Asexualität: Ein junges Paar sitzt daheim auf einem Sofa und liest gemeinsam
Sexualität

Asexuell: Wenn sexuelle Anziehung einfach keine Rolle spielt

Lesedauer weniger als 8 Min
Redaktion:
Melanie Khoshmashrab (Medical Writer, Content Fleet GmbH)
Qualitätssicherung:
Dr. med. Ewgenia Stenmans (Neurologin, Assistenzärztin für Psychiatrie)

Asexualität: Der Quick-Check

Karussell mit 3 Elementen
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Ganz normale Orientierung

Asexuell zu sein, heißt, kein oder ein nur geringes Interesse an sexuellen Beziehungen zu empfinden. Das ist nichts, was „geheilt“ werden muss. 
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Nicht bloß eine Phase

Viele kennen das: Mal ist Sex komplett Nebensache, mal läuft das Thema auf Dauerschleife. Asexualität hingegen beschreibt, wie du sexuelle Anziehung grundsätzlich erlebst.
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Liebe geht klar

Viele asexuelle Menschen daten, verlieben sich und führen Beziehungen. Nähe muss nicht nur über Sex laufen. Es kann auch Kuscheln, gemeinsame Zeit oder Romantik sein.

Im Gruppenchat geht’s schon wieder um Hook-ups. Du scrollst mit und denkst dir: Warum fühle ich das nicht? Warum ist Sex für mich nicht so wichtig? Mit diesen Gedanken bist du nicht allein. Was es bedeutet, asexuell zu sein.

Gefühle einordnen: Selbst-Check Asexualität

Selbst mit deinem größten Crush wolltest du nur kuscheln. Dein perfektes Date? Bis spät in die Nacht reden, unterwegs sein, lachen. Und am Ende fehlt dir nichts.

Vielleicht hast du dich schon gefragt, ob das, was du empfindest, normal ist. Oder warum andere ständig über Sex sprechen, du aber wenig damit anfangen kannst.

Ein Test zum Thema Asexualität liefert darauf keine eindeutige Antwort. Sexuelle Orientierung passt in keine Schablone. Aber es kann helfen, wenn du weißt, welche Erfahrungen viele asexuelle Menschen teilen.

Vielleicht erkennst du dich hier wieder:

  • Du verliebst dich oder fühlst dich zu anderen hingezogen, aber sexuelle Anziehung bleibt oft aus.
  • Dating fühlt sich spannend an, aber um Sex geht es dir dabei nicht.
  • Gespräche über Hook-ups wirken manchmal wie ein Hype, den du nicht nachvollziehen kannst.
  • Nähe, Vertrauen oder Kuscheln fühlen sich für dich wichtiger an als Sexualität.

Wichtig: Selbst wenn einiges davon zutrifft, muss das noch nicht heißen, dass du asexuell bist.

Aber manche Menschen finden erst spät Worte für das, was sie schon lange spüren. Lange Zeit gab es zu wenig Awareness dafür, wie vielfältig Liebe wirklich ist. Deshalb lohnt es sich, Asexualität wirklich zu verstehen.

Kein Sex, kein Problem: Was Asexualität nicht ist

  • Keine Störung: Asexualität ist eine sexuelle Orientierung und nichts, das behandelt oder „geheilt“ werden muss.
  • Keine Entscheidung: Asexuell zu sein, ist weder ein Versprechen noch eine moralische Haltung. Auch sexuelle Enthaltsamkeit aus religiösen Gründen ist etwas anderes.
  • Nicht nur ein Moment: Stress, Medikamente oder besondere Lebensumstände können die Lust vermiesen. Asexualität bedeutet, grundsätzlich wenig bis keine sexuelle Lust zu fühlen.
  • Nicht automatisch Angst vor Nähe: Menschen können aus ganz unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten mit Intimität haben. Asexualität allein ist jedoch kein Symptom von Angst oder einem Trauma.
  • Kein No-Go für Beziehungen: Viele asexuelle Menschen finden Erfüllung in Beziehungen ohne Sex, die auf anderen Arten der Anziehung basieren.

Video: Asexualität – wenn alle es fühlen außer dir

In diesem Video geht es um das Ace-Spektrum, sexuelle und romantische Anziehung und darum, warum Asexualität keine Krankheit oder „Phase“ ist. Mehr Videos gibt’s auf unserem YouTube-Kanal Good Habits

Liebe in Vielfalt: Wie Asexualität aussehen kann

Das Wort Asexualität klingt nach einer klaren Anti-Orientierung. Aber tatsächlich ist Asexualität ein Spektrum und ziemlich bunt.

Viele asexuelle Menschen nennen sich selbst Aces, was eine englische Kurzform für Asexualität ist. Manche von ihnen erleben gar keine sexuelle Anziehung, andere selten oder nur in bestimmten Situationen.

Asexualität: Zwei junge Männer schlafen

Asexualität ist ein vielfältiges Spektrum mit ganz unterschiedlichen Orientierungen. 

Das kann Asexualität bedeuten:

  • Nähe gibt’s in vielen Formen: Füreinander da zu sein, sich gemeinsam einzukuscheln, Geheimnisse oder das Lieblingshobby zu teilen – all das kann wichtiger sein als Sex.
  • Liebe geht trotzdem: Asexuell zu sein, ist kein Widerspruch zu Dating-Apps und Kennenlernphasen. Viele asexuelle Menschen verlieben sich oder führen Beziehungen.
  • Sex muss kein No-Go sein: Manche Aces masturbieren, manche haben nur Sex in Beziehungen, andere gar nicht. Wenn Lust da ist, ist sie total individuell. Wie bei Menschen, die nicht asexuell sind.
  • Kinder und Familie sind möglich: Einige asexuelle Menschen spüren zwar gar keine sexuelle Anziehung, möchten aber trotzdem eine Familie gründen.

Vorurteile: Damit sind asexuelle Menschen konfrontiert

Im Gruppenchat schickt schon wieder jemand Celebrity Thirst Traps. Niemand versteht, warum dich das so gar nicht juckt. Und nach dem Feiern kommt natürlich wieder ein Spruch, weil du – freiwillig und eigentlich happy – allein nach Hause gehst.

In einer Welt, in der sich vieles wie selbstverständlich um Sex dreht, gibt es zu Asexualität viele Missverständnisse.

Viele Aces erleben dadurch Druck oder werden mit Vorurteilen konfrontiert. Aber nicht ihre Asexualität ist das Problem, sondern Unwissen und fehlende Sensibilität.

Welche Sätze Asexuelle nicht mehr hören können

  • „Du hast nur noch nicht die richtige Person getroffen.“ 
  • „Das ist bestimmt nur eine Phase.“ 
  • „Mach eine Therapie.“ 
  • „Du hast einfach zu wenig Lust.“ 
  • „Du kannst so doch keine Beziehung führen.“

Solche Aussagen sind nicht nur nervig, sondern auch falsch. Sie können ganz schön verletzen.

So kannst du als Ace mit Vorurteilen umgehen

Vorurteile können verdammt anstrengend sein. 

Wichtig zu wissen: Du musst weder deine Orientierung beweisen noch auf jede Diskussion eingehen.

  • Grenzen setzen: Ein einfaches „So fühlt es sich für mich an“ reicht oft völlig aus. Du entscheidest selbst, wem du etwas erklären möchtest.
  • Gleichgesinnte finden: Du bist mit deinen Gefühlen nicht allein. Der Austausch mit anderen asexuellen Menschen kann Orientierung geben und dich stark machen. Die bekannteste Plattform ist das Asexuality Visibility and Educational Network, kurz AVEN. Einen deutschen Ableger der Website mit Informationen und Mitgliederforum gibt es seit 2005.

So unterstützt du asexuelle Menschen

Vielleicht hat sich jemand in deinem Freundeskreis als asexuell geoutet und du fragst dich: Wie gehe ich damit gut um?

Hier ist dein Wegweiser:

Zuhören statt ausfragen: Du schaffst Vertrauen, indem du zuhörst. Sätze wie „Bist du dir sicher?“ oder „Vielleicht ändert sich das noch“ wirken, als würdest du die Person nicht ernst nehmen.

Grenzen respektieren: Nicht jede oder jeder möchte über Dating, Beziehungen oder Sexualität sprechen und das ist völlig okay.

Aufklärung fördern: Die beste Waffe gegen Vorurteile ist Wissen. Indem du Informationen verbreitest, hilfst du, das Leben für Aces leichter zu machen.

Beziehungen: So kann asexuelle Liebe aussehen

Asexuell sein und trotzdem Nähe suchen, Romantik lieben und diese eine Person finden wollen? Ja, das passt zusammen! Viele asexuelle Menschen wünschen sich Bindung, Vertrauen und all die Dinge, die eine Beziehung so schön machen können.

Wenn du dir gerade Gedanken machst, ob dein Partner oder deine Partnerin asexuell sein könnte, hilft es, darüber zu sprechen. Never forget: Du kannst anderen nicht in den Kopf schauen.

Probiert stattdessen, offen an die Sache heranzugehen. Was wünscht ihr euch in der Beziehung? Wie erlebt ihr Nähe?

Kein Stress: Du liebst auf deine Weise

Wenn du dich als asexuell wiedererkennst, bist du nicht krank und nicht „kaputt“. Asexualität ist eine sexuelle Orientierung wie alle anderen. Du bist damit nicht allein.

Deine Sexualität geht nur dich etwas an. Und natürlich dein Date, deine Partnerin oder deinen Partner, falls da noch jemand ist. Du darfst dich mit dir wohlfühlen. Denn du bist genau so richtig, wie du bist.

Asexuell: Häufige Fragen und Antworten

Asexuell zu sein, bedeutet, wenig bis keine sexuelle Anziehung zu anderen Menschen zu verspüren. Das Interesse an Sex ist bei asexuellen Personen nicht oder nur gering vorhanden. Dabei handelt es sich nicht um eine Krankheit oder etwas, das therapiert werden müsste. Asexualität ist eine normale Form sexueller Orientierung. Viele asexuelle Menschen bezeichnen sich auch als Aces, was eine englische Kurzform für Asexualität ist.
Asexualität ist klar als sexuelle Orientierung zu verstehen und nicht als Mangel oder Defizit. Sie beschreibt die grundsätzliche Art und Weise, wie eine Person sexuelle Anziehung erlebt oder eben nicht erlebt. Es handelt sich dabei nicht um eine Funktionsstörung, die behandelt werden müsste. Im Gegensatz zu vorübergehender Lustlosigkeit ist Asexualität ein dauerhaftes Empfinden. Sie ist genauso normal wie jede andere sexuelle Orientierung.
Der zentrale Unterschied liegt in der Dauerhaftigkeit und den Ursachen. Lustlosigkeit kann durch Faktoren wie Stress, Medikamente und besondere Lebensumstände zeitweise auftreten. Asexualität hingegen beschreibt, wie jemand sexuelle Anziehung grundsätzlich wahrnimmt. Während Lustphasen bei vielen Menschen schwanken können, geht es bei Asexualität um die fundamentale Erfahrung sexueller Anziehung.
Es gibt keine Checklisten, nach denen Asexualität eindeutig bestimmt werden kann. Sexuelle Orientierung lässt sich nicht in eine starre Schablone pressen. Die Erfahrung, wenig bis keine sexuelle Anziehung zu empfinden, ist bei Asexualität zentral. Wie bei jeder sexuellen Orientierung gibt es ein Spektrum mit vielfältigen Ausprägungen. Letztlich entscheidest du selbst, ob diese Beschreibung zu deinen Erfahrungen passt.
Du kannst nicht in den Kopf deines Partners oder deiner Partnerin schauen, daher ist das offene Gespräch der beste Weg. Es hilft, gemeinsam zu besprechen, wie ihr beide Nähe erlebt und was ihr euch in der Beziehung wünscht. Achte darauf, nicht nur auf Vermutungen zu setzen, sondern wirklich miteinander zu reden. Ein respektvoller Austausch über Bedürfnisse und Grenzen schafft Klarheit. Nur dein Partner oder deine Partnerin selbst kann dir sagen, wie er oder sie seine oder ihre Orientierung erlebt.
Ja, absolut. Für viele asexuelle Menschen sind romantische Beziehungen durchaus wichtig und erfüllend. Nähe kann auf vielfältige Weise erlebt werden: durch Kuscheln, gemeinsame Zeit, Vertrauen oder romantische Gesten. Zahlreiche Aces, so die Selbstbezeichnung vieler asexueller Personen, daten, verlieben sich und führen langfristige Partnerschaften. Die Bindung basiert dabei auf anderen Formen der Zuneigung als sexueller Anziehung. Eine erfüllte Beziehung braucht nicht zwingend Sex als zentrale Komponente.
Ja. In der Langform LGBTQIA+ steht das A für asexuell. Allerdings gibt es bis heute Missverständnisse, Diskussionen und verschiedene Meinungen zur Zugehörigkeit asexueller Menschen. 

Weiterführende Informationen

Literatur

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