Junges Mädchen lächelt und trägt eine lose Zahnspange.
Zahngesundheit

Lose Zahnspange: Wann sie hilft und wie lange sie getragen werden muss

Lesedauer weniger als 8 Min
Redaktion:
Natalie Tutzer (Medical Writer, TAKEPART Media + Science GmbH)
Qualitätssicherung:
Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Eine lose Zahnspange hat einen großen Vorteil: Sie kann raus. Zum Essen. Zum Zähneputzen. Beim Sport. Manchmal auch bei besonderen Anlässen. Genau das ist aber auch ihr größter Nachteil. Denn eine lose Zahnspange wirkt nur, wenn sie lange genug getragen wird. Für Kinder, Jugendliche und Eltern ist deshalb entscheidend: Welche Art loser Zahnspange ist geplant? Wie lange muss sie getragen werden? Wie wird sie richtig gereinigt?

Was ist eine lose Zahnspange?

Eine lose Zahnspange ist eine herausnehmbare kieferorthopädische Apparatur. Sie kann eingesetzt werden, um leichte Zahnfehlstellungen zu korrigieren oder die Größe des Zahnbogens anzupassen. Weil sie herausgenommen werden kann, ist sie im Alltag flexibler als eine feste Zahnspange.

Das bedeutet: Sie kann beim Essen, Zähneputzen, Sport oder bei besonderen Anlässen herausgenommen werden. Aber: Herausnehmbar heißt nicht optional. Damit die Behandlung wirkt, muss die Spange regelmäßig und ausreichend lange getragen werden.

Wann ist eine lose Zahnspange sinnvoll?

Eine lose Zahnspange kann sinnvoll sein, wenn:

  • leichte Zahnfehlstellungen korrigiert werden sollen
  • der Zahnbogen angepasst werden soll
  • das Wachstum von Kiefer und Gebiss genutzt werden kann
  • Zähne nach einer Behandlung in Position gehalten werden sollen
  • eine herausnehmbare Lösung zur Behandlung passt

Besonders häufig kommen lose Zahnspangen bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz. Das liegt daran, dass sich Kiefer und Gebiss im Wachstum noch beeinflussen lassen. Welche lose Zahnspange passt, entscheidet die Kieferorthopädin oder der Kieferorthopäde nach Untersuchung und Behandlungsplan.

Welche Arten loser Zahnspangen gibt es?

Lose Zahnspange ist nicht gleich lose Zahnspange. Es gibt verschiedene Arten und sie haben unterschiedliche Aufgaben.

Aktive Platte: Wenn Zähne bewegt werden sollen

Die aktive Platte ist eine herausnehmbare Zahnspange, die einzelne Zähne bewegen oder den Zahnbogen beeinflussen kann. Sie besteht aus einer Kunststoffbasis, die im Ober- oder Unterkiefer sitzt. Daran befinden sich je nach Modell:

  • Klammern
  • Drahtelemente
  • Schrauben
  • kleine Federn

Diese Elemente üben gezielt Druck aus. So können Zähne langsam in eine bessere Position bewegt werden. Eine aktive Platte kann zum Beispiel eingesetzt werden, wenn leichte Fehlstellungen korrigiert oder Platzverhältnisse im Kiefer verbessert werden sollen. Wichtig: Damit die aktive Platte wirkt, muss sie konsequent getragen werden. Außerdem können einzelne Elemente nachgestellt werden, damit sich die Zahnstellung schrittweise verändert.

Funktionskieferorthopädische Geräte: Wenn das Wachstum genutzt wird

Funktionskieferorthopädische Geräte werden vor allem bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum eingesetzt.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Aktivator
  • Bionator
  • Fränkel-Funktionsregler

Diese Geräte wirken anders als eine aktive Platte. Sie nutzen natürliche Kieferbewegungen, etwa beim Sprechen oder Schlucken. Dadurch können sie Muskeln, Kiefer und Gebiss beeinflussen. Der Sinn dahinter: Das Wachstum soll in eine günstige Richtung gelenkt werden. Solche Spangen kommen also nicht nur bei einzelnen schiefen Zähnen infrage, sondern wenn die Entwicklung von Kiefer und Biss beeinflusst werden soll.

Passive Platte: Wenn das Ergebnis gehalten werden soll

Eine passive Platte bewegt die Zähne nicht aktiv weiter. Sie wird nach einer kieferorthopädischen Behandlung eingesetzt, um die erreichte Zahnstellung zu stabilisieren. Deshalb wird sie auch Retentionsplatte genannt. Das ist wichtig, weil Zähne sich nach der aktiven Behandlung wieder verschieben können. Die passive Platte hilft, das Behandlungsergebnis zu halten.

Kurz gesagt:

  • aktive Platte: bewegt Zähne
  • funktionskieferorthopädisches Gerät: beeinflusst Kieferfunktion und Wachstum
  • passive Platte: stabilisiert das Ergebnis nach der Behandlung

Wie lange muss man eine lose Zahnspange tragen?

Eine lose Zahnspange muss lange genug getragen werden, damit sie wirken kann. Als Orientierung: mindestens 14 bis 16 Stunden am Tag.

Die genaue Tragedauer legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest. Sie hängt davon ab:

  • welche Fehlstellung behandelt wird
  • welche Spangenart eingesetzt wird
  • wie weit die Behandlung fortgeschritten ist
  • wie gut die Spange getragen wird
  • wie das Gebiss auf die Behandlung reagiert

Für Eltern und Jugendliche ist das der wichtigste Punkt: Die lose Zahnspange kann nur arbeiten, wenn sie im Mund ist.

Warum Tragezeit über den Erfolg entscheidet

Eine feste Zahnspange wirkt dauerhaft, weil sie fest an den Zähnen sitzt. Eine lose Zahnspange wirkt nur dann, wenn sie getragen wird. Wird sie zu selten eingesetzt, kann das die Behandlung verzögern oder den Erfolg gefährden.

Im Alltag heißt das:

  • Die Spange sollte nicht ständig „kurz raus“ genommen werden.
  • Tragezeiten sollten möglichst fest in den Tagesablauf eingebaut werden.
  • Eltern sollten gerade bei jüngeren Kindern mit darauf achten.
  • Jugendliche brauchen eine klare Vorstellung, warum die Tragezeit wichtig ist.

Der einfache Merksatz: Dose ist Pause. Mund ist Behandlung.

Wann darf die lose Zahnspange raus?

Lose Zahnspangen können herausgenommen werden. Das ist ein großer Vorteil.

Typische Situationen sind:

  • beim Essen
  • beim Zähneputzen
  • beim Sport
  • bei besonderen Anlässen

Auch hier gilt: Herausnehmen ist okay, solange die vorgegebene Tragezeit insgesamt erreicht wird. Praktisch ist deshalb ein fester Plan: Wann wird die Spange getragen? Wann ist sie draußen? Wo wird sie sicher aufbewahrt? So wird aus der Spange kein Dauerstreit im Familienalltag.

Welche Vorteile hat eine lose Zahnspange?

Lose Zahnspangen haben mehrere Vorteile.

Sie kann herausgenommen werden

Das erleichtert Essen, Zähneputzen und Sport.

Die Mundhygiene ist einfacher

Weil die Spange nicht fest auf den Zähnen sitzt, können Zähne und Zahnzwischenräume meist leichter gereinigt werden als bei einer festen Zahnspange.

Sie kann im Wachstum helfen

Bestimmte lose Zahnspangen können das Kieferwachstum beeinflussen, besonders bei Kindern und Jugendlichen.

Sie kann nach der Behandlung stabilisieren

Passive Platten helfen, das Ergebnis nach einer Zahnkorrektur zu halten.

Welche Nachteile hat eine lose Zahnspange?

Der größte Nachteil ist die Abhängigkeit von der Mitarbeit. Eine lose Zahnspange wirkt nur, wenn sie ausreichend lange getragen wird. Wird sie vergessen, stört sie oder landet sie regelmäßig in der Dose, kann das die Behandlung erschweren.

Weitere mögliche Nachteile:

  • Anfangs kann das Sprechen ungewohnt sein.
  • Die Spange kann drücken.
  • Es kann Schmerzen oder ein Spannungsgefühl geben.
  • Die Behandlung kann länger dauern, wenn die Tragezeit nicht eingehalten wird.
  • Die Spange kann verloren gehen oder beschädigt werden.

Deshalb ist eine lose Zahnspange nicht nur eine medizinische Behandlung, sondern auch eine Alltagsroutine.

Wie läuft die Behandlung mit loser Zahnspange ab?

Eine Behandlung mit loser Zahnspange beginnt mit einer kieferorthopädischen Untersuchung.

Dabei wird geprüft:

  • welche Fehlstellung vorliegt
  • welche Behandlung sinnvoll ist
  • welche Spangenart infrage kommt
  • wie lange die Spange ungefähr getragen werden muss
  • wie regelmäßig Kontrollen nötig sind

Anschließend wird die Zahnspange individuell angepasst. Während der Behandlung gibt es Kontrolltermine. Dabei prüft die Kieferorthopädin oder der Kieferorthopäde, ob die Spange richtig sitzt und ob die Behandlung wie geplant verläuft. Je nach Spangenart können Elemente angepasst oder nachgestellt werden.

Wie reinigt man eine lose Zahnspange richtig?

Eine lose Zahnspange muss täglich gereinigt werden. Denn auch auf ihr können sich Beläge und Bakterien sammeln.

Tägliche Reinigung

Am besten wird die Spange täglich mit einer Zahnbürste und etwas Zahnpasta gereinigt. Dabei sollten alle Flächen vorsichtig geputzt werden, auch Klammern, Drähte und Kunststoffanteile.

Zusätzliche Reinigung

Zusätzlich kann die Spange in einem Glas Wasser mit Mundspüllösung oder Reinigungstabletten gespült werden. Wichtig: Die Zahnspange darf nicht ausgekocht werden. Der Grund: Kunststoffplatten können sich durch Hitze verformen. Dann passt die Spange möglicherweise nicht mehr richtig.

Wie bewahrt man eine lose Zahnspange richtig auf?

Wenn die Spange nicht getragen wird, gehört sie in eine Spangendose. Nicht lose in die Tasche. Nicht in eine Serviette. Nicht auf den Tisch. Nicht in die Hosentasche.

Eine Dose schützt die Zahnspange vor:

  • Schmutz
  • Beschädigung
  • Verlust
  • Verwechslung

Praktisch ist außerdem: Name und Telefonnummer auf die Spangendose schreiben. Gerade in Schule, Sportverein oder Ferienbetreuung kann das helfen, wenn die Spange liegen bleibt.

Was kostet eine lose Zahnspange?

Die Kosten hängen davon ab, ob die Behandlung medizinisch notwendig ist und welche Fehlstellung vorliegt. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten einer medizinisch notwendigen kieferorthopädischen Behandlung für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr, wenn eine mittlere bis starke Zahn- oder Kieferfehlstellung nach den kieferorthopädischen Indikationsgruppen vorliegt. Außerdem ist wichtig: Bei der Barmer können Versicherte nach erfolgreichem Abschluss einer kieferorthopädischen Behandlung den geleisteten Eigenanteil zurückerstattet bekommen.

Kostenfragen sollten deshalb früh geklärt werden, am besten vor Behandlungsbeginn.

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Häufige Fragen zu losen Zahnspangen

Eine lose Zahnspange ist eine herausnehmbare kieferorthopädische Apparatur. Sie kann leichte Fehlstellungen korrigieren, den Zahnbogen anpassen oder Zähne nach einer Behandlung stabilisieren.
Es gibt aktive Platten, funktionskieferorthopädische Geräte wie Aktivator, Bionator und Fränkel-Funktionsregler sowie passive Platten zur Stabilisierung nach der Behandlung.
Eine lose Zahnspange muss ausreichend lange getragen werden, damit sie wirkt, mindestens 14 bis 16 Stunden pro Tag. Die genaue Tragedauer legt die behandelnde Praxis fest.
Sie kann beim Essen, Zähneputzen, Sport oder bei besonderen Anlässen herausgenommen werden. Wichtig ist, dass die tägliche Tragezeit trotzdem erreicht wird.
Dann kann sie nicht wie geplant wirken. Die Behandlung kann sich verzögern oder der gewünschte Effekt bleibt aus.
Die Spange sollte täglich mit Zahnbürste und etwas Zahnpasta gereinigt werden. Zusätzlich kann sie in Wasser mit Mundspüllösung oder Reinigungstabletten gespült werden.
Wenn die Spange stark drückt, Schmerzen länger anhalten oder wunde Stellen entstehen, sollte die kieferorthopädische Praxis sie kontrollieren.

Literatur und weiterführende Informationen

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