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Diphtherie – Bakterielle Infektion mit gefährlichen Folgen

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Autor

  • Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Diphtherie ist eine hoch ansteckende und sehr gefährliche Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae hervorgerufen wird. Dessen Giftstoffe greifen die Zellen unseres Körpers an und schädigen diese. Die Erkrankung beginnt typischerweise im Rachenraum und in den oberen Atemwegen. Im weiteren Verlauf kann Diphtherie auch auf die inneren Organe übergehen.

Ein krankes Kind fasst sich an den Hals

Der Erreger der Diphtherie, das Bakterium mit dem Namen Corynebacterium diphtheriae, sondert ein Gift ab, das sogenannte Diphtherietoxin. Dieses wird über die Blutbahn im gesamten Körper verteilt. Die schwere Infektionskrankheit macht sich zuerst in den oberen Atemwegen, besonders im Rachen, bemerkbar. Bereits hier kann das Diphtherietoxin lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen: eine starke Schwellung des Halses, die bei den Betroffenen zum Ersticken führen kann.
Die Krankheit geht mit starkem Krankheitsgefühl, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber einher. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr sind die Patienten in der Regel isoliert und dürfen nur von geimpftem Klinikpersonal gepflegt werden.

Wo kommt Diphtherie vor?

In Deutschland tritt Diphtherie seit Einführung der Impfung nur noch sehr selten auf. Dennoch ist in den letzten Jahren ein Anstieg zu verzeichnen. 2018 wurden in Deutschland 27 Fälle von Diphtherie gemeldet. Das waren doppelt so viele Fälle wie im Vorjahr. Auch in vielen Entwicklungsländern sowie auch in den ehemaligen Ostblockstaaten ist die Krankheit noch immer weit verbreitet.

Wie erfolgt die Ansteckung mit Diphtherie?

Der Erreger der Diphtherie wird durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Küssen weitergegeben. Daneben kann es auch durch den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen zu einer Ansteckung kommen. Zunächst befallen die Erreger die Schleimhaut des Rachens, wo sie sich stark vermehren. Von hier gehen sie schließlich auf die Mandeln, mitunter auch auf die Nase oder den Kehlkopf über. Das von den Bakterien gebildete Gift greift allerdings nicht nur die Körperzellen der oberen Atemwege an. Es kann vielmehr auch innere Organe wie Herz, Leber und Nieren sowie das Nervensystem stark schädigen.

Meldepflicht
Diphtherie zählt zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Jeder Erkrankungsfall muss umgehend mit dem Namen des Patienten an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Das gilt auch schon bei einem Verdacht auf die Infektionskrankheit.

Was sind Symptome einer Diphtherie?

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der ersten Symptome, beträgt in der Regel zwei bis fünf, selten bis zu zehn Tagen.
Zu den ersten Beschwerden, die eine Diphtherie verursacht, gehören Fieber, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Dieser Zustand dauert etwa ein bis zwei Tage an. Danach prägen sich in Abhängigkeit davon, wo das Diphtherietoxin hauptsächlich konzentriert ist, verschiedene Formen der Erkrankung aus.

Mandel- und Rachendiphtherie

Bei dieser Form bilden sich auf den Mandeln und im Rachen meist zunächst grau-weiße, später bräunliche Beläge, die sogenannten Pseudomembranen. Diese sitzen sehr fest und lassen sich entsprechend auch mit einem Spatel kaum abstreifen. Zudem bluten sie leicht. Die Lymphknoten unterhalb der Kieferwinkel sind schmerzhaft angeschwollen. Typisch für diese Form der Diphtherie ist auch ein faulig-süßer Mundgeruch.

Nasendiphtherie

Insbesondere bei Säuglingen befällt der Erreger auch die Nasenschleimhäute und löst blutig-eitrigen Schnupfen aus.

Kehlkopfdiphtherie

Mitunter breitet sich die Infektion in Richtung Kehlkopf aus. Dann wird die Stimme heiser oder bleibt ganz weg. Der Patient hustet bellend (echter Krupphusten). Dabei können die Schleimhäute in der Kehle stark anschwellen. Typisch ist dann ein ziehendes Atemgeräusch bei der Einatmung, der sogenannte Stridor. Bei einer starken Schwellung des Kehlkopfs bekommt der Patient rasch Atemnot. Da nun Erstickung droht, muss der Betroffene intubiert werden.

Hautdiphtherie

Die Infektionskrankheit kann sich auch auf der Haut äußern. Ist das Fall, bilden sich Geschwüre, die mit einem weißlichen Belag überzogen sind.

Voranschreitende Diphtherie

Eine voranschreitende (progrediente) Diphtherie geht meist von den infizierten Mandeln aus. Innerhalb weniger Stunden bilden sich an mehreren Stellen Pseudomembranen, die miteinander verschmelzen.

Bei solchen aggressiveren Verläufen gelangen größere Mengen des bakteriellen Giftes in den Körper. Die Medizin spricht dann von einer toxischen/malignen Diphtherie. Der Patient leidet unter hohem Fieber. Die anwachsenden Ödeme (Wassereinlagerung im Gewebe) können monströse Formen annehmen, zum Beispiel am Hals in Form eines sogenannten Cäsarenhalses. Teile des Gewebes können aufgrund der bakteriellen Angriffe absterben. Ein plötzlicher Herztod, auch nach scheinbar beginnender Genesung, stellt bei dieser Verlaufsform der Diphtherie die größte Gefahr dar. 

Was sind mögliche Folgeerkrankungen?

Eine lebensgefährliche Komplikation der Diphtherie tritt ein, wenn die Schleimhäute im Hals so stark anschwellen, dass der Patient keine Luft mehr bekommt. Das Gift der Erreger kann jedoch auch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) auslösen und so das Herz schädigen. Möglich ist weiterhin, dass das Diphtherietoxin die Nervenzellen der Schlund-, Augen- und Atemmuskulatur angreift.

Zu den selteneren Komplikationen der Infektion gehören Nierenversagen, Hirnentzündungen (Enzephalitis), Schlaganfall, Lungenembolie und eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis).

Wie wird Diphtherie diagnostiziert?

Infolge ähnlicher Symptome kann eine Diphtherie anfangs leicht mit einer Mandelentzündung (Angina) verwechselt werden. Zur genauen Abklärung nimmt der Arzt einen Abstrich im Rachen, beziehungsweise von den befallenen Hautpartien oder der Nasenschleimhaut. Im Labor wird dann auf Basis dieses Abstrichs eine Bakterienkultur angelegt und anschließend auf den Diphtherieerreger Corynebacterium diphtheriae hin untersucht. Auch das Gift der Bakterien selbst lässt sich im Labor nachweisen.

Wie wird Diphtherie behandelt?

Eine Diphtherie muss möglichst rasch und intensiv behandelt werden. Daher beginnt die Therapie bereits im Verdachtsfall, noch bevor die Laboruntersuchungen abgeschlossen sind. Der Patient erhält zunächst ein sogenanntes Antiserum. Dieses dient dazu, das Diphtherietoxin im Körper zu neutralisieren. Es wirkt jedoch nur, wenn sich das Gift noch nicht an den Körperzellen festgesetzt hat. In Deutschland wird das Diphtherie-Antitoxin in zentralen Notfalldepots gelagert. Die Notfalldepots befinden sich in der Regel in Krankenhäusern. Über diese wird eine schnelle Versorgung der Erkrankten gewährleistet.

Gleichzeitig werden Antibiotika gegeben, die die Vermehrung der Erreger stoppen sollen. Dafür kommen meist Penicillin, Erythromycin oder auch andere Antibiotika wie Azithromycin oder Clarithromycin zum Einsatz. 

Wie kann ich mich gegen Diphtherie schützen?

Die wichtigste Vorsorgemaßnahme gegen Diphtherie ist die Schutzimpfung. Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Erwachsenen empfohlen.
Geimpft wird mit einem Toxoid-Impfstoff. Die so erzeugte Immunität kann weitgehend verhindern, dass der Geimpfte erkrankt. Allerdings kann sich der Erreger auch in geimpften Menschen ansiedeln, die dann zwar keine Symptome zeigen, den Keim aber weitergeben können.

Wann und wie oft sollte man impfen?

Normalerweise findet die Grundimmunisierung schon im Säuglingsalter zusammen mit den anderen Standardimpfungen (Link zu „Welche Impfungen werden empfohlen?“) statt. Die Grundimmunisierung sollte bis zum 15. Lebensmonat abgeschlossen sein. Die Auffrischung erfolgt dann zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr sowie zwischen dem neunten und 17. Lebensjahr. Für einen sicheren Impfschutz müssen sich Erwachsene anschließend alle zehn Jahre erneut impfen lassen.

Dies wird allerdings häufig vernachlässigt, sodass nur etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland über einen ausreichenden Impfschutz verfügt.

Wer noch gar keine Diphtherie-Impfung oder keine vollständige Grundimmunisierung erhalten hat, kann diese mit drei Impfungen nachholen. Die zweite Impfung wird dabei einen Monat nach der ersten und die dritte Impfung weitere fünf Monate später vorgenommen.

Warum impfen lassen, wo es diese Krankheit gar nicht mehr gibt?
Man sollte sich nach wie vor impfen lassen, denn Diphtherie ist in vielen Entwicklungsländern und ehemaligen Ostblockstaaten noch immer weit verbreitet. Durch Migration und Globalisierung können die Erreger auch in unsere Breiten gelangen. Daher ist eine Impfung dagegen immer noch wichtig.

Warum ist eine Reiseschutzimpfung wichtig?

Insbesondere vor Reisen in Länder, in denen Diphtherie noch weiter verbreitet ist, sollte unbedingt ein ausreichender Impfschutz bestehen. Erwachsene profitieren in Deutschland von den relativ guten Impfraten bei den Kindern. Dieser Effekt wird als Herdenschutz bezeichnet. Bei Auslandsreisen entfällt dieser Schutz jedoch. Da bei einer Erkrankung nicht in allen Ländern die gleich guten medizinischen Verhältnisse wie in Deutschland bestehen, können schnell lebensbedrohliche Zustände insbesondere aufgrund des fehlenden Diphtherie-Antitoxins entstehen.

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