Frau schnieft ins Taschentuch wegen einer Allergie
Allergie

Wie entsteht eine Allergie?

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Redaktion:

Barmer

Qualitätssicherung:

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)

Bei einer Allergie reagiert das körpereigene Immunsystem überempfindlich auf im Grunde harmlose körperfremde Substanzen wie zum Beispiel Pflanzenpollen oder bestimmte Nahrungsmittel. Da diese Substanzen eine Allergie auslösen können, nennt man sie Allergene.

Welche Ursachen gibt es für eine allergische Reaktion?

Warum das Immunsystem bei manchen Menschen so empfindlich reagiert, ist bis heute nicht geklärt. „Man geht davon aus, dass es nicht nur eine einzige Ursache für allergische Reaktionen gibt, sondern mehrere Faktoren eine Rolle spielen, die nicht immer alle bekannt sind“, sagt Allergieforscherin Prof. Dr. Eva Untersmayr-Elsenhuber. 

Sicher ist jedoch, dass das Immunsystem des Allergikers gestört ist. Gelangen nämlich körperfremde Stoffe (Allergene) durch die Atemwege oder die Haut in den Körper, stuft das Immunsystem diese als Fremdkörper ein und wehrt sich gegen sie wie gegen Krankheitserreger. Es bildet Abwehrstoffe, sogenannte IgE-Antikörper, um die Substanzen zu bekämpfen. Diese Antikörper entstehen beim ersten Kontakt mit dem jeweiligen Allergen und binden sich an bestimmte Zellen. Den Vorgang nennt man „Sensibilisierung“ – der Mensch ist also sensibler gegenüber dem allergieauslösenden Stoff. 

Kommt er später erneut in Kontakt mit dem Allergen, setzt der Körper sofort chemische Stoffe, darunter das Gewebshormon Histamin, oder bestimmte Abwehrzellen frei. Diese Stoffe und Zellen lösen dann allergische Reaktionen wie Niesen, Husten oder Hautausschlag aus.

Je häufiger ein Mensch mit den allergieauslösenden Stoffen in Kontakt kommt, umso wahrscheinlicher reagiert das körpereigene Abwehrsystem. So können zum Beispiel die allergischen Reaktionen gegen das aus Nordamerika eingeschleppte Traubenkraut Ambrosia sehr heftig ausfallen. Auch Menschen mit Heuschnupfen, die häufiger in Mittelmeerländern Urlaub machen, müssen plötzlich niesen, wenn sie in die Nähe einer Pinie kommen. 

„In den letzten Jahren beobachten wir zudem eine starke Zunahme von Erdnussallergien“, sagt Prof. Dr. Eva Untersmayr-Elsenhuber, Projektleitung am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der Medizinischen Universität Wien. „Der Grund dafür ist wahrscheinlich die Globalisierung: Die Menschen reisen mehr und essen daher auch mehr Lebensmittel mit Erdnüssen, zum Beispiel die in den USA beliebte Erdnussbutter.“ Aus diesen Erkenntnissen könne man jedoch nicht darauf schließen, dass man generell alles Neue vermeiden solle, um eine Allergie zu vermeiden.

Welche Allergene gibt es? 

  • Pollen (Gräser, Getreide, Bäume)
  • Hausstaubmilben(Milbenkot)
  • Haus- und Nutztiere (Fellbestandteile oder Speichel von Hunden, Katzen, Pferden)
  • Insektengift (Wespen, Bienen, Hornissen)
  • Nahrungsmittel (Äpfel, Kirschen, Erdnüsse, Milcheiweiß)
  • Medikamente (Penicillin, Ibuprofen, Röntgen-Kontrastmittel)
  • Kontaktallergene (zum Beispiel Metalle oder Duftstoffe)
  • Schimmelpilze

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Häufige Fragen und Antworten zur Entstehung von Allergien

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe (Allergene). Diese werden irrtümlich als gefährlich eingestuft, worauf das Abwehrsystem mit einer starken Reaktion reagiert – so entstehen typische Allergiesymptome.
Allergene sind Stoffe, die eine allergische Reaktion auslösen können, z. B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, bestimmte Lebensmittel, Insektengifte, Metalle oder Schimmelpilze. Sie sind für die meisten Menschen harmlos, führen aber bei Allergikern zu einer Immunreaktion.
Warum das Immunsystem einzelner Menschen überempfindlich reagiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Forscher gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken, z. B. genetische Disposition und Umweltfaktoren.
Beim ersten Kontakt mit einem Allergen bildet das Immunsystem spezielle IgE-Antikörper gegen diesen Stoff. Dieser Vorgang wird Sensibilisierung genannt – danach reagiert der Körper empfindlicher auf diesen Stoff.
Sensibilisierung ist der Prozess, bei dem das Immunsystem das Allergen „kennt“ und darauf vorbereitet ist, bei erneutem Kontakt sofort zu reagieren. Danach kann schon eine geringe Allergenmenge Symptome auslösen.
Kommt das Immunsystem nach der Sensibilisierung erneut mit dem Allergen in Kontakt, setzt der Körper chemische Botenstoffe (z. B. Histamin) frei. Diese lösen dann allergische Beschwerden wie Niesen, Husten oder Hautausschlag aus.
Ja, je häufiger ein Mensch mit einem Allergen in Kontakt kommt, desto wahrscheinlicher reagiert das Immunsystem darauf. Das kann z. B. bei Pollen oder Nahrungsmitteln der Fall sein.
Nein. Nicht jeder entwickelt eine Allergie, das hängt von individuellen Faktoren ab. Einige Menschen werden sensibler, andere bleiben tolerant gegenüber denselben Allergenen.
IgE-Antikörper sind ein wichtiger Teil der allergischen Reaktion. Nach der Sensibilisierung bleiben sie im Körper und vermitteln beim nächsten Kontakt mit dem Allergen eine schnelle Immunantwort, die zur Freisetzung von Mediatoren wie Histamin führt.

Literatur

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