Frau, die in Rückenlage in ruhigem Meerwasser schwimmt
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Was tun bei Wasser im Ohr?

Lesedauer weniger als 7 Min

Redaktion:

Luciano Arslan (Medical Writer, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Dr. med. Anja Braunwarth (Ärztin)

Wasser im Ohr nach Badespaß: Drei Fragen, drei Antworten

Wie fühlt sich Wasser im Ohr an?

Plötzlich klingt alles dumpf, als wäre Watte im Ohr. Oft kommt Druck, Jucken oder ein Kribbeln bis in den Kiefer dazu. Schmerzen sind selten.

Wie wird man es wieder los?

Einfach etwas am Ohr ziehen, um den Gehörgang zu begradigen, das Ohr trocken föhnen und Kaugummi kauen sind bewährte Maßnahmen.

Warum muss das Wasser raus?

Hält sich das Wasser zu lange im Ohr, droht eine Entzündung. Typisch sind dann Schmerzen, Juckreiz, Rötungen und sogar Ausfluss aus dem Gehörgang.

Sommer bedeutet für viele von uns: Schwimmen und Baden in Schwimmbad, Badesee und Meer – aber auch Wasser im Ohr. Setzt es sich im Gehörgang fest, kann das Wasser den Badespaß schnell trüben. Bleibt es länger im Ohr, entwickelt sich womöglich sogar eine Entzündung. Was tun bei Wasser im Ohr, wie lässt es sich schnell wieder loswerden und was sind No-Gos?

Warum bleibt Wasser im Ohr?

Ein Sprung in den Pool, Wasserballspielen im See oder Schnorcheln im Meer – und schon ist es passiert: Wasser im Ohr. Alles hört sich gedämpft an, ein leichtes Druckgefühl im Ohr ist zu verspüren und kann durchaus unangenehm sein. Manchmal kommt es auch zu Juckreiz oder Kribbeln im Ohr, Kiefer oder Hals. 

Häufig hilft es schon, den Kopf etwas zu schütteln, und das Wasser läuft aus dem Ohr. Manchmal kommt es erst nachts im Bett zu einem leichten Plopp – und das Problem ist gelöst. Selten geht das Wasser auch gar nicht aus dem Ohr heraus. Der Grund dafür ist die Oberflächenspannung des Wassers. Sie sorgt dafür, dass sich das Wasser im Gehörgang vor dem Trommelfell „verschanzen“ kann. 

Verschiedene Faktoren können bewirken, dass Wasser im Ohr verbleibt:

  • Form des Gehörgangs: Ob Wasser im Ohr bleibt oder rasch wieder abfließt, hängt auch vom Gehörgang ab, der von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell führt. Der Gehörgang unterscheidet sich von Mensch zu Mensch leicht. Mal ist er schmaler, mal gebogener, mal steiler. Bei einem sehr spitzen Winkel zwischen Trommelfell und Gehörgang beispielsweise kann sich in einigen Gehörgängen das Wasser wie in einer Mulde sammeln und besonders gut festsetzen.
  • „Hindernisse ” im Ohr: Ein dichter Haarwuchs im Ohr kann ebenfalls dafür sorgen, dass Wasser leichter im Gehörgang zurückbleibt. Gleiches gilt für größere Mengen an Ohrenschmalz, das eigentlich eine wichtige schützende und reinigende Funktion hat. Sammelt sich jedoch zu viel Ohrenschmalz an, kann es einen Pfropf bilden, der durch das Wasser zusätzlich aufquillt und es im Gehörgang hält. Der Gebrauch von Wattestäbchen kann diese Problematik noch verschärfen, da die Stäbchen das Ohrenschmalz zurück in den Gehörgang schieben und so zu Verstopfungen beitragen können. Expertinnen und Experten raten generell davon ab, Wattestäbchen zu verwenden.
     

Was tun bei Wasser im Ohr: Fünf Tricks

Das Wasser im Ohr geht nicht von allein raus? Wenn das Wasser nicht von selbst abfließt, ist etwas Nachhilfe gefragt, um dem Wasser den Ausgang zu zeigen. Die folgenden Tricks helfen dabei, das Wasser schonend zu entfernen.

1. Kopf neigen und am Ohr ziehen

Da der äußere Teil des Gehörgangs aus Knorpel besteht, ist er etwas beweglich. Eine der einfachsten Methoden ist es, den Kopf zur Seite zu neigen und das Ohr nach oben und hinten zu ziehen. Das begradigt den Gehörgang und kann helfen, das Wasser herauszubefördern. 

2. Ohr trocken föhnen

Hilft es nicht, am Ohr zu ziehen, kann ein Föhn zum Einsatz kommen. Damit lässt sich der Gehörgang erwärmen, sodass die eingeschlossene Flüssigkeit verdunstet. Dabei mit dem Föhn ausreichend Abstand zum Ohr halten und die Hitze auf die niedrigste Stufe einstellen, um Hautverbrennungen zu vermeiden.

3. Papiertaschentuch als „Schwamm“ verwenden

Das im Ohr eingeschlossene Wasser lässt sich alternativ auch mit einem länglich zusammengerollten Papiertaschentuch aufsaugen. Aber Vorsicht: das Taschentuch ganz vorsichtig nur in den Beginn des Gehörgangs legen und es nicht ins Ohr stopfen. Behutsamkeit ist hier gefragt. Zudem sollte der Durchmesser des zusammengerollten Taschentuchs deutlich kleiner sein als der Gehörgang. 

Statt eines Papiertaschentuchs lässt sich auch die Spitze eines Handtuchs in den Eingang des Ohrkanals legen. Auch hier unbedingt darauf achten, dass der Stoff nicht zu tief hineingedrückt wird.

4. Vakuum mit der Hand erzeugen

Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem Pömpel, einer Saugglocke, mit der sich verstopfte Abflüsse reinigen lassen. So kann das Vakuum erzeugt werden:

  • Den Kopf zur betroffenen Seite neigen.
  • Das Ohr mit der Hand so abdecken, dass ein dichter Verschluss entsteht.
  • Die Hand mehrmals abflachen und wieder zu einer hohlen Hand formen, um einen Sog zu erzeugen.
  • Das Ohr gegebenenfalls gleichzeitig mit der anderen Hand nach oben und hinten ziehen, damit das Wasser abfließen kann.

5. Kaugummi kauen oder gähnen

Kaugummi zu kauen ist eine bewährte Methode, um den Druck im Mittelohr beim Fliegen auszugleichen. Ebenso kann diese Methode helfen, Wasser aus dem Gehörgang zu entfernen. Falls kein Kaugummi zur Hand ist, hilft es auch, mehrfach zu gähnen. Der Effekt ist der gleiche.

Vorbeugende Maßnahmen

Am besten ist es natürlich, wenn gar nicht erst Wasser in den Gehörgang gerät. Hierfür bieten sich Ohrstöpsel fürs Schwimmen oder Badekappen an, die bis über die Ohren reichen. 

Wann in die Arztpraxis? 

Wenn alle Versuche nicht zum Erfolg führen und das Wasser im Ohr weiterhin festsitzt, sollte spätestens nach zwei Tagen eine Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde aufgesucht werden. HNO-Ärztinnen und -Ärzte können das Wasser fachgerecht ablassen und den Gehörgang trocknen, bevor Keime im Wasser eine Entzündung auslösen.

Symptome wie Abgeschlagenheit, Fieber und Ohrenschmerzen sowie Rötung und Schwellung des Ohrs oder Ausfluss aus dem Ohr sind Anzeichen für eine solche Gehörgangsentzündung. Bei diesen Symptomen sollten Betroffene zügig eine Arztpraxis aufsuchen.

Was sollte man auf keinen Fall tun bei Wasser im Ohr?

Es gibt viele gute Methoden, um Wasser aus dem Ohr zu entfernen – aber auch einige, die das Problem verschärfen können.

  • Fremdkörper in den Gehörgang einführen: Es sollte nicht versucht werden, die Flüssigkeit mit Wattestäbchen oder festen Gegenständen wie Haarnadeln und Büroklammern zu entfernen. Diese können den Gehörgang schädigen oder Trommelfellverletzungen verursachen und Ohrenschmalz zurückschieben, sodass sich ein Pfropf bildet.
  • Ohrenschmalz entfernen: Solange sich kein Pfropf aus Ohrenschmalz gebildet hat, sollte Ohrenschmalz nicht entfernt werden. Es bildet eine dünne Schicht, die den Gehörgang auskleidet und vor Feuchtigkeit und Infektionen schützt. Kommt es einmal doch zu einer Anhäufung von Ohrenschmalz, kann eine fachgerechte Ohrreinigung Abhilfe schaffen.
  • Ohrentropfen nutzen ohne ärztlichen Rat: Es gibt ohrenschmalzlösende Ohrentropfen aus der Apotheke, die bei Wasser im Ohr aufgrund eines Schmalzpfropfens Abhilfe verschaffen sollen. Vor der Anwendung sollten Sie aber in jedem Fall mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen, denn bei Entzündungen oder einem beschädigten Trommelfell sollte auf die Anwendung verzichtet werden. Gleiches gilt, wenn sich ein Paukenröhrchen im Trommelfell befindet. Das ist eine kleine Röhre, die die Belüftung des Mittelohrs gewährleisten soll, beispielsweise nach dem Ablassen eines Paukenergusses (Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr). 

Was passiert, wenn Wasser zu lange im Ohr bleibt?

Vorübergehend ein bisschen Wasser im Ohr, das ist meist harmlos. Doch bleibt es zu lange im Gehörgang, kann es unangenehm werden: Das feuchtwarme Klima im Gehörgang bietet ideale Bedingungen für Pilze oder Bakterien wie Pseudomonas oder Staphylokokken. Die Folge kann eine Entzündung des äußeren Gehörgangs sein, medizinisch Otitis externa oder auch Badeotitis genannt. Typischerweise kommt es dann zu Ohrenschmerzen und gedämpftem Hören. Auch eine Rötung der Ohrmuschel und Ausfluss aus dem Ohr sind möglich.

Vor allem beim Schwimmen in Seen oder Pools mit fragwürdiger Wasserqualität steigt das Risiko für eine Gehörgangsentzündung. Und eine niederländische Studie zeigte: Selbst bei offiziell unbedenklicher Wasserqualität ist das Risiko für eine Badeotitis beim Baden in Süßwasserseen bis zu 15-fach erhöht.

Junges Paar springt von einem Steg in einen See

Verbleibt das Wasser im Ohr, kann es zu einer Gehörgangsentzündung kommen. Nach dem Schwimmen in Gewässern wie Badeseen kann das Risiko erhöht sein. 

Wer ist besonders gefährdet?

Kleine Verletzungen des Gehörgangs durch Wattestäbchen oder übermäßige, unsachgemäße Reinigung führen zu einem erhöhten Risiko für eine Gehörgangsentzündung. Ebenso sind Menschen mit Hautproblemen wie Ekzemen, mit Diabetes mellitus oder einem schwachen Immunsystem anfälliger für eine Gehörgangsentzündung. Insbesondere bei diesen Personengruppen kann sich die Entzündung auf die umliegenden Strukturen wie Knochen und Weichteile ausbreiten und ernsthafte Komplikationen hervorrufen. In sehr seltenen Fällen kann sich die Entzündung auch bis auf den Schädelknochen ausdehnen und Nerven oder das Gehirn betreffen. Dies stellt dann eine lebensbedrohliche Situation dar.

Wie verläuft eine Gehörgangsentzündung?

Gehörgangsentzündungen heilen in der Regel schnell, vor allem, wenn sie früh erkannt und behandelt werden. Zumeist reicht es, eine medizinische Ohrreinigung durchführen zu lassen und antibiotische Ohrentropfen zu verwenden. Bleibt die Entzündung jedoch unbehandelt, kann sie sich ausbreiten und eine systemische Antibiotikatherapie erforderlich machen, also einer Behandlung, die im ganzen Körper wirkt. Zudem besteht das Risiko bleibender Schäden. 

Das Beste ist also, Wasser im Ohr möglichst rasch zu entfernen und so weiteren möglichen Komplikationen vorzubeugen.

Literatur und weiterführende Informationen

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