Ein Mädchen zeigt einem Jungen eine Schutzmaske
Coronavirus

Wie leicht stecken sich Kinder mit dem Coronavirus an?

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Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
  • Dr. med. Ursula Marschall (Fachärztin für Anästhesie)

Das Kind hustet und die Wangen glühen – ist das jetzt Corona? Viele Eltern sind derzeit besonders schnell alarmiert, zumal die Infektionen bei Kindern mit der Omikron-Variante stark ansteigen.

Wie leicht stecken sich Kinder mit dem Coronavirus an?

Grundlegend gilt: Sind mehr Erwachsene infiziert, erkranken auch mehr Kinder an COVID-19. Zu Anfang der Pandemie hatten Medien über eine erhöhte Gefahr der Ansteckung oder Übertragung für Kinder im Vergleich zu Erwachsenen berichtet – das hatte sich nicht bestätigt. Im Verlauf der dritten Infektionswelle dieser Pandemie zeichnete sich jedoch ein neues Phänomen ab: Es waren generell steigende Infektionszahlen zu beobachten, wobei das Robert Koch-Institut von einem besonders starken Anstieg bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 14 Jahren berichtete. Kitas und Schulen waren vermehrt von Ausbrüchen betroffen, was auf die ansteckendere Virus-Mutante B.1.1.7 zurückzuführen war.

Auch in der vierten Welle sind Kinder und Jugendliche in Deutschland laut Zahlen des RKI besonders häufig von COVID-19-Infektionen betroffen – die Schulen und Kindertagesstätten sind bislang offen geblieben und jüngere Kinder sind noch nicht geimpft. Auch war zwischenzeitlich die Maskenpflicht in den Klassenräumen vielerorts aufgehoben. Der Höhepunkt der Omikron-Welle soll voraussichtlich im Februar 2022 erreicht sein. Das Robert Koch-Institut hat in seinem Wochenbericht für die Kalenderwoche 05/2022 berechnet, dass etwa 1,9 bis 4,3 % der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre und 1,4 bis 2,7 % der Bevölkerung ab 15 Jahren an COVID-19 mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung erkrankten.

Wie infektiös sind Kinder?

Wurden Kinder anfangs von manchen Menschen bösartig als kleine SARS-CoV-2-Schleudern bezeichnet, gilt diese Behauptung inzwischen als widerlegt. Eine Studie des Landesuntersuchungsamts Rheinland-Pfalz ergab im März 2021, dass in Kindergärten und Schulen ein vergleichsweise niedriges Infektionsrisiko von nur 1,3 Prozent herrschte. Die Zahl könne sogar noch niedriger sein, da man nicht zwischen einer Übertragung in Schule oder Kita und in der Freizeit unterscheiden konnte. Die Daten zeigen auch, dass Erzieherinnen und Erzieher in Kitas ein größeres Risiko für ihre Kollegen waren als die Kinder, die nur selten Lehr- oder Betreuungspersonal ansteckten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) geht davon aus, dass Infektionen bei Kindern dem Infektionsgeschehen bei Erwachsenen folgen – und nicht umgekehrt.

Kinder sind vermutlich vergleichbar infektiös wie Erwachsene. Da bei ihnen aber die Krankheitssymptome geringer und auch die Krankheitsverläufe milder oder sogar asymptomatisch ausfallen können, werden Infektionen manchmal erst überraschend über einen Test entdeckt. Eine Untersuchung anhand von Antikörpern zeigte etwa im Oktober 2020, dass in Bayern zwischen Januar und Juli 2020 vermutlich sechsmal mehr Kinder mit SARS-CoV-2 infiziert waren als gemeldet. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Kinder mit Antikörpern zeigte keine Symptome.

Wie gefährlich ist das Coronavirus für Kinder?

Dass Kinder schwer an COVID-19 erkranken ist laut DGPI selten – noch seltener sind schwerste Verläufe und Todesfälle. Die Erkrankung verläuft bei ihnen meist mild und sie müssen nur selten stationär aufgenommen werden. Der Grund dafür könnte möglicherweise sein, dass Kinder grundsätzlich seltener Grunderkrankungen haben. Prof. Dr. Wolfgang Kölfen, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche der Städtischen Kliniken Mönchengladbach, vermutet zudem, dass das sehr aktive kindliche Immunsystem für die gute Abwehr verantwortlich ist. „Das Immunsystem eines Kindes ist weniger viruserfahren als das eines Erwachsenen. Darum reagiert es im Zweifel viel früher und aktiviert sofort alle Verteidigungslinien.“ Und: Eventuell können die Viren im Körper eines Kindes auch noch nicht so gut andocken und ihn schwerwiegend infizieren. Dennoch kommen auch bei Kindern sogenannte Long-COVID-19-Verläufe vor, anhand derer man manchmal erst bemerkt, dass ein Kind zuvor eine COVID-19-Erkrankung durchgemacht hat.

PIMS – eine seltene, aber schwere Erkrankung bei Kindern

In sehr seltenen Fällen erkranken aber auch Kinder schwer an COVID-19. So kann es etwa zum „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ (PIMS) kommen – es ist bei einer Inzidenz von etwa 1:10000 aber extrem selten. Diese Erkrankung mit Symptomen wie zum Beispiel Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, Ausschlag, Herzschwäche und Atemnot ist vermutlich eine Überreaktion des Immunsystems auf die Viren und macht sich oft erst einige Wochen nach der Infektion bemerkbar, auch nach einem milden oder symptomfreien Verlauf. Es trifft vor allem Kinder ab etwa sieben Jahren. PIMS erfordert in der Regel eine stationäre Behandlung, oft auf der Intensivstation. Dennoch ist PIMS meistens gut behandelbar, kann aber zu Post-COVID-Erscheinungen wie Müdigkeit und verringerter Leistungsfähigkeit führen. Laut Deutscher Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI) litten vom 27. Mai 2020 bis zum 13. Februar 2022 in Deutschland 688 Kinder und Jugendliche unter PIMS. Daran gestorben ist bisher kein Kind.

Welche Kinder sind besonders gefährdet?

Auffallend ist, dass zwei Drittel der Kinder mit PIMS Jungen sind. Ob die Omikron-Variante zu mehr PIMS-Fällen führt, lässt sich aktuell noch nicht sagen, weil PIMS erst zeitlich verzögert auftreten kann. Kinder können noch sechs Wochen nach einer Coronainfektion an PIMS erkranken. Kinder mit Vorerkrankungen hingegen sind nicht unbedingt gefährdeter, so die DGPI. Die Rolle internistischer Grunderkrankungen für den Krankheitsverlauf sei in Studien jedoch noch nicht abschließend bewertet worden.

Welche Symptome deuten auf eine Corona-Infektion bei Kindern?

Die COVID-19-Erkrankung verläuft bei Kindern zumeist mild und oft ohne Symptome. Die häufigsten Begleiterscheinungen sind bei Kindern trockener Husten, Fieber und – im Gegensatz zu Erwachsenen – auch Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe und Appetitlosigkeit. Auch Verfärbungen an Zehen oder Fingern, die an Frostbeulen erinnern, können auftreten.

Was tun, wenn der Verdacht auf Corona besteht?

Abklären sollte man Symptome in jedem Fall, wenn zu Schnupfennase oder Husten auch Fieber oder Magen-Darm-Beschwerden kommen. Suchen Sie Ihre Kinder- und Jugendarztpraxis nicht ohne telefonische Anmeldung auf – Sie gefährden sonst andere Menschen vor Ort. Manche Kinderarzt-Praxen haben durch das Infektionsgeschehen zudem ihr Terminvergabesystem geändert und trennen Vorsorge-Untersuchungen und Infekt-Sprechstunde zeitlich oder räumlich. Teilen Sie deshalb Ihrer Praxis schon am Telefon mit, welche Symptome Ihr Kind hat und ob Sie in den vergangenen 14 Tage Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Dann erfahren Sie das weitere Vorgehen.

Welche Symptome treten beim PIMS auf? 

Wenn Kinder wegen PIMS in das Krankenhaus eingeliefert werden, sind meist die Haut und Schleimhäute, das Herz-Kreislauf-System sowie der Magen-Darm-Trakt betroffen. 77,2 Prozent der Kinder mit PIMS-Diagnose hatten bisher Magen-Darm-Beschwerden.

Kinder können auch PIMS bekommen, wenn die Corona-Infektion völlig symptomlos verlief und vielleicht gar nicht bekannt ist. Besonders bei älteren Kindern können Bauchschmerzen auftreten. Eltern sollten aber auch wachsam sein bei Fieber, Hautausschlägen und Herz-Kreislauf-Problemen, besonders dann, wenn es Corona-Infektionen in der Umgebung gab. Dies gilt auch für den Fall, dass die Infektionen der Spielgefährten und Kontaktpersonen bereits schon einige Wochen zurück liegen.

Können Kinder gegen Corona geimpft werden?

Die wichtigsten Fragen zur Corona-Impfung für Kinder beantworten wir hier

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