Eine Frau liegt mit geschlossenen Augen auf einer Wiese
Allergie

Sonnenallergie: Warum deine Haut auf Sonne reagiert

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Redaktion:

Barmer

Qualitätssicherung:

  • Verena Dost (Diplom-Biologin),
  • Dr. med. Martin Waitz (Arzt, medproduction GmbH)

Du freust dich auf Sonne, gehst raus und plötzlich juckt die Haut, wird rot oder bekommt kleine Bläschen. Was sich erst wie ein Sonnenbrand anfühlt, ist manchmal etwas anderes: eine sogenannte Sonnenallergie. Der Begriff klingt eindeutig, ist medizinisch aber eher ein Sammelbegriff für verschiedene Hautreaktionen auf UV-Strahlung. Gemeint ist also nicht eine einzige Erkrankung, sondern mehrere Formen, die durch Sonnenlicht ausgelöst werden können.

Was ist eine Sonnenallergie?

Eine echte „Allergie auf die Sonne“ gibt es so nicht. Der Begriff beschreibt unterschiedliche Hautreaktionen, die durch ultraviolette Strahlen entstehen. Fachlich wird dabei unter phototoxischen und photoallergischen Reaktionen unterschieden. Phototoxische Reaktionen sind nicht allergisch bedingt, sondern entstehen durch eine chemische Reaktion zwischen Licht und bestimmten Stoffen. Photoallergische Reaktionen werden dagegen durch Prozesse des Immunsystems ausgelöst.

Bei phototoxischen Reaktionen wird die Haut durch einen Photosensibilisator lichtempfindlicher. Schon wenig UV-Licht kann dann brennende Rötungen oder sogar Blasen auslösen und zwar genau an den Hautstellen, die zusammen mit dem auslösenden Stoff Sonne abbekommen haben. Zu solchen Auslösern zählen natürliche Stoffe wie Johanniskraut oder Doldenblütler, aber auch Parfüm, Hautcremes, Chemikalien in Reinigungsmitteln oder Farbstoffen und Medikamente.

Photoallergische Reaktionen entstehen, wenn bestimmte Stoffe auf oder in der Haut durch UV-Strahlen eine Immunreaktion in Gang setzen. Dazu zählen etwa bestimmte Antibiotika, manche Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Malariamittel, Entwässerungstabletten, bestimmte Neuroleptika, aber auch Sellerie, Petersilie, Zitrusfrüchte, Parfüms und kosmetische Produkte. Diese Reaktionen können durch UV-A-Strahlen ausgelöst werden. Also nicht nur draußen in direkter Sonne, sondern zum Teil auch in verglasten Räumen, weil Fensterglas UV-A teilweise durchlässt.

 

Welche Arten von Sonnenallergie gibt es?

Unter dem Begriff Sonnenallergie werden mehrere Formen zusammengefasst. Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, welche Art von Hautreaktion vorliegt.

Polymorphe Lichtdermatose (PLD)

Die polymorphe Lichtdermatose ist die mit Abstand häufigste Form und das, was viele schlicht als „Sonnenallergie“ kennen. Sie tritt besonders häufig bei Frauen zwischen 20 und 40 erstmals auf, kommt aber auch bei Männern vor. Typisch ist, dass die ersten Beschwerden einige Stunden bis mehrere Tage nach einem Sonnenbad auftreten. Wenn die Haut keine Sonne mehr abbekommt, klingen die Symptome wieder ab.

Typisch sind starker Juckreiz an den sonnenexponierten Stellen sowie Hautausschläge mit Bläschen, Quaddeln und flächigen Rötungen. Genau diese Kombination macht die PLD für viele so unangenehm: Die Haut ist sichtbar gereizt und juckt oft stark.

Mallorca-Akne

Die Mallorca-Akne zeigt sich häufig zu Beginn intensiver UV-A- und UV-B-Belastung. Besonders betroffen sind die „Sonnenterrassen“ des Körpers, also Dekolleté, Schultern, Arme und Gesicht. Dort entstehen akneartige Hautveränderungen wie rote Flecken, Knötchen, Papeln und stark juckende Quaddeln.

Die genaue Ursache ist nicht eindeutig geklärt. Eine Erklärung ist, dass Inhaltsstoffe von Kosmetika, etwa Fette und Emulgatoren, unter starker Sonneneinstrahlung Hautreaktionen auslösen. Andere Untersuchungen sehen in der Mallorca-Akne eher eine milde Form der polymorphen Lichtdermatose. Als besonders relevant gelten UV-A-Strahlen, weil sie tief in die Haut eindringen.

Eine Frau hockt mit ihrem Kleinkind im Arm vor einem Regal mit Sonnencreme in der Drogerie und prüft diese auf bedenkenlose Inhaltsstoffe bei Sonnenallergie.

Bei einer Sonnenallergie in Form einer photoallergischen Kontaktdermatitis sollten Sie besonders auf die Inhaltsstoffe von Sonnencremes und anderen Kosmetika achten.

Lichturtikaria

Die Lichturtikaria ist eine seltene Form der Nesselsucht. Betroffene reagieren dabei empfindlich auf einen bestimmten Wellenlängenbereich, am häufigsten auf sichtbares Licht und UV-A-Strahlen. Durch die verstärkte Histaminfreisetzung entstehen Quaddeln, als hätte die Haut Brennnesseln berührt. Weil leichte Kleidung oft lichtdurchlässig ist, können auch bedeckte Körperstellen reagieren.

Typisch ist hier das schnelle Auftreten: Die Symptome zeigen sich innerhalb weniger Minuten und verschwinden meist innerhalb von ein bis zwei Stunden wieder, wenn die Betroffenen aus dem Sonnenlicht gehen. Bei starker Sonneneinstrahlung können zusätzlich Atemnot, Schwindelgefühle, Übelkeit und sogar ein anaphylaktischer Schock auftreten.

Chronisch aktinische Dermatitis (CAD)

Die chronisch aktinische Dermatitis gehört zu den schwersten Formen der Photoallergie, ist aber sehr selten. Betroffene reagieren auf bestimmte Wellenlängenbereiche mit stark juckenden, verdickten und entzündeten Hautstellen, die nicht einfach wieder verschwinden, sondern dauerhaft bestehen bleiben können.

Besonders belastend ist, dass Menschen mit CAD nicht nur auf UV-Licht reagieren können, sondern teilweise auch auf künstliches Licht und normales Tageslicht. Die Erkrankung zeigt sich vor allem bei Männern im mittleren oder fortgeschrittenen Alter.

Photoallergische Arzneimittelreaktion

Wenn Medikamente in Kombination mit Sonnenlicht Rötungen und Quaddeln auf der Haut auslösen, kann eine photoallergische Arzneimittelreaktion dahinterstecken. Dabei gelangt eine photosensibilisierende Substanz über den Blutkreislauf in die Haut und löst dort unter Lichteinwirkung die Reaktion aus. Bis zum Ausbruch können mehrere Tage vergehen. Diese Form tritt nicht bei jedem auf, sondern nur bei Menschen, deren Immunsystem gegen das Medikament eine Allergie entwickelt hat.

Photoallergische Kontaktdermatitis

Hier lösen Stoffe auf der Haut in Kombination mit UV-A-Strahlen die Reaktion aus. Das können zum Beispiel bestimmte Lichtschutzfaktoren in Sonnencremes oder -ölen sein. Die Haut rötet und verdickt sich, sie juckt stark, und innerhalb eines Tages können Knoten und Blasen entstehen; manchmal schuppt sich die Haut auch. Zunächst ist die Reaktion oft auf die betroffene Stelle begrenzt, kann sich aber über den ganzen Körper ausweiten. Wenn der Auslöser vermieden wird, bilden sich die Hautveränderungen meist schnell zurück.

Wichtig ist hier auch: Die Symptome zeigen sich nach 12 bis 72 Stunden. Genau deshalb wirkt diese Form im Alltag oft so schwer greifbar. Ist eine Person einmal sensibilisiert, tritt die Reaktion im Allgemeinen das ganze Leben lang wieder auf, sobald das Allergen erneut in Kombination mit Sonnenstrahlen auf oder in den Körper gelangt.

Ist Sonnenallergie eine echte Allergie?

Ob die „Sonnenallergie“ wirklich eine Allergie ist, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Ein Erklärungsansatz geht davon aus, dass UV-Strahlen eine harmlose körpereigene Substanz in ein Allergen umwandeln, das das Immunsystem aktiviert. Ein anderer Ansatz vermutet, dass sich unter Sonnenlichteinfluss freie Radikale in empfindlicher Haut bilden, die Zellen schädigen und so die Beschwerden auslösen. Eindeutige Beweise fehlen bisher für beide Theorien.

Was hilft schnell gegen Sonnenallergie?

Wenn deine Haut reagiert, ist die wichtigste Sofortmaßnahme ganz einfach: raus aus der Sonne, rein in den Schatten. In den Tagen nach einem Ausschlag sollte Sonne möglichst gemieden werden. Wenn das nicht geht, helfen lange Hosen, langärmlige Oberteile, ein Hut oder eine Kappe und konsequenter UV-Schutz mit Sonnencreme mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor. Außerdem können diese Möglichkeiten die Beschwerden lindern:

  • Kühlen: Eis, Kühlpads, feuchtigkeitsspendende Cremes wie After-Sun oder Aloe Vera sowie kühlende Umschläge mit Quark können Juckreiz lindern. Durch die Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen, Schwellungen können abklingen.
  • Kortisonhaltige Cremes: Sie können Entzündungsreaktionen der Haut meist unterbinden. Die Anwendung sollte aber vorher mit Arzt oder Ärztin abgesprochen werden; teils sind sie rezeptpflichtig.
  • Antihistaminika: Als Salben oder Tabletten blockieren sie die Wirkung von Histamin und können den Juckreiz mildern. Bei häufiger PLD kann ein Antihistaminikum sogar schon drei Tage vor Reisebeginn und dann während des gesamten Urlaubs eingenommen werden, allerdings nur nach Rücksprache mit Arzt oder Ärztin.
  • Beta-Carotin: Kann manchen Betroffenen helfen, Symptome zu lindern, muss aber acht bis zwölf Wochen vor der Sonneneinstrahlung eingenommen werden. Raucherinnen und Raucher sollten Beta-Carotin nicht einnehmen, weil es ihr Lungenkrebsrisiko erhöht.
  • Vitamin E: Vor allem Sonnencremes mit der Vitamin-E-Vorstufe Pro-Tocopherol können Entzündungen hemmen und helfen.
  • Diagnose abklären lassen: Wenn die Haut immer wieder reagiert, sollte die Ursache ärztlich geklärt werden, damit die Reaktion gezielt behandelt und ihr vorgebeugt werden kann.
  • Phototherapie / UV-Hardening: Bei photoallergischen Reaktionen kann unter ärztlicher Aufsicht durch wiederholte, dosierte UV-Bestrahlung ein Gewöhnungseffekt erzielt werden. Diese „Abhärtung“ sollte nur ärztlich begleitet stattfinden.

Wie du vorbeugen kannst

Damit es gar nicht erst so weit kommt, hilft vor allem eins: die Haut langsam an Sonne gewöhnen. Zusätzlich sollte grundsätzlich ausreichend Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor aufgetragen und die intensive Mittagssonne gemieden werden. Das hilft nicht nur gegen Sonnenallergie, sondern senkt auch das Hautkrebsrisiko.

Häufige Fragen und Antworten zur Sonnenallergie

Der Begriff „Sonnenallergie“ ist medizinisch nicht präzise. Er beschreibt verschiedene Hautreaktionen auf Sonnenlicht, vor allem auf die UV-Strahlen der Sonne. Der bekannteste Typ ist die polymorphe Lichtdermatose (PLD), bei der die Haut nach Sonnenexposition juckt und Hautveränderungen zeigt.
Nicht immer. Manche Reaktionen sind nicht allergisch, sondern durch direkte Licht- oder chemische Effekte ausgelöst. Photoallergische Reaktionen hingegen werden durch das Immunsystem vermittelt und sind eine echte allergische Form, treten aber seltener auf.
  • Polymorphe Lichtdermatose (PLD): Häufigste Form mit juckenden Rötungen und Hautausschlag.
  • Lichturtikaria: Schnell auftretende Quaddeln durch UV- oder sichtbares Licht.
  • Photoallergische Kontaktdermatitis: Reaktion bei Kombination von Licht und bestimmten Substanzen auf der Haut.
  • Chronisch aktinische Dermatitis: Seltene, dauerhafte Lichtreaktion.
Typische Beschwerden sind starker Juckreiz, Rötungen, Quaddeln, Bläschen oder Hautausschlag an sonnenexponierten Stellen. Sie können stunden bis Tage nach Sonnenkontakt auftreten, je nach Art der Reaktion.
Neben UV-Strahlen können bestimmte Medikamente, Pflanzenstoffe, Kosmetika oder chemische Verbindungen die Haut lichtempfindlich machen oder als Photoallergene wirken. Betroffene reagieren dann stärker auf Sonnenlicht.
  • Langsames Gewöhnen der Haut an Sonne (kurze Zeiten am Anfang).
  • Konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF) und Schutz vor UVA-Strahlen.
  • Meidung intensiver Mittagssonne und Verwendung von Kleidung, Hut und Schatten.
  • Verzicht auf Duft- und irritierende Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten, die Photoallergien verstärken können.
  • Schatten und kühlende Maßnahmen (z. B. kühlende Cremes, Umschläge).
  • Antihistaminika (Tabletten oder Salben), um den Juckreiz zu mildern.
  • Kortisonhaltige Cremes auf ärztlichen Rat können die Entzündungsreaktion reduzieren.
  • After-Sun-Produkte mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen beruhigen die Haut.
Ein Sonnenbrand ist eine direkte UV-Schädigung der Haut, die meist innerhalb weniger Stunden nach Sonnenexposition beginnt. Eine Sonnenallergie kann dagegen stunden bis mehrere Tage später auftreten und neigt eher zu juckenden Ausschlägen, Quaddeln oder Bläschen.
Wenn die Beschwerden stark, wiederholt auftreten oder länger anhalten, sollte ein Hautarzt die Ursache abklären – vor allem wenn nicht klar ist, ob es sich um eine allergische Reaktion, Photosensibilisierung durch Medikamente oder um andere Hautprobleme handelt.

Literatur

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