Gesund abnehmen

Hartnäckige Diät-Mythen auf dem Prüfstand - stimmen Sie tatsächlich?

Lesedauer unter 4 Minuten
Tischplatte mit Lebensmitteln

Autor

  • Internetredaktion Barmer

Qualitätssicherung

  • Micaela Schmidt (Diplom-Ökotrophologin, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Abnehmen zählt bei vielen Menschen zu den Vorsätzen, die man immer wieder fasst. Doch welcher Weg ist der richtige zur Wunschfigur? Nicht jede Diät bringt auch wirklich den gewünschten Effekt. Einige Diät-Mythen halten sich dabei hartnäckig und stehen daher hier auf den Prüfstand.

Abnehmen kann man nur, wenn man dem Körper weniger Kalorien zuführt als er verbraucht. Bei vielen Diäten wird die Energiezufuhr jedoch auf die Hälfte reduziert und liegt unter 1.000 Kalorien am Tag. Hierbei verliert man zwar in kurzer Zeit relativ viel Gewicht. Es handelt sich aber nur um wenig Fettgewebe. Denn der Körper verliert größtenteils Wasser und baut Muskelprotein ab. Womit wir beim ersten Diät-Mythos sind:

Diät-Mythos 1: Schnelle Diäten machen schlank

Diäten, die eine sehr schnelle Gewichtsabnahme versprechen, sind mit Vorsicht zu genießen. Sie sind zwar kurzfristig effektiv und sorgen für einen Motivationsschub, aber oft auch einseitig und gefährden dadurch die ausgewogene Versorgung mit Nährstoffen. Schnelles Abnehmen erhöht zudem das Risiko für den sogenannten Jojo-Effekt, die erneute Gewichtszunahme. Wer mehr als zwei bis drei Kilogramm abnehmen möchte, sollte seine Ernährung überprüfen und möglichst dauerhaft umstellen. Damit wird zwar nur eine Gewichtsabnahme von 0,5 bis ein Kilogramm pro Woche erreicht. Dafür ist der Erfolg langfristig sichtbar.

Diät-Mythos 2: Kohlenhydrate sind schlecht für die Figur

Kohlenhydrate stehen schon länger in Verruf, Dickmacher zu sein. Daher propagieren Low-Carb-Anhänger dafür, auf kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot, Nudeln, Reis oder Bananen – vor allem abends – am besten ganz zu verzichten. Doch darf man Kohlenhydrate nicht generell verteufeln, da unser Körper sie braucht, zum Beispiel das Gehirn in Form von Glucose. Es kommt daher auf die Qualität der Kohlenhydrate an. Vollkornprodukte oder Kartoffeln werden im Körper langsam aufgespalten, halten lange satt, fördern die Verdauung und schützen vor Erkrankungen wie Darmkrebs.

Diät-Mythos 3: Abends essen macht dick

Wer seine Hauptmahlzeit abends einnimmt, riskiert angeblich Gewichtszunahme. Dinner-Cancelling, also der Verzicht auf das Abendessen, macht hingegen schlank. Beides stimmt so nicht. Die Uhrzeit spielt beim Abnehmen eine untergeordnete Rolle. Es kommt vor allem darauf an, wie viele Kalorien wir über den Tag verteilt zu uns nehmen. Dennoch sollte man nicht zu kurz vorm Schlafen noch viel essen und darauf achten, was abends gegessen wird. Denn eine halbe, fettige Salamipizza kann der Körper schlechter verdauen als beispielsweise einen Fisch mit großem Salat und einer Vollkornbrotscheibe – obwohl beide Mahlzeiten ungefähr 500 Kalorien haben. Auch Dinner-Cancelling lässt die Kilos nicht automatisch purzeln, wenn tagsüber viel gegessen wurde. Zudem steigt dadurch die Gefahr von nächtlichen Heißhungerattacken. Die bessere Variante ist für viele, ein leichtes Abendessen zu genießen und nach einem Abendspaziergang schlafen zu gehen.

Diät-Mythos 4: Fette machen fett

Beim Abnehmen muss man nicht generell auf Fett im Essen verzichten. Wer abnehmen möchte, sollte aber die Fettqualität seiner Ernährung besonders unter die Lupe nehmen. Empfehlenswert sind pflanzliche Öle wie natives Olivenöl oder Sojaöl, da sie gesunde Fettsäuren und Vitamin E enthalten. „Versteckte“ Fette gilt es dagegen eher zu meiden. Anstelle von Cordon Bleu mit Pommes und Mayonnaise ist also ein unpaniertes Hähnchenschnitzel mit Ofenkartoffel, Halbfettquark und Salat besser. Übrigens ist die Kombination aus gesunden Fetten und Eiweiß ein ideales Team für die schlanke Linie, denn dies macht lange satt, kurbelt den Stoffwechsel an und sorgt für vollen Geschmack. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Avocado-Dip zu Gemüse-Sticks, Lachs mit Grillgemüse oder einem Gurkensalat zum Steak? Sie können die Gerichte auch gut mit hochwertigen Kohlenhydraten ergänzen.

Diät-Mythos 5: Fruchtzucker macht weniger dick

Das Gerücht, dass Fruchtzucker weniger Kalorien enthält als Haushaltszucker, hält sich hartnäckig. Es ist jedoch falsch. Mit Fruchtzucker versetzte Lebensmittel machen genauso dick. Der einzige Unterschied ist, dass der Körper Fruchtzucker ohne Insulin verarbeiten kann: Bei vielen löst Obst daher im Gegensatz zu Schokolade keinen Heißhunger aus. Doch selbstverständlich ist Obst gesünder als Süßes und sollte – trotz Zuckergehalt – immer mit auf dem Diätplan stehen.

Diät-Mythos 6: Light-Produkte machen schlank

Light-Lebensmittel müssen gemäß ihrer Definition 30 Prozent weniger Fett oder Zucker als das Originalprodukt enthalten. Das bedeutet aber nicht, dass hier auch 30 Prozent weniger Kalorien enthalten sind und man davon automatisch abnimmt. Denn bei fettreduzierten Lebensmitteln wird das fehlende Fett gerne durch Süße ersetzt, um den Geschmacksverlust auszugleichen. Hinzu kommt, dass man von den „leichten“ Produkten oft mehr isst – und am Ende dann mehr Kalorien zu sich nimmt, als man es mit dem normalen Produkt getan hätte. Daher ist es wichtig, auch bei Light-Produkten immer auf die Nährwertangaben und Portionen zu achten.

Bewegung hilft beim Abnehmen

Wer weniger isst, nimmt oft auch weniger Nährstoffe zu sich: Hier liegen weiterhin die Tücken jeder Diät. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher eine Kombination aus Ernährungsumstellung, Verhaltensänderung und Steigerung der körperlichen Aktivität, um langfristig abzunehmen. Eine vollwertige Ernährung und ca. 30 bis 60 Minuten Bewegung pro Tag helfen, Gewicht zu verlieren. Bei der Lebensmittelauswahl ist die Energiedichte ein nützliches Merkmal: Basis der täglichen Ernährung sollten Lebensmittel bis 225 Kalorien pro 100 Gramm sein. Dazu zählen vor allem Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und magere Fleischsorten.

Schwangere oder chronisch Kranke sollten immer vorher mit ihrem Arzt sprechen, wenn sie vorhaben, Gewicht zu verlieren oder eine Diät zu beginnen.

Quellenangaben

Webcode: s000946 Letzte Aktualisierung: 16.01.2019
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