Ein Junge hält sich ein Taschentuch vor die Nase.
Allergie

Allergien bei Kindern: Symptome erkennen, richtig einordnen, früh handeln

Lesedauer weniger als 6 Min

Redaktion:

Barmer

Qualitätssicherung:

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)

Die Haut juckt plötzlich, die Nase läuft ständig oder dein Kind reagiert nach dem Essen mit Bauchschmerzen? Dann stellst du dir wahrscheinlich die Frage: Ist das harmlos oder steckt eine Allergie dahinter? Genau das macht Allergien bei Kindern so schwierig. Viele Symptome sehen erst einmal aus wie eine Erkältung, eine empfindliche Haut oder ein sensibler Bauch.

Was sind Allergien bei Kindern?

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe.

Typisch ist dabei:

  • Der Körper stuft einen Stoff fälschlich als gefährlich ein
  • Beim ersten Kontakt passiert oft noch nichts
  • Beim nächsten Kontakt reagiert das Immunsystem deutlich

Die Folge: Symptome wie Hautreaktionen, Atemprobleme oder Verdauungsbeschwerden.

Woran erkennst du eine Allergie bei deinem Kind?

Allergien bei Kindern sehen oft unspezifisch aus, genau das macht sie schwer erkennbar. Grundsätzlich sind die Symptome ähnlich wie bei Erwachsenen, aber sie werden häufig anders interpretiert.

Allergologin Barbara Mühlfeld erklärt zum Beispiel beim Thema Heuschnupfen: "Pollen von Frühblühern wie Birke oder Erle fliegen oft schon im Januar oder Februar". Und genau das ist auch die typische Erkältungszeit. 

Viele Eltern vermuten also hinter der laufenden Nase ihres Kindes eine gewöhnliche Erkältung und hinter den geröteten Augen eine Bindehautentzündung.

Wichtig für dich:
Wenn Beschwerden länger als ein paar Tage anhalten oder immer wieder auftreten, solltest du genauer hinschauen.

Typische Allergie-Symptome bei Kindern

Allergien können sich an verschiedenen Stellen im Körper zeigen:

Haut

  • Juckreiz
  • Rötungen
  • Ekzeme

Atemwege

  • laufende oder verstopfte Nase
  • Niesen
  • Husten
  • Atemprobleme

Magen-Darm

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Erbrechen

Oft treten mehrere Symptome gleichzeitig auf.

 

Neurodermitis bei Kindern: oft ein erster Hinweis

Neurodermitis gehört zu den häufigsten allergischen Erkrankungen im frühen Kindesalter.

Typisch:

  • tritt oft schon im Babyalter auf
  • verläuft in Schüben
  • verursacht starken Juckreiz

Zu Beginn zeigt sich häufig sogenannter Milchschorf:

  • schorfige Haut im Gesicht
  • Rötungen
  • nässende Ekzeme

Regelmäßiges Eincremen (2x täglich) stärkt die Hautbarriere und kann helfen, die Symptome zu verbessern.

Nahrungsmittelallergie bei Kindern: häufig schwer zu erkennen

Nahrungsmittelallergien sind besonders tückisch, weil die Symptome sehr unterschiedlich sind.

Barbara Mühlfeld beschreibt es so: "Noch schwieriger wird es bei leichten Nahrungsmittelallergien." Die Symptome können bei einer Nahrungsmittelallergie oft sehr unspezifisch sein, etwa Bauchschmerzen oder Durchfall. "Beides kommt im Kindesalter sehr häufig vor so dass es oft lange dauert, bis Eltern an eine Allergie denken und noch länger bis sie die Allergene identifiziert haben."

Typische Anzeichen nach dem Essen

  • Juckreiz oder Rötung der Haut
  • geschwollene Lippen oder Zunge
  • Brennen im Mund oder Hals
  • Bauchprobleme
  • Erbrechen

Tipp: Ein Ernährungstagebuch kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen.

Heuschnupfen bei Kindern

Wenn dein Kind:

  • häufig niest
  • tränende Augen hat
  • eine laufende Nase hat

kann das Heuschnupfen sein. Wird Heuschnupfen nicht behandelt, kann er sich verschlimmern.

Das nennt man Etagenwechsel: Die Allergie wandert von den oberen Atemwegen in die Bronchien und Asthma kann entstehen.

Was hilft im Alltag bei Pollenallergie?

  • nur kurz lüften (am besten nach Regen)
  • abends Haare waschen
  • Kleidung wechseln
  • Fenster im Auto geschlossen halten
  • Pollenfilter nutzen

Bei hoher Belastung: möglichst drinnen bleiben.

Allergisches Asthma bei Kindern

Asthma kann sich aus unbehandelten Allergien entwickeln.

Typische Symptome:

  • pfeifende Atmung
  • Husten
  • Engegefühl in der Brust
  • Luftnot

Bei etwa der Hälfte der Kinder bessert sich Asthma später, trotzdem sollte es früh behandelt werden.

Wann solltest du dein Kind auf eine Allergie testen lassen?

Kurz gesagt: sobald du den Verdacht hast.

Barbara Mühlfeld sagt dazu: "Bemerken Eltern bei ihrem Kind Symptome, die zu einer Allergie passen, sollten sie unbedingt einen Allergietest beim Arzt oder der Ärztin durchführen lassen." Je eher eine Allergie festgestellt wird, desto früher können Ärzte sowie Ärztinnen und Eltern Gegenmaßnahmen einleiten und etwa den auslösenden Reiz vermeiden.

Fakten zum Allergietest

  • Es gibt kein Mindestalter
  • Tests sind jederzeit möglich
  • Frühes Testen ist sinnvoll

"Einen Allergietest kann man bei Kindern zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens durchführen, ein Mindestalter gibt es nicht. Es ist ein viel verbreiteter Irrtum, dass es keinen Sinn machen würde, früh zu testen." sagt Barbara Mühlfeld.

Wie entsteht eine Allergie bei Kindern?

Allergien entwickeln sich in zwei Schritten:

  1. Erstkontakt (Sensibilisierung)
    Der Körper stuft Stoff als gefährlich ein
  2. Zweitkontakt
    Es erfolgt eine Reaktion des Immunsystems

Prinzipiell kann fast jeder Stoff eine Allergie auslösen.

Kannst du Allergien bei deinem Kind verhindern?

Nicht komplett, aber du kannst viel beeinflussen.

Barbara Mühlfeld erklärt: "Früher war unsere Devise mal, dass Nahrungsmittel, die potenziell allergen sind, erst ganz spät in die Beikost integriert werden sollten. Jetzt gibt es sogar Hinweise, dass genau das Gegenteil gut sein könnte. Wenn man es in dieser Phase nicht mit den Fremd-Allergenen konfrontiert, kann es passieren, dass man eine Allergie vielleicht sogar eher fördert."

Was du konkret tun kannst

  • nicht rauchen (auch in der Schwangerschaft)
  • ausgewogen ernähren
  • Beikost normal einführen (nicht vermeiden)
  • keine Katze bei hohem Allergierisiko
  • natürliche Umweltkontakte zulassen

Stichwort: Hygiene-Hypothese
Ein gewisser Kontakt zu Keimen kann das Immunsystem stärken. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener an Heuschnupfen oder Asthma erkranken. Expertinnen und Experten vermuten, dass ein gewisser Kontakt zu Schmutz und Keimen wichtig für eine gesunde Entwicklung des Immunsystems ist.

Welche Allergien sind bei Kindern am häufigsten?

Die häufigsten sind:

  • Neurodermitis
  • Heuschnupfen
  • allergisches Asthma
  • Nahrungsmittelallergien

Etwa jedes sechste Kind ist betroffen.

Typische Entwicklung

  • Baby: Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien
  • Grundschule: Heuschnupfen
  • später: Asthma möglich

Häufige Fragen und Antworten zu Allergien bei Kindern

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe (Allergene). Bei Kontakt mit dem Allergen reagiert der Körper übermäßig, was zu verschiedenen Beschwerden wie Hautausschlag, Atemwegsproblemen oder Verdauungssymptomen führen kann.

Zu den häufigsten Allergien und allergischen Erkrankungen bei Kindern gehören:

  • Neurodermitis (ekzematöse Hautveränderungen)
  • Heuschnupfen (allergische Rhinitis)
  • Allergisches Asthma
  • Nahrungsmittelallergien
    Diese Erkrankungen zeigen altersabhängige Muster: Babys haben oft Neurodermitis, Schul- und Jugendkinder häufiger Heuschnupfen oder Tierhaarallergien.

Die Symptome hängen von der Allergieform ab:

  • Neurodermitis: rote, juckende Haut, z. B. Milchschorf bei Babys.
  • Nahrungsmittelallergie: Hautausschlag, Schwellungen, laufende Nase, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall.
  • Heuschnupfen: tränende, juckende Augen, Niesen, laufende oder verstopfte Nase.
  • Allergisches Asthma: Husten, pfeifende Atmung und Atemnot.
Ein Allergietest sollte durch den Kinderarzt oder Allergologen durchgeführt werden, sobald Symptome auftreten, die auf eine Allergie hindeuten. Ein Test kann in jedem Alter erfolgen und hilft, die auslösenden Allergene zu identifizieren, damit geeignete Maßnahmen ergriffen werden können.

Bei einem Allergietest untersucht der Arzt den Verdacht auf spezifische Allergene anhand verschiedener Methoden:

  • Hauttest (z. B. Prick-Test) mit Allergenlösung auf der Haut
  • Bluttest zur Messung von Antikörpern
  • Provokationstest bei unklaren Ergebnissen
    Diese Tests zeigen, ob und gegen welche Stoffe das Kind allergisch reagiert.

Ob und welche Allergie ein Kind entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • genetische Veranlagung (Familienanamnese von Allergien)
  • Umgebung und Kontakt mit möglichen Allergenen
  • frühere Kontakte mit Umwelt- und Nahrungsstoffen
    Allergien können auch im Verlauf der Kindheit neu auftreten oder sich verändern.
Ja. Die Neigung zu Allergien (Atopie) kann genetisch vererbt werden. Wenn ein oder beide Elternteile atopisch sind, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Kind ebenfalls allergische Reaktionen entwickelt.
Es gibt keine absolute Garantie zur Vermeidung von Allergien. Während frühere Empfehlungen zur extremen Vermeidung bestimmter Allergene überholt sind, wissen Experten und Expertinnen heute, dass Ausgewogenheit und natürliche Umwelteinflüsse wichtig sind. Dazu gehören u. a. eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft, kein passivem Rauch aussetzen und eine altersgerechte Einführung verschiedener Lebensmittel in der Beikostphase.

Allergische Beschwerden können ähnlich wie eine Erkältung aussehen (z. B. laufende Nase oder Niesen), unterscheiden sich aber häufig durch:

  • längere Dauer ohne typische Erkältungsverläufe
  • klare Auslöser (z. B. Pollen saisonabhängig)
    Bei länger anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden sollte eine allergologische Abklärung erfolgen.

Literatur

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren