Coronavirus

Ist das Coronavirus für Menschen mit Asthma besonders gefährlich?

Lesedauer unter 4 Minuten
Ein Mann benutzt ein Asthma-Spray

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer),
  • Dr. med. Ursula Marschall (Fachärztin für Anästhesie)
Inhaltsverzeichnis

Viele Asthma-Patienten sind durch die Nachrichten von Lungenentzündungen im Fall einer COVID-19-Erkrankung alarmiert. Wie gefährlich ist die Situation für Menschen mit Asthma bronchiale wirklich? Und können Kortisonsprays noch verwendet werden?

Sind Asthmatiker besonders gefährdet?

So pauschal lässt sich das nicht bejahen. „Ein junger Mensch mit allergischem Asthma, der gut behandelt ist, hat kein höheres Risiko“, sagt der Pneumologe Dr. Michael Barczok vom Lungenzentrum in Ulm. „Die Mehrheit der allergischen Asthmatiker ist unter 30, die Erkrankung flacht im Alter eher ab. Im Moment deutet nichts darauf hin, dass diese Gruppe besonders gefährdet ist“, so Barczok.
Für Menschen mit schwerem Asthma – also Grad vier oder fünf – ist allerdings Vorsicht geboten. Zudem vermehren sich die Hinweise darauf, dass nicht-allergische Asthmatiker ein erhöhtes Risiko für einen schwerem COVID-19-Krankheitsverlauf haben. Auch wer an einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) im fortgeschrittenen Stadium leidet, sollte besonders vorsichtig sein.
„Sie sollten alle Schutz- und Hygienemaßnahmen strengstens befolgen und vor allem ihre Medikamente wie gewohnt einnehmen“, rät Lungenarzt Barczok. „Patienten in Langzeittherapie mit oralem Kortison oder anderen die Immunreaktion unterdrückenden Therapien gehören sicher zu der gefährdeten Gruppe und sollten das weitere Vorgehen mit ihrem Arzt besprechen.“

Kortisonspray – ja oder nein?

Die Verwendung von kortisonhaltigen Asthmasprays war im Zusammenhang mit Corona in die Diskussion geraten. Weil der Wirkstoff Kortison eine überschießende Immunreaktion unterdrückt, könnte es auch bei einer COVID-19-Erkrankung den Immunschutz der Betroffenen reduzieren, so die Sorge von einigen Virologen. Pneumologe Barczok hat dazu jedoch eine klare Meinung: „Patienten sollten jetzt keinesfalls ihre inhalativen Steroide weglassen und nur noch bronchienerweiternde Mittel nehmen“, sagt er. „Das wäre gefährlich. Nehmen Sie weiter Ihre Sprays.“ Bei einer Verschlechterung der Lungenfunktion sollten Patienten die Dosis nach Vorgabe des behandelnden Arztes entsprechend steigern. Gleiches gilt für die Kurzzeittherapie mit Kortisontabletten: keinesfalls absetzen! Gerade in Zeiten von Corona sollten Atemwegspatienten streng darauf achten, dass sich ihr Asthma nicht verschlimmert, rät der Lungenarzt. Das gelte auch für COPD-Patienten.
Es gibt sogar vielversprechende Hinweise, dass Asthmasprays mit Budesonid bei einer Coronainfektion schwere Verläufe verhindern und bei milden Verläufen die Krankheitsdauer verkürzen können. Die Sprays hemmen vermutlich die Vermehrung der Viren in den Atemwegen. Ein finales Studienergebnis steht noch aus.

Bei Asthma gegen das SARS-CoV-2 impfen?

Die neuen Impfstoffe sind für die allermeisten Allergiker und Asthmatiker unbedenklich. Nur extrem selten kommt es zu einer allergischen Reaktion auf die Vakzine (nach aktuellen Wissenstand liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:100.000). Dennoch sollten alle Menschen – auch wenn sie kein Asthma haben – vorsichtig sein, sofern sie nach einer anderen Impfung bereits eine schwere allergische Reaktion gezeigt haben. Gleiches gilt bei einer bekannten Allergie auf Medikamente oder einer Mastozytose (Mastzellerkrankung). Nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt kann meist trotzdem geimpft werden. Wer mit welcher Priorität Anspruch auf eine Impfung hat, ist durch die Coronavirus-Impfverordnung definiert. Nähere Informationen bietet unsere Übersichtseite zur Impfung gegen das Coronavirus.

Soll ich mich bei Asthma oder COPD gegen Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Menschen, die an chronischen Krankheiten wie Asthma oder COPD leiden, die Grippeimpfung, um eine Sekundärinfektion – also die Infektion mit weiteren Erregern – zu vermeiden und das Immunsystem vor zu vielen gleichzeitig auftretenden Infektionen zu schützen.

Sollte man sich zusätzlich gegen Lungenentzündung impfen lassen?

Für Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen – zum Beispiel Asthma – kann eine Pneumokokken-Impfung sinnvoll sein. Sie schützt zwar nicht vor COVID-19, bietet jedoch Schutz vor den Bakterien, die für die meisten Fälle von Lungenentzündungen verantwortlich sind. Weitere Informationen zur Impfung finden Sie in unserem FAQ zum Coronavirus.

Tipps für allergische Asthmatiker

Pollenallergiker greifen bei Pollenbelastung oftmals zu Sprays, um ihre Symptome zu lindern. Mit einem bronchienerweiternden Spray allein riskiert man jedoch, dass nur die Symptome bekämpft werden, die Entzündungsprozesse in der Lungenschleimhaut aber ungebremst weiter gehen. „Ein entzündungshemmendes Asthmaspray ist auch hier angeraten, weil es die normale Lungenfunktion fördert“, betont Barczok.

Hilft eine Isolation zuhause?

So vernünftig das Zuhausebleiben aus epidemiologischen Gründen ist – als Gegenmaßnahme gegen allergische Pollenreaktionen taugt es nur bedingt. Mehrtägiger Hausarrest führt dazu, dass die Mastzellen in den Bronchien randvoll mit Histamin sind – dem Stoff, der nach Andocken der Pollen ausgeschüttet wird und die Bronchien verengt. Wer nach längerem Drinnenbleiben vor die Tür geht, riskiert eine heftigere allergische Reaktion als jemand, der sich den Pollen täglich dosiert aussetzt. Der Grund: Die Mastzellen benötigen 24 Stunden, um sich wieder mit Histamin zu füllen. „Wenn sich die Zellen dauernd entladen, weil man viel draußen ist, kommen sie kaum mehr dazu sich aufzuladen und die allergischen Reaktionen fallen milder aus“, erklärt Experte Barczok. Er empfiehlt täglich eine Stunde an die frische Luft zu gehen – auch um sich fit zu halten.

Der beste Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufhören

Für Aufsehen sorgten Studien, die scheinbar zeigten, dass aktive Raucher seltener an COVID-19 erkranken. Wie es scheint, kann Nikotin die Aufnahme von Viren in Zellen erschweren. „Die Konsequenz lautet allerdings nicht, jetzt mit dem Rauchen zu starten: Die Nachteile überwiegen bei weitem punktuell mögliche positive Effekte der Zigarette“, sagt Lungenfacharzt Michael Barczok. Der Rat lautet vielmehr: „Hören Sie auf zu rauchen und verwenden Sie dafür Nikotinersatzprodukte aus der Apotheke. Sollte der Nikotineffekt auf SARS-CoV-2 doch nicht so ausgeprägt sein, dann sind Sie zumindest Nichtraucher“, sagt der Experte. Die Barmer bietet einen Online-Kurs zur Raucherentwöhnung an.

Barmer Chat

Chat für Versicherte

Sind Sie bei Meine Barmer registriert?
Loggen Sie sich vor dem Start des Chats für eine persönliche und datenschutzsichere Beratung ein.

Der Chat ist erreichbar jeweils von Montag - Freitag zwischen 07:00 - 20:00 Uhr

Chat für Interessenten

Ich habe keine eigene Mitgliedschaft bei der Barmer und bin an den Vorteilen interessiert.

Nutzen Sie unseren Chat für Interessenten im Bereich "Mitglied werden"

E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a005339 Letzte Aktualisierung: 19.03.2021
Nach oben