Eine junge Frau liegt mit Bauchschmerzen auf dem Sofa
Allergie

Anaphylaktischer Schock: Symptome erkennen und im Notfall richtig handeln

Lesedauer weniger als 5 Min

Redaktion:

Dr. med. Madeleine Vinnemeier (Medical Writer, Content Fleet GmbH)

Qualitätssicherung:

Dr. rer. nat. Clara Neuhaus (Molekularbiologin, Content Fleet GmbH)

Anaphylaktischer Schock im Überblick

Was ist ein anaphylaktischer Schock?

Bei einem anaphylaktischen Schock handelt es sich um eine allergische Sofortreaktion. Sie kann den gesamten Organismus erfassen und zu einem Schock mit Kreislaufstillstand führen. 

Was sind die Auslöser für einen allergischen Schock?

Häufige Auslöser einer anaphylaktischen Reaktion sind Bienen- und Wespengift, Nahrungsmittel und Medikamente. Bei Kindern sind es eher Nahrungsmittel, bei Erwachsenen Insektengifte.

Was ist im Notfall zu tun?

Wenn sich bei einer Person mit bekannter Allergie Symptome wie Atemnot, Juckreiz, Schwellungen der Haut und Übelkeit zeigen, ist es wichtig, zügig Erste Hilfe zu leisten und den Rettungsdienst zu alarmieren.

Plötzlich juckt die Haut, wird rot, schwillt an. Kurz darauf wird das Atmen schwer, der Kreislauf bricht ein. Ein anaphylaktischer Schock entwickelt sich oft innerhalb weniger Minuten und ist ein medizinischer Notfall. Zu wissen, woran du ihn erkennst und was jetzt zu tun ist, kann im Ernstfall entscheidend sein.

Was ist ein anaphylaktischer Schock?

Ein anaphylaktischer Schock ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion.

Dabei reagiert der Körper gleichzeitig an mehreren Stellen:

  • Haut
  • Atemwege
  • Kreislauf
  • Magen-Darm-Trakt

Bei einer solchen allergischen Sofortreaktion reagiert das Immunsystem besonders heftig auf normalerweise harmlose Stoffe und schüttet entzündungsfördernde Botenstoffe aus, besonders Histamin. Die Reaktion kann sich schnell verschlimmern und lebensbedrohlich werden.

Was kann einen anaphylaktischen Schock auslösen?

Ein anaphylaktischer Schock entsteht durch den Kontakt mit einem Allergen. 

Die Ursache für einen anaphylaktischen Schock ist die fehlgesteuerte Immunreaktion auf eigentlich harmlose Substanzen wie Nahrungsmittel oder Insektengifte. Auf diese Auslöser, die Allergene, reagiert das Immunsystem innerhalb von wenigen Sekunden oder Minuten mit einer Entzündungsreaktion, die lebensbedrohlich sein kann.

Typische Auslöser sind:

Ein Mädchen kratzt ihren Hautausschlag

Insektengifte gehören zu den häufigsten Auslösern für einen anaphylaktischen Schock.

 

Symptome: So erkennst du einen anaphylaktischen Schock

Die Beschwerden können unterschiedlich beginnen, entwickeln sich aber oft schnell.

Typisch ist, dass mehrere Symptome gleichzeitig auftreten.

Erste Anzeichen

  • Juckreiz, oft an Handflächen und Fußsohlen
  • Hautreaktionen wie Rötungen oder Quaddeln
  • Schwellungen, z. B. an Lippen oder Augenlidern

Weitere Symptome

  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • Heiserkeit
  • Atemnot

Schwere Reaktion

  • starke Atemprobleme
  • Kreislaufprobleme
  • Bewusstseinsstörungen

Entscheidend:
Die Symptome können sich rasch verschlimmern, deshalb zählt jede Minute für Hilfe.

Aber, es gibt auch Verläufe, bei denen die Symptome verzögert und nicht sofort auftreten. Bei der Fleischallergie beispielsweise beginnen die Symptome erst Stunden nach dem Verzehr von rotem Fleisch. Auch bei der weit verbreiteten Erdnussallergie beträgt die Zeit vom Verzehr bis zum Auftreten der Symptome oft fast eine Stunde.

Was passiert im Körper?

Bei einem anaphylaktischen Schock reagiert das Immunsystem extrem stark auf einen Auslöser.

Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die:

  • Gefäße erweitern
  • den Blutdruck beeinflussen
  • Entzündungsreaktionen auslösen

Das führt dazu, dass mehrere Organsysteme gleichzeitig betroffen sind.

Was tun im Notfall?

Wenn du den Verdacht auf einen anaphylaktischen Schock hast:

1. Sofort den Notruf wählen

112 anrufen

Nicht abwarten, auch bei ersten Anzeichen.

2. Betroffene Person nicht allein lassen

  • ruhig bleiben
  • beruhigend sprechen
  • beobachten, wie sich die Symptome entwickeln
  • Atmet die Person nicht mehr und weist keinen Puls auf: sofort Reanimation starten

3. Notfallmedikamente einsetzen (wenn vorhanden)

Betroffene die ihre Allergien kennen,  können ein Notfallset bei sich tragen.

Typisch enthalten:

  • Antihistaminikum
  • Kortison
  • Adrenalin-Autoinjektor
  • ggf. ein bronchienerweiterndes Spray

Diese Medikamente können die Reaktion abschwächen oder im Ernstfall lebensrettend sein.

Eine Frau kauft etwas in der Apotheke

Ein Notfallset aus der Apotheke kann Betroffenen bei einem allergischen Schock das Leben retten.

So wird das Notfallset eingesetzt: 

Adrenalin injizieren: Drücke den Autoinjektor aus dem Notfallset an die Außenseite des Oberschenkels (gegebenenfalls auch durch leichte Kleidung hindurch) und betätige den Auslöseknopf. Halte den Injektor noch für weitere 10 Sekunden an den Oberschenkel. 

  1. Richtig lagern: Hat die betroffene Person Atemnot, setz sie aufrecht hin. Hat sie Kreislaufbeschwerden, leg sie hin. Bring sie bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage.
  2. Notruf absetzen: 112 wählen und die Rettungskräfte informieren.
  3. Weitere Medikamente aus dem Notfallset einsetzen: Entsprechend der Anleitung im Notfallset weitere Notfallmedikamente wie ein Antihistaminikum oder Kortison geben.

4. Auf Symptome achten

Auch wenn sich der Zustand verbessert: unbedingt weiter beobachten und den Notarzt oder die Notärztin abwarten. Die Beschwerden können erneut auftreten.

Warum schnelle Hilfe so wichtig ist

Ein anaphylaktischer Schock kann:

  • den Kreislauf stark beeinträchtigen
  • die Atmung blockieren
  • lebensbedrohlich werden

Deshalb gilt:
Lieber einmal zu früh handeln als zu spät.

Häufige Fragen und Antworten zu Anaphylaktischer Schock

Ein anaphylaktischer Schock ist eine akute, schwere allergische Reaktion, bei der das Immunsystem extrem überreagiert und innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohliche Beschwerden verursacht. Ohne schnelle Hilfe kann er zum Kreislauf- und Atemstillstand führen.
Auslöser sind oft Nahrungsmittel (z. B. Erdnüsse, Nüsse, Fisch), Insektengifte (Bienen, Wespen), Medikamente oder andere Allergene. Die Reaktion kann auch dann auftreten, wenn zuvor „nur“ eine Allergie bestand.

Typische Zeichen können sein:

  • Atemnot oder Engegefühl in der Brust
  • Schwellungen von Lippen, Zunge oder Rachen
  • starker Juckreiz, Hautrötungen, Nesselsucht (Urtikaria)
  • Schwindel, Blutdruckabfall, Herzrasen
  • Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
    Diese Symptome treten meist plötzlich nach Allergenexposition auf und können schnell lebensbedrohlich werden.
Ein anaphylaktischer Schock kann Sekunden bis Minuten nach dem Kontakt mit dem auslösenden Allergen beginnen. Darum ist es wichtig, potentielle Auslöser zu kennen und schnell zu reagieren.
Die erste und wichtigste Maßnahme ist die sofortige Gabe von Adrenalin, z. B. mit einem Autoinjektor. Danach muss dringend der Notruf (112) abgesetzt und medizinische Hilfe angefordert werden. Weitere Maßnahmen umfassen die Stabilisierung der Atmung und des Kreislaufs durch Rettungskräfte.
Ein Adrenalin-Autoinjektor ist ein Notfallmedikament, das im Notfall sofort angewendet wird, wenn ein anaphylaktischer Schock vermutet wird, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Er wirkt, indem er die Atemwege erweitert und den Blutdruck stabilisiert.
Vorbeugung bedeutet primär: den auslösenden Stoff meiden. Bei bekannter schwerer Allergie sollte ein Notfallset inklusive Adrenalin-Autoinjektor immer dabei sein und Betroffene sollten geschult sein, wie und wann es anzuwenden ist.
  • Rufen Sie sofort den Notruf (112)
  • Adrenalin-Autoinjektor anwenden, falls vorhanden
  • Die betroffene Person beruhigen und Atemwege freihalten
  • Bei Verlust des Bewusstseins mit Reanimation beginnen, wenn Sie dazu ausgebildet sind.
    Diese schnelle Erste Hilfe kann lebensrettend sein.
Ja, gerade bei wiederholtem Kontakt mit dem Allergen besteht das Risiko erneuter starker Reaktionen. Ein striktes Meiden bekannter Auslöser und ein Notfallplan sind deshalb sinnvoll.

Weiterführende Informationen

Literatur

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