehäuft zu dieser Infektionskrankheit.

Seit Einführung der Impfung gegen Röteln im Jahr 1974 treten diese in Deutschland nur noch relativ selten auf. So wurden etwa für das Jahr 2014 deutschlandweit 151 Fälle von Röteln an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet. Komplett ausgerottet sind die Rötelnviren hierzulande also noch nicht. So kommt die Infektionskrankheit in Deutschland immer noch häufiger vor als in anderen Ländern wie zum Beispiel Finnland, Schweden oder den USA.

Die deutschen „Masern“
Im Englischen heißen Röteln auch „German Measles“, also „deutsche Masern“. Der Grund dafür ist, dass dieses Krankheitsbild zum ersten Mal von deutschen Ärzten beschrieben wurde.

Welche Ursachen haben Röteln?

Röteln werden durch das Rötelnvirus, auch Rubella-Virus genannt, ausgelöst. Er ist die einzige Art der Virengattung Rubi-Virus und befällt ausschließlich Menschen. Tiere können also nicht damit infiziert werden.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Die Übertragung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion: Beim Husten, Niesen, Sprechen oder Küssen können die Erreger in kleinsten Speicheltröpfchen auf andere Personen übertragen werden und setzen sich auf deren Schleimhaut des Nasen- und Rachenraums fest. Von dort aus gelangen die Rötelnviren dann über die Blutbahn in den gesamten Körper.

Auch Gegenstände, die mit den Rötelnviren verunreinigt sind, können zu einer Ansteckung führen. Dieser Infektionsweg ist allerdings seltener.

Die Infizierten sind sieben Tage vor dem charakteristischen Hautausschlag sowie bis zu sieben Tage danach ansteckend.

Welche Symptome zeigen Röteln?

Nach der Infektion mit Rötelnviren dauert es in der Regel zwei bis drei Wochen, bis die Krankheit ausbricht und sich die ersten Symptome zeigen. Die sogenannte Inkubationszeit ist also sehr lang.

Ohne Beschwerden, aber infektiös
Rund die Hälfte aller betroffenen Kinder zeigt überhaupt keine Symptome. Dennoch tragen sie zur Verbreitung der Rötelnviren auf andere Menschen bei – und dies unbemerkt, was es besonders gefährlich macht.

Wie ist der Krankheitsverlauf?

Im Anfangsstadium treten leichte grippeartige Symptome wie Kopfschmerzen und ein leichter Schnupfen auf. Selten bekommen die Erkrankten auch eine Bindehautentzündung. Manchmal schwellen die Lymphknoten im Nacken und hinter den Ohren an.

Ein bis zwei Tage später zeigt sich dann schließlich der für die Röteln typische Hautausschlag. Er beginnt hinter den Ohren mit kleinen, hellroten Flecken. Von hier breitet er sich nach und nach auf das komplette Gesicht, den Hals, Arme, Beine und schließlich auf den ganzen Körper aus. Juckreiz besteht nur wenig oder gar nicht. Die Flecken sind hellrot und selten größer als fünf Millimeter. Manchmal kommt es auch zu einem Ausschlag am Gaumen, Enanthem genannt.

Nach ein bis drei Tagen verschwinden die Flecken auf der Haut wieder. Die Temperatur ist meistens nur leicht erhöht (weniger als 38,5 Grad Celsius). Richtig krank fühlen sich nur wenige der Betroffenen. Dabei handelt es sich überwiegend um erwachsene Patienten.

Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen

Bei Erwachsenen kann eine Rötelnerkrankung mitunter sehr schwer verlaufen. Je älter die Erkrankten sind, desto höher ist das Risiko für Komplikationen. So kann es zum Beispiel zu einer Herzbeutel- oder Herzmuskelentzündung, einer Bronchitis oder Ohrenentzündung sowie zu Entzündungen einzelner Gelenke kommen.

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Besonders bei Mädchen und Frauen kann die Rötelninfektion zu Gelenkschwellungen oder -schmerzen, sogenannten Arthritiden, führen. Sie bilden sich normalerweise ohne Behandlung von selbst wieder zurück.

Welche Folgeerkrankungen können auftreten?

Die Röteln verlaufen wie erwähnt in den meisten Fällen komplikationslos. Durch die Erkrankung bedingte Spätschäden oder gar Todesfälle sind überaus selten.

Gehirnentzündung

Ganz vereinzelt kann es zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) kommen, die unmittelbar nach dem Hautausschlag auftritt. Die typischen Symptome sind starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Berührungsempfindlichkeit sowie Verhaltensauffälligkeiten.

Wird diese Entzündung nicht adäquat behandelt, kann sie lebensbedrohlich verlaufen.

Zusätzliche Entzündungen

Neben der Entzündung des Gehirns kann es sehr selten zusätzlich zu Entzündungen des Ohrs (Otitis) kommen. Möglich, besonders bei Patienten im höheren Alter, sind auch Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditits) oder des Herzbeutels (Perikarditis).

Röteln-Embryopathie

Die zu recht am meisten gefürchtete Folge der Röteln ist die Röteln-Embryopathie. Diese kann bei werdenden Müttern auftreten: Infiziert sich die Schwangere mit den Rötelnviren, treten die Erreger von der Mutter auf das ungeborene Kind über. Dies kann bei den betroffenen Ungeborenen zu schweren Fehlbildungen führen.

Besonders hoch ist das Risiko für schwere Schädigungen, wenn schwangere Frauen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen an Röteln erkranken. In solchen Fällen kommt über die Hälfte der Kinder mit Herzfehlern, Augenschäden und Taubheit zur Welt. Auch geistige Behinderungen durch eine Schädigung des Gehirns können auftreten. Weitere Beschwerden durch die Röteln-Embryopathie sind Probleme beim Knochenwachstum und Leberbeschwerden.

Neben der Gefahr für Fehlbildungen des Kindes ist auch das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt deutlich erhöht, wenn sich eine nichtimmune Schwangere mit Röteln ansteckt.

Wichtig zu wissen: Kinder mit einer Röteln-Embryopathie, die von ihrer Mutter während der Schwangerschaft im Mutterleib mit Röteln infiziert wurden, sind selbst ansteckend. Und zwar sehr lange: Sie können das Virus über ihren Urin oder ihr Nasen-und Rachensekret über ein Jahr lang weiter verbreiten!

Ungeborenes und Mutter dringend schützen!
Angesichts der möglichen schrecklichen Folgen ist ganz klar: Infizierte sollten auf keinen Fall Kontakt zu schwangeren Frauen haben, die nicht geimpft oder durch eine frühere Erkrankung immun gegen das Rötelnvirus sind.  

Wie wird die Diagnose gestellt?

Im Rahmen der Untersuchung fragt der Arzt nach der Krankengeschichte und den Symptomen. Der mit Röteln einhergehende Hautausschlag ist keine sichere Diagnosegrundlage, denn er ähnelt auch den Hautveränderungen anderer Krankheiten wie zum Beispiel Masern oder Scharlach. Eine eindeutige Diagnose kann deshalb nicht nur anhand der klinischen Symptome und des äußeren Erscheinungsbildes gestellt werden – vielmehr ist eine Blutuntersuchung erforderlich.

Bei Schwangeren ist eine Blutuntersuchung erforderlich

Für eine eindeutige Bestimmung der Krankheit ist der Nachweis bestimmter Eiweiße (Antikörper) im Blut nötig, die der Körper bei Kontakt mit den Rötelnviren bildet.

Diese Blutuntersuchung ist dann angezeigt, wenn es bei einer ungeschützten Schwangeren zu einem Kontakt gekommen ist.

Eine Infektion mit Rötelnviren in der Frühschwangerschaft kann den Abbruch der Schwangerschaft rechtfertigen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt keine speziellen Medikamente gegen das Rötelnvirus. Treten Fieber oder Schmerzen auf, können entsprechende fiebersenkende oder schmerzstillende Arzneimittel die Beschwerden lindern. Bettruhe und ausreichend Flüssigkeit helfen dem Körper zudem, erfolgreich gegen die Viren anzukämpfen.

Schwangere benötigen sofort Antikörper

Schwangere Frauen, die mit Rötelnpatienten in Kontakt gekommen sind, sollten sich so schnell wie möglich vom Arzt Röteln-Antikörper spritzen lassen. Dies nennt man eine passive Immunprophylaxe mit Röteln-Immunglobulin.

Doch selbst wenn diese innerhalb von einer Woche erfolgt ist, kann der Schutz des ungeborenen Kindes vor einer Röteln-Embryopathie nicht vollends garantiert werden.

Kinder zuhause behalten

An Röteln erkrankte Kinder sollten unbedingt erst acht bis zehn Tage nach dem Abklingen der Beschwerden und des Hautausschlages wieder zur Schule oder in den Kindergarten gehen. Zuvor ist die Ansteckungsgefahr für andere Kinder und Erwachsene ohne Immunschutz zu hoch.

Wie kann ich mich gegen die Röteln schützen?

Die Impfung gegen Rötelnviren ist die einzige zuverlässige Methode, die Infektion und eine Röteln-Embryopathie zu verhindern.

Sie wurde 1974 in Deutschland eingeführt und wird bei Kindern seit 1980 gemeinsam mit Impfstoffen gegen Masern und Mumps verabreicht.

Wann und wie oft sollte man impfen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt, die Grundimmunisierung schon vor dem zweiten Geburtstag bei Mädchen und Jungen vorzunehmen. Für die Grundimmunisierung sind zwei Impfungen notwendig. Die erste Impfung wird im Alter vom elften bis 14. Lebensmonat durchgeführt. Um einen zuverlässigen Schutz vor den Viren zu erreichen, ist eine zweite Impfung notwendig. Diese wird mit einem Mindestabstand von vier Wochen nach der ersten, spätestens jedoch bis zum zweiten Geburtstag durchgeführt. Verpasste Impfungen können Mädchen und Jungen bis zum 18. Lebensjahr nachholen. Aber auch über das 18. Lebensjahr hinaus können Röteln-Impfungen wichtig sein. Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht oder nur unvollständig geimpft sind, sollten die Röteln-Impfung nachholen. Dies gilt auch für den Fall, wenn diese Frauen nicht wissen, ob sie geimpft wurden oder schon einmal Röteln in der Kindheit hatten. Bitte denken Sie daran, dass Sie mit einer Rötelimpfung nicht nur sich selbst vor einer Infektion schützen, sondern auch schwangere Frauen ohne Immunschutz (zum Beispiel im Wartezimmer beim Gynäkologen).

Mädchen und Jungen impfen lassen
Die Impfung gegen Röteln ist extrem wichtig für Mädchen, um die Gefahr einer Röteln-Embryopathie im späteren Leben zu verhindern. Doch auch Jungen sollten sich impfen lassen, denn das verhindert die Ausbreitung der Rötelnviren sehr wirksam.

Rötelnimpfung während der Schwangerschaft

Das ist leider nicht möglich. Zwischen dem Zeitpunkt der Impfung und der Empfängnis sollte eine Zeitspanne von mindestens drei Monaten liegen.

Dies ist auch der Grund, warum jede Frau im gebärfähigen Alter über zwei dokumentierte Rötelnimpfungen verfügen sollte. Nur so ist sie rechtzeitig vor Eintritt einer Schwangerschaft wirksam gegen die Röteln geschützt.

Bei unklarem Impfstatus auf Nummer sicher gehen

Falls der Immunschutz unklar oder unvollständig ist, empfiehlt die STIKO Frauen im gebärfähigen Alter sicherheitshalber eine zweieinmalige Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff, der zusätzlich gegen Masern und Mumps schützt.

Die Kosten der Impfung gegen Röteln übernimmt selbstverständlich Ihre Barmer.

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Webcode: s000560 Letzte Aktualisierung: 31.10.2019
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