Wann sollte mein Kind zum Kieferorthopäden?
Die eigentliche kieferorthopädische Behandlung beginnt bei Kindern meist erst mit acht oder neun Jahren. Trotzdem sollten Eltern die Gebissentwicklung schon deutlich früher im Blick haben: etwa ab dem Alter von drei Jahren. Dann kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt prüfen, ob sich Fehlentwicklungen abzeichnen.
So lassen sich manche Entwicklungen schon im Kleinkindalter beeinflussen. Unter anderem mit spielerischen Muskelübungen oder einfachen herausnehmbaren Zahnspangen.
Besonders wichtig ist auch der Blick auf Milchzähne. Wenn Milchzähne, vor allem Backen- oder Eckzähne, zu früh verloren gehen, sollte die entstandene Lücke überwacht werden. Sonst können Nachbarzähne in die Lücke wandern oder kippen. Das kann später den Platz für bleibende Zähne blockieren. Ein Lückenhalter kann helfen, diesen Platz zu sichern.
Wann ist was wichtig?
Ab etwa 3 Jahren
Die Gebissentwicklung sollte zahnärztlich kontrolliert werden. So können mögliche Fehlentwicklungen früh erkannt werden.
Bei frühem Verlust von Milchzähnen
Lücken sollten überwacht werden. Ein Lückenhalter kann verhindern, dass Nachbarzähne den Platz für bleibende Zähne einnehmen.
Mit etwa 8 oder 9 Jahren
In diesem Alter beginnt häufig die eigentliche kieferorthopädische Behandlung.
Während der Behandlung
Die aktive Behandlung dauert meist mehrere Jahre. Mitarbeit, Mundhygiene und regelmäßige Termine sind entscheidend.
Nach der Behandlung
Damit die Zähne an ihrem neuen Platz bleiben, folgt die sogenannte Retentionszeit.
Welche Zahnfehlstellungen gibt es?
Zahnfehlstellungen können sehr unterschiedlich aussehen. Einige sind vor allem ästhetisch auffällig, andere können Kauen, Sprechen oder Zahnpflege deutlich erschweren.
Engstand: Wenn im Kiefer zu wenig Platz ist
Bei einem Engstand reicht der Platz im Kiefer nicht aus.
Das kann passieren, wenn:
- der Kiefer zu schmal ist
- die Zähne im Verhältnis zu groß sind
- Backenzähne von hinten auf die Zahnreihen drücken
Die Folge: Zähne stehen verdreht oder in zweiter Reihe. Häufig sind die Eckzähne betroffen. Dadurch entstehen die typischen „Vampirzähne“. Eng stehende Zähne lassen sich oft schlechter reinigen. Das kann Zahnbelag, Karies und Zahnfleischprobleme begünstigen.
Lücken: Wenn Zähne zu weit auseinanderstehen
Lücken können entstehen, obwohl alle Zähne vorhanden sind.
Mögliche Gründe:
- die Zähne sind im Verhältnis zum Kiefer zu klein
- der Kiefer ist zu breit
- einzelne Zähne sind genetisch nicht angelegt
Wenn Zähne keinen Kontakt mehr zu ihren Nachbarn haben, können sie sich beim Kauen nicht gegenseitig abstützen. Dadurch wird die Belastung weniger gleichmäßig verteilt.
Überbiss: Wenn der Oberkiefer zu weit vorsteht
Beim Überbiss ragt der Oberkiefer zu weit über den Unterkiefer hinaus. Die oberen Schneidezähne berühren beim Zusammenbeißen die unteren Frontzähne nicht richtig. In extremen Fällen überdecken sie die unteren Zähne sogar vollständig. Dann sprechen Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner von einem Tiefbiss.
Vorbiss: Wenn der Unterkiefer vorn liegt
Der Vorbiss ist ein umgekehrter Überbiss.
Dabei überragt der Unterkiefer den Oberkiefer. Die unteren Schneidezähne decken einen Teil der oberen Schneidezähne ab. Fachlich wird diese Fehlstellung auch Progenie genannt. Diese Fehlstellung sollte möglichst früh behandelt werden. Denn dabei muss das Wachstum des Oberkiefers gefördert und das Wachstum des Unterkiefers gehemmt werden. Je länger man wartet, desto schwieriger und langwieriger wird die Korrektur.
Kreuzbiss: Wenn Ober- und Unterkiefer seitlich nicht passen
Beim Kreuzbiss ist der obere Kieferbogen im Verhältnis zum Unterkiefer zu klein. Die Höcker der unteren Backenzähne gleiten seitlich an denen der oberen vorbei. Das kann das Zermahlen von Nahrung erschweren. Ist der Kreuzbiss weniger stark ausgeprägt, stehen die Zähne Kante auf Kante. Dann spricht man von einem Kopfbiss.
Offener Biss: Wenn beim Zubeißen eine Lücke bleibt
Beim offenen Biss bleibt beim Zusammenbeißen eine Lücke zwischen den oberen und unteren Frontzähnen. Seltener betrifft das die seitlichen Zähne.
Mögliche Folgen:
- Probleme beim Abbeißen
- Lispeln
- Mundatmung
Die Mundatmung kann wiederum die Anfälligkeit für Erkältungen erhöhen. Eine häufige Ursache für den offenen Biss ist exzessives Daumenlutschen oder Dauernuckeln im Kleinkindalter.