Ashwagandha: Eine Frau nimmt ein Supplement ein
Schlaf

Ashwagandha: Was steckt wirklich hinter der Wunderwurzel?

Lesedauer weniger als 7 Min
Redaktion:
Lea Roland (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Dr. med. Anja Braunwarth (Ärztin)

Ashwagandha: Der Quick-Check

Karussell mit 3 Elementen
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Klick-Magnet

Ashwagandha, auch Schlafbeere genannt, soll Stress, Ängste und Schlafprobleme bekämpfen und dich rundum leistungsfähiger machen. Wissenschaftlich belegt ist davon aber nur wenig.
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Risiken im Blick

Magen-Darm-Beschwerden, Leberprobleme und Wechselwirkungen mit Medikamenten können bei der Einnahme von Ashwagandha auftreten. Besonders bei hoher Dosis und langer Einnahme steigt das Risiko.
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Das große Ganze zählt

Trotz aller Versprechen ersetzt das Supplement nicht eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, Entspannung und guten Schlaf. Informierte Entscheidungen schlagen jeden Trend.

Handy in der einen Hand, dein Frühstück in der anderen: Schon ploppt wieder ein Ashwagandha-Reel auf. Die Pflanze soll fit und entspannt machen, der Hype ist überall. Aber hält er, was er verspricht?

Worum geht’s beim Ashwagandha-Hype?

Deine Freundin schwört drauf, dein Lieblings-Podcast wirbt dafür, und selbst deine Mutter hat neulich danach gefragt: Ashwagandha ist überall. 

Die Pflanze, auch bekannt als Schlafbeere oder Winterkirsche, hat sich in den letzten Jahren zu einem Dauerbrenner in den Socials entwickelt. Kein Wunder, dass du dich fragst, was an dem Hype eigentlich dran ist.

Welche Benefits Ashwagandha verspricht

Traditionell werden positive Wirkungen vor allem der Wurzel und den Wurzelextrakten von Ashwagandha nachgesagt. 

Genauer gesagt bezieht sich die Wirkung auf die enthaltenen Pflanzenstoffe Withanolide und Alkaloide

Das Supplement gibt es in Kapsel-, Tabletten- und Pulverform oder pur als getrocknete Pflanze, etwa um Tee aufzubrühen.

Auf Social Media heißt es, mit Ashwagandha könntest du: 

  • Deine sportliche Leistung und Muskelregeneration auf das nächste Level heben
  • Für mehr geistige Leistungsfähigkeit sorgen 
  • Cortisol- und Blutzuckerspiegel regulieren
  • Die Fruchtbarkeit supporten
  • Deine Longevity boosten
  • Die Gewichtsregulierung unterstützen 
  • Sogar Krebszellen hemmen und Erkrankungen wie Diabetes und Arthrose behandeln
  • Stress, Angst und Schlafprobleme verabschieden

Dein Ashwagandha-Reality-Check

Aber stopp mal kurz. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, oder?

In Wahrheit fehlen verlässliche Belege für diese Versprechen. Und es fehlen Erkenntnisse, ob die Einnahme langfristig sicher ist, und wenn ja, in welcher Dosis. 

Fun Fact: Bis vor wenigen Jahren haben Fachleute die Wirkung von Ashwagandha fast ausschließlich im Labor oder an Tieren erforscht. 

Zur Linderung von Stress und Ängsten gibt es bisher die stärksten wissenschaftlichen Hinweise. Aber auch das nur relativ gesehen. Aktuelle Studien am Menschen haben meist nur eine kleine Gruppe von Teilnehmenden. Für Claims, die das ganze Körpersystem und ernste Erkrankungen betreffen, gibt es kaum eine wissenschaftliche Basis.

Manche Menschen erleben schwere Nebenwirkungen durch Ashwagandha. Ein Beispiel sind toxische Schäden der Leber. Deshalb empfehlen Fachleute, keine unüberlegten Experimente mit dem Supplement zu starten.

Deine Faustregel: Es ist eine gute Idee, die Einnahme von Ashwagandha in deiner Hausarztpraxis abzuklären. Vor allem, wenn du chronisch krank bist oder Medikamente einnimmst.

Welche Nebenwirkungen von Ashwagandha sind bekannt?

Ob als Hilfe gegen nervige Einschlafprobleme oder als Last Resort, weil du nur noch gestresst bist und nichts hilft: Viele Menschen fühlen sich von der Wirkung, die Ashwagandha verspricht, angesprochen. Verständlich.

Trotzdem kann das Supplement auch Nebenwirkungen haben. Und mit manchen von ihnen ist echt nicht zu spaßen.

Das sind mögliche unerwünschte Effekte von Ashwagandha:

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Lebertoxische Wirkungen 
  • Störungen des Hormonhaushalts, inklusive Beeinträchtigung der Schilddrüsen-, Nebennieren- und Leberfunktion
  • Veränderungen im Immunsystem

Besonders bei hohen Dosierungen und langfristiger Einnahme scheint das Risiko für Nebenwirkungen zu steigen.

Junger Mann schläft tief in seinem Bett

Ashwagandha soll Stress reduzieren und den Schlaf verbessern. Dafür gibt es bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Nachweise.

Good to know: Vor dem deutschen Gesetz sind Ashwagandha-Präparate keine Medikamente, sondern gelten als Nahrungsergänzungsmittel

Medikamente werden in Deutschland aufwendig und ganz offiziell geprüft. Das trifft auf Supplements nicht zu. 

So ist es zum Beispiel den Herstellern überlassen, welche Teile der Pflanze sie wirklich verarbeiten und wie viel Wirkstoff ein Präparat am Ende des Tages enthält.

Welche Dos und Don’ts gibt es bei der Ashwagandha-Einnahme?

Zwischen Umzugs-To-dos, Krisenstimmung im Job und Freizeitstress willst du einfach mal den Druck rausnehmen und wieder in deiner Mitte ankommen. 

Genau in diese Kerbe schlagen die Wirkversprechen von Ashwagandha. Die Produkte sollen dich fitter, entspannter und leistungsfähiger machen. Ohne Abstriche und großen Aufwand.

Weil es aber kaum gesetzliche Vorgaben für Ashwagandha-Produkte gibt und die Supplements noch nicht ausreichend erforscht sind, brauchst du einen Guide. Worauf kommt es wirklich an?

Hier kommen deine Dos bei der Einnahme von Ashwagandha:

  • Sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.
    Am besten sprecht ihr konkret über die maximale Tagesdosis, die für dich infrage kommt. Vorsicht ist dein bester Freund, insbesondere wenn du regelmäßig Beruhigungsmittel, Schlafmittel oder Antiepileptika einnimmst oder Medikamente, die deinen Blutzuckerspiegel, Blutdruck oder dein Immunsystem beeinflussen.
  • Check die Verpackungshinweise.
    Oft ist es kein gutes Zeichen, wenn du auf der Verpackung keine enthaltene Wirkstoffmenge oder empfohlene Tagesdosis findest. So nimmst du leichter zu viel ein. Eine weitere Red Flag ist, falls der Hersteller keine Warnung mitliefert, für wen das Produkt nicht geeignet ist. Auch wenn die Zutatenliste nur Ashwagandha-Pulver nennt und keine Angaben macht, ob die Wurzel der Pflanze enthalten ist, darf dich das skeptisch machen. 
  • Hör auf dein Bauchgefühl.
    Der Werbetext verspricht dir das Blaue vom Himmel, aber das Ganze wirkt doch irgendwie shady? Du fühlst dich unwohl, nicht gut informiert? Vertrau auf dein Gefühl. 

Genauso wichtig sind diese Don’ts:

  • Du hast eine Lebererkrankung? Du bist schwanger oder in der Stillzeit? Dann verzichte lieber. 
    Teilweise raten Fachleute auch bei einem Kinderwunsch sowie bei Schilddrüsen- und Herzerkrankungen von Ashwagandha ab.
  • Ignoriere keine Warnzeichen. 
    Stoppe die Einnahme, wenn du dich nicht gut fühlst. Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Hautausschläge können Zeichen sein, dass du Ashwagandha nicht verträgst. 
  • Verlier das große Ganze nicht aus den Augen. 
    Du kümmerst dich 24/7 um deine Gesundheit: mit einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßiger Bewegung, einer guten Schlafhygiene und Stressbewältigung. Gegen die Power dieser Gewohnheiten kommt kein Supplement der Welt an.

Woher kommt Ashwagandha eigentlich?

In Indien ist Ashwagandha keine Neuigkeit. Seit über 3.000 Jahren nutzen Menschen die Heilpflanze.

In der ayurvedischen und der traditionellen chinesische Medizin wird das Präparat eingesetzt. Der Tradition nach hat die Wurzel beispielsweise eine schmerzstillende, lebensverlängernde und sogar abtreibende Wirkung.

Fazit: Was bleibt vom Ashwagandha-Hype übrig?

Du musst nicht sofort wissen, ob Ashwagandha das Richtige für dich ist. 

Informier dich in Ruhe und sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, wenn du unsicher bist. Dein Bauchgefühl ist dein bester Freund: Hör drauf. Nimm die Zeichen deines Körpers ernst, falls du von Nebenwirkungen betroffen bist. 

Ashwagandha: Häufige Fragen und Antworten

Die wissenschaftlichen Belege für die Wirkung von Ashwagandha sind dünn. Die stärksten Hinweise gibt es zur Linderung von Stress und Ängsten, aber selbst hier basieren die Studien meist nur auf kleinen Teilnehmergruppen. Die Einordnung der Studienergebnisse wird zusätzlich dadurch erschwert, dass unterschiedliche Mengen der Wirkstoffe zum Einsatz kommen oder die verwendete Menge nicht genau angegeben ist. Viele andere Versprechen wie bessere Sportleistung, Gewichtskontrolle oder Hilfe bei Diabetes haben kaum eine wissenschaftliche Grundlage. Die Forschung zur langfristigen Sicherheit und richtigen Dosierung fehlt weitgehend.
Menschen mit Lebererkrankungen sowie Schwangere und Stillende sollten auf Ashwagandha verzichten. Auch bei Kinderwunsch sowie Schilddrüsen- und Herzerkrankungen raten Fachleute häufig von der Einnahme ab. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte vorher ärztlichen Rat einholen, besonders bei Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln, Antiepileptika und wenn Medikamente den Blutzuckerspiegel, Blutdruck oder das Immunsystem beeinflussen. Bei auftretenden Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit oder Hautausschlag sollte die Einnahme gestoppt werden.
Medizinische Fachleute warnen vor unüberlegten Experimenten mit den Supplements, da manche Menschen schwere Nebenwirkungen erleben. Sie empfehlen, die Einnahme ärztlich abzuklären, besonders bei chronischen Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nennt eine maximale Tagesdosis von 3 Gramm Ashwagandha oder 10 Milligramm des enthaltenen Wirkstoffs Withanolid als Richtwert.
Zur psychischen Wirkung gibt es die stärksten wissenschaftlichen Hinweise, die allerdings noch begrenzt sind. Ashwagandha soll Stress und Ängste lindern sowie Schlafprobleme bekämpfen können. Die Aussagekraft ist jedoch eingeschränkt, da die meisten Studien eine geringe Teilnehmendenzahl haben und nur kurzfristige Wirkungen und Nebenwirkungen untersuchen. Erkenntnisse zum Nutzen und zu den Risiken einer langfristigen Einnahme fehlen.
Als Nahrungsergänzungsmittel unterliegt Ashwagandha nicht demselben strengen Prüfprozess wie Medikamente, sodass Wirkstoffgehalt und verwendete Pflanzenteile zwischen Herstellern variieren können. Es fehlen verlässliche Erkenntnisse zur langfristigen Sicherheit und optimalen Dosierung. Bei unseriösen Produkten fehlen oft wichtige Angaben zur Dosierung und Warnhinweise auf der Verpackung. Zudem ersetzen die Supplements keine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Entspannung und gute Schlafhygiene.
Zu den beobachteten Nebenwirkungen zählen Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ernsthafter sind mögliche Leberschäden und Störungen im Hormonhaushalt, die Schilddrüse und Nebennieren und beeinträchtigen können. Auch Veränderungen im Immunsystem wurden festgestellt. Das Risiko für Nebenwirkungen steigt vermutlich besonders bei hohen Dosierungen und langfristiger Einnahme.
Auch zu geschlechtsspezifischen Wirkungen und Nebenwirkungen von Ashwagandha gibt es noch zu wenige belastbare Erkenntnisse. In den sozialen Medien wird Ashwagandha teilweise bei einem Kinderwunsch oder gegen Wechseljahresbeschwerden empfohlen. Aktuelle erste Studien zeigen, dass das Präparat bei Frauen die Libido steigern sowie psychische und körperliche Beschwerden während der Menopause lindern könnte. Allerdings braucht es weitere Studien, die die Wirkung und Sicherheit der Einnahme belegen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät Frauen mit Kinderwunsch explizit davon ab, Ashwagandha zu sich zu nehmen.

Weiterführende Informationen

Literatur

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