Eine junge E-Sportlerin spielt an ihrem Computer.
E-Sport und Gaming

Gaming Booster: Alles über die Nahrungsergänzungsmittel

Lesedauer unter 9 Minuten

Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Verena Dost (Diplom-Biologin)
  • Dr. med. Martin Waitz (Arzt, medproduction GmbH)

Die Versprechen der Hersteller klingen vollmundig: Gaming Booster sollen die mentale Leistungsfähigkeit verbessern, die Reaktionsfähigkeit und Konzentration fördern. Zeit für einen genaueren Blick auf die Nahrungsergänzungsmittel. Welche Inhaltsstoffe stecken in den Pulvern, aus denen die Gaming-Booster-Getränke angemischt werden? Welche Wirkung ist nachweisbar? Und was unterscheidet einen Gaming Booster Drink von einem Energy Drink? Antworten finden Sie hier.

Was sind Gaming Booster?

Der Deutsche Gaming Markt boomt. Laut game, dem Verband der deutschen Games-Branche, ist der Spielemarkt im Jahr 2021 um 17 Prozent gewachsen – nach einem historischen Wachstumssprung von 32 Prozent in 2020. Das spiegelt sich auch in der Zahl an Gamerinnen und Gamern wider: Fast die Hälfte der Menschen hierzulande zockt Computer- und Videospiele, so die Ergebnisse einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom aus 2021. Da ist es naheliegend, dass die Lebensmittelindustrie Gamerinnen und Gamer als attraktive Zielgruppe ausgemacht und sogenannte Gaming Booster entwickelt hat. Dabei handelt es sich um Nahrungsergänzungsmittel in Pulverform. Gaming Booster sollen dafür sorgen, dass die Spielenden sich länger und besser konzentrieren können, und die Reaktionsschnelligkeit beim Gaming fördern. In Wasser aufgelöst, entsteht aus den Pulvern ein zumeist süßes Getränk. Gaming Booster gibt es in zig Geschmacksrichtungen – von Apfel, Kirsche und Wassermelone über Gummibärchen und Bubblegum bis zu Eistee.

Wichtig zu wissen: Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte, die Nährstoffe in konzentrierter Form enthalten. Sie sind daher mit Vorsicht zu genießen. Das gilt insbesondere für Jugendliche und Kinder, da Nahrungsergänzungsmittel für sie oft zu hoch dosiert sind. Zudem benötigen gesunde Kinder laut Verbraucherzentrale keine Nahrungsergänzung. Die Mittel stellen keinen Ersatz für eine gesunde, ausgewogene Ernährung dar, leistungssteigernde Effekte sind in den meisten Fällen wissenschaftlich nicht erwiesen. Eine Ausnahme stellt beispielsweise Koffein dar.

Welche Inhaltsstoffe finden sich typischerweise in Gaming Boostern?

Was steckt in den Gaming Booster-Drinks? Die Inhaltsstoffe variieren je nach Hersteller und Produkt. Zu den häufig verwendeten Substanzen zählen:

  • Koffein
  • Taurin
  • Aminosäuren (Bausteine von Eiweißen) wie L-Theanin und L-Tyrosin
  • Pflanzenextrakte aus Rosenwurz
  • Zucker und/oder Süßungsmittel
  • Natürliche und/oder künstliche Aromen

Den meisten Nahrungsergänzungsmitteln sind zusätzlich Vitamine beigemischt, einigen auch Mineralstoffe. 

Wie wirken Gaming Booster?

Neben Zucker oder Süßungsmitteln und Aromen enthalten Gaming Booster Inhaltsstoffe, die sich positiv auf das Nerven- und Kreislaufsystem auswirken sollen. Dazu zählen insbesondere Koffein, Taurin sowie einige Aminosäuren und Pflanzenextrakte. Für manche Inhaltsstoffe sind die gewünschten Wirkungen wissenschaftlich belegt, für andere nicht oder nicht ausreichend. Was also bringen Gaming Booster im Hinblick auf ihre Inhaltsstoffe? 

Koffein: Es ist wissenschaftlich belegt, dass Koffein das zentrale Nervensystem stimuliert und in moderaten Dosen konsumiert die Wachsamkeit erhöht beziehungsweise das Müdigkeitsgefühl verringert. Neben reinem Koffein verwenden einige Anbieter von Gaming Boostern auch natürliches, beispielsweise aus einem Extrakt aus grünem Tee oder Guarana, das aus den Samen eines im Amazonasgebiet beheimateten Gewächses gewonnen wird. Die stimulierende Wirkung von Koffein setzt in der Regel 15 bis 30 Minuten nach der Einnahme ein.

Taurin: Viele Anbieter von Gaming Boostern verwenden das Abbauprodukt der Aminosäuren Cystein und Methionin und werben damit, dass Taurin die geistige Leistungsfähigkeit steigern würde. Einen Nachweis für diese Wirkung gibt es nicht. Die bisherige Studienlage ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) widersprüchlich. Die Untersuchungen seien oft von geringer wissenschaftlicher Qualität. Einige Studien deuten darauf hin, dass Taurin die Wirkung von Koffein verstärken kann. Aber das ist nicht eindeutig wissenschaftlich belegt.

Aminosäuren und Pflanzenextrakte: Den Anbietern zufolge sollen die Aminosäuren L-Theanin und L-Tyrosin insbesondere die Aufmerksamkeit erhöhen und die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern. Dem Pflanzenextrakt Rosenwurz wird nachgesagt, in Stresssituationen Müdigkeit zu verringern. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) können diese Zusammenhänge jedoch nicht wissenschaftlich bewiesen werden – weder für die genannten Aminosäuren noch für Rosenwurz. In Deutschland sind Rosenwurzextrakte als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Aus Tagesdosen von 100 bis 1.800 Milligramm Extrakt lässt sich laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kein Gefahrenpotenzial ableiten. Schwangere, Stillende sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten jedoch auf Rosenwurzextrakte verzichten, empfiehlt das BfR. Für diese Personengruppen liegen keine ausreichenden Daten vor. Bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion sei bei der Einnahme von Rosenwurzextrakten sogar besondere Vorsicht geboten, da keine hinreichenden Daten vorhanden seien.

Gibt es Gaming Booster ohne Koffein? 
Neben den koffeinhaltigen Gaming-Booster-Getränken verkaufen einige Hersteller auch sogenannte Vital Drinks oder Vitamin Drinks. Sie enthalten kein Koffein, sondern zumeist Aminosäuren und Taurin sowie eine Reihe an Vitaminen. In diesem Zusammenhang verweisen die Anbieter darauf, dass auch Aminosäuren und Taurin die mentale Leistungsfähigkeit fördern würden. Anders als für Koffein ist die Wirkung nicht wissenschaftlich belegt.

Warum ist Vorsicht vor zu viel Koffein geboten?

Spielerinnen und Spieler mischen sich die Energy Gaming Booster selbst an. Die Hersteller geben genau an, wie viel Gramm Pulver in welcher Menge Wasser aufzulösen ist. Typische Mengenverhältnisse für eine Portion sind fünf bis zehn Gramm Pulver, aufgelöst in 500 Milliliter Wasser. Der Koffeingehalt variiert. Einige Getränke liefern bis zu 250 Milligramm Koffein pro Portion. Zum Vergleich: 250 Milliliter eines Energy Drinks enthalten durchschnittlich 80 Milligramm Koffein. Hochgerechnet auf 500 Milliliter entspricht das 160 Milligramm Koffein. 

So viel Koffein sollte höchstens konsumiert werden

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft Einzeldosen von bis zu 200 Milligramm Koffein – etwa drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht – bei gesunden Erwachsenen und Jugendlichen als unbedenklich ein. Die 200 Milligramm beziehen sich auf einen etwa 66 Kilogramm schweren Menschen. Das bedeutet: Je niedriger das Körpergewicht ist, desto geringer die maximal empfohlene Einzeldosis Koffein. Bei einem Körpergewicht von 50 Kilogramm liegt sie demnach bei 150 Milligramm.  

Wichtig: Bei Kindern und Jugendlichen ist eine gesunde Ernährung besonders wichtig. In dieser Gruppe kann ein hoher Koffeinkonsum sogar das Gegenteil des gewünschten Aufputscheffekts bewirken: Sie können schläfrig werden.

Mögliche Nebenwirkungen von zu viel Koffein

Das Koffein in den Gaming Boostern soll die mentale Leistungsfähigkeit fördern. Doch kann zu viel Koffein in Gaming Boostern auch zu Nebenwirkungen führen? Ein hoher Koffeinkonsum kann tatsächlich mit unerwünschten Nebenwirkungen einhergehen. Dazu zählen unter anderem:

  • Erhöhte Nervosität und Erregbarkeit
  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • Schlaflosigkeit

Bei Kindern können aufgrund des niedrigeren Körpergewichts bereits niedrige Mengen an Koffein spürbare Effekte haben. Werden regelmäßig größere Mengen an Koffein konsumiert, kann das sogar gesundheitsschädlich sein. Herzkreislaufprobleme wie erhöhter Blutdruck können auftreten. Zudem besteht bei starkem Koffeinkonsum die Gefahr der Abhängigkeit.  

Gibt es gesetzliche Höchstmengen für Koffein?
Für Energy Drinks ist in Deutschland gesetzlich festgelegt, wie viel Koffein enthalten sein darf. Die Fruchtsaft-, Erfrischungsgetränke- und Teeverordnung schreibt als maximal zulässige Menge pro Liter 320 Milligramm vor. Da die Hersteller ihre Gaming Booster zumeist als Nahrungsergänzungsmittel deklarieren, greift diese Regelung in den meisten Fällen nicht.

Sind Gaming Booster die gesünderen Energy Drinks?

Gaming Booster versus Energy Drinks – wo sind die Unterschiede? Die Inhaltsstoffe Koffein, Taurin, Zucker oder Süßungsmittel und künstliche Aromen sind in der Regel sowohl in Energy Drinks als auch in Gaming Boostern zu finden. Dennoch werben viele Anbieter damit, dass Gaming Booster die gesündere Alternative seien. Eines der Hauptargumente ist, dass sie weniger Zucker und damit weniger Kalorien enthalten würden. Viele Gaming Booster sind teilweise oder ausschließlich mit Süßungsmitteln versetzt und dadurch in der Tat recht kalorienarm. Einige Getränke liefern pro Portion gerade einmal 25 Kilokalorien. Eine gesündere Alternative sind sie deshalb jedoch nicht unbedingt, da auch Süßungsmittel, vor allem bei hohem Konsum, die Gesundheit beeinträchtigen können.

Langanhaltende Energie vs. Energieschub

Typisch für Energy Drinks mit Zucker ist, dass die gewünschte aufputschende Wirkung zwar rasch einsetzt, allerdings genauso schnell wieder nachlässt. Viele fühlen sich nach dem Konsum weniger fit als vor der Einnahme der Energy Drinks. Der Grund: Der Zucker sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Trinken schnell ansteigt, und in Kombination mit Koffein ein kurzfristiger Energieschub auftritt. Genauso schnell fällt der Blutzuckerspiegel aber wieder ab, und die Wirkung lässt nach. Bei Gaming Boostern, die keinen oder wenig Zucker enthalten, bleibt dieses Phänomen aus oder zeigt sich kaum. Daher können sie für einen länger anhaltenden Energieschub sorgen. Dasselbe gilt natürlich auch für Energy Drinks ohne Zucker. 

Die Menge macht‘s

Die Anbieter von Gaming Boostern sehen in der Kombination der verschiedenen Inhaltsstoffe eine leistungsfördernde Wirkung. Die meisten werblichen Aussagen lassen sich aber wissenschaftlich nicht belegen. Klar ist hingegen die Studienlage bezüglich der anregenden Wirkung von Koffein. Nehmen wir allerdings zu viel Koffein zu uns, kann das wie geschildert zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Einige Gaming Booster weisen hohe Koffeingehalte auf, übersteigen teilweise die von der EFSA empfohlenen Einzeldosis Koffein pro Portion. Wer Gaming Booster konsumiert, sollte daher darauf achten, die maximal empfohlene Einzeldosis von bis zu 200 Milligramm nicht zu überschreiten.

Sind Gaming Booster gesund oder gesundheitsgefährdend? 

Werden Energy Booster Drinks entsprechend der Verzehrsempfehlungen zubereitet und gelegentlich konsumiert, sollten Gaming Booster für gesunde Erwachsene weder gesund noch ungesund beziehungsweise gesundheitsgefährdend sein. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Drinks teilweise sehr viel Koffein enthalten können. Daher sollte die auf der Verpackung angegebene Höchstmenge (Portion pro Tag) nicht überschritten werden. Für Jugendliche und Erwachsene mit geringem Körpergewicht könnte auch die empfohlene Portionsgröße schon zu viel Koffein enthalten. Schwangere und Stillende sollten ebenfalls beim Konsum von größeren Mengen Koffein vorsichtig sein- Auch die Wechselwirkung der Drinks mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln sowie mit Medikamenten oder Alkohol ist bisher nicht geklärt.  

Natürlicher Push: Gaming Booster selber machen

Koffein, Vitamine und ein süß-fruchtiger Geschmack – das alles bieten auch natürliche Lebensmittel.

  • Natürliche Koffeinlieferanten sind insbesondere Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee. Achten Sie auf die Gesamttagesmenge an Koffein, die Sie zu sich nehmen. Eine Übersicht, wie viel Koffein in welchen Lebensmitteln durchschnittlich enthalten ist, finden Sie in der unten stehenden Tabelle.
  • Ein guter Energielieferant sind Bananen. Je reifer sie sind, desto mehr Fruchtzucker enthalten sie – und desto größer fällt der Energieschub aus. Fruchtzucker baut der Körper langsamer ab als herkömmlichen Zucker, dadurch hält der Energieschub länger an. Zudem liefern Bananen eine Reihe an Vitaminen und Mineralstoffen – etwa Vitamin B6, Kalium und Magnesium.
  • Für eine gute Konzentrationsfähigkeit benötigt das Gehirn zudem ausreichend Flüssigkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich zu nehmen. Hierfür eignen sich insbesondere Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees und Saftschorlen im Verhältnis von drei Teilen Wasser zu einem Teil Fruchtsaft. Eine insgesamt gesunde und ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit allen essenziellen Nährstoffen – von Vitaminen über Mineralstoffe bis zu Spurenelementen.

Unser Onlinekurs Ernährung und Vitalität bringt Ihnen eine gesunde Ernährungsweise, die Leistungs-, Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit fördert, auf unterhaltsame und informative Art näher. Übrigens: Für Barmer-Mitglieder ist der Kurs kostenfrei.

Überblick: Der Durchschnittlicher Koffeingehalt verschiedener Getränke und Nahrungsmittel. (Hinweis: Es handelt sich um Näherungswerte, da der Koffeingehalt schwanken kann.)

Getränk

Menge

Koffein pro Portion

Filterkaffee

eine Tasse (200 ml)

90 mg

Energy Drink

eine Dose (250 ml)

80 mg

Espresso

eine Tasse (60 ml)

80 mg

Schwarzer Tee

eine Tasse (200 ml)

45 mg

Cola-Getränk

eine Dose (330 ml)

35 mg

Grüner Tee

eine Tasse (200 ml)

30 mg

Zartbitterschokolade

eine halbe Tafel

25 mg

Vollmilchschokolade

eine halbe Tafel 

10 mg

Literatur und weiterführende Informationen

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