Klimaschutz und Umweltschutz sind die Voraussetzungen für ein gesundes Leben – jetzt und in Zukunft. Die Barmer engagiert sich für mehr Klimaschutz im Gesundheitswesen und setzt sich dafür ein, die bereits heute auftretenden gesundheitlichen Folgen des Klimawandels ernst zu nehmen.
Ressourcenschutz, Emissionen, energieintensive Produktion: Früher waren diese Begriffe vor allem Forschenden geläufig. Heute wissen schon viele Kinder, was damit gemeint ist. Denn der Klimawandel ist Realität – und gerade die heute junge Generation ist es, die unter seinen Folgen leiden wird. Seine Auswirkungen machen sich bereits bemerkbar: Starkregenfälle wie jene, die im Juli 2021 an Ahr und Erft zu einer Flutkatastrophe führten, werden durch die Klimaerwärmung wahrscheinlicher. Auch andere extreme Wetterereignisse wie Stürme, Hitzewellen, Kälteperioden und Dürren treten in Folge häufiger auf – in Deutschland und anderen Teilen der Welt.
Für die Barmer mit ihren über acht Millionen Versicherten ist Klima- und Umweltschutz eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft und damit auch des Gesundheitswesens. Das Ziel ist die Erhaltung einer möglichst intakten Umwelt für möglichst gesunde Lebensbedingungen.
In 2021 hat die Barmer eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und schreibt diese fort. Einen entscheidenden Baustein der Barmer-Nachhaltigkeitsstrategie bildet seit dem Basisjahr 2019 die CO2-Bilanzierung als Grundlage für die jährliche Berechnung und Dokumentation der Unternehmensemissionen nach dem Standard des Greenhouse Gas Protokolls.
Die Barmer erfasst direkte Emissionen, energiebezogene indirekte Emissionen und ausgewählte weitere Emissionskategorien, darunter Dienstreisen. Die genaue Abgrenzung ist in der Treibhausgasbilanz beschrieben. Für einen Teil der verbleibenden Emissionen erwirbt die Barmer Klimaschutzgutschriften. Dies wird getrennt von der tatsächlichen Emissionsminderung ausgewiesen.
Unser Ziel bleibt es, den CO₂e-Ausstoß kontinuierlich aus eigener Kraft weiter zu reduzieren. Fortschritte werden anhand jährlich veröffentlichter Kennzahlen bewertet. Wichtige, dazu bereits konkret geplante Maßnahmen sind Flächenoptimierungen, die Förderung von E-Mobilität sowie der Umbau und die Sanierung des größten Standorts Wuppertal. Dazu gehört auch, bei Partnern bei Partnern in der Lieferkette auf Klimaschutz zu achten und im Gesundheitswesen insgesamt auf klimafreundlicheres Handeln hinzuwirken.
"Klima, Umwelt und Gesundheit hängen untrennbar zusammen. Es ist für uns von höchster Priorität, natürliche Ressourcen wirksam zu schonen. Das gilt für unser eigenes Handeln, aber auch für das unserer Partnerinnen und Partner, der Belegschaft und der Versicherten". Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer
Mit dieser strategischen Ausrichtung und den damit verbundenen Klimaschutzmaßnahmen und gehen wir voran. Wir nehmen das Thema ernst und sind uns unserer Verantwortung im Gesundheitswesen bewusst. Wie Menschen wohnen, arbeiten, sich fortbewegen und konsumieren, entscheidet darüber, in was für einer Welt sie in Zukunft leben werden. Unternehmen und Institutionen sind hier jedoch mindestens genauso gefragt wie jeder und jede Einzelne. Die Barmer erprobt konkrete Maßnahmen zur Verringerung ausgewählter Umweltbelastungen und dokumentiert deren Umsetzung und Ergebnisse.
Klimaschutz ist Gesundheitsschutz
Sich für den Klimaschutz stark zu machen bedeutet, für die Gesundheit aller zu kämpfen. Im Jahr 2015 beschlossen die Vereinten Nationen in Paris, den Temperaturanstieg der Erde auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Begrenzung der Erderwärmung kann dazu beitragen, Risiken für Meeresspiegel, Ozeane, Artenvielfalt und menschliche Gesundheit zu verringern. Hitzesommer wie in 2018 und 2019 gefährden mit ihren extremen Temperaturen insbesondere Ältere, Kinder sowie Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Auch tropische Stechmücken-Arten, die zu Krankheitsüberträgern werden können, breiten sich mit steigenden Temperaturen in Deutschland aus. Starkregen und Dürren beeinflussen den Grundwasserspiegel und die Ernten.
Als Krankenkasse nehmen wir solche umweltmedizinischen Erkenntnisse ernst und möchten unseren bereits eingeschlagenen Weg in Richtung Umweltschutz und Klimaneutralität noch entschiedener und zügiger weitergehen. Im Sozialgesetzbuch steht: „Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern. […] Die Krankenkassen haben den Versicherten dabei durch Aufklärung, Beratung und Leistungen zu helfen und auf gesunde Lebensverhältnisse hinzuwirken.“ Diesem Auftrag werden wir gerecht, indem wir selbst aktiv zum Klimaschutz beitragen und immer mehr Prozesse umstellen.
Das Gesundheitswesen steht bei Klimadiskussionen selten im Fokus. Mit schätzungsweise fünf Prozent Anteil an den jährlichen Treibhausgasemissionen trägt es aber stärker zum Aufheizen der Erdatmosphäre bei als beispielsweise die Schifffahrt oder der Flugverkehr. Als Krankenkasse ist unser Fußabdruck zwar vergleichsweise schmal. Durch unser Handeln können wir jedoch auf viele Abläufe und Akteure im Gesundheitssystem einwirken.
Darüber hinaus zählt für uns der eigene Beitrag: Wir wollen unseren Einfluss auf Ökologie und Klimawandel schnellstmöglich minimieren. Umweltschutz und ein achtsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen geben deshalb schon heute bei vielen internen Prozessen und neuen Anschaffungen der Barmer die Richtung vor. Um zu evaluieren, wie sich unsere Unternehmensstrategie nachhaltiger ausrichten lässt, starteten wir 2019 deshalb ein unternehmensweites Projekt, bei dem uns das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (WI), eines der international führenden Nachhaltigkeitsforschungsinstitute, wissenschaftlich begleitet.
30.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart
Drei große Handlungsfelder haben wir dabei identifiziert. Zum einen den unmittelbaren Klima- und Umweltschutz in der eigenen Arbeit: Bei einer Krankenkasse ist der entscheidende Faktor die Verwaltungstätigkeit. Büro- und Geschäftsräume müssen geheizt und mit Strom versorgt werden. Auch die IT-Infrastruktur funktioniert nicht ohne Strom. Der Einsatz von Papier und die physische Postzustellung haben ebenfalls direkten Einfluss auf die Umwelt. Hier haben wir bereits angesetzt: Bereits seit dem Jahr 2020 nutzt die BARMER bundesweit Ökostrom.
Die Barmer hat ihren CO₂e-Ausstoß seit 2019 aus eigener Kraft um 67,7 Prozent gesenkt, ohne Anrechnung erworbener Kompensationsgutschriften.2019 betrugen die erfassten Treibhausgasemissionen 71.078 Tonnen CO₂e. Im Jahr 2025 waren es 22.936 Tonnen CO₂e.
Unsere Gebäude werden schrittweise nach energetischen Kriterien saniert. Bei neuen Immobilien berücksichtigen wir deren CO2-Effizienz. Indem wir sowohl intern als auch mit unseren Versicherten und unseren Partnern im Gesundheitswesen immer mehr Prozesse und Angebote digital zugänglich machen, reduzieren wir Postversand und Papiernutzung. Aber auch die Digitalisierung muss klimafreundlich umgesetzt werden, dafür sind entsprechende Fortschritte und Angebote unserer Partner von großer Bedeutung.
In Sachen Mobilität haben wir durch verstärktes Arbeiten im Home-Office ebenfalls Einsparungen erreicht.
Wissenschaftlich fundierte Lösungen
Die zweite große Säule neben unserem eigenen Klimafußabdruck ist unser Einsatz für nachhaltige Lieferketten. Im März 2021 haben wir deshalb unseren Lieferantenkodex veröffentlicht. Dieser Kodex gibt vor, welche Standards in Bezug auf Menschenrechte und Umweltschutz wir von unseren Geschäftspartnern erwarten – von Arzneimittellieferanten genauso wie den Firmen, welche die Barmer-Filialen mit Bürotechnik ausstatten. Für unsere Zulieferer ist der Kodex ein klares Signal, ihre Nachhaltigkeits-Performance sichtbar und nachprüfbar zu machen.
Bei Textilunternehmen kann dies beispielswiese bedeuten, dass diese das GOTS-Siegel für nachhaltige Produktion vorweisen müssen. Auch im Bereich der Arzneimittelherstellung setzen wir uns dafür ein, Lieferketten und Produktionsbedingungen nachhaltiger zu gestalten. Die Qualität der Arzneimittel muss dabei jedoch gesichert und ihre Verfügbarkeit unbedingt gewährleistet bleiben.
Nachhaltigkeitskompetenz aufbauen
Die dritte Säule, die uns auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit wichtig ist, ist der Aufbau von Nachhaltigkeitskompetenz im gesamten Gesundheitswesen. Denn Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Indem wir über unsere Maßnahmen informieren und unser Handeln transparent machen, möchten wir allen Akteuren im Gesundheitswesen Vorbild, Ansporn und Praxisbeispiel sein. Das bedeutet zum einen, dass wir in den Dialog mit anderen Akteuren eintreten, Best Practices austauschen und gemeinsam mit nachhaltigen Partnern nach Lösungen suchen. Es heißt aber auch, dass wir unsere eigenen Mitarbeitenden in Sachen Nachhaltigkeit schulen und fördern. In unseren internen Schulungs- und Aktionsprogrammen können Mitarbeitende sich über Nachhaltigkeit informieren und selbst aktiv werden. Beginnend für das Jahr 2021 veröffentlichen wir unsere Ziele und Erfolge jährlich in einem Nachhaltigkeitsbericht.
Die Erderwärmung aufzuhalten ist eine Generationenaufgabe, die sich nur mit ehrgeizigen Maßnahmen erreichen lässt. Als Krankenkasse kämpfen wir dafür, dass ein gesundes Leben auch in Zukunft noch möglich ist. Die Barmer überprüft ausgewählte Prozesse anhand definierter Umweltkriterien und veröffentlicht die umgesetzten Maßnahmen. Wir wollen positiven Einfluss auf unsere Geschäftspartner und Lieferanten nehmen, um Lieferketten nachhaltiger zu gestalten. Und darüber hinaus möchten wir dazu beitragen, das Wissen und die Kompetenz in Sachen Klima- und Umweltschutz im Gesundheitswesen auf ein neues Niveau zu heben. Wir hoffen, dass weitere Akteure unserem Beispiel folgen. Denn eines ist klar: Das Ziel, eine lebenswerte Umwelt zu erhalten, erreichen wir nur gemeinsam.