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Essstörungen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Lesedauer weniger als 16 Min
Redaktion:
Lea Roland (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Dr. med. Ewgenia Stenmans (Neurologin, Assistenzärztin für Psychiatrie)

Belastende Gedanken rund um Essen, Gewicht oder Figur können den Alltag stark beeinflussen. Welche Formen von Essstörungen es gibt, welche Symptome typisch sind und welche Behandlungsmöglichkeiten helfen können.

Definition: Was sind Essstörungen?

Essstörungen sind psychosomatische Erkrankungen, bei denen Gedanken an Essen, Gewicht oder Figur das Verhalten und den Alltag stark beeinflussen.

Für Menschen mit Essstörungen sind ständige Sorgen um ihre Ernährung und ihr Gewicht an der Tagesordnung. Oft sehen sie ihren eigenen Körper in einem extrem negativen und verzerrten Licht. Manche schätzen sich trotz Normalgewicht oder Untergewicht als übergewichtig ein. 

Eine Frau sitzt vor ihrem Kühlschrank und trinkt aus einer Flasche.

Essstörungen können sich sehr unterschiedlich äußern. Zu den bekanntesten Formen zählen Anorexie, Bulimie, Binge-Eating und Orthorexie.

Um mit ihrer negativen Selbstwahrnehmung umzugehen, kontrollieren Betroffene zwanghaft ihr Essverhalten. Sie essen sehr viel, sehr wenig, heimlich oder nur bestimmte Nahrungsmittel. Manche kompensieren Mahlzeiten.

Das heißt: Sie gleichen aufgenommene Kalorien wieder aus, zum Beispiel mit Fasten, Erbrechen oder Sport. Langfristig leiden oft andere Lebensbereiche, wie Beziehungen, Freizeit oder Beruf, weil die Erkrankung enorm viel Zeit und Energie fordert. Bei bestimmten Essstörungen kann ein starkes Unter- oder Übergewicht bestehen. Doch das trifft nicht auf alle Betroffenen zu, die Erkrankung zeigt sich nicht immer auf den ersten Blick.

Essstörungen sind ernst zu nehmende Erkrankungen, die psychotherapeutisch behandelt werden sollten. Mit frühzeitiger Hilfe, die den Weg aus der Essstörung begleitet, können gesundheitliche und teils lebensbedrohliche Komplikationen durch Mangelernährung und Organschäden verhindert werden.

Welche Formen von Essstörungen gibt es?

Es gibt verschiedene Formen von Essstörungen. 

Zu den bekanntesten Formen von Essstörungen zählen:

  • Anorexie: Menschen mit Anorexie (Anorexia nervosa) essen bewusst sehr wenig und möchten meist stark abnehmen. Dadurch verlieren sie häufig deutlich an Gewicht und können untergewichtig werden.
  • Bulimie: Menschen mit Bulimie (Bulimia nervosa) nehmen große Mengen Nahrung zu sich und versuchen anschließend, die aufgenommenen Kalorien wieder loszuwerden, etwa durch Erbrechen, Abführmittel oder übermäßigen Sport.
  • Binge-Eating: Menschen mit einer Binge-Eating-Störung (BES) erleben wiederkehrende Essanfälle, bei denen sie in kurzer Zeit sehr große Mengen Nahrung essen. Dadurch steigt ihr Risiko für Übergewicht.
  • Orthorexie: Menschen mit Orthorexie (Orthorexia nervosa) beschäftigen sich zwanghaft mit gesunder Ernährung und schränken ihre Lebensmittelauswahl zunehmend ein, um möglichst „gesund“ zu essen.

Viele Betroffene haben Symptome verschiedener Essstörungen.

Symptome: Wie äußern sich Essstörungen?

Essstörungen können sich psychisch, körperlich und im Essverhalten bemerkbar machen. 

Ihr zentrales Erkennungsmerkmal: Betroffene setzen sich intensiv und zwanghaft mit ihrer Ernährung und Figur auseinander.

Dieser Kontrollzwang kann das Essverhalten zunehmend bestimmen. Häufig verfestigt sich ein Teufelskreis, in dem sich gestörtes Essverhalten und Gefühle wie Scham oder Stolz gegenseitig verstärken.

Anorexie, Bulimie, Binge-Eating-Störung und andere Essstörungen äußern sich unterschiedlich. 

Viele Betroffene zeigen ähnliche Anzeichen in den folgenden Bereichen:

  • Selbstbild und Körperwahrnehmung: Menschen mit einer Essstörung sind in der Regel sehr unzufrieden mit ihrer Figur und ihrem Körpergewicht. Sie können sich nicht von diesen Gedanken distanzieren, das heißt, sie sind in allen möglichen Lebenssituationen stark von ihnen eingenommen. Wie sie ihren eigenen Körper wahrnehmen, kann zudem stark von der Realität abweichen. Selbst bei einem gefährlich niedrigen Gewicht sehen manche im Spiegel noch eine übergewichtige Person.
  • Verändertes Essverhalten: Betroffene entwickeln oft ein bestimmtes Essverhalten, um mit ihrer negativen Körperwahrnehmung umzugehen. Vor allem bei Anorexie schränken sie ihre Kalorienzufuhr drastisch ein. Sie lassen beispielsweise Mahlzeiten aus oder vermeiden energiereiche Lebensmittel. Insbesondere bei der Binge-Eating-Störung, aber auch bei anderen Essstörungen wie der Bulimie, treten Essanfälle auf. Betroffene verlieren die Kontrolle und nehmen in einer kurzen Zeit viel mehr Kalorien zu sich als bei einer üblichen Mahlzeit.
  • Gegensteuerndes Verhalten: Nach dem Essen versuchen manche Menschen mit einer Essstörung, die Kalorien möglichst schnell wieder loszuwerden. Dieses als Purging bekannte Verhalten hat viele Gesichter. Dazu gehören gezieltes Erbrechen, das Einnehmen von Abführmitteln und rigorose Sporteinheiten.
  • Körpergewicht: Auch körperliche Veränderungen können auf eine Essstörung hindeuten. Dazu zählen unter anderem Untergewicht, Übergewicht oder eine schnelle Ab- oder Zunahme.

Viele Menschen mit Essstörungen versuchen, ihre Symptome zu verbergen. Sie vermeiden es etwa, in Gesellschaft zu essen oder bemühen sich bei gemeinsamen Mahlzeiten, nicht aufzufallen und möglichst „normal“ zu essen.

Essstörungen können auch erhebliche körperliche Folgen haben. Das Risiko steigt insbesondere bei länger bestehender Erkrankung oder ausgeprägten Symptomen. Komplikationen sind bei Essstörungen weitaus häufiger als bei anderen psychischen Erkrankungen, manche von ihnen sind lebensbedrohlich. Das gilt besonders für längerfristiges Fasten, häufiges Erbrechen und Abführen, bei einem starken Unter- oder Übergewicht sowie bei Suizidgedanken.

Ursachen: Wie entstehen Essstörungen?

Essstörungen entstehen durch das Zusammenspiel verschiedener Einflüsse. Dazu zählen unter anderem genetische Faktoren, Erziehung und Umfeld, gesellschaftliche Einflüsse sowie Alter und Geschlecht.

  • Genetik: Studien zeigen, dass die Anfälligkeit für eine Essstörung teils genetisch bestimmt ist. So tragen genetische Faktoren zu etwa 40 bis 60 Prozent zum Risiko bei, an Anorexie, Bulimie oder einer Binge-Eating-Störung zu erkranken.
  • Erziehung und Umfeld: Frühe Erfahrungen mit den Themen Essen und Gewicht können einen Einfluss haben. Wenn Eltern das Essverhalten oder das Gewicht des Kindes kontrollieren oder Essen mit Trost oder Belohnung verbunden wird, kann das anfälliger für eine Essstörung machen. Die Erziehung und das Umfeld beeinflussen darüber hinaus persönliche Gewohnheiten und Eigenschaften, die Essstörungen begünstigen können. Menschen, die perfektionistisch veranlagt sind und sich in einem schlechten Licht sehen, erkranken eher.
  • Gesellschaft: Zusätzlich können Schönheitsideale eine Rolle spielen, die über die Medien vermittelt werden, sie machen Essstörungen wahrscheinlicher. Strikte Anforderungen an die Figur sind auch im Leistungssport besonders präsent.
  • Alter und Geschlecht: Ein junges Alter und weibliches Geschlecht sind bekannte Risikofaktoren. Das heißt: Mädchen und Frauen im Jugend- und im jungen Erwachsenenalter sind anfälliger für Essstörungen.

Zur Entstehung einer Essstörung kommen häufig Auslöser hinzu, die den Beginn der Erkrankung markieren.

Besonders häufig beginnt eine Essstörung nach Krisenereignissen, zum Beispiel nach einem Trauerfall oder einer Trennung. Oder in belastenden Lebensphasen, etwa aufgrund von Leistungsstress, sozialer Ausgrenzung und Mobbing.

Während der Erkrankung kann sich ein Teufelskreis entwickeln. Das Essverhalten hat sowohl bestimmte körperliche Folgen wie eine Gewichtsabnahme oder -zunahme als auch emotionale Folgen, zum Beispiel Scham oder Stolz. Diese Folgen motivieren wiederum, das Essverhalten fortzusetzen.

Verlauf: Wie entwickeln sich Essstörungen?

Essstörungen entwickeln sich oft über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg. Studien zeigen, dass Betroffene häufig bereits viele Jahre vor der Diagnose Symptome zeigen.

Manchmal reichen Schwierigkeiten mit dem Essen bis in die Kindheit zurück. In der Regel kommt es in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter zum Ausbruch der Erkrankung.

Eine Frau hält sich mit geschlossenen Augen die Stirn

Essstörungen kommen oft nicht allein. Viele Betroffene erleben gleichzeitig Symptome von Depressionen oder Angststörungen.

Begleiterkrankungen

Viele Menschen mit Essstörungen erleben auch Symptome anderer psychischer Erkrankungen, vor allem Depressionen und Angststörungen. Noch unklar ist, ob diese Krankheiten normalerweise vor, nach oder gleichzeitig mit der Essstörung entstehen.

Veränderungen im Verlauf

Eine Besonderheit von Essstörungen: Ein Teil der Betroffenen entwickelt mit der Zeit eine andere Art von Essstörung. 

Besonders häufig wird aus der ursprünglichen Diagnose eine unspezifische Essstörung und es liegt nur noch ein Teil der Symptome vor. 

Eine ehemals von Anorexie betroffene Person kann beispielsweise ihr Normalgewicht längst erreicht haben, aber ihre Ernährung weiterhin stark kontrollieren.

Mögliche Folgen

Unbehandelt können Essstörungen weitere Erkrankungen und sogar den Tod zur Folge haben.

Mögliche Folgen sind:

  • Verringerte Knochendichte und Osteoporose durch langfristige Unterernährung
  • Schäden an Speiseröhre, Magen oder Zahnschmelz durch Essanfälle und Erbrechen
  • Herzbedingte Komplikationen und Organversagen, insbesondere bei Anorexie

Manche dieser Schäden bleiben dauerhaft bestehen. Daher ist frühe Hilfe entscheidend.

Hilfe suchen: Wann sollte eine Essstörung abgeklärt werden?

Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn sich Gedanken an Essen, Gewicht oder Figur dauerhaft in den Vordergrund drängen und den Alltag belasten.

Weitere Warnsignale sind:

  • Rückzug aus dem sozialen Leben
  • Heimliches Essen
  • Schuldgefühle nach dem Essen
  • Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit sehr wenig oder sehr viel Nahrungsaufnahme

Diagnose: Wie wird eine Essstörung festgestellt?

Besteht Verdacht auf eine Essstörung, ist die hausärztliche Praxis häufig die erste Anlaufstelle. 

Alternativ können Ratsuchende direkt mit einer psychotherapeutischen Fachkraft sprechen. Sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dürfen Essstörungen diagnostizieren.

Ziel der Diagnostik

Ein wichtiges Ziel der Diagnostik ist es, Essstörungen von anderen psychischen und körperlichen Erkrankungen abzugrenzen. Denn ein verändertes Essverhalten kommt auch bei anderen Erkrankungen vor, unter anderem bei Depressionen.

So läuft die Diagnostik ab

Im Rahmen der Diagnostik stellen Fachleute vorgegebene Fragen und werten die Antworten nach einem festgelegten Schema aus. Für jede Essstörung gibt es eine eigene Checkliste mit typischen Symptomen.

Für die Diagnose einer Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating-Störung müssen entsprechende Symptome der jeweiligen Checkliste vorliegen. Lässt sich eine Essstörung nicht eindeutig zuordnen, wird in der Regel eine atypische oder unspezifische Essstörung diagnostiziert.

Therapie: Wie lassen sich Essstörungen behandeln?

Die Psychotherapie ist das zentrale Element der Behandlung von Essstörungen. 

Ziel der Behandlung ist es, 

  • die Lebensqualität zu verbessern,
  • die Teilnahme am Alltag zu stärken und
  • langfristige gesundheitliche Folgen zu verhindern oder zu begrenzen.

Weitere Behandlungsziele bei Essstörungen sind:

  • Essverhalten stabilisieren und Symptome reduzieren
  • Belastende Denkmuster und Gefühle bearbeiten
  • Psychische Begleiterkrankungen behandeln
  • Körpergewicht bei Bedarf normalisieren
  • Körperliche Folgen der Erkrankung behandeln
  • Rückfällen vorbeugen

Die genauen Therapieziele werden individuell festgelegt.

Nach der Diagnosestellung fällt es vielen Personen schwer, den ersten Schritt in Richtung Therapie zu gehen. Themen rund um Essen und Gewicht sind oft mit Scham- und Schuldgefühlen behaftet, oder mit der Sorge, von anderen Menschen verurteilt zu werden. 

Deshalb ist es besonders wichtig, dass Bezugspersonen positiv und ermutigend reagieren, wenn Betroffene sich anvertrauen. 

Stärkende Reaktionen und Beziehungen sind eine wertvolle Unterstützung in der Behandlung von Essstörungen.

Manche Betroffene fühlen sich sogar während der Therapie immer wieder unentschlossen. Sie haben bestimmte Vorstellungen tief und fest verinnerlicht, zum Beispiel das Ziel, sehr schlank zu sein. Dadurch kann es zu inneren Konflikten und Motivationsproblemen kommen. Das Für und Wider von Genesung und Erkrankung sollte dann mit den Behandelnden besprochen werden.

Wenn Menschen mit Essstörungen Hilfe erhalten, entwickelt sich der Heilungsprozess meist über Monate bis Jahre. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser. Essstörungen haben ein erhöhtes Risiko, chronisch zu verlaufen. Doch Betroffene sollten nicht den Mut verlieren. Viele erholen sich in ihrem eigenen Tempo, mit der Zeit und Unterstützung, die sie brauchen.

Welche Bausteine gehören zur Behandlung?

Ein zentraler Bestandteil der Behandlung von Essstörungen ist die Psychotherapie.

Für die kognitive Verhaltenstherapie gibt es die stärksten wissenschaftlichen Belege. Sie kann bei allen Essstörungen sinnvoll sein. Ziel ist es, typische Denk- und Verhaltensmuster einer Essstörung zu erkennen und zu durchbrechen.

Weitere psychotherapeutische Verfahren sind:

  • Tiefenpsychologische Psychotherapie: Sie soll unbewusste Konflikte aufdecken und lösen, die zur Essstörung beitragen können.
  • Systemische Therapie: Sie fokussiert die Rolle sozialer Beziehungen für die Erkrankung.
  • Dialektisch-behaviorale Therapie: Sie stärkt den Umgang mit dem Essverhalten, Emotionen und Stress.

Zusätzlich zur Psychotherapie können die folgenden Elemente Teil der Behandlung sein:

  • Ernährungstherapie: Als Ergänzung zur Psychotherapie erhalten einige Menschen mit Essstörungen eine Ernährungsberatung. Dabei lernen sie, ihre Mahlzeiten neu und ausgewogen zu gestalten.
  • Psychoedukation: Im Rahmen der Psychotherapie erweitern Betroffene ihr Wissen über die Ursachen, Folgen und Therapieoptionen von Essstörungen.
  • Medikamente: Manchmal empfehlen Fachleute Medikamente, zum Beispiel Antidepressiva, je nach Symptomen, Art der Essstörung und Begleiterkrankungen.
  • Beteiligung der Familie: Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen wird die Familie häufig in die Therapie miteinbezogen.
  • Selbsthilfe: Manche Personen profitieren von einem positiven Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen. Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten gesund werden wollen und sich nicht gegenseitig in ihrer Symptomatik verstärken.

Ein wichtiger Bestandteil der Therapie von Essstörungen ist die Nachsorge. Viele Fachleute vereinbaren nach dem Therapieabschluss Folgegespräche. Dabei prüfen sie, ob die Wirkung der Therapie langfristig anhält.

Forschende arbeiten weiter daran, die Behandlung von Essstörungen noch wirksamer zu machen. Aktuell werden unter anderem achtsamkeitsbasierte Therapien und Therapien mithilfe von Web- oder App-Anwendungen untersucht.

Wo findet die Behandlung statt und wie lange dauert sie?

Während der Therapie bleiben Betroffene entweder 

  • im gewohnten Umfeld und erscheinen zu Terminen in Therapiepraxen (ambulante Therapie) oder sie wohnen
  • in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik (stationäre Therapie). 

Für manche Kinder und Jugendliche kann eine therapeutische Wohngruppe sinnvoll sein, in der sie für längere Zeit leben. In Tageskliniken halten sich die Therapieteilnehmenden tagsüber in einer Klinik auf, abends gehen sie nach Hause.

Häufig werden stationäre und ambulante Ansätze kombiniert. Zum Beispiel kann die Therapie nach einem Klinikaufenthalt ambulant fortgeführt werden. Stationäre Therapien dauern in der Regel einige Wochen bis Monate, ambulante Therapien können sich über Monate und Jahre erstrecken. Entscheidend ist zumeist, welche Essstörung vorliegt und wie schwer die Erkrankung ist.

Vorbeugung: Wie lassen sich Essstörungen vorbeugen?

Umfeld und Gesellschaft tragen oft maßgeblich zur Entstehung von Essstörungen bei. 

Auch im Alltag gibt es Möglichkeiten, Risikofaktoren zu verringern:

  • Essverhalten beobachten: Veränderungen sollten ernst genommen werden.
  • Auf Kommentare zu Gewicht verzichten: Wertungen können Essstörungen begünstigen.
  • Soziale Medien kritisch hinterfragen: Nicht jedes Körperideal ist realistisch.
  • Eigene Bedürfnisse ernst nehmen: Sie helfen beim Umgang mit Ernährung.
  • Keinen Druck beim Essen ausüben: Kinder profitieren von einem entspannten Umgang mit Essen.

Fazit: Essstörungen auf einen Blick

  • Definition: Essstörungen sind behandlungsbedürftige Erkrankungen, die sich psychisch und körperlich zeigen. Betroffene beschäftigen sich zwanghaft mit den Themen Ernährung und Gewicht und kontrollieren ihre Nahrungsaufnahme exzessiv.
  • Symptome: Zu den typischen Anzeichen von Essstörungen zählen eine stark negative Körperwahrnehmung, ein stark verändertes Essverhalten und manchmal Unter- oder Übergewicht. Die genauen Symptome hängen von der Art der Essstörung ab.
  • Ursachen: Die Genetik und Einflüsse aus Umfeld und Gesellschaft tragen gemeinsam dazu bei, dass sich eine Essstörung entwickelt. Besonders anfällig sind junge Mädchen und Frauen.
  • Verlauf: Bei Essstörungen erstrecken sich Erkrankung und Genesung oft über Jahre. Ein schwerer und langfristiger Verlauf erhöht das Risiko für gesundheitliche Komplikationen.
  • Diagnose: Für die Diagnose einer Essstörung prüfen Fachpersonen sorgfältig, ob die charakteristischen Symptome vorliegen.
  • Therapie: Essstörungen brauchen so früh wie möglich eine professionelle Therapie. Im Zentrum stehen Psychotherapien, die durch Ernährungsberatung, Medikamente und Selbsthilfe ergänzt werden können.
  • Vorbeugung: Ein wertschätzender Umgang mit dem eigenen Körper, ein bewusster Umgang mit sozialen Medien und ein positives Verhältnis zum Essen können helfen, Essstörungen vorzubeugen.

Essstörungen sind behandelbar. Je früher professionelle Unterstützung erfolgt, desto besser lassen sich gesundheitliche Folgen begrenzen und der Weg zurück zu einem selbstbestimmten Alltag unterstützen.

Häufige Fragen und Antworten zu Essstörungen

Essstörungen sind ernsthafte psychosomatische Erkrankungen, sie betreffen also sowohl die Psyche als auch den Körper. Betroffene denken ständig über Ernährung und Gewicht nach und nehmen ihr Körperbild oft verzerrt wahr. Sie kontrollieren zwanghaft ihr Essverhalten – essen sehr viel, sehr wenig, heimlich oder versuchen, Mahlzeiten zu kompensieren, etwa mit Sport. Die Erkrankung beansprucht so viel Zeit und Energie, dass häufig Beziehungen, Freizeit und Beruf darunter leiden. Anders als vorübergehende Diäten oder persönliche Ernährungsgewohnheiten handelt es sich bei Essstörungen um behandlungsbedürftige Krankheiten. Unbehandelt können Essstörungen zu Mangelernährung, verminderter Knochendichte und lebensbedrohlichen Komplikationen wie Organversagen führen.
Die vier bekanntesten Essstörungen sind Anorexie, Bulimie, die Binge-Eating-Störung und Orthorexie. Bei Anorexie nehmen Betroffene sehr wenig Nahrung zu sich und streben nach Gewichtsabnahme, was zu Untergewicht führen kann. Menschen mit Bulimie versuchen zwanghaft, Kalorien wieder loszuwerden, etwa durch Erbrechen, Abführmittel oder exzessiven Sport. Die Binge-Eating-Störung ist durch regelmäßige, unkontrollierte Essanfälle gekennzeichnet. Bei Orthorexie steht die zwanghafte Fixierung auf gesunde Ernährung im Vordergrund.
Es gibt keine einzelne Ursache für Essstörungen. Genetische Faktoren tragen etwa zu 40 bis 60 Prozent zum Erkrankungsrisiko bei. Frühe Erfahrungen mit Essen und Gewicht in der Erziehung und im sozialen Umfeld sowie gesellschaftliche Schönheitsideale spielen ebenfalls eine Rolle. Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus und ein negatives Selbstbild erhöhen die Anfälligkeit. Mädchen und junge Frauen sind besonders anfällig für Essstörungen. Häufig wirken Krisenereignisse oder belastende Lebensphasen wie ein Trauerfall oder eine Trennung, Leistungsstress oder Mobbing als Auslöser.
Essstörungen können erhebliche Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit haben. Langfristige Unterernährung erhöht das Risiko für eine verringerte Knochendichte und Osteoporose. Häufiges Erbrechen, Abführen oder Essanfälle können unter anderem Schäden an Speiseröhre, Magen oder Zahnschmelz verursachen. Viele Betroffene erleben zusätzlich Symptome anderer psychischer Erkrankungen, beispielsweise Depressionen oder Angststörungen. Unbehandelt können Essstörungen weitere Erkrankungen nach sich ziehen und in schweren Fällen lebensbedrohlich werden.
Starkes Unter- oder Übergewicht sowie schnelle Gewichtsveränderungen können Warnsignale für Essstörungen sein. Allerdings sind viele Betroffene normalgewichtig, sodass die Erkrankung äußerlich nicht immer erkennbar ist. Häufiges Erbrechen und Essanfälle können Schäden verursachen, beispielsweise an Speiseröhre oder Zahnschmelz.
Wenn die Gedanken ständig um Körper, Gewicht und Essen kreisen und der Alltag dadurch schwerfällt, ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen. Weitere wichtige Signale sind Rückzug aus dem sozialen Leben und körperliche Beschwerden durch extremes Essverhalten. Bei Verdacht sind die hausärztliche Praxis oder psychotherapeutisches Fachpersonal die erste Anlaufstelle. Eine psychotherapeutische Sprechstunde bietet die Möglichkeit, zeitnah eine erste Einschätzung zu erhalten.
Psychotherapie ist das zentrale Behandlungselement bei Essstörungen, wobei die kognitive Verhaltenstherapie die stärkste wissenschaftliche Grundlage hat. Alternativ kommen tiefenpsychologische, systemische oder dialektisch-behaviorale Therapien infrage. Ergänzend kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein, die hilft, Mahlzeiten ausgewogen zu gestalten. Manchmal werden Medikamente wie Antidepressiva empfohlen, abhängig von Symptomen und Begleiterkrankungen. Bei Kindern und Jugendlichen wird häufig auch die Familie in die Therapie einbezogen.
Nach der Diagnose werden die Therapieziele individuell festgelegt. Psychotherapeutische Fachkräfte klären über verschiedene Therapieformen auf und unterstützen dabei, sich für eine Therapie zu entscheiden und einen geeigneten Therapieplatz zu finden. Die kognitive Verhaltenstherapie ist bei allen Essstörungen wissenschaftlich gut belegt und zielt darauf ab, typische Denkmuster zu durchbrechen. Tiefenpsychologische Ansätze bearbeiten unbewusste Konflikte, systemische Therapien fokussieren sich auf soziale Beziehungen. Anhand von Symptomen, Art und Schwere der Erkrankung können psychotherapeutische Fachkräfte einschätzen, ob eine Therapie in einer Klinik (stationär) oder mit regelmäßigen Terminen im Alltag (ambulant) sinnvoll ist.
Besonders bei Kindern und Jugendlichen wird die Familie häufig in die Therapie miteinbezogen. Positive und ermutigende Reaktionen von Bezugspersonen sind eine wertvolle Unterstützung während der Behandlung. Stärkende Beziehungen helfen Betroffenen im Heilungsprozess. In systemischen Therapieansätzen wird gezielt die Rolle sozialer Beziehungen für die Erkrankung fokussiert.
Eine ambulante Therapie ist möglich, bei der Betroffene in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und zu Terminen in Therapiepraxen erscheinen. Ob eine ambulante Behandlung ausreicht, hängt vor allem von Symptomen, Art und Schwere der Essstörung ab. Häufig werden stationäre und ambulante Ansätze kombiniert, etwa indem die Therapie nach einem Klinikaufenthalt ambulant fortgeführt wird.
Stationäre Therapien dauern üblicherweise einige Wochen bis Monate. Ambulante Therapien können sich über Monate und Jahre erstrecken. Der gesamte Heilungsprozess entwickelt sich meist über Monate bis Jahre. Die Dauer ist individuell und hängt wesentlich davon ab, welche Essstörung vorliegt, wie schwer die Erkrankung ist und ob Begleiterkrankungen vorliegen.

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Literatur

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