Eine fünfköpfige Familie bereitet gemeinsam Essen zu.
Krebs

Ernährung bei Krebs: Was helfen kann und was nicht

Lesedauer unter 8 Minuten

Redaktion

  • Ricky Heimberg (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Micaela Schmidt (Diplom-Ökotrophologin, Barmer)

Mit einer ausgewogenen Ernährung können krebskranke Menschen ihre Genesung unterstützen. Neben Beschwerden durch die Erkrankung können auch Nebenwirkungen der Therapie gelindert werden. Und auch wenn es eine „Ernährung gegen Krebs“ bisher nicht gibt, kann eine vollwertige Diät den Allgemeinzustand und die Lebensqualität verbessern. Lesen Sie hier, welche Rolle die Ernährung bei Krebs spielt und wie sie die Krebstherapie unterstützen kann.

Kann eine bestimmte Ernährung Krebs heilen?

Eine „Ernährung gegen Krebs“, also eine spezielle Ernährung, Diäten, Fastenkuren oder bestimmte Lebensmittel, die Krebs heilen können, gibt es laut wissenschaftlichen Studien nicht. Gerade im Internet finden sich viele vermeintliche Informationen und unterschiedlichste Ernährungstipps, die eine heilende Wirkung auf Krebserkrankungen versprechen. Wissenschaftlich belegt ist davon jedoch nichts. Ein Mensch mit einer Krebserkrankung sollte immer von Fachärztinnen und -ärzten (Onkologen) beraten und therapiert werden. Was wir essen, kann dabei eine unterstützende Rolle spielen.

Der Einfluss der Ernährung auf eine Krebserkrankung ist sehr individuell. Zum Beispiel wird häufig der Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Tumorwachstum thematisiert. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse jedoch auf direkte, pauschale Ernährungsempfehlungen zu übertragen, ist nicht ratsam. Denn je nach Krebsart und Patient oder Patientin sind auch die Ernährungsbedürfnisse sehr unterschiedlich.

Pauschal lässt sich jedoch sagen: Patienten können sich durch ihr Essen aktiv in ihren Genesungsprozess einbringen und ihren Allgemeinzustand verbessern. Vielen Menschen hilft dies auch beim Umgang mit der Erkrankung und es wirkt sich positiv auf die Psyche aus.

Psychische Beschwerden treten bei Krebserkrankungen sehr häufig auf - lesen Sie hier mehr zu den Auswirkungen von Krebs auf die Psyche.

Eine ausgewogene und auf die individuellen Bedürfnisse der Erkrankten abgestimmte Ernährung kann sogar Begleiterscheinungen der Therapie abschwächen. Außerdem kann sie das Risiko eines Rückfalls verringern.

Ernährung bei Krebs: Mit einer ausgewogenen Ernährung können krebskranke Menschen ihre Lebensqualität unterstützen.

Ernährung bei Krebs: Mit einer ausgewogenen Ernährung können krebskranke Menschen ihre Lebensqualität während der Krebstherapie unterstützen.


Um ein gutes Maß für eine gesunde Ernährung zu finden und den Körper in der belastenden Zeit einer Krebserkrankung nicht zu überfordern, sollten sich Patienten an ihren behandelnden Onkologen wenden. So vermeidet man auch, Fehlinformationen aus dem Internet zu folgen, die manchmal sogar schädlich sein können.

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Das Internet hält eine lange Liste an Ernährungstipps bereit, die Krebs angeblich therapieren oder positiv beeinflussen können. Wissenschaftliche Belege für die „heilende“ Wirkung dieser Maßnahmen gibt es jedoch nicht. Pauschal lässt sich sagen, dass strenge Diäten und drastische Ernährungsumstellungen häufig eine körperliche Belastung darstellen. Für an Krebs erkrankte Menschen gilt dies umso mehr – sie benötigen ausreichend Energie und Nährstoffe und sollten ihre Ernährung nicht einschränken. Gerade in der anstrengenden Phase einer Krebstherapie, aber auch im Nachgang sollten Erkrankte daher drastische Ernährungsmaßnahmen vermeiden und sich zunächst mit ihren behandelnden Ärzten beraten, bevor sie ihre Ernährung umstellen.

Wie eine Krebserkrankung den Stoffwechsel beeinflussen kann

Ob und wie stark sich eine Krebserkrankung auf den Stoffwechsel und die Ernährung auswirkt, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Tumoren können den Stoffwechsel beeinflussen und damit Mangelerscheinungen verursachen, die teilweise durch eine Anpassung der Ernährung aufgefangen werden können. Doch das gilt bei Weitem nicht für alle Patienten und Krebsformen. Pauschalen Ernährungstipps zu folgen ist daher für Erkrankte nicht ratsam. Abhängig von der Krebsart, von möglichen Vorerkrankungen und von Faktoren wie dem Alter und dem Allgemeinzustand des Betroffenen sind auch die Beschwerden und Bedürfnisse ganz verschieden.

Durch die Erkrankung benötigt der Körper teilweise andere oder mehr Nährstoffe, eine höhere Energiezufuhr oder er verarbeitet die aufgenommene Nahrung anders als vor der Erkrankung. Das kann sich durch Gewichtsverlust bemerkbar machen, wovon jedoch nicht alle Patienten betroffen sind. Eine Krebserkrankung kann zum Rückgang von Fett- und Muskelmasse führen. Die sogenannte Kachexie ist eine schwere Form der Mangelernährung und wird durch einen tumorbedingt veränderten Stoffwechsel ausgelöst. Sie betrifft jedoch bei weitem nicht alle Erkrankten.

Für gewöhnlich wird schon im Rahmen der Diagnosestellung einer Krebserkrankung der Ernährungszustand der Erkrankten überprüft. Dieses sogenannte „Mangelernährungsscreening“ deckt mögliche Unterversorgungen, Mangelerscheinungen oder Gewichtsverlust auf. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte können dadurch frühzeitig Tipps für eine unterstützende Ernährung geben (Ernährungssupport), die den Allgemeinzustand verbessern kann.

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Ihre Genesung durch Ihre Ernährung unterstützen können, sprechen Sie unbedingt Ihre behandelnden Ärzte an. Auf der Website des Krebsinformationsdiensts finden Sie weitere, spezifische Informationen zum Thema Ernährung bei unterschiedlichen Krebsarten.

Wie die Krebsbehandlung auf den Körper wirken kann

Eine Krebstherapie ist meist ein starker Eingriff in den Organismus. Die Behandlung kann für jeden Erkrankten unterschiedlich belastend sein, wodurch auch mögliche Begleitbeschwerden variieren. Je nach Therapieform (zum Beispiel Chemotherapie oder Strahlentherapie) können Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Abgeschlagenheit auch die Nahrungsaufnahme und die Lust auf das Essen und Trinken beeinflussen. Die Krebsart hat ebenfalls Einfluss auf die Ernährung: Patienten mit Darmkrebs oder Magenkrebs haben zum Beispiel tendenziell andere Beschwerden und damit andere Anforderungen an ihre Ernährung als Patienten mit Brustkrebs.

Auch durch die Therapie können Mangelerscheinungen oder Gewichtsschwankungen auftreten. Allerdings unterscheiden sich die Symptome von Mensch zu Mensch und sind keinesfalls vorprogrammiert. Zudem können die Bedürfnisse des Körpers und damit auch die Anforderung an die Ernährung sich im Laufe der Therapie und nach deren Abschluss verändern.

Dass ausgewogenes und bewusstes Essen sowie ausreichend Bewegung und Sport bei Krebs dazu beitragen können, den Allgemeinzustand eines Menschen zu verbessern, ist wissenschaftlich erwiesen. Diese Tatsache können sich an Krebs erkrankte Menschen zunutze machen, um ihren Körper zu unterstützen und auch die Verträglichkeit einer Therapie zu steigern.

Um den eigenen gesundheitlichen Zustand besser einzuschätzen und Fragen zur Ernährung während der Therapie zu klären sollten sich Betroffene mit ihren Onkologen beraten. Häufig sind gar keine komplexen Ernährungskonzepte notwendig. Dennoch ist es wichtig, gemeinsam mit den Ärzten die Ernährung während der Therapie zu thematisieren – nicht zuletzt um Unsicherheiten abzubauen und keinen falschen Ratschlägen zu folgen, wie sie zum Beispiel im Internet kursieren.

Beispiel Chemotherapie: Nebenwirkungen und Ernährung

Vor einer Chemotherapie machen sich viele an Krebs erkrankte Menschen Gedanken zur Verträglichkeit der Behandlung. Die Chemotherapie hat in dieser Hinsicht einen schlechten Ruf: Viele Patienten haben Angst vor bekannten Nebenwirkungen. Dazu gehören Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Verdauungstrakts, eine gestörte Geschmackswahrnehmung, Übelkeit und Appetitlosigkeit.

Einige dieser Nebenwirkungen, wie zum Beispiel die Übelkeit, lassen sich durch die Gabe von begleitenden Medikamenten gut behandeln. Im Fall einer veränderten Geschmackswahrnehmung raten Ärzte häufig, sich bei der Ernährung nicht zu stark auf das zu konzentrieren, was vollwertig und gesund ist, sondern Lebensmittel zu essen, auf die die Patienten Lust haben. Wenn diese Ernährung nicht allzu einseitig ist und die Patienten sich dazu mit ihren Ärzten beraten, kann einer Mangelernährung während der Therapie meist vorgebeugt werden.

Schwieriger fällt häufig der Umgang mit einer entzündeten Mundschleimhaut oder einem entzündeten Verdauungstrakt, was durch die Einnahme von Zytostatika ausgelöst werden kann. Diese Medikamente richten sich bei einer Chemotherapie gegen die Krebszellen. Sie wirken sich aber auch auf manche gesunden Zellen aus, was die Entzündungen verursachen kann. Auch bei einer vollwertigen Ernährung kann das dazu führen, dass der Körper die zugeführten Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen kann und Mangelerscheinungen auftreten. In diesem Fall sollten sich Patienten von Ernährungsberatern oder ihren Onkologen betreuen lassen, um Tipps für möglichst verträgliche Lebensmittel und deren Zubereitung zu erhalten.

Neben Chemotherapeutika können auch andere Medikamente die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung behindern. Wenn Ihnen also eine Chemotherapie bevorsteht, beraten Sie sich auch darüber mit Ihrem Onkologen oder Ernährungstherapeuten.

Therapieerfolg durch Ernährung erhalten

Nach dem Ende einer Krebstherapie kann es helfen, wenn Patienten eine vollwertige Ernährung dauerhaft beibehalten. Studien zeigen, dass Menschen damit ihr Rückfallrisiko senken können – ganz ähnlich wie eine ausgewogene Ernährung auch bei gesunden Menschen das Krebsrisiko reduzieren kann.

Gesunde Ernährung bedeutet aber nicht automatisch, dass sich Patienten jederzeit vollwertig ernähren müssen. Im Gegenteil, denn auch das gute Gefühl beim Essen und der Genuss sind wichtig und können sich positiv auf die Psyche auswirken. Wer zum Beispiel Lust auf bestimmte Lebensmittel hat, zum Beispiel mal ein Eis genießen möchte, muss sich dabei meist nicht einschränken. Ärzte empfehlen ihren Patienten daher oft, ihrem Appetit zu folgen und nicht ausschließlich auf die Empfehlungen zur optimalen Ernährung zu achten.

Für den Fall, dass während oder nach der Therapie eine Mangelerscheinung vorliegt und Patienten die eigene Ernährung stärker im Blick behalten sollten, kann ein Ernährungstagebuch hilfreich sein. Neben den Mahlzeiten können Patienten darin auch die getrunkene Menge Flüssigkeit und eventuelle Beschwerden oder Unverträglichkeiten dokumentieren. Diese Übersicht kann helfen, die eigenen Ernährungsbedürfnisse besser einzuschätzen.

Aufbauende Ernährung nach einer Krebstherapie

Eine Krebserkrankung und Krebstherapie sind eine körperliche und mentale Herausforderung. Bei vielen hinterlassen diese Belastungen zumindest kurzfristig Spuren, zum Beispiel in Form von Gewichtsverlust durch fehlenden Appetit oder durch Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie. Eine Ernährungsumstellung nach einer Krebstherapie sollten Patienten aber nicht auf eigene Faust durchführen, sondern sich professionell beraten lassen. Gerade wenn neben der Krebserkrankung noch Vorerkrankungen oder Begleiterkrankungen vorliegen, ist die Betreuung durch einen Ernährungsberater (Ökotrophologen) sinnvoll. Kontakt zu Ernährungsberatern erhalten Patienten auf der Internetseite des Berufsverbands der Ökotrophologen.

Krebs vorbeugen durch Ernährung?

Da starkes Übergewicht als Risikofaktor für Krebs identifiziert wurde, spielen Ernährung und Bewegung eine wichtige Rolle in der Krebsvorbeugung. Auch der häufige Verzehr von rotem Fleisch, verkohlten Speisen, Alkohol und stark verarbeiteten Fleischprodukten erhöht das Krebsrisiko. Durch eine ausgewogene und vollwertige Ernährung kann daher jeder aktiv dazu beitragen, das eigene Krebsrisiko zu verringern. 

„Ausgewogene Ernährung“ ist abwechslungsreich mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen sowie möglichst wenig Zucker. So werden dem Körper wichtige Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Energie zugeführt. Ein Augenmerk sollte auch auf einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr liegen.

Lesen Sie hier, wie Sie mit gesunder Ernährung Ihr Gewicht reduzieren können.

Nicht zuletzt steigert eine bewusste Ernährung bei den meisten Menschen das allgemeine Wohlbefinden und verbessert die Lebensqualität.

Literatur

Weiterführende Informationen

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