Eine lachenende Frau zeigt ihre schönen Zähne
Zahngesundheit

Kieferorthopädie: Wann eine Zahnspange sinnvoll ist

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Redaktion:

SHL Telemedizin GmbH

Qualitätssicherung:

Meinhard Schwarz (Zahnarzt)

Braucht mein Kind wirklich eine Zahnspange? Ist das nur eine Frage der Optik? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und geht eine Zahnkorrektur auch noch als Erwachsener? Kieferorthopädie bedeutet mehr als gerade Zähne. Sie kann helfen, Zähne besser zu reinigen, Kauen und Sprechen zu verbessern und Fehlbelastungen zu vermeiden. Gleichzeitig ist jede Behandlung individuell: Alter, Wachstum, Gebissreife, Zahnstellung, Kieferlage, Mundhygiene und Mitarbeit spielen eine große Rolle.

Was ist Kieferorthopädie?

Kieferorthopädie beschäftigt sich mit Fehlstellungen von Zähnen und Kiefer.

Im Idealfall stehen Zähne wie eine geordnete Reihe nebeneinander. Beim Zubeißen greifen Ober- und Unterkiefer so ineinander, dass jeder Zahn seinen passenden Gegenspieler hat. In der Realität weicht das Gebiss aber häufig von diesem Ideal ab. Das kann sichtbar sein zum Beispiel bei schiefen Zähnen, Lücken oder einem Überbiss.

Eine kieferorthopädische Behandlung kann helfen, wenn Fehlstellungen:

  • die Zahnpflege erschweren
  • das Risiko für Karies erhöhen
  • Zahnfleischentzündungen begünstigen
  • das Abbeißen, Kauen oder Sprechen behindern
  • das Gebiss übermäßig abnutzen
  • den Zahnhalteapparat belasten

Auch Beschwerden wie Kopfschmerzen, Nacken- und Rückenschmerzen, Migräne, Ohrgeräusche oder Schwindel können sich mitunter bessern, wenn Fehlbelastungen durch einen falschen Biss beseitigt werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche kieferorthopädische Behandlung ist ein kariesfreies Gebiss mit gesundem Zahnfleisch.

Ist Kieferorthopädie nur etwas für Kinder?

Zwar sind viele Kinder und Jugendliche wegen Zahnfehlstellungen oder falscher Kieferlage in Behandlung. Aber auch immer mehr Erwachsene lassen Zahnfehlstellungen korrigieren. Zum Beispiel mit Spangen oder transparenten Schienen. Der Unterschied liegt vor allem darin, was korrigiert werden soll.

Bei Kindern und Jugendlichen kann das Wachstum von Kiefer und Gebiss noch genutzt werden. Bei Erwachsenen lassen sich Zahnstellungsfehler oft ebenfalls korrigieren. Kieferfehlstellungen sind im Erwachsenenalter dagegen meist schwieriger und häufig nur mit zusätzlichen operativen Maßnahmen zufriedenstellend behandelbar.

Wann sollte mein Kind zum Kieferorthopäden?

Die eigentliche kieferorthopädische Behandlung beginnt bei Kindern meist erst mit acht oder neun Jahren. Trotzdem sollten Eltern die Gebissentwicklung schon deutlich früher im Blick haben: etwa ab dem Alter von drei Jahren. Dann kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt prüfen, ob sich Fehlentwicklungen abzeichnen.

So lassen sich manche Entwicklungen schon im Kleinkindalter beeinflussen. Unter anderem mit spielerischen Muskelübungen oder einfachen herausnehmbaren Zahnspangen.

Besonders wichtig ist auch der Blick auf Milchzähne. Wenn Milchzähne, vor allem Backen- oder Eckzähne, zu früh verloren gehen, sollte die entstandene Lücke überwacht werden. Sonst können Nachbarzähne in die Lücke wandern oder kippen. Das kann später den Platz für bleibende Zähne blockieren. Ein Lückenhalter kann helfen, diesen Platz zu sichern.

Wann ist was wichtig?

Ab etwa 3 Jahren

Die Gebissentwicklung sollte zahnärztlich kontrolliert werden. So können mögliche Fehlentwicklungen früh erkannt werden.

Bei frühem Verlust von Milchzähnen

Lücken sollten überwacht werden. Ein Lückenhalter kann verhindern, dass Nachbarzähne den Platz für bleibende Zähne einnehmen.

Mit etwa 8 oder 9 Jahren

In diesem Alter beginnt häufig die eigentliche kieferorthopädische Behandlung.

Während der Behandlung

Die aktive Behandlung dauert meist mehrere Jahre. Mitarbeit, Mundhygiene und regelmäßige Termine sind entscheidend.

Nach der Behandlung

Damit die Zähne an ihrem neuen Platz bleiben, folgt die sogenannte Retentionszeit.

Welche Zahnfehlstellungen gibt es?

Zahnfehlstellungen können sehr unterschiedlich aussehen. Einige sind vor allem ästhetisch auffällig, andere können Kauen, Sprechen oder Zahnpflege deutlich erschweren.

Engstand: Wenn im Kiefer zu wenig Platz ist

Bei einem Engstand reicht der Platz im Kiefer nicht aus.

Das kann passieren, wenn:

  • der Kiefer zu schmal ist
  • die Zähne im Verhältnis zu groß sind
  • Backenzähne von hinten auf die Zahnreihen drücken

Die Folge: Zähne stehen verdreht oder in zweiter Reihe. Häufig sind die Eckzähne betroffen. Dadurch entstehen die typischen „Vampirzähne“. Eng stehende Zähne lassen sich oft schlechter reinigen. Das kann Zahnbelag, Karies und Zahnfleischprobleme begünstigen.

Lücken: Wenn Zähne zu weit auseinanderstehen

Lücken können entstehen, obwohl alle Zähne vorhanden sind.

Mögliche Gründe:

  • die Zähne sind im Verhältnis zum Kiefer zu klein
  • der Kiefer ist zu breit
  • einzelne Zähne sind genetisch nicht angelegt

Wenn Zähne keinen Kontakt mehr zu ihren Nachbarn haben, können sie sich beim Kauen nicht gegenseitig abstützen. Dadurch wird die Belastung weniger gleichmäßig verteilt.

Überbiss: Wenn der Oberkiefer zu weit vorsteht

Beim Überbiss ragt der Oberkiefer zu weit über den Unterkiefer hinaus. Die oberen Schneidezähne berühren beim Zusammenbeißen die unteren Frontzähne nicht richtig. In extremen Fällen überdecken sie die unteren Zähne sogar vollständig. Dann sprechen Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner von einem Tiefbiss.

Vorbiss: Wenn der Unterkiefer vorn liegt

Der Vorbiss ist ein umgekehrter Überbiss.

Dabei überragt der Unterkiefer den Oberkiefer. Die unteren Schneidezähne decken einen Teil der oberen Schneidezähne ab. Fachlich wird diese Fehlstellung auch Progenie genannt. Diese Fehlstellung sollte möglichst früh behandelt werden. Denn dabei muss das Wachstum des Oberkiefers gefördert und das Wachstum des Unterkiefers gehemmt werden. Je länger man wartet, desto schwieriger und langwieriger wird die Korrektur.

Kreuzbiss: Wenn Ober- und Unterkiefer seitlich nicht passen

Beim Kreuzbiss ist der obere Kieferbogen im Verhältnis zum Unterkiefer zu klein. Die Höcker der unteren Backenzähne gleiten seitlich an denen der oberen vorbei. Das kann das Zermahlen von Nahrung erschweren. Ist der Kreuzbiss weniger stark ausgeprägt, stehen die Zähne Kante auf Kante. Dann spricht man von einem Kopfbiss.

Offener Biss: Wenn beim Zubeißen eine Lücke bleibt

Beim offenen Biss bleibt beim Zusammenbeißen eine Lücke zwischen den oberen und unteren Frontzähnen. Seltener betrifft das die seitlichen Zähne.

Mögliche Folgen:

  • Probleme beim Abbeißen
  • Lispeln
  • Mundatmung

Die Mundatmung kann wiederum die Anfälligkeit für Erkältungen erhöhen. Eine häufige Ursache für den offenen Biss ist exzessives Daumenlutschen oder Dauernuckeln im Kleinkindalter.

Wie funktionieren Zahnspangen?

Zähne sind nicht starr im Kieferknochen festgewachsen. Sie sind durch ein enges Fasergewebe elastisch mit dem Kiefer verbunden. Deshalb können Zähne wandern und ihre Stellung verändern, in jedem Alter.

Genau das nutzt die Kieferorthopädie: Mit Druck und Zug werden Zähne schrittweise in die gewünschte Position bewegt.

Welche Apparatur dafür geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab:

  • Art der Zahnfehlstellung
  • Ausprägung der Fehlstellung
  • Kieferlage
  • Alter
  • Gebissreife
  • Wachstumsfortschritt
  • Mundhygiene
  • Mitarbeit der Patientin oder des Patienten

Welche Zahnspangen gibt es?

Es gibt nicht die eine Zahnspange für alle. Die passende Lösung hängt davon ab, was korrigiert werden soll und wie gut die Behandlung in den Alltag passt.

Herausnehmbare Zahnspange: sinnvoll im Wachstum

Herausnehmbare Zahnspangen kommen vor allem bei Kindern infrage, solange sie noch wachsen.

Je nach Krankheitsbild kann das Wachstum von Ober- oder Unterkiefer gehemmt oder angeregt werden. Lose Spangen wirken dabei wie ein „Turngerät“: Sie regen Gewebe, Muskulatur und Kieferknochen an und helfen, Zähne und Kiefer in die gewünschte Richtung zu entwickeln. Ein Vorteil: Herausnehmbare Spangen stören die Mundhygiene weniger, weil sie zum Zähneputzen herausgenommen werden können.

Der Nachteil: Der Erfolg hängt stark von konsequenter Mitarbeit ab. Wird die Spange nicht regelmäßig getragen, wirkt sie nicht wie geplant. Außerdem ist die Therapie mit herausnehmbaren Spangen im Allgemeinen langwieriger als mit festsitzenden Apparaturen.

Feste Zahnspange: bei stärkeren Fehlstellungen

Festsitzende Zahnspangen werden häufig bei schwerwiegenden Zahnfehlstellungen eingesetzt – oder bei erwachsenen Patientinnen und Patienten.

Sie arbeiten mit:

  • Drahtbögen
  • Bändern
  • Brackets

Brackets sind kleine viereckige Plättchen, die auf die Außenseite der Zähne geklebt werden. Durch exakt kalkulierten Druck und Zug werden die Zähne schrittweise an ihren vorgesehenen Platz bewegt. Neben klassischen Metallbrackets gibt es auch ästhetisch unauffälligere Alternativen aus Keramik oder Kunststoff.

Wichtig im Alltag: Wer eine Bracket-Spange trägt, muss besonders sorgfältig auf Mundhygiene achten. Auch zu viele Süßigkeiten sollten vermieden werden. Bei harten Lebensmitteln wie Nüssen oder Rohkost ist Vorsicht geboten, weil sie Brackets beschädigen oder ablösen können.

Lingualtechnik: feste Spange von innen

Bei der Lingualtechnik werden die Brackets nicht außen, sondern auf der Zungen- oder Gaumenseite der Zähne befestigt. Der Vorteil: Von außen ist die Spange nicht sichtbar.

Der Nachteil: Sie kann beim Sprechen und Zähneputzen stören. Außerdem sind die einzelnen Behandlungsmaßnahmen schwieriger umzusetzen als bei einer herkömmlichen festen Zahnspange und erfordern mehr Zeit. Diese Technik wird besonders für erwachsene Patientinnen und Patienten angeboten.

Durchsichtige Schienen: Aligner

Aligner sind transparente Kunststoffschienen, die über die Zähne gesetzt werden. Sie sind herausnehmbar und fallen kaum auf. Außerdem ermöglichen sie eine uneingeschränkte Mundhygiene, weil sie zum Zähneputzen herausgenommen werden können.

Falls nötig, können Aligner auch mit festsitzenden Spangen kombiniert werden.

Wichtig: Aligner sind nicht dasselbe wie transparente Knirschschienen. Knirschschienen werden nur nachts getragen, um die Zähne bei Zähneknirschen zu schützen. Sie haben keinen therapeutischen Effekt auf Zahnfehlstellungen.

Wie lange dauert eine kieferorthopädische Behandlung?

Eine kieferorthopädische Behandlung dauert meist drei bis vier Jahre. Danach ist die Behandlung aber nicht automatisch vorbei. Es folgt eine passive Phase, die sogenannte Retentionszeit.

In dieser Zeit geht es darum, die Zähne an ihrem neuen Platz zu halten. Denn Zähne können sich nach der aktiven Behandlung wieder verschieben.

Dafür gibt es zwei typische Möglichkeiten:

Retentionsplatte

Eine herausnehmbare Retentionsplatte wird meist nur noch nachts getragen und später nach und nach abgesetzt.

Kleberetainer

Ein Kleberetainer ist ein starrer Draht, der an die Innenseite der Zähne geklebt wird. Er kann bis zum 25. Lebensjahr oder länger im Mund bleiben, mindestens aber vier Jahre.

Kieferorthopädie bei Erwachsenen: Was ist möglich?

Auch Erwachsene können Zahnstellungsfehler korrigieren lassen.

Mit den heute verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten sind Korrekturen selbst im Erwachsenenalter mit guten Aussichten auf bleibenden Erfolg möglich.

Besonders wichtig ist dabei der Zustand des Zahnhalteapparats. Bei Erwachsenen können außerdem bestimmte Faktoren die Behandlungsmöglichkeiten einschränken:

  • fehlendes Knochenwachstum
  • reduzierte Zahl vorhandener Zähne
  • Zustand von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat

Zahnstellungsfehler lassen sich oft noch behandeln. Kieferfehlstellungen dagegen können im Erwachsenenalter mit Spangen oder Schienen meist nicht mehr zufriedenstellend korrigiert werden. Dann kann eine kieferorthopädisch-kieferchirurgische Kombinationsbehandlung nötig sein.

Solche Behandlungen können notwendig werden, wenn Kieferanomalien nicht nur die Gesichtsästhetik beeinflussen, sondern auch Kauen, Sprechen oder Atmen einschränken.

Häufige Fragen zu Kieferorthopädie

Kieferorthopädie korrigiert Zahn- und Kieferfehlstellungen. Ziel ist nicht nur ein geraderes Gebiss, sondern auch bessere Zahnpflege, Kauen, Sprechen und langfristige Zahngesundheit.
Die eigentliche Behandlung beginnt meist mit acht oder neun Jahren. Die Gebissentwicklung sollte aber schon etwa ab drei Jahren zahnärztlich kontrolliert werden.
Häufige Zahnfehlstellungen sind Engstand, Lücken, Überbiss, Vorbiss, Kreuzbiss und offener Biss.
Die aktive Behandlung dauert meist drei bis vier Jahre. Danach folgt eine Retentionszeit, damit die Zähne an ihrem neuen Platz bleiben.
Lose Zahnspangen werden vor allem im Wachstum eingesetzt und können herausgenommen werden. Feste Zahnspangen arbeiten dauerhaft mit Brackets, Drahtbögen und Druck beziehungsweise Zug.
Ja, Zahnstellungsfehler lassen sich auch bei Erwachsenen häufig korrigieren. Kieferfehlstellungen sind im Erwachsenenalter aber oft nur mit zusätzlichen operativen Maßnahmen behandelbar.
Nach der aktiven Behandlung können sich Zähne wieder verschieben. Retentionsplatten oder Kleberetainer helfen, das Ergebnis zu stabilisieren.

Literatur

  • Abruf vom 11.09.2015, Berufsverband der deutschen Kieferorthopäden
  • Knak: Praxisleitfaden Kieferorthopädie. Urban Fischer Verlag, 2004.
  • Sander, Schwänzer, Ehrenfeld: Kieferorthopädie. Georg Thieme Verlag , 211.
  • Harzer: Kieferorthopädie. Georg Thieme Verlag KG.
  • The piercing truth about tongue splitting and oral jewelry. Journal of the American Dental Association, 2012.

Weiterführende Informationen

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