Coronavirus

Ist das Coronavirus für Menschen mit Asthma besonders gefährlich?

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Ein Mann benutzt ein Asthma-Spray

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer),
  • Dr. med. Ursula Marschall (Fachärztin für Anästhesie)
Inhaltsverzeichnis

Viele Asthma-Patienten sind jetzt durch die Nachrichten von Lungenentzündungen im Fall einer COVID-19-Erkrankung alarmiert. Wie gefährlich ist die Situation für Menschen mit Asthma bronchiale wirklich? Und können Kortisonsprays noch verwendet werden?

Sind Asthmatiker besonders gefährdet?

So pauschal lässt sich das nicht bejahen. „Ein junger Mensch mit allergischem Asthma, der gut behandelt ist, hat kein höheres Risiko“, sagt der Pneumologe Dr Michael Barczok vom Lungenzentrum in Ulm. Auch bei episodischem Asthma ist die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs gering. „Die Mehrheit der allergischen Asthmatiker ist unter 30, die Erkrankung flacht im Alter eher ab. Im Moment deutet nichts darauf hin, dass diese Gruppe besonders gefährdet ist“, so Barczok. Für Menschen mit schwerem Asthma – also Grad vier oder fünf – ist allerdings Vorsicht geboten. Das gilt auch für Menschen mit der chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) im fortgeschrittenen Stadium. „Sie sollten alle Schutz- und Hygienemaßnahmen strengstens befolgen und vor allem ihre Medikamente wie gewohnt einnehmen“, rät Lungenarzt Barczok. „Patienten in Langzeittherapie mit oralem Kortison oder anderen die Immunreaktion unterdrückenden Therapien gehören sicher zu der gefährdeten Gruppe und sollten das weitere Vorgehen mit ihrem Arzt besprechen.“

Kortisonspray – ja oder nein?

Die Verwendung von kortisonhaltigen Asthmasprays war zuletzt im Zusammenhang mit Corona in die Diskussion geraten. Weil Kortison überschießende Immunreaktionen unterdrückt, könnte es angeblich auch bei einer COVID-19-Erkrankung den Immunschutz der Betroffenen reduzieren, so die Sorge von einigen Virologen. Pneumologe Barczok hat dazu eine klare Meinung: „Patienten sollten jetzt keinesfalls ihre inhalativen Steroide weglassen und nur noch bronchienerweiternde Mittel nehmen“, sagt er. „Das wäre gefährlich. Nehmen Sie weiter Ihre Sprays.“ Bei Verschlechterung sollten Patienten die Dosis nach Vorgabe des behandelnden Arztes entsprechend steigern. Gleiches gilt für die Kurzzeittherapie mit Kortisontabletten: keinesfalls absetzen! Gerade in Zeiten von Corona sollten Atemwegspatienten streng darauf achten, dass sich ihr Asthma nicht verschlimmert, rät der Lungenarzt. Das gelte auch für COPD-Patienten. 

Jetzt noch impfen?

Patienten mit Atemwegserkrankungen wird generell eine jährliche Grippeschutzimpfung und alle sechs Jahre eine Pneumokokkenschutzimpfung empfohlen. Da die Grippewelle bereits abebbt, macht eine Impfung wenig Sinn. „Eine Pneumokokkenimpfung ist für Risikopatienten empfehlenswert, weil sie den Schutz vor einer Lungenentzündung verstärkt“, so Pneumologe Barczok.

Tipps für allergische Asthmatiker

Der beginnende Frühling lässt Pollenallergiker ihre Sprays und Taschentücher bereitlegen. Eiche und Buche blühen, Gräser kitzeln viele Heuschnupfengeplagte in Nase und Bronchien. Mit einem bronchienerweiternden Spray allein riskiert man, dass nur die Symptome bekämpft werden, die Entzündungsprozesse in der Lungenschleimhaut aber ungebremst weiter gehen. „Ein entzündungshemmendes Asthmaspray ist auch hier angeraten, weil es die normale Lungenfunktion fördert“, betont Barczok.

Das neu entwickelte Online-Programm „Selbst aktiv bei Allergie“ soll Allergikern helfen, ihre Allergie und deren Symptome besser zu beherrschen. Dazu wird die praktische Anwendung des Online-Programms vor Veröffentlichung im Rahmen einer Studie untersucht. Das Online-Programm wurde von mehreren Universitäten entwickelt und vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Unter www.selbstaktivbeiallergie.de können Allergiker sich zur Teilnahme an dieser Veröffentlichungsstudie registrieren lassen.

Hilft Hausarrest?

So vernünftig das Zuhausebleiben aus epidemiologischen Gründen ist – als Gegenmaßnahme gegen allergische Pollenreaktionen taugt es nur bedingt. Mehrtägiger Hausarrest führt dazu, dass die Mastzellen in den Bronchien randvoll mit Histamin sind – dem Stoff, der nach Andocken der Pollen ausgeschüttet wird die Bronchien verengt. Wer nach längerem Drinnenbleiben vor die Tür geht, riskiert eine heftigere allergische Reaktion als jemand, der sich den Pollen täglich dosiert aussetzt. Der Grund: Die Mastzellen benötigen 24 Stunden, um sich wieder mit Histamin zu füllen. „Wenn sich die Zellen dauernd entladen, weil man viel draußen ist, kommen sie kaum mehr dazu sich aufzuladen und die allergischen Reaktionen fallen milder aus“, erklärt Experte Barczok. Er empfiehlt täglich eine Stunde an die frische Luft zu gehen – auch um sich fit zu halten.

Der beste Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören

Dass Rauchen die Lungen massiv schädigt, weiß jedes Kind. Eine Studie aus China deutet darauf hin, dass mehr als jeder Vierte der COVID-19-Erkrankten mit schwerem Krankheitsverlauf eine Raucher-Historie mitbrachte. Bei den Patienten, deren Zustand sich binnen 14 Tagen stabilisierte, waren es dagegen nur 3 Prozent. „Wenn es irgendwann sinnvoll war, das Rauchen aufzuhören, dann jetzt“, sagt Lungenfacharzt Michal Barczok. Die Barmer bietet einen Online-Kurs zur Rauchentwöhnung an.

Quellenangaben

Webcode: a005339 Letzte Aktualisierung: 18.05.2020
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