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Malaria – Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten

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Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)

Weltweit leben 40 Prozent der Menschen in Malaria-gefährdeten Gebieten. 2020 erkrankten 241 Millionen Menschen an einer Malaria-Infektion. 627.000 Menschen starben daran im selben Jahr. Drei Viertel der Todesfälle entfallen dabei allein auf Kinder unter fünf Jahren.

Was ist Malaria?

Malaria, auch Sumpf- oder Wechselfieber genannt, ist eine Krankheit, die in tropischen und subtropischen Regionen, vor allem in Afrika, Asien und Südamerika, vorkommt.

Wie steckt man sich mit Malaria an?

Malaria wird von Moskitos, den weiblichen Stechmücken der Gattung Anopheles, übertragen. Malariaerreger sind Parasiten, die zu den Plasmodien zählen. Die Erreger vermehren sich in den roten Blutkörperchen und zerstören diese. Infizierte reagieren darauf mit hohem Fieber. Auch Organe und das Gehirn können von schweren lebensbedrohlichen Schäden betroffen sein.

Der Name Malaria stammt aus dem Italienischen und besteht aus den zwei Worten mala und aria, was übersetzt so viel wie böse, schlechte Luft oder Sumpfluft bedeutet.

Wie wird Malaria übertragen?

Im Vordergrund steht die Übertragung des Malaria-Erregers über den Speichel infizierter Stechmücken zum Beispiel Anopheles-Mücken. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch spielt keine Rolle und ist nur denkbar bei einer Bluttransfusion sowie bei der Verwendung nicht ausreichend desinfizierter Spritzen.

Weiterhin können Schwangere Erreger auf ihr Kind übertragen, wenn die Plazenta verletzt ist.
Wer einmal an Malaria erkrankt ist, ist nicht immun gegen weitere Infektionen. Wer die Erkrankung überwunden hat, kann auch ein weiteres Mal an Malaria erkranken.

An Flughäfen kann es zu einer Malariainfektion kommen, wenn infizierte Mücken als blinde Passagiere mitreisen. Das ist zwar selten der Fall, aber bei unklaren Fieberschüben sollte auch diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden.

Gibt es eine Malaria-Impfung?

Seit vielen Jahren wird weltweit an der Entwicklung eines Malaria-Impfstoffs geforscht. 2019 war es dann soweit. Im Rahmen einer Studie konnten Kinder unter zwei Jahren in Ghana, Kenia und Malawi mit einem ersten Impfstoffkandidaten geimpft werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete im Oktober 2021, dass bei den insgesamt 800.000 geimpften Kindern die tödlichen Verläufe um 30 Prozent reduziert werden konnten.  Die WHO empfahl deshalb, Kindern in Afrika südlich der Sahara und in anderen Malaria-Regionen mit dem neuen Impfstoff Mosquirix zu impfen. Auch die Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertet den Impfstoff positiv. Der Impfstoff schützt Kinder ab dem fünften Lebensmonat gegen eine Infektion mit dem in Afrika gefährlichsten Erreger Plasmodium falciparum, der die Malaria tropica hervorruft. Um einen Impfschutz zu erreichen ist eine viermalige Impfung notwendig. Der Impfschutz hält vermutlich mehrere Jahre an. Bei Kindern ab 5 Jahren ist dann das Immunsystem so ausgereift, dass schwere Verläufe mit tödlichem Ausgang seltener sind.

Bis zum Welt-Malaria-Tag, dem 25. April 2022, konnten bereits insgesamt eine Million Kinder geimpft werden. Da die Impfstoff-Kapazitäten begrenzt sind, ist derzeit nur eine Impfung von Kindern, die in Risikogebieten leben, vorgesehen. Allerdings wird weiter an Malaria-Impfstoffen geforscht. Dabei wird auch der neue Wirkungsmechanismus der Corona-Impfstoffe miteinbezogen. Bis es allerdings eine allgemein zugängliche Reiseimpfung für alle geben wird, wird es noch dauern.

Was passiert, wenn man Malaria hat? Ist Malaria tödlich?

Malaria beginnt häufig mit Fieber-, Kopf- und Gliederschmerzen und ähnelt damit zunächst in den Symptomen einem grippalen Infekt. Die unterschiedlichen Malariaerreger führen anschließend zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Die bedeutendsten Malariaarten sind die

  1. Malaria tropica (Erreger: Plasmodium falciparum)
  2. Malaria tertiana (Erreger: Plasmodium ovale und vivax)
  3. Malaria quartana (Erreger: Plasmodium malariae)

Was ist Malaria tropica?

Die Malaria tropica (durch Plasmodium falciparum) ist sehr gefährlich, da sie bei bis zu 20 Prozent der Erkrankten zum Tode führt. Bis die ersten Symptome auftreten, vergehen etwa ein bis zwei Wochen. Die Erkrankung beginnt wie oben beschrieben mit grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber und Durchfall.

Während bei den anderen Malariaarten rhythmisch auftretende Fieberschübe charakteristisch sind, treten bei der Malaria tropica in unregelmäßigen Zeitabständen fieberhafte Temperaturen auf. Bei 60 Prozent der Patienten ist die Blutgerinnung stark gestört.

Sie leiden an einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie), so dass gefährliche innere Blutungen die Folge sein können. Bei vielen Patienten sind die Leber und Milz vergrößert und in ihrer Funktion eingeschränkt. Die Nieren können möglicherweise versagen. Das zentrale Nervensystem, das von Gehirn und Rückenmark gebildet wird, kann ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen sein. Krämpfe, Bewusstseinstrübungen und Koma können die Folge sein.

Was ist Malaria Tertiana?

Die Krankheit Malaria tertiana beginnt etwa 12 bis 18 Tage nach dem Stich beispielsweise einer Anopheles-Mücke sehr plötzlich Fieber und erkältungsähnlichen Symptomen. Nach einigen Tagen treten die Fieberanfälle rhythmisch alle 2 Tage auf.

Meist kommt es am späten Nachmittag zunächst zu Schüttelfrost und dann zu einem raschen und hohen Temperaturanstieg bis zu etwa 40 Grad Celsius. Das Fieber dauert 4 bis 5 Stunden an. Anschließend sinkt es wieder schnell auf Normalwerte, verbunden mit starken Schweißausbrüchen. Ein tödlicher Verlauf ist bei einer Infektion der Malaria tertiana ein eher seltener Fall.

Was ist Malaria Quartana?

Wie bei der Malaria tertiana kommen auch bei der Malaria quartana Symptome wie regelmäßige Fieberschübe vor. Bei der Malaria quartana allerdings treten diese alle drei Tage auf. Bei der Malaria tertiana können die ersten Krankheitssymptome auch erst 40 Jahre nach der Infektion auftreten.

Wie wird Malaria festgestellt?

Bei unklaren fieberhaften Erkrankungen, insbesondere nach einem Tropenaufenthalt, sollte eine Malariaerkrankung in Betracht gezogen werden; auch dann, wenn eine medikamentöse Prophylaxe durchgeführt wurde. Bestätigt wird der Verdacht über die Laboruntersuchung des „Dicken Tropfens“ (einen luftgetrockneten Blutstropfen mit einer möglicherweise hohen Dichte an Blutzellen) und über einen dünnen Blutausstrich.

Über diese mikroskopischen Untersuchungen können die Ärztin oder der Arzt die Malaria-Art und über die Anzahl der befallenen roten Blutkörperchen den Schweregrad bestimmen. Der Nachweis ist allerdings nicht ganz einfach und kann auch fälschlicherweise negativ ausfallen. Liegt ein Malariaverdacht trotz eines negativen Testergebnisses vor, wird der Test mehrfach wiederholt.

Welche Malariaschnelltest gibt es?

Die Schnelltests liefern zurzeit noch keine zuverlässigen Ergebnisse. Während positive Ergebnisse richtig angezeigt werden, ist das negative Testergebnis nicht mit Sicherheit korrekt. Bei einem falsch negativen Testergebnis kann wertvolle Zeit verstreichen, bis die Malaria behandelt wird. Dies ist besonders bei der Malaria tropica gefährlich.

Ist Malaria heilbar?

Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten gegen die Tropenkrankheit Malaria. Allerdings enden je nach Erreger, der Resistenzlage und dem Verlauf auch in Deutschland 0,5 bis 1 Prozent der eingeschleppten Malariafälle tödlich.

Da hierzulande Malaria nicht natürlicherweise vorkommt, besteht die Gefahr, dass die Diagnose nicht in Betracht gezogen wird. Bei unklaren Fieberanfällen und Unwohlsein sollte daher dem Arzt immer berichtet werden, wenn es einmal einen Aufenthalt in den Tropen oder Subtropen gab, selbst wenn dieser vierzig(!) Jahre zurückliegt. Die meisten eingeschleppten Malariaerkrankungen, d.h. 90 Prozent, machen sich allerdings im ersten Monat nach der Rückkehr aus dem gefährdetem Gebiet bemerkbar.

Auch wer vor der Reise prophylaktisch Medikamente gegen Malaria eingenommen hat, ist nicht mit hundert prozentiger Sicherheit geschützt. Eine Infektion ist auch dann möglich. Die Behandlung erfolgt je nach Schweregrad ambulant oder stationär. Bei schweren Verläufen ist eine intensivmedizinische Behandlung notwendig. 2017 wurden in Deutschland 956 hauptsächlich aus Afrika eingeschleppte Malaria-Erkrankungen gemeldet. Bei 80 Prozent der Fälle handelte es sich um die gefährliche Malaria tropica.

Welche Arzneistoffe gegen Malaria gibt es?

Für die Behandlung und Prophylaxe stehen verschiedene Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen zur Verfügung. Der Arzt wird die Wirkstoffe auswählen, die für die Behandlung der entsprechenden Malariaart besonders gut wirksam sind. Beispielsweise werden die Wirkstoffkombinationen Artemether/Lumefantrin, Atovaquon/Proguanil und Dihydroartemisinin/Piperaquin eingesetzt. Sowohl bei der Behandlung als auch bei der Prophylaxe müssen mögliche Resistenzen berücksichtigt werden. Bei einer Resistenz helfen ursprünglich gut wirksame Arzneistoffe nicht mehr, weil die Plasmodien widerstandsfähig geworden sind. Weiterhin achtet der Arzt auf Allergien, Medikamentenunverträglichkeiten, Begleiterkrankungen und eine Schwangerschaft.

An den Beispielen ist erkennbar, dass bei einer Prophylaxe die Tabletten bis zu einer Woche vor Reisebeginn eingenommen werden. Eine weitere Einnahme ist während des Auslandsaufenthalts notwendig sowie bis zu 4 Wochen nach der Reise.

Einige der Medikamente können auch zur Notfallselbstbehandlung (Standby-Prophylaxe) auf Reisen mitgenommen werden. Im Notfall kann der Reisende sich damit selbst therapieren. Die Standby-Medikation eignet sich z.B. bei Reisen in Regionen, in denen Malaria nicht allzu häufig vorkommt. Für die Standby-Medikation werden Wirkstoffe ausgesucht, die insbesondere gegen die Malaria tropica wirken, da es sich hierbei um die gefährlichste Art handelt.

Für die Behandlung und Prophylaxe werden teilweise die gleichen Wirkstoffe eingesetzt. Für die Behandlung sind weniger Behandlungstage notwendig als für die Prophylaxe. Dennoch sollte dies nicht verleiten, auf die Standby-Prophylaxe zu setzen.

Beispiele für die Prophylaxe 

Wirkstoff (Kombination)

Behandlung


Prophylaxe

Beginn der Tabletteneinnahme vor Anreise in das Malaria-gefährdete Gebiet

Prophylaxe

Ende der Tabletteneinnahme nach Verlassen des Malaria-gefährdeten Gebiets

Atovaquon plus Proguanil

Einnahme der Tabletten an drei aufeinander folgenden Tagen

1 – 2 Tage

7 Tage

Chloroquin

Einnahme der Tabletten an zwei bis drei aufeinander folgenden Tagen

1 Woche

4 Wochen

Doxycyclin

Begleitende Behandlung der schweren Malaria tropica

1 Tag

4 Wochen

Hydroxychloroquin

Die Dosis sollte einmal pro Woche am gleichen Wochentag verabreicht werden.

1 Woche

4 Wochen

Kann man sich vor Malaria auf Reisen schützen?

Rechtzeitig vor Reiseantritt sollte man sich reisemedizinisch beraten lassen. Tropeninstitute und Ärzte, die sich reisemedizinisch spezialisiert haben, werden eventuell eine sogenannte Chemoprophylaxe empfehlen. Die Prophylaxe hängt ab

  • vom Reiseziel und den dort bekannten Resistenzen
  • der Reisezeit
  • der Reisedauer
  • der Reiseart (z.B. Trekking-Tour, Hotelurlaub)

Ist eine Chemoprophylaxe notwendig, wird der Arzt empfehlen, vorsorglich Medikamente vor, während und nach der Reise einzunehmen.

Neben Medikamenten können weitere Maßnahmen schützen. Diese werden als Expositionsprophylaxe bezeichnet und umfassen alle nicht-medikamentösen Maßnahmen, die gegen Mückenstiche schützen.

Die Mücken sind nachts aktiv. Bereits wenn es dunkel wird, sollte man sich besser nicht mehr im Freien aufhalten. Die Fenster sollten mit einem Fliegengitter und das Bett mit einem Moskitonetz geschützt sein.

Eine körperbedeckende Kleidung, eventuell mit einem Insektenabwehrmittel imprägniert, bietet ebenfalls einen guten Schutz. Als Mückenschutzmittel haben sich Mittel mit DEET (Diethyloluamid) und Icaridin/Picaridin bewährt. Für die Imprägnierung der Kleidung und des Mosquitonetzes eignen sich Sprays mit Permethrin.

Nützliche Hinweise und zusätzliches Expertenwissen

Die Erreger der Malaria sind keine Bakterien und keine Viren, sondern Plasmodien. Während es sich bei Viren um zellenlose organische Strukturen handelt, sind Plasmodien und Bakterien Einzeller.

Plasmodien fehlt im Unterschied zu den Bakterienzellen die Zellwand. Dafür besitzen sie einen Zellkern, den Bakterien nicht haben. Plasmodien sind Parasiten, die Säugetiere, den Menschen und Insekten befallen. Sie sind sehr anpassungsfähig und können sich in ihrer Größe und Gestalt ändern.

Bei der Vermehrung wechseln die Parasiten zwischen der geschlechtlichen und ungeschlechtlichen Vermehrung. Dafür benötigen sie zwei Wirte. Im Menschen vermehren sich die Mücken ungeschlechtlich und in der Mücke geschlechtlich.

Wenn die Malariamücke einen Menschen sticht, gelangen die Erreger in die Blutbahn und von dort rasch in die Leber. Die Erreger befallen die Leberzellen und teilen sich dort, bis die Zelle vollständig ausgefüllt ist. Das dauert je nach Erregerart bis zu 18 Tage.

Je nach Erregerart finden auch mehr oder weniger Teilungen statt. In einer Zelle können bis zu 30.000 Erreger entstehen. Wenn die Leberzelle platzt, werden die Erreger in die Blutbahn abgegeben und befallen die roten Blutkörperchen. Dort vermehren sich die Erreger nochmals durch Teilung und zerstören auch diese.

Die frei gewordenen Erreger können jetzt weitere rote Blutkörperchen befallen. Durch den Zerfall der Blutkörperchen werden Stoffe frei, auf die der Körper mit Fieber reagiert. Einige Erreger, die auf diesem Weg in das Blut gelangt sind, entwickeln sich zu männlichen und weiblichen Geschlechtszellen.

Wenn jetzt eine nicht infizierte Mücke einen infizierten Menschen sticht und sein Blut saugt, verschmelzen die Geschlechtszellen im Darm der Mücke. Aus der befruchteten Eizelle entstehen neue Nachkommen, die über den Speichel der Mücke wieder auf einen nicht infizierten Menschen übertragen werden.

Einige der von der Mücke übertragenen Erreger durchlaufen diesen Zyklus nicht. Erreger der Malaria tertiana können in einer Ruhephase verbleiben und erst nach Wochen, manchmal sogar erst nach Jahren, aktiv werden. So kann es erst nach Jahren zu einem ersten Ausbruch der Erkrankung kommen oder es kommt zu einem Rückfall einer überwunden geglaubten Erkrankung. Welche Auslöser die Vermehrung der Ruheformen anregen, ist nicht bekannt. Es könnten z. B. Infektionen oder auch Stress sein.

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