Eine Frau liegt mit geschlossenen Augen auf einer Wiese
Allergie

Wie erkenne ich eine Sonnenallergie?

Lesedauer unter 9 Minuten

Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Verena Dost (Diplom-Biologin)
  • Dr. med. Martin Waitz (Arzt, medproduction GmbH)

Sonnenstrahlen sind gut für Körper und Seele und helfen bei der Bildung von Vitamin D. UV-Strahlen haben unter Umständen aber auch negative Effekte. Neben Faltenbildung und Hautkrebs kann es zu allergischen Reaktionen auf bestimmte Substanzen kommen: einer „Sonnenallergie". 

Eine Sonnenallergie - also eine Allergie auf die Sonne - gibt es nicht. Dieser umgangssprachliche Begriff beschreibt verschiedene Hautreaktionen, die durch im Sonnenlicht enthaltene ultraviolette Strahlen, kurz UV-Strahlen, entstehen. Die „Sonnenallergie“ ist also vielmehr ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen, die durch die Reaktion auf Sonnenlicht ausgelöst werden. Die gemeinhin als „Sonnenallergie“ bezeichnete polymorphe Lichtdermatose (PLD) ist die häufigste photoallergische Reaktion. Medizinerinnen und Mediziner unterscheiden zwischen phototoxischen und photoallergischen Reaktionen:

  • Eine phototoxische Reaktion entsteht durch die Reaktion von bestimmten Stoffen mit Licht und ist nicht allergisch bedingt.
  • Eine photoallergische Reaktion zeigen Personen, die bereits gegen bestimmte Stoffe (z. B. Medikamente) eine Allergie entwickelt haben. Die Immunreaktion löst bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung die photoallergische Reaktion aus.

Was ist eine phototoxische Reaktion?

„Photo“ bedeutet „Licht“. „Toxisch“ heißt „giftig“. Bei der phototoxischen Reaktion kommt es im Körper zu einer chemischen Reaktion. Und zwar zwischen einem bestimmten Stoff (Photosensibilisator) und dem Sonnenlicht. Es handelt sich dabei nicht um eine Allergie, sondern um eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Die Haut reagiert empfindlicher auf UV-Strahlung als sonst. Manchmal ruft schon eine geringe Menge Licht brennende Rötungen oder Blasenbildung hervor. Und zwar an Hautstellen, die zusammen oder nach Kontakt mit dem Photosensibilisator der Sonne ausgesetzt waren. 

Verursacher von phototoxischen Reaktionen sind:

  • Natürliche Stoffe: z.B. Johanniskraut (Hypericine), Doldenblütler (Furocumarine)
  • Kosmetika: Parfüm, Hautcreme
  • Chemikalien: beispielsweise in Reinigungsmitteln und Farbstoffen
  • Medikamente

Was ist eine Photoallergie? 

Bei einer sogenannten photoallergischen Reaktion (Photoallergie, umgangssprachlich oft „Sonnenallergie" genannt) kommt es durch den Einfluss ultravioletter Strahlen zu Hautveränderungen. Diese werden durch Prozesse des Immunsystems in Gang gesetzt. Solche Prozesse entsteht durch Photoallergene. Das sind Stoffe, die zu einer Sensibilisierung führen können, wenn sie auf oder in der Haut Sonnenlicht ausgesetzt sind.

Zu den Photoallergenen gehören beispielsweise: 

  • Antibiotika aus der Klasse der Sulfonamide und Tetrazykline
  • manche Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Malariamittel, Entwässerungstabletten und bestimmte Neuroleptika (anti-psychotisch wirksame Substanzen)
  • Pflanzen wie Sellerie, Petersilie und Zitrusfrüchte
  • Parfüms und kosmetische Produkte

Die photoallergische Reaktion entsteht durch UV-A-Strahlen, sowohl bei direkter Sonneneinstrahlung im Freien als auch in verglasten Räumen. Gewöhnliches Fensterglas hält UV-B-Strahlen ab, lässt aber einen gewissen Anteil UV-A-Licht durch. Dadurch kann es zu Reaktionen auf eingenommene Arzneimittel oder Substanzen kommen, die Kontakt mit der Haut hatten.

  • Photoallergische Arzneimittelreaktion: Bestimmte Medikamente können eine photoallergische Reaktion verursachen, weil eine Substanz in den Körper gelangt, auf die das Immunsystem in Kombination mit UV-A-Strahlen reagiert.
  • Photoallergische Kontaktdermatitis: Eine Substanz, die die Haut berührt (Sonnenschutzmittel, Parfüms oder pflanzliche Inhaltsstoffe), verbindet sich unter Einstrahlung von UV-A mit körpereigenen Eiweißstoffen zu einem Antigen, das ebenso wie bei einer Kontaktallergie nach erneutem Kontakt bei Sonneneinstrahlung eine Hautreaktion auslöst.

Die Symptome zeigen sich nach 12 bis 72 Stunden. Aufgrund der Zeitspanne ist diese Sonnenallergie eine Spättyp-Reaktion. Ist eine Person einmal sensibilisiert und von Beschwerden betroffen, tritt die Sonnenallergie im Allgemeinen das ganze Leben lang auf, sobald das Allergen in Kombination mit Sonnenstrahlen eingenommen beziehungsweise aufgetragen wird.

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Welche Arten von Sonnenallergie gibt es?

Es gibt unterschiedliche Hautreaktionen, die unter dem Sammelbegriff „Sonnenallergie“ zusammengefasst werden. Die Symptome hängen von der Art der Hautreaktion nach dem Sonnenbad ab.

Lichturtikaria

Die Lichturtikaria ist eine seltene Form der Nesselsucht: Allergikerinnen und Allergiker reagieren nur auf Strahlung innerhalb eines bestimmten Wellenlängenbereichs empfindlich, am häufigsten auf sichtbares Licht und auf unsichtbare UV-A-Strahlen. Dabei schütten die Mastzellen verstärkt den Botenstoff Histamin aus. Auf der Haut entwickeln sich Quaddeln, als hätten die Betroffenen Brennnesseln berührt. Leichte Kleidung ist oft lichtdurchlässig. Daher können auch von Stoffen bedeckte Körperstellen reagieren. Die Symptome der Sonnenallergie zeigen sich innerhalb weniger Minuten. Sie verschwinden nach einer Dauer von ein bis zwei Stunden wieder, wenn die Betroffenen sich aus dem Sonnenlicht zurückziehen.

Eine starke Sonneneinstrahlung kann bei Menschen mit Sonnenallergie außerdem folgende Symptome auslösen:

  • Atemnot
  • Schwindelgefühle
  • Übelkeit
  • einen anaphylaktischen Schock

Chronisch aktinische Dermatitis (CAD)

Die vermutlich schwerste Form der Photoallergie ist die photoallergische Dermatitis. Diese gehört zu den Formen der chronisch aktinischen Dermatitis. Bei dieser sehr seltenen Erkrankung reagieren die Betroffenen auf bestimmte Wellenlängenbereiche. Sie bekommen stark juckende, verdickte und entzündete Hautstellen, die nicht wieder verschwinden, sondern dauerhaft bestehen bleiben. Menschen, die unter dieser Form der Sonnenallergie leiden, reagieren nicht nur auf UV-Licht, sondern manchmal auch auf künstliches Licht und normales Tageslicht. Diese schwere Form einer Photoallergie kommt recht selten vor und zeigt sich insbesondere bei Männern im mittleren oder fortgeschrittenen Alter.

Polymorphe Lichtdermatose (PLD)

Die mit Abstand häufigste Form der Photoallergie ist die polymorphe Lichtdermatose. Die meisten kennen sie als „Sonnenallergie“. Sie tritt besonders häufig bei Frauen zwischen 20 und 40 erstmals auf, kommt aber auch bei Männern vor. Erste Anzeichen und Symptome zeigen sich einige Stunden bis mehrere Tage nach einem Sonnenbad. Die Symptome verschwinden wieder, wenn der Körper keiner Sonne mehr ausgesetzt ist. Ein typisches Symptom der Sonnenallergie ist ein starker Juckreiz auf den Stellen, die in der Sonne waren. Hautausschläge wie Bläschen, Quaddeln und flächige Rötungen entstehen.
Um eine PLD zu verhindern, ist es sinnvoll, die Haut langsam an die Sonne gewöhnen. Zudem hilft Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor. Den Juckreiz lindert ein Antihistaminikum. Antihistaminika hemmen das Gewebshormon Histamin, das für allergische Symptome verantwortlich ist. Wer häufiger unter dieser Hauterkrankung leidet und in die Ferien fahren möchte, kann das Antihistaminikum drei Tage vor Reisebeginn sowie den gesamten Urlaub hindurch einnehmen. Grundsätzliche sollten Sie die Einnahme von Medikamenten vorher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen.

Mallorca Akne

Die sogenannte Mallorca-Akne zeigt sich zu Beginn einer intensiven Einwirkung von UV-A- und UV-B-Strahlen. Auf den „Sonnenterrassen“ Dekolletee, Schulterregion, Armen und Gesicht entwickelt sich ein akneartiger Ausschlag. Dazu gehören rote Flecken, Knötchen, Papeln und stark juckende Quaddeln. Die Ursache der Mallorca-Akne ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie lautet, dass sich Hautveränderungen zeigen, wenn bestimmte Inhaltsstoffe von Kosmetika wie Fette und Emulgatoren starken UV-Strahlen ausgesetzt sind. Das bedeutet, dass sich nach der Verwendung von z. B. Cremes mit Fett oder Emulgatoren bei Sonneneinstrahlung ein Ausschlag bilden kann. Andere Untersuchungen sehen in der Mallorca-Akne eine milde Form der polymorphen Lichtdermatose (PLD). Ausschlaggebend sind dabei vor allem die UV-A-Strahlen, die tief in die Haut eindringen. Oftmals hilft es, die extreme Sonne zu meiden und eine spezielle Sonnencreme zu benutzen. Bei schwerwiegenderen Fällen therapieren Ärztinnen und Ärzte die Hautveränderungen mit Antihistaminika.

Tipp: Um einer Mallorca-Akne vorzubeugen, verwenden Sie am besten schon einige Tage vor Reisebeginn nur noch fett- und emulgatorfreie Körperpflegeprodukte. Auf diese Weise kann es gar nicht erst zu einer Reaktion dieser Substanzen mit UV-Strahlen kommen.

Photoallergische Arzneimittelreaktion

Löst die Einnahme von Medikamenten bei Sonneneinstrahlung die Rötungen und Quaddeln auf der Haut aus, liegt eine photoallergische Arzneimittelreaktion vor. Das kann passieren, wenn eine photosensibilisierende Substanz in den Medikamenten über den Blutkreislauf in die Haut gelangt, wo sie dann unter Lichteinstrahlung eine Reaktion hervorruft. Wenn die photosensibilisierende Substanz durch die Blutbahn in die Haut gerät, spricht man auch von einer „systemischen Photoallergie“. Bis zum Ausbruch der Erkrankung können mehrere Tage vergehen. Während phototoxische Reaktionen, theoretisch bei jedem Menschen auftreten können, tritt eine photoallergische Arzneimittelreaktion nur bei Menschen auf, deren Immunsystem auf die Medikamente eine Allergie entwickelt.

Photoallergische Kontaktdermatitis

Wie der Name schon sagt, werden die Symptome durch den Kontakt einer Substanz (Photoallergen) mit der Haut hervorgerufen. Die Substanz macht die Haut für die Sonne empfindlich. Dabei kann es sich zum Beispiel um bestimmte Lichtschutzfaktoren in Sonnencremes oder -ölen handeln, die eigentlich die Haut vor den negativen Folgen von UV-Licht schützen sollen. Doch diese Mittel enthalten teilweise Substanzen (zum Beispiel UV-Filter), die Photoallergene sind oder bilden und so eine photoallergische Reaktion auslösen können.
Zunächst ist die Hautveränderung auf den entsprechenden Bereich begrenzt, kann sich aber über den ganzen Körper ausweiten. Die Haut rötet und verdickt sich, sie juckt stark. Innerhalb eines Tages können auch Knoten und Blasen entstehen, manchmal schuppt sich die Haut. Vermeidet man den Auslöser, bilden sich die Hautveränderungen meist schnell zurück. Wichtig ist auch, konsequent die Sonne zu meiden und Lichtschutz zu tragen – Kleidung und Sonnencreme. 

Ist die Sonnenallergie eine echte Allergie?

Die Forschung ist bis heute uneins, ob die „Sonnenallergie“ eine Allergie ist:

  • Einige Medizinerinnen und Mediziner meinen, dass UV-Strahlen in der Haut eine eigentlich harmlose körpereigene Substanz in ein Allergen umwandeln. Diese sogenannten Photoneoantigene aktivieren dann das Immunsystem. Dadurch kommt es zu einer allergischen Reaktion und krankhaften Hautveränderungen. Dieser Allergieauslöser konnte bei der polymorphen Lichtdermatose bisher allerdings nicht im Körper nachgewiesen werden.
  • Andere Fachleute glauben, dass sich unter Sonnenlicht-Einfluss freie Radikale in der empfindlichen Haut bilden. Sie schädigen die Zellen, die dann nicht über genügend Antioxidantien verfügen, um reaktionsfreudige Moleküle abzufangen. Daher reagieren freie Radikale mit den Hautzellen und rufen so Beschwerden hervor.

Bei beiden Theorien zur sogenannten Sonnenallergie fehlen eindeutige Beweise. Daher liegen die Ursachen der Hautreaktion noch im Dunkeln.

Was tun bei Sonnenallergie?

Die wichtigste Maßnahme bei einer Sonnenallergie ist, sofort in den Schatten zu gehen. Meiden Sie in den Tagen nach einem Ausschlag die Sonne, so gut es geht. Ist das nicht möglich, tragen Sie lange Hose, langärmlige Oberteile und einen Hut oder eine Kappe, sodass Ihre Haut bedeckt beziehungsweise von der Krempe des Hutes beschattet ist. Außerdem ist UV-Schutz wichtig, also spezielle Sonnencreme mit einem ausreichend hohen Lichtschutzfaktor.

Tipps bei Sonnenallergie:

  • Kühlung: Eis, Kühlpads, feuchtigkeitsspende Cremes (After-Sun, Aloe Vera) oder kühlende Umschläge mit Quark können den Juckreiz auf den betroffenen Stellen lindern. Durch die Kühle ziehen sich die Gefäße zusammen, und die Symptome der Sonnenallergie wie Schwellungen klingen oft ab.
  • Kortisonpräparate: Mit kortisonhaltigen Cremes lassen sich die Entzündungsreaktionen der Haut meist unterbinden. Sprechen Sie die Anwendung von Kortison vorher unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab, teilweise gibt es die Cremes auch nur auf Rezept.
  • Antihistaminika: Diese Medikamente gibt es in Salben- und Tablettenform. Sie blockieren die Wirkung des Hormons Histamin und mildern den Juckreiz.
  • Beta-Carotin: Einigen Allergikerinnen und Allergikern hilft Beta-Carotin dabei, die Symptome der Sonnenallergie zu lindern. Dieses muss allerdings schon acht bis zwölf Wochen vor der Sonneneinstrahlung eingenommen werden, um einen Schutz zu erreichen. Raucherinnen und Raucher dürfen Beta-Carotin jedoch nicht einnehmen, da es das Risiko auf Lungenkrebs erhöht.
  • Vitamin E: Das Zellschutzvitamin zeichnet sich durch eine antioxidative Wirkung aus. Insbesondere Sonnencremes mit der Vitamin E-Vorstufe Pro-Tocopherol können Entzündungen hemmen und bei Sonnenallergie helfen. 
  • Diagnose: Lassen Sie die Ursache der Hautreaktionen von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin abklären, um die Sonnenallergie gezielt behandeln und dieser vorbeugen zu können.
  • Phototherapie: Bei photoallergischen Reaktionen lässt sich durch die wiederholte, dosierte UV-Bestrahlung unter ärztlicher Aufsicht ein Gewöhnungseffekt erzielen. Diese „Abhärtung“ gegen Sonnenlicht nennt sich auch UV-Hardening und sollte nur zusammen mit einem Arzt oder einer Ärztin durchgeführt werden.

Um Sonnenallergien vorzubeugen sollten Sie grundsätzlich genügend Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor auftragen und die intensive Mittagssonne meiden. So schützen Sie sich nicht nur vor einer Sonnenallergie, sondern senken auch das Risiko auf Hautkrebs.

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