Welche Stoffe das Runner´s High auslösen
Lange galt die Theorie: Endorphine machen uns beim Sport glücklich. Das stimmt zwar teilweise, aber für das typische Runner’s High sind vor allem Endocannabinoide verantwortlich. Das sind körpereigene Botenstoffe, die quasi ähnlich ticken wie die Wirkstoffe in Cannabis. Nur, dass dein Körper sie ganz ohne Umwege selbst herstellt.
Beim Laufen steigen die Endocannabinoid-Spiegel im Blut messbar an, der bekannteste Stoff aus dieser Gruppe heißt Anandamid. Der Name kommt vom Sanskrit-Wort für „innere Freude“, und das ist kein Zufall.
Eine Studie von 2021 konnte zeigen: Wer 45 Minuten in moderatem Tempo lief, erlebte messbar mehr Euphorie und weniger Angst. Und das selbst dann, wenn Opioide (vor allem Endorphine) im Körper blockiert wurden. Das Läuferhoch blieb trotzdem erhalten, der Endocannabinoid-Spiegel stieg gleichzeitig an. Endorphine spielen also doch nicht die Hauptrolle.
Was in deinem Gehirn beim Runner’s High passiert
Mitten im Nachmittagslauf, Kopfhörer in den Ohren, Gedanken an die letzte Prüfung im Kopf, und plötzlich wird alles leiser. Das ist der Moment, in dem dein Endocannabinoid-System auf Hochtouren läuft.
Anandamid dockt an sogenannte CB1-Rezeptoren im Gehirn an. Die sitzen genau dort, wo Belohnung, Stimmung und Stress verarbeitet werden. Das hat konkrete Auswirkungen.
- Weniger Angst: Die Amygdala, dein körpereigenes Alarmsystem, wird gedämpft. Du fühlst dich ruhiger und sicherer.
- Mehr Euphorie: Das Belohnungssystem wird aktiviert, Dopamin-Signale werden verstärkt. Das gibt dir dieses Erfolgsgefühl.
- Weniger Schmerz: Die Schmerzwahrnehmung sinkt, was erklärt, warum sich die Kilometer auf einmal leichter anfühlen.
- Klarer Kopf: Stresshormone wie Cortisol gehen zurück, die Gedanken sortieren sich.