Pflegepersonen sitzen auf der Couch am Laptop mit Unterlagen
Leistungen der Pflegeversicherung

Pflegekosten – Wer bezahlt die Pflege?

Lesedauer unter 6 Minuten

Redaktion

  • Nina Henkels (Barmer Pflegekasse)

Qualitätssicherung

  • Ingrid Drolshagen (Barmer Pflegekasse)

Pflegebedürftige Menschen zu versorgen, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Viele Menschen vertrauen hier auf die Kompetenz von Pflegefachkräften, die in Heimen, Sozialstationen oder Ambulanten Pflegediensten arbeiten. Natürlich ist die Pflege von Menschen auch mit Kosten verbunden ist. Wer dabei welche Anteile übernimmt, erläutern wir Ihnen gern.

Wer pflegebedürftig ist, erhält Unterstützung durch die Pflegeversicherung. Voraussetzung dafür ist, dass eine Gutachterin oder ein Gutachter die Pflegebedürftigkeit bestätigt und einen Pflegegrad festgestellt hat. Die Pflegeversicherung ist jedoch immer eine „Teilkasko-Versicherung“. Das bedeutet, dass sie Zuschüsse gibt, aber nicht alle Kosten für die Versorgung trägt. Wie hoch die Zuschüsse sind, ist dabei für jede einzelne der verschiedenen Leistungen gesetzlich festgelegt. 

Wie viel Geld zur Verfügung steht, richtet sich nach der konkreten Leistung und in den meisten Fällen zusätzlich nach dem Pflegegrad. Dabei gilt dann: Je höher der Pflegegrad, desto höher die Leistung. Einige Leistungen wie der Zuschuss zur Wohnraumanpassung oder auch die Verhinderungspflege sind aber auch für alle Pflegebedürftigen, die sie erhalten, gleich hoch.

Die genaue Höhe der verschiedenen Leistungen, wie und wozu sie eingesetzt werden können, und wie Sie diese beantragen, erläutern wir Ihnen in den entsprechenden Themenartikeln.

Welche Kosten bezahlt die Pflegekasse?

Die einzige Leistung, die direkt an die Pflegebedürftigen ausgezahlt wird, ist das Pflegegeld. Es wird monatlich auf das gewünschte Konto überwiesen. Einige Leistungen werden direkt von den Pflegeeinrichtungen mit der Pflegekasse abgerechnet. Dazu gehören die Pflegesachleistung, die Tagespflege oder auch die stationäre Pflege in einem Pflegeheim.

Andere Leistungen müssen zunächst selbst finanziert werden und können danach von der Pflegekasse erstattet werden. Das gilt zum Beispiel für Umbaumaßnahmen der Wohnung, den Entlastungsbetrag  oder die Verhinderungspflege. In den meisten Fällen können Sie diese Vorleistung umgehen, indem Sie eine sogenannte Abtretungserklärung unterschreiben. Diese erlaubt es beispielsweise Einrichtungen, die über den Entlastungsbetrag Angebote zur Unterstützung im Alltag anbieten, ihre Rechnung direkt an die Pflegkasse zu stellen. Bei der Verhinderungspflege können Sie auf unserem Antragsformular angeben, an wen die Leistung ausgezahlt werden soll.

Wie hoch sind die Eigenanteile?

Welchen Anteil der Pflegekosten Pflegebedürftige selbst tragen müssen, hängt davon ab, welche Leistung sie nutzen und in welchem Umfang sie diese benötigen.

Eigenanteile bei der ambulanten Pflege

Eigenanteile entstehen bei der ambulanten Pflege immer dann, wenn die tatsächlichen Kosten über den gesetzlich festgelegten Zuschuss hinausgehen. Beispielsweise wenn die Kosten für die beim Pflegedienst gebuchten Leistungen höher sind als der Betrag für Pflegesachleistungen im jeweiligen Pflegegrad. Der Pflegedienst stellt dann die Differenz privat in Rechnung. Natürlich werden die Einsätze mit Ihnen abgestimmt und vereinbart. Sie wissen also immer vorher, welche Kosten auf Sie zukommen. Was genau einzelne Leistungen bei den verschiedenen Diensten kosten, können Sie sich in unserem Pflegelotsen anschauen. Das Gleiche gilt für Angebote zur Unterstützung im Alltag, die über den Entlastungsbetrag finanziert werden.

Eigenanteile bei der teilstationären und der stationären Pflege

Lebt die pflegebedürftige Person in einem Pflegeheim, besucht sie eine Tagespflege oder nutzt sie die vorübergehende Kurzzeitpflege, entsteht immer ein Eigenanteil. Die Pflegeversicherung gibt in diesen Fällen einen Zuschuss zu den Kosten für die Pflege und Betreuung. Unterkunft und Verpflegung müssen aber selbst finanziert werden. Die Einrichtungen haben dafür individuelle Tagessätze.

Wer im Pflegeheim wohnt, trägt zusätzlich auch einen Teil der Pflegekosten selbst. Details dazu erläutern wir im Artikel zur vollstationären Pflege. Wie hoch die Kosten genau sind, unterscheidet sich je nach Einrichtung und Pflegegrad der pflegebedürftigen Person.

Unser Pflegelotse weist alle Preise aus und ermöglicht Ihnen einen Überblick und den Vergleich verschiedener Einrichtungen. Die Eigenanteile werden von den Einrichtungen privat in Rechnung gestellt. 

Unser Tipp: Gäste einer Tages- oder Kurzzeitpflege können dafür den Entlastungsbetrag einsetzen.

Was mache ich, wenn ich die Pflegekosten nicht zahlen kann?

Wenn Sie die Kosten nicht selbst zahlen können, kann das zuständige Sozialamt helfen. Bitte lassen Sie dort prüfen, ob Sie Anspruch auf Unterstützung haben und die Pflegekosten so im Rahmen der „Hilfe zur Pflege“ übernommen werden können.

Warum wird die Pflege 2022 teurer?

Die Bundesregierung möchte Pflegeberufe attraktiver machen, damit es wieder genug Menschen gibt, die in der Pflege arbeiten. Ein wichtiger Aspekt dabei ist natürlich die Bezahlung. Nun verpflichtet ein neues Gesetz mit dem Namen „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ (GVWG) Pflegeeinrichtungen dazu, Pflege- und Betreuungskräfte spätestens ab 01.09.2022 nach Tarifvertrag zu bezahlen. Dies gilt für alle zugelassenen Pflegeeinrichtungen – also für ambulante Pflegedienste, Sozialstationen und Pflegeheime, aber auch für Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege. Da die Personalkosten der größte Bestandteil der Pflegekosten sind, führen steigende Löhne dazu, dass sich die Kosten für professionelle Pflege erhöhen.

Wie stark werden die Kosten steigen?

Prognosen gehen davon aus, dass vor allem die Kosten für ambulante Pflege in diesem Jahr um 20 bis 30 Prozent steigen können, da gerade viele ambulante Dienste ihre Fachkräfte derzeit noch nicht nach Tarif bezahlen. Aber auch die Preise für eine stationäre Versorgung im Pflegeheim können sich deutlich erhöhen.

Wer trägt die Kosten?

Die Erhöhung wird sich in erster Linie auf die Eigenanteile der Pflegebedürftigen auswirken. Die Beträge, die von den Pflegekassen übernommen werden können, sind gesetzlich festgelegt. Es wäre daher nur über eine weitere Gesetzesänderung möglich, dass diese Zuschüsse zu den Pflegekosten ebenfalls steigen. Aktuell ist es allerdings nicht geplant, die Beträge anzuheben.

Fragen und Antworten zur Pflegekosten-Erhöhung

Pflegeeinrichtungen (ambulante Pflegedienste, Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen sowie stationäre Pflegeheime) müssen ihre Pflege- und Betreuungskräfte spätestens ab September 2022 entweder nach einem Tarifvertrag, einer kirchenarbeitsrechtlichen Regelung oder nach einem „regional üblichen Entgelt“ bezahlen. Hierbei handelt es sich um einen Durchschnittswert, der darauf beruht, in welcher Höhe andere Pflegeeinrichtungen aufgrund der jeweils zugrundeliegenden Tarifverträge Gehalt zahlen. Bisher galt der deutlich niedrigere Pflege-Mindestlohn.

Die Personalkosten machen den größten Teil der Kosten einer Pflegeeinrichtung aus. Bei der Ermittlung der Vergütungssätze für Pflegeleistungen werden die Personalkosten mitberücksichtigt. Somit wirken sich bereits geringe prozentuale Steigerungen in Form von höheren Eigenanteilen aus. Vor allem gilt dies für Einrichtungen, die bisher noch nicht nach Tarif gezahlt haben. Hier werden sich die Preise erheblich erhöhen. Da vor allem viele ambulante Pflegedienste bisher noch nicht nach Tarif zahlen, werden die Kosten für die ambulante Pflege am deutlichsten steigen.

Die Regelung ist ein Teil von Maßnahmen, mit denen die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert werden soll. Die Vereinbarung eines allgemeinverbindlichen Tarifvertrages ist leider gescheitert.

Wir übernehmen auch weiterhin die durch den Gesetzgeber festgelegten Höchstbeträge in der ambulanten Versorgung. Sofern Sie in einem Pflegeheim leben, erhalten Sie von uns einen Zuschuss zu den pflegebedingten Kosten sowie einen Zuschuss zu Ihrem Eigenanteil an den pflegebedingten Kosten. Da dieser Zuschuss ein prozentualer Anteil ist, steigt er mit, wenn Ihr Eigenanteil steigt.

Das ist leider nicht möglich. Die Beträge, welche die Pflegekasse übernehmen kann, sind durch den Gesetzgeber festgelegt und gedeckelt. Eine erneute Anpassung der Leistungsbeträge ist aktuell leider nicht in Aussicht.

Zum 01.01.2022 wurden die Leistungsbeträge für Leistungen durch ambulante Pflegedienste um fünf Prozent angehoben. In der stationären Pflege wurde der Leistungszuschlag eingeführt, mit dem die Pflegekasse einen Teil des Eigenanteils an den pflegebedingten Aufwendungen übernimmt. 

Am besten, Sie erkundigen sich direkt bei Ihrer Pflegeeinrichtung. Die Pflegekassen dürfen Ihnen hierzu keine Auskunft geben.

Grundsätzlich haben Sie jederzeit die Möglichkeit, von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Neben den Kosten sollten Sie jedoch vor allem auch Qualitätsaspekte berücksichtigen.

Sie müssen auch hier mit einer Erhöhung der Preise rechnen, wenn aufgrund einer Tariferhöhung die Personalkosten steigen. Dies wird allerdings in einem deutlich geringeren Umfang geschehen.

Die Preise verschiedener Anbieter können Sie mit dem Barmer Pflegelotsen vergleichen. Hier finden Sie auch die Ergebnisse der regelmäßigen Qualitätsprüfungen.